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SAP Utilities & Betrieb

Tariffindung und Tarifierung in SAP Utilities

Wie SAP IS-U zur Laufzeit den Tarif eines Zählwerks findet und ihn in der Abrechnung rechnet: Tariftyp der Anlage, Tarifart des Zählwerks, Tarifschritte mit Variantenprogrammen, Operandenwerte und Schema.

Auf dieser Seite9 Abschnitte

Kurzantwort

Die Tariffindung beantwortet zur Laufzeit eine Frage: Welcher Tarif gilt für dieses Zählwerk zu diesem Zeitpunkt? Das System liest dazu die Tarifart am Zählwerk und den Tariftyp an der Anlage und führt beide über die historisch gepflegte Tariffindung zum Tarif. Die Tarifierung rechnet diesen Tarif anschließend: Jeder Tarifschritt ruft ein Variantenprogramm auf, das Operanden mit Preisen und Mengen verrechnet. Das Abrechnungsschema des Tariftyps bestimmt die Reihenfolge der Schritte. Das Ergebnis sind Zeilen im Abrechnungsbeleg. Das Modell der Begriffe zeigt Tarifart, Tarif und Tariftyp; dieser Artikel beschreibt, was daraus im Abrechnungslauf wird.

Zwei Namen, die SAP Learning vertauscht

Das Datenwörterbuch nennt den Tariftyp (englisch rate category) und die Tarifart (englisch rate type). Der Tariftyp klassifiziert die Anlage, die Tarifart das Zählwerk oder Gerät (SAP Datasheet TARIFTYP, SAP Datasheet TARIFART). Die deutsche Fassung der SAP-Learning-Kurse übersetzt rate category mit „Tarifkategorie“ und rate type mit „Tariftyp“ und vertauscht damit die Begriffe gegenüber dem System. Wer Kursunterlagen und Systemfelder vergleicht, orientiert sich an der englischen Bezeichnung oder am Feldnamen TARIFTYP und TARIFART.

Tariffindung: Was in die Suche eingeht

Die Tariffindung ist keine Formel, sondern eine Zuordnung mit Gültigkeit. Die SAP-Dokumentation beschreibt die Kette Zählwerk, Tarifart, Tariffindung, Tarif (SAP Learning, Identifying Billing Master Data). Die Tarifart lässt sich laut Datenwörterbuch einem Zählwerk, Gerät, Tariftyp oder einer Anlage zuordnen; die Tariffindung hängt dabei vom Tariftyp der Anlage ab.

Eingang Wo er liegt
Tariftyp Zeitabhängig an der Anlage: Feld TARIFTYP in EANLH, Stammsatz in ETTA
Tarifart Zeitabhängig am Zählwerk: Feld TARIFART in EASTS, am Gerät in EASTL
Abrechnungsschema Aus dem Tariftyp: Feld SCHEMANR in ETTA, Kopfsatz in ESCH
Tarif Stammsatz in ETRF mit Sparte, Abrechnungsklasse und Operand

Weil Tariftyp und Tarifart in Tabellen mit Von-Bis-Datum stehen (AB und BIS in EANLH und EASTS), findet die Tariffindung für jeden Zeitpunkt der Abrechnungsperiode einen Tarif. Was an einem Stichtag passiert, behandelt Tarifwechsel, Preisänderung und Gültigkeit.

Die Transaktion EA87 („Tariffindung“) zeigt, welchen Tarif das System für einen Vertrag gefunden hat. Sie ist die schnellste Probe, wenn ein Zählwerk mit dem falschen Tarif abgerechnet wird.

Was die Tarifierung rechnet

Der gefundene Tarif besteht aus Tarifschritten. Jeder Schritt verbindet ein Variantenprogramm mit Eingabe- und Ausgabeoperanden. Variantenprogramme sind laut SAP die elementaren Rechenschritte, etwa Verbrauch mal Preis, Ermittlung des Grundpreises oder Ermittlung des Mietpreises. Manche rechnen abrechnungsrelevante Werte und erzeugen Zeilen, andere setzen nur Werte um und reichen sie an folgende Varianten weiter (SAP Learning, Abrechnung und Fakturierung ausführen).

