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SAP Utilities & Betrieb

Ableseprozess in SAP IS-U

Wie eine Ablesung im System läuft: Auftrag erzeugen, ausgeben, Ergebnis erfassen, Plausibilität prüfen, korrigieren oder schätzen, bis die Abrechnung den Ablesebeleg verbraucht.

Auf dieser Seite12 Abschnitte

Kurzantwort

Der Ableseprozess in SAP IS-U ist eine Kette aus fünf Schritten: Auftrag erzeugen (EL01 oder EL06), Auftrag ausgeben (EL16), Ergebnis erfassen (EL20, EL22 oder EL28), Plausibilität prüfen (EL32) und das Ergebnis bei Bedarf korrigieren, freigeben oder schätzen. Alles hängt am Ablesebeleg in der Tabelle EABL, dessen Status den Bearbeitungsstand trägt. Ein plausibles oder freigegebenes Ergebnis macht den zugehörigen Abrechnungsauftrag in ETRG abrechenbar. Die Abrechnung selbst setzt den Ablesebeleg zuletzt auf „abgerechnet“.

Einordnung

Dieser Artikel beschreibt den Ablauf von der Auftragserstellung bis zur Abrechnung. Den Gesamtweg bis zum offenen Posten mit Zahlenbeispiel zeigt Der Weg einer Kilowattstunde durch SAP IS-U. Wann ein Auftrag fällig wird, regelt die Terminsteuerung über Portion und Ableseeinheit; sie steht im Artikel Abrechnungs- und Ableseaufträge und in der Abrechnungssteuerung. Welche Ablesearten und Fristen der Markt vorgibt, erklären Zählerablesung und Ablesearten und Ableseturnus und Messintervall. Wie die Abrechnung mit dem Ergebnis rechnet, zeigt Verbrauchsabrechnung verstehen. Der Wortlaut „Ableseauftrag“, „Ablesebeleg“ und „Abrechnungsauftrag“ steht im Glossar. Vertiefungen zu einzelnen Schritten: Terminsteuerung, Ableseauftrag und Ableseergebnis, Plausibilitätsprüfung, Ablesegründe und Sonderfälle der Verbrauchsermittlung.

Die SAP-Quellen sind zwei SAP-Learning-Lektionen zu SAP S/4HANA Utilities. Statuswerte und Abläufe stammen von dort; die Tabellen und Transaktionen sind dem Projektkatalog entnommen und dort mit Verzeichnisquellen belegt.

Welche Objekte beteiligt sind

Objekt und Tabelle Schlüssel und Inhalt
Ablesebeleg: EABL ABLBELNR; Gerät, Zählwerk, Ablesedatum, Zählerstand, Ablesestatus (ABLSTAT), Ableseart (ISTABLART), Plausibilität (PRUEFPKT), Schätzverfahren (SCHAEVER)
Grund je Anlage: EABLG ABLBELNR, ANLAGE, ABLESGR; Ableseeinheit, geplantes Ablesedatum
Ablesegründe: TE609 Schlüssel ABLESGR
Abrechnungsauftrag: ETRG ANLAGE, ABRDATS, ABRVORG; Status TRIGSTAT, Portion, Ableseeinheit

Der Ablesebeleg gehört zu einem Zählwerk, so beschreibt es SAP Learning (Ableseprozess demonstrieren). Ein Beleg kann über EABLG mehrere Anlagen und Gründe betreffen. Der Abrechnungsauftrag ist dort „auf Vertragsebene“ beschrieben; der Katalog führt ETRG mit der Anlage im Schlüssel. Beide Angaben stehen nebeneinander, die Lektionen und die Tabelle sagen nichts über das Zusammenspiel bei Anlagen mit mehreren Verträgen.

Die Statuswerte des Ablesebelegs sind laut SAP Learning fest und werden immer vom System gesetzt. Der Katalog nennt zu ABLSTAT nur „Status des Belegs“, die Werte sind dort nicht aufgelistet.

Der Weg des Ablesebelegs

Der Statusweg eines Ablesebelegs. Die Statuswerte stammen aus SAP Learning, Transaktionen und Tabellen aus dem Projektkatalog.

Erzeugen. EL01 erzeugt aus den fälligen Ableseterminen der Ableseeinheiten die Ablesebelege; EL06 tut das als Massenlauf im Hintergrund. Stornieren lässt sich die Erstellung mit EL37. Dabei entsteht der Ablesebeleg mit Status 0 „Auftrag angelegt“. Bei den Gründen 01, 02 und 03 legt das System gleichzeitig Abrechnungsaufträge für die gleichnamigen Abrechnungsvorgänge an (SAP Learning, Ableseprozess demonstrieren). Der Abrechnungsauftrag startet im Status 1 „nicht abrechenbar“.

Ausgeben. EL16 gibt die Belege aus. Mit MDE-Nummer lädt das System sie auf ein mobiles Gerät herunter, ohne druckt es sie (SAP Learning, Ablesung verstehen). Pauschalanlagen und Anlagen mit RTP-Tarif bekommen nur einen Abrechnungsauftrag und keinen Ableseauftrag.

