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Sonderfälle der Verbrauchsermittlung in SAP IS-U: Überlauf, Gerätewechsel, Faktoren, Schätzung

Wie aus Zählerständen Verbrauch wird, wenn es nicht glatt läuft: Zählerüberlauf und Assessing, Gerätewechsel innerhalb der Abrechnungsperiode, Wandler- und Zählwerksfaktor, Vor- und Nachkommastellen und Schätzung, jeweils mit durchgerechneten Beispielen.

Auf dieser Seite13 Abschnitte

Kurzantwort

Der Verbrauch eines Zählwerks ist die Differenz zweier Zählerstände, multipliziert mit den Faktoren des Zählwerks und der Anlagenstruktur. Vier Sonderfälle bringen diese Rechnung durcheinander. Beim Zählerüberlauf ist der neue Stand kleiner als der alte, und die Stellenzahl bestimmt den Wert, bei dem der Zähler auf null springt. Beim Gerätewechsel teilen sich zwei Zählwerke die Abrechnungsperiode, und nur das logische Zählwerk hält die Kette zusammen. Wandler- und Zählwerksfaktor vervielfachen die Differenz und dürfen nur einmal wirken. Fehlt ein Stand, tritt die Schätzung an seine Stelle. Dazu kommt ein Verwechslungsfall: Ein zu hoch geschätzter Vorstand sieht aus wie ein Überlauf und heißt in SAP IS-U „Assessing“.

Einordnung

Der Artikel baut auf drei Grundlagen auf: den Objekten in Register und Zählwerke (Zählwerk, Stellen, Faktor), dem Gerätewechsel als Stammdatenvorgang in Gerätewechsel und Tarifierung und der Prüfung in Plausibilitätsprüfung von Ableseergebnissen in IS-U. Den Wechsel als Bedienablauf zeigt Gerätewechsel in SAP IS-U Schritt für Schritt, Wandler, Gerätezuordnung und Faktoren vertieft Wandler, Gerätezuordnung und Zählwerksbeziehungen, die Konfiguration von Stellen und Faktor an der Gruppe Zählwerksgruppe und Zählwerke konfigurieren. Hier geht es um die Rechenwege und die Fälle, in denen sie versagen. Die Fachseite der Marktkommunikation steht in Stromwandler und Umrechnungsfaktor, Messwerte und Zählerstandsgänge und Ersatzwertbildung in der Praxis; die Gasumrechnung in Brennwert, Zustandszahl und Energiemenge in der Gasabrechnung. Das Objektbild zum Zählwerk zeigt der Objekt-Explorer, das zur Gerätezuordnung ebenfalls (Gerätezuordnung). Wie geschätzte Stände im Beleg gekennzeichnet sind, zeigt Ableseauftrag und Ableseergebnis; die Schätzung fehlender Werte im Lauf selbst (Sonderverhalten ESTINBILL) steht in Abrechnungsauftrag und Abrechnungslauf.

Quellen sind die SAP-Bibliothek zu SAP ERP 6.0 EHP8, zwei SAP-Learning-Lektionen und das Data Dictionary der Tabelle EABL. Alle Zahlenbeispiele sind frei gewählt und rechnerisch nachgeprüft.

Die Grundrechnung

Der Beleg trägt den Zählerstand in zwei Feldern: Stellen vor dem Komma (V_ZWSTAND, bis 17 Stellen) und nach dem Komma (N_ZWSTAND, bis 14 Stellen), dazu die Zahl der Stellen des Zählwerks (STANZVOR, STANZNAC) (EABL im Data Dictionary). Bei der Erfassung ermittelt das System dynamisch aus der Differenz zum Vorableseergebnis einen Verbrauch, der nicht gespeichert, aber in der Prüfung benutzt wird. Mit der Business Function Mengenermittlung wird die Menge gespeichert und von der Abrechnung weiterverwendet (SAP-Hilfe, Ableseergebniserfassung).

