Kurzantwort
Wann ein Preis wirksam werden darf, regelt das Recht (Tarifwechsel). Dieser Artikel beschreibt die andere Hälfte: Wie das System den Stichtag abbildet. SAP IS-U führt Preise, die Tarifart am Zählwerk und den Tariftyp an der Anlage zeitabhängig. Eine Änderung ergänzt eine neue Zeitscheibe ab einem Datum. Beim Abrechnen zerlegt das System die Abrechnungsperiode an diesem Datum, Proportionalisierung genannt, und bewertet jeden Teil mit dem Stand seiner Zeit. Welche Änderung welche Zeitscheibe berührt, entscheidet, was Sie nachprüfen müssen.
Wo das System Gültigkeiten führt
- Preis (EPREI): Zeitscheiben im Preisstamm, die Kopfdaten bleiben. Es ändert sich der Wert ab Datum.
- Tarifart am Zählwerk (EASTS): Zeitscheibe mit
ABundBIS. Es ändert sich, welcher Tarif für das Zählwerk gilt. - Tariftyp an der Anlage (EANLH): Zeitscheibe mit
ABundBIS. Es ändern sich Schema und Steuerung der Abrechnung. - Operandenwerte (ETTIFN):
ABundBIS, Werte je Anlage, Operand und Saison. - Tariftyp-Stammsatz (ETTA): im Katalog ohne Zeitscheibe. Er gilt für alle Anlagen mit diesem Tariftyp.
Die Preiszeitscheibe belegt SAP Learning: Bei einer Preisänderung wird die neue Zeitscheibe eingetragen, die Kopfdaten ändern sich nicht (SAP Learning, Identifying Billing Master Data). Die Zeitscheiben der anderen Tabellen leitet der Tabellenkatalog aus den Von-Bis-Feldern ab. Die Tariffindung als Ganzes ist historisch geführt, wie sie arbeitet, steht in Tariffindung und Tarifierung.
Welche Änderung berührt was
Von der Frage, was sich zum Stichtag ändert, hängt ab, wo die neue Zeitscheibe entsteht.
Preisänderung. Der häufigste Fall. Die Kette aus Tarif, Schema, Tariftyp und Tariffindung bleibt, der Preis liefert ab dem Stichtag einen anderen Wert. Das Anlegen beschreibt Tarife anlegen und ändern.
Tarifart-Wechsel am Zählwerk. Das Zählwerk bekommt ab dem Stichtag eine andere Tarifart, die Tariffindung führt dann zu einem anderen Tarif. Typisch bei einem Produktwechsel des Kunden, etwa vom Eintarif zum Zweitarif, oder nach einem Gerätewechsel (Gerätewechsel und Tarifierung).
Tariftyp-Wechsel an der Anlage. Er ändert Schema und Steuerung der Abrechnung. Nach der SAP-Dokumentation werden die Perioden vor und nach dem Wechsel unabhängig voneinander betrachtet, und alle Rechnungspositionen entstehen getrennt je Periode, auch wenn beide Tariftypen dasselbe Schema nutzen. Innerhalb von Rückabrechnungs- und Periodenendabrechnungszeiträumen ist ein Wechsel nicht zulässig (SAP Datasheet TARIFTYP).
Die Zerlegung der Abrechnungsperiode
Im Abrechnungslauf folgt auf die Datensammlung die Proportionalisierung: Haben sich Abgaben, Preise oder Steuern innerhalb des Abrechnungszeitraums geändert, teilt das System den abrechnungsrelevanten Wert, etwa den Verbrauch, zum Änderungsdatum auf (SAP Learning, Understanding Billing Processes). Erst danach bewertet die Mengenbewertung jeden Teil mit den Preisen seiner Zeit. Dasselbe Kapitel nennt drei Verfahren der Zeitsteuerung: tagesgenau, stichtagsbezogen und nach Intervall. Eingestellt wird die Zeitraumsteuerung im Schema, und zwar für jeden Tarifschritt, der zeitabhängig rechnet (SAP-Hilfe, Zeitraumsteuerung); das Customizing liegt unter Vertragsabrechnung, Abrechnungsstammdaten, Tarifgestaltung, Tarife, Zeitraumsteuerung. Die Zuordnung der drei Verfahren zu den Schlüsseln im eigenen System belegt dieser Artikel nicht. Die Schemaseite beschreibt Abrechnungsschema und Variantenprogramme. Im Operandenstamm TE221 führt der Katalog ein Kennzeichen für tagesgenaue Verteilung von Operandenwerten.
Die Menge je Teilperiode kommt aus der Abrechnungsmenge. Liegt am Stichtag kein Zählerstand vor, entsteht die Menge durch Aufteilung; wie das Verfahren die Zeitscheiben bildet, erklärt Abrechnungsmenge.