Erfassen. Mehrere Transaktionen führen zum selben Beleg: EL28 für die Einzelerfassung, EL20 für die Schnellerfassung vieler Zählwerke, EL22 mit zusätzlicher Korrektur im Raster. Fehlt für ein Objekt der Auftrag, legt das System ihn bei der Erfassung selbst an, bei Bedarf auch den Abrechnungsauftrag.

Prüfen. Jede Erfassung löst Prüfungen aus, egal ob manuell oder per Upload. EL32 ist die automatische Überwachung, die auffällige Ergebnisse sperrt. EL70 listet die gesperrten Ergebnisse und ist der Arbeitsvorrat für EL27, die Korrektur unplausibler Ergebnisse.

Erfassungsangaben, die man nicht verwechseln darf

Vier Angaben treffen beim Erfassen zusammen:

  • Ablesebeleg: der Datensatz mit Beleg-ID und Status.
  • Ableseergebnis: der Zählerstand eines Zählwerks im Beleg.
  • Ablesegrund (EABLG-ABLESGR, Werte in TE609): ein Festwert, der den auslösenden Prozess benennt, zum Beispiel Turnus oder Auszug.
  • Ableseart (EABL-ISTABLART, Werte in TE436): die Herkunft des Stands, etwa Versorgungsunternehmen, Kunde, Marktkommunikation oder Schätzung.

Der Ablesegrund entscheidet über die Abrechnung. Die Quelle nennt die Gründe 01 Turnusablesung, 02 Zwischenablesung, 03 Auszugsablesung und 05 Gebietsabgabe jeweils „mit Abrechnung“; bei 01 bis 03 entsteht der Abrechnungsauftrag mit dem identischen Abrechnungsvorgang. Weitere Gründe der Lektion sind 06 Einzugsablesung, 08 Installation technisch, 09 Zwischenablesung ohne Abrechnung, 10 Kontrollablesung, 12 Ausbau technisch sowie 21 Anlage und 22 Ausbau abrechnungstechnisch. Ob zu den letzten Gründen ein Abrechnungsauftrag entsteht, sagt die Lektion nicht ausdrücklich (SAP Learning, Ablesung verstehen). Wer es für seinen Fall braucht, prüft es am Ablesegrund im eigenen System.

Rechnungen müssen Anfangs- und Endzählerstand, den Verbrauch und die Art der Ermittlung ausweisen (EnWG § 40 Abs. 2 Nr. 6). Die Ableseart im Beleg ist die Datenbasis dieser Angabe.

Plausibilität: was das System prüft

Die Lektion unterscheidet drei Prüfarten (SAP Learning, Ablesung verstehen):

  • Feste Validierungen laufen immer: unplausible Vorablesung, Abweichung vom Festwert, Rückstellzählwerke.
  • Unabhängige Prüfungen betreffen ein Zählwerk und hängen am Zählwerkstarif, etwa Nullverbrauch, Zahl der Schätzungen oder Kundenablesungen, Benutzungsstunden und Toleranzgrenzen. Toleranzen lassen sich absolut, relativ oder gleitend setzen, getrennt für Warnung und Fehler. Das Ergebnis steht in EABL-PRUEFPKT, die zulässige Zahl von Kundenablesungen und Schätzungen in TE438.
  • Abhängige Prüfungen betreffen zwei Zählwerke und hängen an einer Zählwerksbeziehung (Kopf in EASTIH). Typisch sind die Kontrollregister- und die Verbrauchsverhältnisprüfung für Hoch- gegen Niedertarif. Zählwerke erklärt Register und Zählwerke.

Maßstab ist der Erwartungswert aus der Verbrauchshochrechnung zum tatsächlichen Ablesedatum. Vorhandene Ableseergebnisse haben dabei die höchste Priorität, der Periodenverbrauch die zweite; reicht die Historie nicht, greift der beim Geräteeinbau gepflegte Periodenverbrauch (SAP Learning, Ableseprozess demonstrieren). Die Hochrechnung selbst beschreibt Hochrechnung.

Gesperrt, freigegeben, geschätzt

Ein gesperrtes Ergebnis (Status 2) verändert den Abrechnungsauftrag nicht, er bleibt auf Status 1. Drei Wege führen heraus:

  1. Korrigieren mit EL27 (unplausibel) oder EL29 (bereits plausibel). Das Ergebnis läuft erneut durch die Prüfung.
  2. Freigeben ohne Wertänderung. Das ergibt Status 4. Das passt zu Zählern mit dauerhaft auffälligen, aber richtigen Werten. Die Abrechnung behandelt 1 und 4 gleich.
  3. Schätzen mit EL30 für ein einzelnes Ergebnis oder EL18 „Schätzung ausführen“ für viele. Der Katalog beschreibt EL18 als Schätzung aus dem Verbrauch der Vorjahre. Als Schätzverfahren nennt die Lektion maschinell und interpoliert. Die Überwachung mit EL31 (manuell) und EL32 (automatisch) startet Folgeaktionen nach Zeiträumen; ist keine definiert, schätzt das System selbst (SAP Learning, Ablesung verstehen).