Welche Faktoren danach wirken, zeigt die Hilfe in der Hochrechnung, die dieselbe Kette in umgekehrter Richtung rechnet (SAP-Hilfe, Hochrechnung mit Abrechnungsfaktor):

  1. Zählerstandsdifferenz bilden.
  2. mit dem Zählwerksfaktor multiplizieren,
  3. bei Gas mit dem Umwandlungsfaktor aus der Dimensionsumrechnung,
  4. mit dem Abrechnungsfaktor multiplizieren.

Erwartete Zählerstände entstehen durch Division in umgekehrter Reihenfolge. Faktoren werden zu einem Stichtag ermittelt; die Abrechnung bewertet dagegen den ganzen Zeitraum auf Änderungen der Umwandlungsfaktoren hin.

Zählerüberlauf

Ein Zählwerk mit n Vorkommastellen kann nur Werte bis 10ⁿ minus der kleinsten Einheit anzeigen. Danach springt die Anzeige auf null. Der Endstand ist dann kleiner als der Anfangsstand, und die Differenz muss den Sprung berücksichtigen:

Verbrauch = (10ⁿ − Anfangsstand) + Endstand, gerechnet in Anzeigeeinheiten.

Beim Überlauf zählt der Zähler zweimal: bis zum Sprung und danach. Die Summe beider Stücke ist der Verbrauch.Vereinfachtes Beispiel mit frei gewählten Werten, nicht maßstäblich.

Beispiel mit fünf Vorkommastellen und ohne Nachkommastelle: Vorstand 99.480, Endstand 920. Bis zum Sprung bleiben 100.000 − 99.480 = 520, danach kommen 920 dazu: 1.440. Mit einer Nachkommastelle verschiebt sich die Rechnung: Vorstand 99.480,0, Endstand 920,5, Überlaufwert 100.000,0, Verbrauch (100.000,0 − 99.480,0) + 920,5 = 1.440,5.

Wie SAP IS-U den Fall erkennt. Die unabhängige Plausibilitätsprüfung „Zählerüberlauf“ prüft, ob der aktuelle Zählerstand kleiner ist als der Stand der Vorablesung (SAP-Hilfe, Unabhängige Plausibilitätsprüfung). Sie markiert also den Verdacht. Fachlich lässt sich der Verdacht so klären: Ergibt die Rechnung mit Nulldurchgang eine Menge in Höhe des üblichen Verbrauchs, ist es einer; ergibt sie eine absurde Menge, liegt ein Lesefehler vor. Im Beispiel liegt die Menge 1.440 nahe an einem erwarteten Verbrauch von rund 1.400, ohne Nulldurchgang käme −98.560 heraus. Wie das System die Überlaufmenge rechnet und welche Bedienschritte zur Freigabe eines Überlaufs nötig sind, beschreibt die Hilfe nicht. Die Stellenzahl liegt am Beleg vor (STANZVOR), das Verhalten prüft man im eigenen System mit einer Testabrechnung (EA00) und der Überwachung (EL31).

Assessing: der falsche Überlauf

Der häufigere Fall ist keiner. Wird ein Vorstand geschätzt und liegt die Schätzung über dem nächsten echten Stand, erscheint der echte Stand kleiner als sein Vorgänger. SAP nennt das Assessing: die automatische Behandlung von Zählerüberläufen auf Grund von zu hoch geschätzten Vorablesungen. Laut Hilfe handelt es sich bei diesen Fällen um zu hoch geschätzte Vorablesestände, die einen Überlauf vortäuschen (SAP-Hilfe, Assessing).

Der Algorithmus rechnet zwei Verbräuche, jeweils ab dem letzten echten Ableseergebnis:

  • V1: bis zum aktuell erfassten echten Stand,
  • V2: bis zum letzten geschätzten Stand.

Ist V2 größer als V1, liegt ein Assessing-Fall vor. Dann stößt die Erfassung ein Ereignis an, das den Muster-Workflow ISU_ASSESS1 startet: Er storniert die Abrechnung und schätzt neu, auf Grundlage des echt abgelesenen Stands. Alle geschätzten Vorablesungen, die über dem aktuellen echten Stand liegen, werden storniert und neu geschätzt. Die Prüfung läuft im Funktionsbaustein ISU_EVENT_ASSESSING, die Neuschätzung in ISU_ACTION_ASSESSING; mit der Erweiterung EDMASSES lassen sich eigene Prüfungen ergänzen.

