Kurzantwort
Eine Kilowattstunde erscheint in SAP IS-U zuerst als Zählerstand in einem Ablesebeleg. Die Abrechnung bewertet die Differenz zweier Stände mit dem Tarif und schreibt einen Abrechnungsbeleg je Vertrag. Die Fakturierung bündelt Abrechnungsbelege je Vertragskonto zu einem Druckbeleg und bucht einen Beleg im Vertragskontokorrent FI-CA (englisch Contract Accounting). Dort steht die Forderung als offener Posten, bis die Zahlung sie ausgleicht. SAP Learning nennt die Ablesung den ersten Schritt von Meter-to-Cash (SAP Learning, Ableseprozess). Jede Station hat eigene Belege und eigene Transaktionen, und jede Station ist ein Ort, an dem man eine Frage zur Rechnung beantworten kann.
Dieser Artikel führt die Kette einmal mit Zahlen durch. Die Tiefe zu den Stationen liefern Ableseprozess in SAP IS-U, Abrechnungssteuerung, Fakturierung und die Belegkette mit allen Verbindungsfeldern.
Die Kette in fünf Stationen
Die fünf Stationen arbeiten auf drei Ebenen. SAP Learning unterscheidet den Ableseauftrag je Zählwerk, den Abrechnungsauftrag und den Abrechnungsbeleg je Vertrag sowie den Fakturierungsbeleg je Vertragskonto (SAP Learning, Ableseprozess). Wer eine Rechnung prüft, steigt also an der Ebene ein, auf der die Frage entsteht.
Station 1: Ableseauftrag
Der Ableseauftrag entsteht aus dem Termin einer Ableseeinheit. EL01 erzeugt die Aufträge, EL06 als Massenlauf. Der Ablesebeleg in EABL startet im Status 0 „Auftrag angelegt“. Zugleich legt das System bei periodischen Ablesungen den Abrechnungsauftrag in ETRG an. Er beginnt als „nicht abrechenbar“ (Status 1) (SAP Learning). Wann der Termin fällig wird, steuern Portion und Ableseeinheit; das erklärt Abrechnungs- und Ableseaufträge.
Station 2: Ableseergebnis
Der Ableser, der Kunde oder ein Gerät liefert den Zählerstand. Erfasst wird er zum Beispiel mit EL28 (Einzelerfassung) oder EL20 (Schnellerfassung). Das System prüft jede Erfassung im Hintergrund auf Plausibilität. Ist der Stand plausibel, bekommt der Ablesebeleg den Status 1, ist er auffällig, den Status 2 „gesperrt“. Nach Korrektur oder Freigabe gilt Status 4. Ein plausibles oder freigegebenes Ergebnis macht den Abrechnungsauftrag abrechenbar (Status 2). Gesperrte Ergebnisse listet EL70, korrigiert werden sie mit EL27.
Im Beispiel steht am Ende des Abrechnungsjahres ein Zählerstand von 13.200 kWh im Beleg. Der Stand ist noch kein Verbrauch. Den Verbrauch bildet erst die Abrechnung aus der Differenz zum vorherigen Stand.
Station 3: Abrechnung
Die Abrechnung läuft je Vertrag. Einzeln startet sie mit EA00 (auf Wunsch als Simulation), als Massenaktivität mit EA38. Sie ersetzt den Abrechnungsauftrag durch einen Abrechnungsbeleg und setzt den Ablesebeleg von Status 1 oder 4 auf Status 7 „abgerechnet“ (SAP Learning). Der Abrechnungsbeleg steht im Kopf in ERCH mit Zeitraum, Vertrag, Vertragskonto und Geschäftspartner, die Zeilen in DBERCHZ1 je Zeitscheibe und Preisschritt. Anzeigen lässt er sich mit EA22.
Welcher Tarif gilt und wie das System ihn findet, erklärt Tariffindung und Tarifierung. Fehlt ein Ableseergebnis zum Termin, kann eine Hochrechnung einspringen; das Prinzip steht in Hochrechnung.
Station 4: Fakturierung
Die Fakturierung arbeitet je Vertragskonto. Sie fasst die Abrechnungsbelege mehrerer Verträge, Leistungen und Zeiträume zu einer Rechnung zusammen und erzeugt zwei Dinge: den Druckbeleg für den Rechnungsdruck und den Beleg im Vertragskontokorrent für die Buchung (SAP Learning, Invoicing). Der Druckbeleg liegt im Kopf in ERDK, seine Zeilen in DBERDL. Der FI-CA-Beleg beginnt mit DFKKKO. Erstellt wird die Rechnung mit EA19, massenweise mit EA26. Beim statistischen Abschlagsverfahren gleicht sie bezahlte Abschläge gegen die Rechnung aus; wie Abschläge entstehen, erklärt Abschlagsplan verstehen. Fällt ein Beleg bei einer Prüfung auf, hält ihn die Aussteuerung an; die Tabelle ERDO führt Beleg und Grund.