Die gesetzliche Pflicht zur Ersatzwertbildung liegt beim Messstellenbetreiber, wenn innerhalb der Fristen kein wahrer Wert ermittelt werden kann (MsbG § 55 Abs. 2). Die Schätzung im Ablesebeleg setzt das technisch um, ist aber nicht dasselbe wie die Pflicht.

Abrechnung und Storno

Die Abrechnung (EA38 als Massenlauf, danach EA26 für die Rechnung) ersetzt den Abrechnungsauftrag durch einen Abrechnungsbeleg. Dabei setzt sie den Ablesebeleg dynamisch auf 7 „abgerechnet“, ohne den Wert in der Datenbank zu speichern. Wer in EABL nach 7 sucht, findet ihn deshalb nicht (SAP Learning, Ableseprozess demonstrieren).

Ein Vollstorno der Rechnung wirkt in die Ablesung zurück: Die alten Fakturierungs- und Abrechnungsbelege gelten als storniert, und der Ablesebeleg fällt auf 1 oder 4 zurück. Der Ableseergebnisstorno löscht Ableseauftrag, Ableseergebnis und Abrechnungsauftrag; die Erweiterung EDMLELSV kann das Ergebnis vorher in einer kundeneigenen Tabelle sichern (Ablesung verstehen).

Beispiel

Ein Haushalt mit Zweitarifzähler hat zwei Zählwerke, Hochtarif (HT) und Niedertarif (NT). Die Zahlen sind ein vereinfachtes Beispiel.

  1. EL06 erzeugt den Turnusauftrag mit Ablesegrund 01. Es entstehen zwei Ablesebelege mit Status 0, dazu ein Abrechnungsauftrag mit Status 1.
  2. Der Ableser hat ein MDE-Gerät. EL16 lädt die Belege herunter, nach der Ablesung geht das Ergebnis zurück.
  3. HT liegt im erwarteten Band: Status 1. NT ist niedriger als der Vorgängerstand: Status 2, gesperrt.
  4. EL70 zeigt den Fall. Der Ableser hat die Ziffern vertauscht, EL27 korrigiert den Stand, der Beleg läuft durch die Prüfung auf Status 1.
  5. Sobald beide Ergebnisse stehen, ist der Vertrag abrechenbar. EA38 erzeugt den Abrechnungsbeleg und setzt beide Ablesebelege dynamisch auf 7.

Ob der Abrechnungsauftrag erst mit dem letzten plausiblen Ergebnis auf „fakturierbar“ wechselt, beschreibt die Lektion nicht; Schritt 5 unterstellt das und gilt als ungeprüft.

Fehlerfälle

Ein Ergebnis ist da, die Abrechnung wartet. Meist liegt ein Beleg auf Status 2. EL70 zeigt ihn.

Ergebnis ohne Beleg-ID im Upload. Hochgeladen wird über das BAPI BAPI_MTRREADDOC_UPLOAD oder den zugeordneten IDoc-Typ ISU_MR_UPLOAD02 (so die SAP-Hilfe zu ERP 6.0 EHP8; SAP Learning nennt ISU_MR_UPLOAD01, welcher im eigenen Release gilt, zeigt WE30); Identifikation über Beleg-ID oder Seriennummer, Material und Zählwerk. Fehlt die Zuordnung, bleibt das Ergebnis liegen (SAP Learning, Ablesung verstehen).

Der Wert sieht richtig aus und ist es nicht. Ein plausibles Ergebnis hat nur die konfigurierten Prüfungen bestanden. Ein falsch gewählter Erwartungswert lässt auch einen Lesefehler durch.

Geschätzter Wert läuft ungeprüft in die Rechnung. Ohne definierte Folgeaktion schätzt das System selbst. Die Schätzart steht in der Rechnung auszuweisen.

Typische Missverständnisse

Der Ablesestatus zeigt die Datenqualität. Er zeigt den Bearbeitungsstand. Die Herkunft eines Werts steht in der Ableseart.

Ein unplausibles Ergebnis blockiert die Abrechnung dauerhaft. Es blockiert, bis jemand korrigiert, freigibt oder schätzt.

Status 7 steht in der Tabelle. Er wird dynamisch gesetzt und nicht gespeichert.

Quellen und Pflegehinweis

Tragende Quellen sind die beiden SAP-Learning-Lektionen zum Ableseprozess und zur Ablesung, dazu EnWG § 40 und MsbG § 55. Die Lektionen beschreiben SAP S/4HANA Utilities; in älteren IS-U-Releases können Oberflächen abweichen. Bei einem Releasewechsel Statuswerte und Ablesegründe im eigenen System nachprüfen. Rechtsstand EnWG und MsbG: 5. Oktober 2026.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. SAP Learning – Den Ableseprozess demonstrieren (Discovering Business Processes in SAP S/4HANA Utilities)learning.sap.com
  2. SAP Learning – Ablesung verstehen (Configuring Device Management in SAP S/4HANA Utilities)learning.sap.com
  3. Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) § 40 – Rechnungen für Energielieferungengesetze-im-internet.de
  4. Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) § 55 – Messung entnommener und eingespeister Elektrizitätgesetze-im-internet.de
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