Zwei Einschränkungen: Der Workflow kann den Fall nur innerhalb eines Vertrags anpassen. Hat ein Vertragswechsel stattgefunden, etwa durch Umzug, startet er nicht, und es erscheint eine Fehlermeldung. Und bis SAP IS-U 4.63 löste nur ein abrechnungsrelevanter Ablesegrund Assessing aus; ab 4.64 können es auch die Kontrollablesungen (09 und 10), wenn das Kennzeichen „Assessing Kontr“ in den Steuerungsparametern der Ablesedatenerfassung gesetzt ist.

Beispiel. Vierstelliger Zähler, Vorkommastellen 4. Echte Ablesung am 01.01.: 1.000. Zwei Schätzungen: 01.04. mit 2.700 und 01.07. mit 3.600. Am 01.10. liest der Ableser echt 2.500.

  • V1 = 2.500 − 1.000 = 1.500 (bis zum aktuellen echten Stand).
  • V2 = 3.600 − 1.000 = 2.600 (bis zur letzten Schätzung).
  • V2 > V1: Assessing-Fall. Beide Schätzungen liegen über 2.500 und werden storniert.
  • Neuschätzung bei linearer Gewichtung zwischen 1.000 (01.01.) und 2.500 (01.10.), das sind 273 Tage: 01.04. nach 90 Tagen: 1.000 + 1.500 × 90 ÷ 273 = rund 1.495; 01.07. nach 181 Tagen: 1.000 + 1.500 × 181 ÷ 273 = rund 1.995.

Ein echter Überlauf wäre es nur, wenn V2 kleiner als V1 bliebe, wie in den Beispielen der Hilfe: V2 (70) kleiner als V1 (140) bei einem dreistelligen Zähler ist ein echter Überlauf, kein Assessing. Auch eine Neuschätzung, die selbst einen Überlauf ergäbe, löst keinen Assessing-Fall aus (Beispiel 2 der Hilfe, V2 = 100, V1 = 9.990).

Gerätewechsel innerhalb der Abrechnungsperiode

Mitten im Abrechnungszeitraum zwei Geräte: Das alte hört auf, das neue beginnt. Die Abrechnung bildet den Verbrauch je Zählwerk und Zeitraum. Dafür müssen drei Dinge stimmen.

  1. Endstand und Anfangsstand. Beim Wechsel können Ausbau- und Einbaustand erfasst werden (SAP Learning, Installation, Ausbau und Wechsel). Das Eingangs-IDoc ISU_DEVICE_CHANGE nimmt genau ein Ableseergebnis zur Aktion auf; ist es unplausibel, bricht die Verarbeitung nicht ab, und man kann korrigieren (SAP-Hilfe, Geräteinstallation).
  2. Dasselbe logische Zählwerk. Das Zählwerk des ausgewechselten Geräts muss dieselbe logische Zählwerksnummer haben wie das des neuen: Nur dann gehen die abrechnungstechnischen Daten auf das neue Zählwerk über, und die Abrechnung weiß, welches Zählwerk die Rolle des alten übernimmt, vor allem bei Leistungswerten (SAP-Hilfe, Anlagenstruktur). Weichen die Geräte technisch ab, etwa in der Zahl der Zählwerke, hilft die Funktion „Logische Zählwerke“. Tabellen, in denen die logische Zählwerksnummer Schlüssel ist: ETDZ, EASTS, EASTI und EZUZ.
  3. Zeitscheiben. Beim Ausbau werden Tarifdaten und Beziehungen zu anderen Geräten zum Ausbaudatum abgegrenzt, die Zeitscheibe endet, bleibt aber nachvollziehbar. Bezugsgrößen werden nicht automatisch abgegrenzt; man grenzt sie manuell ab oder löscht sie (SAP-Hilfe, Geräteausbau). Beim Wechsel gehen Tarifdaten, Gerätezuordnungen, der Sperrstatus, Zählwerksbeziehungen und der Periodenverbrauch automatisch auf das neue Gerät über.