Ein Operand ist ein Name für Werte, die ein Variantenprogramm ein- oder ausgibt. Jeder Operand gehört zu genau einer Sparte und hat eine Kategorie, zum Beispiel Menge, Betrag, Preis oder Faktor. Die Kategorien gibt SAP vor (SAP Learning, Identifying Billing Master Data). Der Operand-Stammsatz liegt in TE221. Den Wert trägt er nicht: Der steht zeitscheibenweise in den Fakten, etwa in ETTIFN.

Die Werte liegen auf drei Ebenen: Anlagefakten, Tariftypfakten (in den deutschen Lernunterlagen „Tarifkategorie-Fakten“) und Tariffakten. Anlagefakten haben Vorrang vor Tariftypfakten, diese vor Tariffakten. Eine Tariffaktengruppe fasst Operandenwerte zusammen, die an einer Tarifart hängen. Preise stehen im Preisstamm (EPREI) als Standard-, Block- oder Staffelpreis. Bei Blockpreisen bewertet das System die Menge je Intervall mit dem jeweiligen Preis, bei Staffelpreisen die gesamte Menge mit dem Preis, der zur Gesamtmenge passt.

Das Abrechnungsschema legt fest, in welcher Reihenfolge die Variantenprogramme der Tarife ausgeführt werden. Es steht im Tariftyp und gilt für alle Tarife, die gemeinsam abgerechnet werden können.

Von den Stammdaten zur Rechnungszeile. Die Tariffindung wählt den Tarif aus, die Tarifschritte rechnen ihn auf die Menge. Unter jedem Namen stehen die Tabellen des Projektkatalogs.

Wo die Tarifierung im Abrechnungslauf sitzt

SAP Learning beschreibt den Lauf in sechs Schritten: Datensammlung, Proportionalisierung, Mengenumrechnung, Mengenbewertung, Prüfung der Ergebnisse, Erzeugung der Belege (SAP Learning, Understanding Billing Processes). Tarife und Variantenprogramme laufen erst in der Mengenbewertung. Eine falsche Menge oder eine falsch geteilte Periode entsteht davor. Wie die Menge zustande kommt, steht in Abrechnungsmenge, der Lauf als Ganzes in Verbrauchsabrechnung verstehen.

Beispiel: Haushalt mit Hoch- und Niedertarif

Vereinfachtes Lernmodell mit frei gewählten Zahlen, keine Marktwerte. Ein Haushalt hat einen Zweitarifzähler mit zwei Zählwerken. Das Hochtarif-Zählwerk trägt eine Tarifart für Spitzentarif, das Niedertarif-Zählwerk eine für Niedertarif. Die Anlage trägt einen Tariftyp „Haushalt“, dessen Schema beide Tarife gemeinsam abrechnet. Die Tariffindung führt jedes Zählwerk zu seinem Tarif. Abrechnungsperiode: 365 Tage.

  • Schritt 1, Grundpreis ermitteln: 96,00 € je Jahr bei 365 von 365 Tagen = 96,00 €.
  • Schritt 2, Verbrauch mal Preis (Hochtarif): 1.800 kWh × 0,32 €/kWh = 576,00 €.
  • Schritt 3, Verbrauch mal Preis (Niedertarif): 1.200 kWh × 0,24 €/kWh = 288,00 €.
  • Summe der Zeilen: 960,00 € netto.

Die Zeilen entstehen im Abrechnungsbeleg ERCH mit den Positionen in DBERCHZ1. Die Namen der drei Rechenschritte sind hier beschreibend gemeint. Welche Variantenprogramme ein System tatsächlich ausliefert, zeigt die Auswertung der Varianten (EA99, „Auswertung Varianten“).