Beispiel: Preisänderung zum 1. April
Vereinfachtes Beispiel, keine Marktwerte, Verbrauch tagesanteilig aufgeteilt (im System hängt das Verfahren an der Einstellung). Ein Haushalt hat die Abrechnungsperiode 1. Januar bis 30. Juni, das sind 181 Tage. Der Arbeitspreis steigt zum 1. April von 0,30 auf 0,33 €/kWh. Verbrauch im Halbjahr: 1.800 kWh.
- 01.01. bis 31.03.: 90 Tage, 895 kWh × 0,30 €/kWh = 268,50 €.
- 01.04. bis 30.06.: 91 Tage, 905 kWh × 0,33 €/kWh = 298,65 €.
- Summe: 181 Tage, 1.800 kWh, 567,15 € netto.
Beide Teile erscheinen als eigene Zeilen im Abrechnungsbeleg ERCH. Die Zeitscheibe im Preisstamm allein reicht dafür: Tarif, Schema und Tariffindung bleiben unverändert.
Prüfen im System
Die Prüfung läuft von den Stammdaten zum Beleg:
- Tariffindung am Stichtag. EA87 für einen Beispielvertrag zum letzten Tag vor und zum ersten Tag ab dem Stichtag: Findet das System jeweils den erwarteten Tarif?
- Preiszeitscheiben. Beginnt die neue Zeitscheibe am Stichtag, und endet die alte am Tag davor? Die Pflege läuft über EA89 und EA90.
- Probelauf. Die Test-Abrechnung eines Vertrags (EA00) oder die Einzelsimulation (EASISI) rechnet den Zeitraum über den Stichtag.
- Beleg. Der Abrechnungsbeleg (EA22) zeigt beide Teile mit Menge und Preis. Das Protokoll liefert EABI.
- Korrektur. Liegt ein Beleg vor dem Stichtag schon vor, entscheidet Storno und Korrektur, nicht die Stammdatenpflege.
Wie sich eine rückwirkende Änderung rechtlich und rechnerisch auswirkt, beschreibt Rückwirkende Preisänderung. Ein Preiswechsel mitten im Kalenderjahr mit Gewichtung der Menge ist in Preise in SAP IS-U durchgerechnet.
Folgen und Fehlerfälle
- Lücke zwischen Zeitscheiben. Für einen Teilzeitraum fehlt ein Wert. Welche Meldung das System gibt, belegt dieser Artikel nicht; das Protokoll des Abrechnungslaufs zeigt den Fehler. Die Prüfung nach Punkt 1 und 2 findet die Lücke vorher.
- Überlappende Zeitscheiben. Das Verhalten des Systems ist hier ebenfalls nicht belegt; deshalb vorher gegen Überschneidung prüfen, statt auf die Fehlermeldung zu warten.
- Tariftyp-Wechsel im Rückabrechnungs- oder Periodenendzeitraum. Laut SAP unzulässig.
- Änderung am Tariftyp-Stammsatz statt Wechsel. ETTA trägt keine Zeitscheibe, die Änderung wirkt auf alle Anlagen mit diesem Tariftyp.
- Zählwerk behält die alte Tarifart. Nach einem Produktwechsel ist die Tarifart am Zählwerk nicht umgestellt; die Anlage rechnet weiter im alten Tarif. EA87 zeigt es.
Typische Missverständnisse
„Ein neuer Preis gilt für die ganze Abrechnungsperiode.“ Er gilt ab seiner Zeitscheibe. Die Periode wird am Stichtag zerlegt.
„Ein Tarifwechsel ändert die Stammdaten von Zählwerk und Anlage.“ Oft genügt eine neue Zuordnung ab Datum: bei einer Preisänderung die Preiszeitscheibe, bei einem Produktwechsel eine neue Tarifart am Zählwerk.
„Der Stichtag im System ist der rechtliche Stichtag.“ Das System setzt ein Datum um. Ob der Preis ab diesem Datum zulässig ist, prüft es nicht.
Quellen und Pflegehinweis
Die Aussagen zu Zeitscheiben, Proportionalisierung und Tariftyp-Wechsel stützen sich auf SAP Learning und das Datenwörterbuch, die Zeitbezüge der Tabellen auf den Katalog dieses Atlas. Ungeprüft: Systemverhalten bei Lücken und Überlappungen, die Zuordnung der Zeitraumsteuerungs-Schlüssel und das Verfahren der Mengenaufteilung im eigenen Release. Das Datenwörterbuch trägt für TARIFTYP und TARIFART den Stand 2005.