Beispiel. Anlage mit einem Eintarifzähler, Zählwerk logisch gleich. Das Turnusende war der 31.12.2026 mit Stand 48.100. Am 14.05.2027 wird das Gerät gewechselt.

Abschnitt Zählwerk Anfangsstand Endstand Verbrauch
01.01. bis 14.05. altes Gerät, Faktor 1 48.100 50.360 (Ausbaustand) 2.260 kWh
14.05. bis 31.12. neues Gerät, Faktor 1 0,0 (Einbaustand) 3.905,0 (Turnusstand) 3.905,0 kWh

Der Jahresverbrauch ist 2.260 plus 3.905,0, also 6.165,0 kWh. Fehlt der Einbaustand, hat das neue Zählwerk keine Bezugsgröße für die Differenz; der Fall muss vor der Abrechnung geklärt werden. Wird ein Einbaustand von 0,0 eingetragen, obwohl das Gerät mit 12,0 geliefert wurde, berechnet der Versorger 12,0 kWh zu viel: 3.905,0 − 0,0 statt 3.905,0 − 12,0. Beides ist am Beleg erkennbar: Der Ausbaustand gehört zum alten, der Einbaustand zum neuen Zählwerk.

Der Fall wird komplizierter, wenn sich der Faktor ändert. Ersetzt ein direkt messender Zähler einen Wandlerzähler, gilt vor dem Wechsel der Wandlerfaktor und danach der Faktor 1; der Verbrauch beider Abschnitte ist daher mit verschiedenen Faktoren zu rechnen. Der Faktor gehört an die jeweilige Zuordnung des Zählwerks zum Gerät und nicht an die Anlage. Der Stichtag im Markt ist der Ein- und Ausbauzeitpunkt, siehe Gerätewechsel im Messwesen.

Wandler- und Zählwerksfaktor

Zwei Faktoren wirken auf die Differenz, und sie haben verschiedene Orte:

Faktor Ort Bedeutung
Zählwerksfaktor ZWFAKT in ETDZ, Dezimal 12.5 Faktor des Zählwerks am Gerät
Abrechnungsfaktor ABRFAKT in EZUZ, Dezimal 12.5 Faktor der Zuordnung des logischen Zählwerks zum Gerät

Der Abrechnungsfaktor eines Wandlers entsteht automatisch aus dem Spannungs- und/oder Stromverhältnis zwischen der primären und der sekundären Wicklung. „Dieser Faktor ist der Wert, mit dem Sie die Differenz der Zählerstände multiplizieren müssen, um den tatsächlichen Verbrauch zu bestimmen“ (SAP Learning, Analyzing Device Technology, sinngemäß aus dem englischen Original). Die Messart des Zählers beschreibt die Beziehung zum Wandler: Direktmessung braucht keinen, halbindirekte Messung einen Strom- oder Spannungswandler, indirekte Messung kombinierte Wandler. Wandler sind als eigene Geräte über eine Gerätezuordnung dem Zähler verbunden und beim Einbau grundsätzlich technisch einzubauen (Gerätezuordnung).

Beispiel (halbindirekt). Stromwandler 400/5 A, Faktor 400 ÷ 5 = 80. Zähler mit sechs Vorkomma- und einer Nachkommastelle: Vorstand 10.250,0, Endstand 10.262,5. Differenz 12,5; Verbrauch 12,5 × 80 = 1.000 kWh. Mit einem zusätzlichen Zählwerksfaktor 10 ergäbe sich 12,5 × 10 × 80 = 10.000 kWh. Beide Faktoren multiplizieren sich, wie die Hilfe sie auch in ihrer Rechenkette nacheinander anwendet.