Zwei Besonderheiten:

  • Der Grundpreis braucht keine gemessene Menge. Pauschalen arbeiten mit einem Ersatzwert, etwa der Zahl der Straßenleuchten.
  • Jede Zeile braucht einen statistischen Tarif. Er verteilt Erlöse und Mengen der Tarifschritte auf Tarife für die Verkaufsstatistik (SAP Learning, Identifying Billing Master Data).

Fehlersuche: wo ein falscher Betrag entsteht

Symptom Zuerst prüfen
Falscher Tarif EA87 für den Vertrag, dann Tarifart am Zählwerk (EASTS) und Tariftyp der Anlage (EANLH) zum Stichtag
Preis falsch, Menge stimmt Preisstamm und Preisstufe, Gültigkeit der Preiszeitscheibe
Menge falsch Mengenumrechnung vor der Tarifierung: Zählerfaktor, Wandlerverhältnis
Zeile fehlt Ist der Tarifschritt optional? Steht er im Tarif?
Abbruch mit Protokolleintrag Fehlt ein Operandenwert für den ganzen Zeitraum des Schritts?
Betrag stimmt, Rechnung nicht Ursache liegt in der Fakturierung: Bündelung mehrerer Verträge

Fehlt ein Operandenwert, bricht die Abrechnung ab und schreibt einen Eintrag ins Anwendungsprotokoll. Ausgenommen sind Tarifschritte, die im Tarif als optional markiert sind: Sie entfallen, und der nächste Schritt läuft. Das Protokoll des Abrechnungslaufs zeigt EABI („Anzeige des Abrechnungs- und Fakturierungslogs“).

Typische Missverständnisse

„Tariftyp und Tarifart sind dasselbe.“ Der Tariftyp hängt an der Anlage und trägt das Schema, die Tarifart am Zählwerk und führt zum Tarif.

„Die Tariffindung rechnet.“ Sie wählt nur aus. Gerechnet wird in den Tarifschritten.

„Das Schema ist nur Verwaltung.“ Es bestimmt die Reihenfolge der Variantenprogramme. Manche setzen nur Werte, die spätere Varianten brauchen, eine vertauschte Reihenfolge ändert den Betrag.

„Preise sind frei konfigurierbar.“ Preise pflegen Sie fachlich. Die Kategorien von Preisen und Operanden gibt SAP vor.

Quellen und Pflegehinweis

Die SAP-Aussagen stützen sich auf die SAP-Learning-Kurse zu Abrechnungsstammdaten und Abrechnungsprozess, die Datenwörterbuch-Einträge zu TARIFTYP und TARIFART und den Tabellen- und Transaktionskatalog dieses Atlas. Ungeprüft sind die Namen einzelner Variantenprogramme und der Customizing-Pfad im eigenen System; die Pflege der Stammdaten liegt im Einführungsleitfaden unter Vertragsabrechnung, Abrechnungsstammdaten (Customizing-Baum). Das Datenwörterbuch trägt für TARIFTYP und TARIFART den Stand 2005; für S/4HANA Utilities sind die Feldnamen hier nicht geprüft. Zum Anlegen der Bausteine siehe Tarife anlegen und ändern. Vertiefungen: Das Tarifmodell im Zusammenhang, Abrechnungsschema und Variantenprogramme, Operanden und Anlagefakten, Preise und Rabatte, Zuschläge und Abrechnungszeilen.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. SAP Learning – Identifying Billing Master Data in SAP Utilitieslearning.sap.com
  2. SAP Learning – Understanding Billing Processes and Master Data in SAP Utilitieslearning.sap.com
  3. SAP Learning – Abrechnung und Fakturierung ausführen (SAP S/4HANA Utilities)learning.sap.com
  4. SAP Datasheet – Data Element TARIFTYP (Rate category), Wertetabelle ETTAsapdatasheet.org
  5. SAP Datasheet – Data Element TARIFART (Rate Type), Wertetabelle TE069sapdatasheet.org
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