Kurzantwort
SAP IS-U (Industry Solution Utilities) ist die Branchenlösung von SAP für Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmeversorger. SAP Learning beschreibt sie als Meter-to-Cash-Lösung: Sie begleitet die Energie vom Zähler bis zum Zahlungseingang. Dazu gehören Stammdaten, Geräteverwaltung, Ablesung, Abrechnung, Fakturierung und das Vertragskontokorrent FI-CA (Contract Accounting). Der Kundenservice stößt Vorgänge an, die Marktkommunikation (IDE/IDEX) tauscht Daten mit anderen Marktpartnern aus, und das Energiedatenmanagement (EDM) verarbeitet Zeitreihen. Wer die Reihenfolge der Bausteine kennt, findet in jedem Fehlerfall den Ort, an dem er suchen muss.
Wofür das System da ist
Ein Versorger muss vier Fragen beantworten: Wer wird beliefert? An welchem Zähler? Wie viel wurde verbraucht? Wer schuldet welchen Betrag? SAP IS-U beantwortet jede Frage in einem eigenen Baustein und hält die Antworten über Schlüsselfelder zusammen. SAP Learning nennt als Ziel eine „Meter to cash solution focused on customer-centric processes“ (SAP Learning, Core Concepts).
Zum Namen: In älteren Unterlagen und im Arbeitsalltag heißt das System „IS-U“. SAP Learning verwendet für das aktuelle Produkt die Bezeichnung SAP S/4HANA Utilities. Die Bausteine sind dieselben; die Unterschiede zwischen ECC und S/4HANA erklärt SAP ECC IS-U und S/4HANA Utilities im Vergleich. Der Tabellenkatalog des Atlas vermerkt je Feld, in welchem Release es vorkommt (IS-U-Tabellen).
Die Bausteine
| Baustein | Aufgabe und Spuren im System |
|---|---|
| Stammdaten | Wer, wo, was: Geschäftspartner, Vertragskonto, Vertrag, Anschlussobjekt, Verbrauchsstelle, Anlage. Tabellen wie BUT000, EVER und EANL. Anlage mit ES30, Vertrag mit ES20. |
| Geräteverwaltung | Zähler, Zählwerke und Einbauorte (englisch Device Management). Equipment in EQUI, Zeitscheiben in EGERH, Zählwerke in ETDZ. Einbau mit EG31. |
| Ablesung | Ableseaufträge erzeugen, Zählerstände erfassen und prüfen. Ablesebeleg EABL, Erfassung mit EL28. |
| Abrechnung | Verbrauch mit Tarif bewerten (englisch Billing). Abrechnungsbeleg ERCH, Massenlauf mit EA38. |
| Fakturierung | Abrechnungsergebnisse zu Rechnungen bündeln (englisch Invoicing). Druckbeleg ERDK, Erstellung mit EA19 und EA26. |
| FI-CA | Forderungen, Zahlungen und Mahnungen je Vertragskonto. Posten in DFKKOP, Kontenstand mit FPL9. |
| Kundenservice | Einstieg für Sachbearbeiter: Auskunft, Einzug, Auszug, Korrekturen. Einstieg EKND, Einzug mit EC50E. |
| IDE / IDEX | Datenaustausch mit anderen Marktpartnern. Wechselbeleg EIDESWTDOC, Überwachung mit ESWTMON01. |
| EDM | Zeitreihen und Profile prüfen, ersetzen, verwalten. Profile pflegen mit EEDM01. |
SAP Learning ordnet die Kernbausteine so ein: Device Management unterstützt die Integration in die Logistik und die Verwaltung der Zähler, Billing die Preisstammdaten und die Abrechnung, Invoicing die Rechnungserstellung, Contract Accounting ist das Nebenbuch für offene Posten und Zahlungen, Energy Data Management lädt, prüft, schätzt und bearbeitet Zeitreihen (SAP Learning, Core Concepts). Die Tiefe zu jedem Baustein liefern die Artikel: Fakturierung, FI-CA im Kontext und EDM im Kontext.
Wie die Bausteine zusammenarbeiten
Die Kette links in der Zeichnung läuft immer in dieselbe Richtung. Stammdaten und Geräte bilden den Rahmen. Auf Basis dieses Rahmens entsteht ein Ableseauftrag, aus dem Ablesung und Abrechnungsauftrag werden. Die Abrechnung erzeugt einen Abrechnungsbeleg je Vertrag, die Fakturierung bündelt Belege je Vertragskonto zu einer Rechnung und bucht die Forderung in FI-CA (SAP Learning, Ableseprozess). Das Kapitel Der Weg einer Kilowattstunde geht diese Kette mit Zahlen durch.