Der klassische Fehler ist die Doppelwirkung: Der Wandlerfaktor steht sowohl im Zählwerksfaktor als auch im Abrechnungsfaktor, oder das Messgerät liefert den Wert bereits umgerechnet. Das Ergebnis liegt um genau den Faktor daneben. Im Beispiel wären es 12,5 × 80 × 80 = 80.000 kWh statt 1.000 kWh. Die Zählerstände sind richtig, nur die Menge nicht; deshalb fällt der Fehler einer Prüfung der Stände kaum auf (die Hochrechnung rechnet den erwarteten Stand mit denselben Faktoren zurück). Auffallen kann er im Vergleich der Mengen mit der Vorperiode. Welches Feld im eigenen System den Wandlerfaktor trägt, ist Konfiguration; prüfen lässt es sich in der Anlagenstruktur und mit der Testabrechnung EA00.

Auch ein Wechsel des Wandlers verändert den Faktor und damit die Bedeutung desselben Stands. Das beschreibt Stromwandler und Umrechnungsfaktor aus Marktsicht.

Vor- und Nachkommastellen

Die Stellenzahl ist eine Eigenschaft des Zählwerks (Zählwerksgruppe, ETDZ) und wird beim Einbau übernommen. SAP Learning gibt Übungsbeispiele: Ein Stromzähler mit sechs Vorkomma- und einer Nachkommastelle in kWh, ein Wasserzähler mit vier Vorkommastellen und keiner Nachkommastelle in m³. Die Stellenzahl hat drei Wirkungen:

  • Sie bestimmt den Überlaufwert (10ⁿ).
  • Sie bestimmt die Eingabe: Wer einen Stand ohne das Komma tippt, verschiebt ihn um eine Zehnerpotenz.
  • Sie bestimmt die Auflösung: Mit einer Nachkommastelle ist der kleinste Verbrauchsschritt 0,1 kWh.

Beispiel: Zähler mit sechs Vor- und einer Nachkommastelle, Vorstand 12.100,0. Der Ableser liest 12.345,6 und der Verbrauch ist 245,6 kWh. Gibt jemand 123456 ein, weil er das Komma übersieht, ergibt sich eine Differenz von 111.356,0 kWh, rund das 450-fache. Die Prüfung gegen den Erwartungswert fängt das ab; ein Fehler von wenigen Prozent bleibt dagegen unentdeckt. Gerundet wird bei Schätzungen entsprechend den Systemeinstellungen (SAP-Hilfe, Interpolation).

Bei Gas kommt die Einheit hinzu: Das Zählwerk zeigt in m³, abgerechnet wird in kWh. Die Umrechnung über Brennwert und Zustandszahl steht in Brennwert, Zustandszahl und Energiemenge. In EABL stehen dafür zwei Maßeinheiten: für die Ablesung (MASSREAD) und für die Abrechnung (MASSBILL).

Schätzung

Fehlt ein Stand, schätzt das System. Anlässe: Der Ableser kommt nicht in die Wohnung, ein Stand bleibt unplausibel, eine Folgeaktion der Überwachung greift, oder zum Stichtag einer Preis- oder Steueränderung liegt kein Stand vor. SAP verwendet Schätzverfahren für Ableseergebnisse, deren Plausibilisierung, die Simulation der Abrechnung, die Abschlagsplanerstellung und die bilanzielle Abgrenzung. Es gibt zwei Verfahren: Extrapolation (über die Basisperiode hinaus) und Interpolation (zwischen vorhandenen Werten); beide verteilen die Menge nach einer Gewichtungsfunktion. Die Hilfe rechnet ihre Beispiele mit linearer Gewichtung, also einer Einheit je Tag (SAP-Hilfe, Schätzverfahren). Die Ablesetypen im Beleg: 03 maschinelle Schätzung, 04 Ablesung interpoliert oder abgeleitet.

Beispiel Extrapolation. Echte Stände 17.250 (30.06.2025) und 19.100 (30.06.2026): 1.850 kWh in 365 Tagen. Am 30.06.2027 kommt kein Ableser. Bei gleicher Länge ergibt die lineare Extrapolation 19.100 + 1.850 = 20.950; der Beleg trägt den Ablesetyp 03.