Station 5: Vertragskonto
Das Vertragskontokorrent führt die Forderung als Posten. DFKKOP trägt Geschäftspartner (GPART), Vertragskonto (VKONT), Vertragsreferenz (VTREF), Betrag, Fälligkeit (FAEDN) und Ausgleichsstand (AUGST). Den Stand zeigt FPL9 „Kontenstand anzeigen“. Zahlungen und Mahnungen laufen ab hier in FI-CA: Zahlungseingang und Mahnwesen beschreiben das. Die Verbindung zwischen Druckbeleg und FI-CA-Beleg stellt die Tabelle ERDB her. ERDK-OPBEL und DFKKOP-OPBEL sind verschiedene Nummern.
Beispiel: eine Jahresrechnung mit Nachforderung
Vereinfachtes Beispiel, alle Preise und Nummern frei gewählt. Der Vertrag läuft über ein Abrechnungsjahr. Der letzte Stand lag bei 10.000 kWh, der neue Stand ist 13.200 kWh. Der Tarif hat 0,30 € je kWh Arbeitspreis und 120,00 € Grundpreis im Jahr, alle Bestandteile in einem Brutto-Preis zusammengefasst.
| Schritt | Rechnung |
|---|---|
| Verbrauch | 13.200 kWh − 10.000 kWh = 3.200 kWh |
| Arbeitspreis | 3.200 kWh × 0,30 € = 960,00 € |
| Summe mit Grundpreis | 960,00 € + 120,00 € = 1.080,00 € |
| Bezahlte Abschläge | 12 × 80,00 € = 960,00 € |
| Offener Posten | 1.080,00 € − 960,00 € = 120,00 € |
Im System entstehen der Ablesebeleg (Status 7 nach der Abrechnung), der Abrechnungsbeleg mit Zeilen für Arbeits- und Grundpreis, der Druckbeleg über 1.080,00 € und der FI-CA-Beleg. Der Kontenstand in FPL9 zeigt nach der Verrechnung 120,00 € als offenen Posten mit Fälligkeit. Ein Preis, der sich im Jahr ändert, zerlegt die Zeilen in Zeitscheiben; das zeigt Tarifwechsel, Preisänderung und Gültigkeit. Steuern und Umlagen im echten Preis erklärt Steuern und Umlagen in der Abrechnung.
Wo es hängen bleibt
- Kein plausibler Stand. Der Abrechnungsauftrag bleibt „nicht abrechenbar“. Prüfen: Status des Ablesebelegs in EABL, Liste in EL70.
- Abrechnung bricht ab. Es entsteht kein Abrechnungsbeleg in ERCH. Das Protokoll des Abrechnungslaufs nennt die Ursache, Abrechnungssteuerung erklärt die Läufe.
- Rechnung wartet. Der Abrechnungsbeleg existiert, aber kein Druckbeleg gebucht: ERDO prüfen, ob die Aussteuerung den Beleg hält.
- Forderung fehlt im Konto. Druckbeleg vorhanden, Posten nicht auffindbar: über ERDB zum FI-CA-Beleg gehen, nicht über die gleiche Nummer in DFKKOP.
- Falsche Rechnung. Storno und Korrektur laufen über den Abrechnungsstorno; Storno und Korrektur zeigt den Weg.
Typische Missverständnisse
„Die Rechnung rechnet das System.“ Die Abrechnung rechnet, die Fakturierung bildet daraus die Rechnung. Der Betrag steht schon im Abrechnungsbeleg, bevor ein Druckbeleg existiert.
„Abrechnung und Fakturierung sind ein Lauf.“ Es sind zwei Läufe auf zwei Ebenen: der Abrechnungsbeleg gilt je Vertrag, der Druckbeleg je Vertragskonto (SAP Learning).
„Die Fakturierung ändert den Ablesebeleg.“ Die Abrechnung setzt Status 7, die Fakturierung hat laut SAP Learning keinen Einfluss auf den Status des Ablesebelegs.
„Der offene Posten ist die Rechnung.“ Der Posten ist die Forderung im Nebenbuch. Die Rechnung ist der Druckbeleg. Beide hängen über ERDB zusammen.
Quellen und Pflegehinweis
Statuswerte, Ebenen und die Rollen der Läufe stammen aus SAP Learning, Tabellen und Transaktionen aus dem Katalog des Atlas (Tabellen, Transaktionen). Das Zahlenbeispiel ist erfunden und nur zum Nachrechnen gedacht. Offen: Details zum Hauptbuch-Übergang (siehe Belegkette) und das Verhalten bei Abschlagsverfahren außer dem statistischen.