Zwei Dinge laufen quer dazu. Erstens verbindet SAP Learning die Stammdaten über zwei Brücken: Technische und kaufmännische Daten treffen sich in Anlage und Vertrag, Deregulierungsdaten hängen über Zählpunkt und Anlage an der Technik (SAP Learning, Datenmodell). Das Stammdatenmodell beschreibt der Artikel Stammdaten vom Geschäftspartner zum Zählwerk. Zweitens laufen Vorgänge wie Einzug, Auszug und Lieferantenwechsel durch mehrere Bausteine zugleich; sie behandelt Einzug, Auszug und Lieferantenwechsel in SAP IS-U.
IDE und IDEX: der Draht zum Markt
Ein Versorger arbeitet mit anderen Unternehmen zusammen: Lieferant, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber melden einander Zuordnungen, Stammdaten und Messwerte. Der Datenaustausch zwischen Unternehmen heißt in SAP IS-U „Intercompany Data Exchange“ (IDE). Der Wechselbeleg ist laut SAP-Hilfe „das zentrale Objekt der Infrastruktur zur Abwicklung des Lieferantenwechsels in SAP IS-U/IDE“ (SAP Help, Lieferantenwechsel). Für den deutschen Strommarkt bietet SAP die Lösung „Intercompany Data Exchange for German Electric Utilities“ an, kurz IDEX-GE (SAP, Benutzerleitfaden 2026.08). Welche Nachrichten der Markt vorschreibt, legen die Festlegungen der Bundesnetzagentur fest; wie sie im System landen, zeigt Prozessdokumente im System.
Wer nutzt es wofür
SAP Learning betont, dass die Lösung die Anforderungen verschiedener Marktrollen abdeckt, in geregelten wie in liberalisierten Märkten. Welche Bausteine im Alltag im Vordergrund stehen, hängt deshalb von der Rolle des Unternehmens ab. Die Rollen selbst erklärt der Atlas im Bereich Marktrollen und Regulierung, zum Beispiel im Artikel Netznutzungsvertrag verstehen.
Beispiel: ein Neukunde in einem Satz je Baustein
Vereinfachtes Beispiel. Frau Beispiel zieht in eine Wohnung ein, deren Anlage im System bereits besteht. Im Kundenservice legt ein Sachbearbeiter den Einzug an: Geschäftspartner, Vertragskonto und Vertrag entstehen (Stammdaten). Das Gerät mit seinen Zählwerken hängt schon an der Anlage (Geräteverwaltung). Zum Einzug und zum nächsten Termin können Ableseaufträge entstehen (Ablesung). Nach einem Jahr rechnet das System den Verbrauch zum Tarif ab (Abrechnung), bündelt das Ergebnis zur Jahresrechnung (Fakturierung) und stellt die Forderung ins Vertragskonto (FI-CA). Meldet der Netzbetreiber Zeitreihen, laufen sie durch EDM, und die Anmeldung beim Netzbetreiber läuft über IDE.
Typische Missverständnisse
„IS-U ist ein Abrechnungsprogramm.“ Die Abrechnung ist ein Baustein von mehreren. Ohne Stammdaten, Geräte und Ablesung hat sie nichts zu rechnen, ohne FI-CA gibt es keine Forderung.
„FI-CA ist Teil der Fakturierung.“ Die Fakturierung erzeugt Rechnung und Buchungsbeleg, FI-CA führt danach die Posten und die Zahlungen. Beides sind getrennte Bausteine mit eigenen Tabellen.
„Marktkommunikation und Abrechnung sind dasselbe Thema.“ IDE/IDEX übermittelt Daten zwischen Unternehmen. Die Abrechnung rechnet mit den Daten, die danach im System liegen.
„Jedes Unternehmen nutzt alles gleich stark.“ Die Gewichtung der Bausteine hängt von der Marktrolle ab. Ein Lieferant und ein Netzbetreiber arbeiten zwar im selben System, stellen aber unterschiedliche Fragen an die Daten.
Quellen und Pflegehinweis
Die Bausteine und ihre Aufgaben stammen aus SAP Learning und der SAP-Hilfe. Tabellen und Transaktionen sind dem Katalog des Atlas entnommen (Tabellen, Transaktionen). Begriffe wie SAP IS-U, FI-CA und IDEX stehen im Glossar. Nicht behandelt sind Unterschiede zwischen ECC und S/4HANA sowie Zusatzprodukte wie Customer Engagement. Nächste Prüfung bei einem neuen SAP-Release oder neuer Benennung der Bausteine.