Beispiel Abgrenzung. Mitten im Zeitraum ändert sich der Preis. Wie bei der Hochrechnung braucht die Abrechnung einen Stand zum Stichtag, den sogenannten Abgrenzzählerstand (SAP-Hilfe, Abgrenzung von Zählerständen). Die Hilfe rechnet so: Die Stände sind 1.000 kWh zu Beginn und 1.905 kWh am Ende; die Differenz beträgt 905 kWh. Der Preiswechsel teilt den Zeitraum in zwei Teile mit den Gewichten 90 und 91, zusammen 181. Verbrauch je Gewichtungseinheit: 905 ÷ 181 = 5 kWh. Bis zum Preiswechsel: 5 × 90 = 450 kWh, Abgrenzzählerstand 1.000 + 450 = 1.450 kWh. Der Verbrauch vor dem Wechsel (450) wird mit dem alten, der Rest (455) mit dem neuen Preis bewertet.

Schätzung ist ersetzbar. Liegt später ein echter Stand vor, ersetzt er die Schätzung; mit der Mengenermittlung innerhalb der Ablesung berechnet das System bei Änderung oder Löschen eines Ergebnisses alle abhängigen Mengen neu (SAP-Hilfe, Änderung von Ableseergebnissen). Kommt der echte Stand erst nach der Abrechnung, braucht es eine Korrektur: Dann kann Assessing greifen (siehe oben), oder man storniert und rechnet neu ab, zum Beispiel mit der Dynamischen Periodensteuerung: Beim Grundtyp „Bestimmung der aktuellen Periode durch Ableseergebnisse“ muss bei jedem erfassten echten Ergebnis eine dynamische Nachberechnung stattfinden, sonst treten Zählerüberläufe durch zu hohe Schätzungen auf (SAP-Hilfe, DPC-Abrechnung).

Schätzung in der Abrechnung. Für Pauschalanlagen und Anlagen mit dynamischer Periodensteuerung gibt es das Kennzeichen „Schätzung in der Abrechnung“ (ETRG, Feld ESTINBILL); dann schätzt die Abrechnung die Ableseergebnisse selbst. Die Hilfe rät, sie bei dieser Variante nicht in EABL zu sichern, weil sonst für jedes echte Ergebnis eine dynamische Nachberechnung nötig wäre; das geschätzte Vorergebnis muss in der nächsten Abrechnung neu hochgerechnet werden (SAP-Hilfe, DPC-Abrechnung).

Rechtsrahmen. Der Lieferant darf einen Ablesewert oder einen rechtmäßig ermittelten Ersatzwert vom Messstellenbetreiber verwenden, selbst ablesen oder die Selbstablesung verlangen. Haben Letztverbraucher trotz Pflicht keine Daten übermittelt oder kann der Lieferant aus nicht zu vertretenden Gründen den Verbrauch nicht ermitteln, darf die Rechnung auf einer Verbrauchsschätzung beruhen, die den tatsächlichen Verhältnissen angemessen Rechnung trägt, insbesondere dem Verbrauch des vorangegangenen Zeitraums oder eines vergleichbaren Kunden; die Schätzung ist hervorgehoben zu kennzeichnen, mit Grund und Faktoren (§ 40a EnWG). Fehlt dem Messstellenbetreiber innerhalb der Fristen ein wahrer Messwert, bildet er Ersatzwerte nach den anerkannten Regeln der Technik (§ 55 Abs. 2 MsbG). Die Schätzung im Beleg setzt das technisch um; sie ist nicht dasselbe wie die gesetzliche Ersatzwertbildung.

Fehlerfälle im Überblick

Fall Erkennbar an, Wirkung Prüfen
Überlauf nicht erkannt negativer oder absurder Verbrauch, gesperrter Beleg Stellenzahl, Erwartungswert
Assessing nicht ausgelöst Vertragswechsel zwischen den Ständen: Fehlermeldung, Schätzung bleibt zu hoch Verträge der Stände
Einbaustand fehlt Zählwerk ohne Bezugsgröße: Menge fehlt oder wird geschätzt Beleg zum Einbau
anderes logisches Zählwerk Tarifdaten fehlen am neuen Zählwerk: Menge bleibt unbewertet EASTS, EZUZ
Faktor doppelt Menge um den Faktor zu hoch: falsche Rechnung ZWFAKT und ABRFAKT
Komma verschoben Verbrauch um eine Zehnerpotenz daneben: Sperre oder falsche Menge Stellen am Beleg
Schätzung nicht gekennzeichnet Rechnung zeigt den Schätzwert wie eine Ablesung: Hinweispflicht nach § 40a Abs. 2 EnWG Ableseart im Beleg

Die Fälle ergeben sich aus den beschriebenen Regeln; sie sind nicht als Zitate belegt, ausgenommen Assessing und Schätzung in der Abrechnung.

Typische Missverständnisse

Ein kleinerer Endstand ist immer ein Überlauf. Er kann auch ein zu hoch geschätzter Vorstand (Assessing) oder ein Lesefehler sein.

Der Faktor gehört an die Anlage. Er gehört an das Zählwerk beziehungsweise die Zuordnung zum Gerät; bei einem Gerätewechsel ändert er sich mit dem Gerät.

Die Seriennummer verbindet die Stände. Das logische Zählwerk tut es. Die Seriennummer wechselt mit dem Gerät.

Eine Schätzung ist eine Notlösung ohne Folgen. Sie ist ein Wert, auf dem Abrechnung und spätere Erwartungswerte aufbauen, bis ein echter Stand sie ablöst.

Grenzen

Nicht belegt sind: der genaue Rechenweg des Systems bei einem echten Zählerüberlauf und die Bedienschritte, die ihn freigeben (die Hilfe nennt nur die Prüfung „Zählerstand kleiner als Vorablesung“); die Frage, ob bei Wandlerzählern der Faktor im Zählwerks- oder im Abrechnungsfaktor steht (beide sind belegt, die Wahl ist Konfiguration); die Rundungsregeln der Abrechnung für einzelne Zählwerke. Die Hilfe-Beispiele zu Assessing und zur Abgrenzung stammen aus älteren Releases, ihre Zahlen sind so übernommen oder dem Muster nachgebildet. Gerätewechsel im selben Abrechnungsabschnitt mit Tarif- und Preiswechsel zugleich zeigt Gerätewechsel und Tarifierung.

Quellen und Pflegehinweis

SAP-Aussagen stammen aus der SAP-Bibliothek zu SAP ERP 6.0 EHP8 und SAP Learning (Stand 05.10.2026), Felder aus Data Dictionary und Atlas-Katalog, Transaktionen aus dem Transaktionskatalog. Der Wortlaut von § 40a EnWG und § 55 MsbG wurde am 05.10.2026 geprüft. Faktoren, Stellenzahlen und Schätzparameter sind Customizing und Stammdaten: Nach einem Wechsel des Releases oder des Gerätemodells am eigenen System testen.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8, Versorgungsindustrie) – Assessinghelp.sap.com
  2. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Unabhängige Plausibilitätsprüfung (Zählerüberlauf)help.sap.com
  3. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Hochrechnung mit Abrechnungsfaktorhelp.sap.com
  4. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Hochrechnung bei Verbrauchszählwerkenhelp.sap.com
  5. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Abgrenzung von Zählerständenhelp.sap.com
  6. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Schätzverfahrenhelp.sap.com
  7. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Interpolationhelp.sap.com
  8. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Anlagenstrukturhelp.sap.com
  9. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Geräteausbauhelp.sap.com
  10. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Geräteinstallationhelp.sap.com
  11. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Änderung von Ableseergebnissenhelp.sap.com
  12. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Durchführung der DPC-Abrechnunghelp.sap.com
  13. SAP Learning – Analyzing Device Technology (Configuring Device Management in SAP S/4HANA Utilities)learning.sap.com
  14. SAP Learning – Introducing Installation, Removal, and Replacement (Configuring Device Management in SAP S/4HANA Utilities)learning.sap.com
  15. SAP Datasheet – Tabelle EABL (MR Document)sapdatasheet.org
  16. Energiewirtschaftsgesetz § 40a – Verbrauchsermittlung für Energierechnungengesetze-im-internet.de
  17. Messstellenbetriebsgesetz § 55 – Messwerterhebung Stromgesetze-im-internet.de
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