Kurzantwort
Ein Zählwerk (englisch Register) ist der einzelne Messkanal eines Geräts. In SAP IS-U steht es in der Tabelle ETDZ je Gerät (EQUNR) und Zählwerksnummer (ZWNUMMER) als Zeitscheibe. Es trägt Zählwerksart, Wirkungsart, Zählwerksfaktor, Ableseeinheit und die Anzahl der Stellen vor und nach dem Komma. Seine Vorlage ist die Zählwerksgruppe (EZWG), die der Gerätetyp vorgibt. Für die Abrechnung zählt das logische Zählwerk (LOGIKZW), nicht die Gerätenummer: Es bleibt in Anlagenstruktur (EASTS) und Zählpunkt-Zuordnung (EUILZW) die Klammer, während Gerät und Zählwerksnummer beim Wechsel wechseln.
Die Marktsicht auf Zählwerke und Kennzahlen steht in Zählwerk und Zählwerksdaten und OBIS-Kennzahlen verstehen. Hier geht es um die Objekte im System. Die Konfiguration einer Zählwerksgruppe steht in Zählwerksgruppe und Zählwerke konfigurieren, Wandler und Zählwerksbeziehungen in Wandler, Gerätezuordnung und Zählwerksbeziehungen.
Was ein Zählwerk im System trägt
| Feld | Bedeutung |
|---|---|
| ZWART | Zählwerksart, etwa Wirkarbeits- oder Blindarbeitszählwerk |
| ZWTYP | Zählwerkstyp |
| BLIWIRK | Wirkungsart: Wirk-, Blind- oder Scheinleistung |
| STANZVOR, STANZNAC | Stellen vor und nach dem Komma |
| ZWFAKT | Zählwerksfaktor, rechnet den abgelesenen Stand in die Messgröße um |
| MASSREAD | Ableseeinheit |
| ZWKENN | Zählwerkskennzeichen, Customizing-abhängig (Hauptzählwerk, Tarifzählwerk) |
| KENNZIFF | Kennziffer zur Identifikation des Zählwerks (DDIC-Kurztext: „Code for Identifying a Register“) |
| SPARTYP | Spartyp |
STANZVOR und STANZNAC sind im Tabellenkatalog des Atlas bisher nicht geführt. Sie stehen im Data Dictionary von ETDZ (SAP Datasheet) als Stellen vor und nach dem Komma eines Registers und gelten deshalb als extern belegt. Die Werte von ZWTYP und ZWKENN sind Customizing; ihre Bedeutung hängt vom Mandanten ab und wird hier nicht festgelegt.
Die Zählwerksgruppe (EZWG) bündelt die Eigenschaften, die beim Einbau für mehrere Geräte gelten. Sie führt je Zählwerk zusätzlich die Anzeigeart (ANZART), das Kennzeichen „nicht abrechnungsrelevant“ (ZWNABR), „nicht messendes Zählwerk“ (KZMESSW) und den Vorschlag beim Einbau (KZDEFAULT). Angelegt wird sie mit EG04, angezeigt mit EG06. Ob eine geänderte Gruppe auf bereits eingebaute Zählwerke durchschlägt, sagt die SAP-Hilfe nicht; für Musterzählwerksbeziehungen belegt sie das Gegenteil, dort bleiben eingebaute Geräte unberührt (siehe unten).
Das logische Zählwerk
Equipment und Zählwerksnummer identifizieren das Zählwerk am physischen Gerät. Die Abrechnung hängt am logischen Zählwerk. Es steht in ETDZ (LOGIKZW), in der Anlagenstruktur (EASTS) und in der Zuordnung zum Zählpunkt (EUILZW). Die Abrechnungsfaktoren hängen an der Zuordnung zum logischen Gerät (EZUZ-ABRFAKT). Das logische Zählwerk pflegt EG60, anzeigen lässt es sich mit EG61. Die Data-Dictionary-Dokumentation sagt, ein Ersatzzählwerk erhalte die logische Zählwerksnummer des ersetzten, sofern sich das zuordnen lässt; ein neu eingebautes Zählwerk bekommt eine neue (LOGIKZW). Den Ablauf beim Wechsel zeigt Gerätewechsel in SAP IS-U Schritt für Schritt.
Im Referenzmodell der Marktkommunikation ist ein Zählwerk nur in der Anlage der Marktlokation abrechnungsrelevant (Stammdatenatlas). Das Gerät kann in der Messlokationsanlage ebenfalls eingebaut sein; dort rechnet es nicht ab.
Zählwerksfaktor und Rechnen
Der Zählwerksfaktor (ZWFAKT, DEC 12.5) rechnet den abgelesenen Stand in die Messgröße um. Bei einem Wandlerzähler steht die Wandlerwicklung zusätzlich in der Wicklungsgruppe am Gerät (EGERR führt zu jedem Gerät je Zeitscheibe einen Satz, 1:1 zu EGERH; der Bezug zum Geräteinfosatz steckt in SERVICE_PROV und EGERR_INFO); den Abrechnungsfaktor trägt die Wandlerzuordnung in EZUZ (ABRFAKT). Beide Faktoren wirken nacheinander: Nach der SAP-Hilfe zur Hochrechnung wird die Zählerstandsdifferenz mit dem Zählwerksfaktor multipliziert, bei Gas anschließend mit dem Umwandlungsfaktor und zuletzt mit dem Abrechnungsfaktor (SAP-Hilfe); die Rechnung steht in Wandler, Gerätezuordnung und Zählwerksbeziehungen. Wichtig: Der Wandlerfaktor darf nur in einem der beiden Felder stehen, sonst wirkt er doppelt. Die Fachseite steht in Stromwandler und Umrechnungsfaktor.
Die Rechnung der Zeichnung, vereinfacht mit frei gewählten Werten: ein Gewerbekunde mit Zweitarifzähler hinter einem Wandler, Faktor 40.
| Zählwerk | Differenz | Menge nach Faktor |
|---|---|---|
| HT, Stände 41.250,0 bis 44.310,5 | 3.060,5 | 122.420 kWh |
| NT, Stände 18.900,5 bis 20.180,0 | 1.279,5 | 51.180 kWh |
Die Summe beider Zählwerke ist 173.600 kWh. Jedes Zählwerk läuft über seine eigene Tarifart in EASTS; die HT-Menge erhält den Hochtarif-Preis, die NT-Menge den Niedertarif-Preis (Tarifierungsmerkmale).
Stellen und Überlauf
Die Zahl der Stellen vor dem Komma begrenzt den Wertebereich der Anzeige: Ein Zählwerk mit fünf Vorkommastellen läuft nach 99.999 auf 00.000 über. Läuft ein Zählwerk über, ist der Endstand kleiner als der Anfangsstand, und die Differenz muss den Nulldurchgang berücksichtigen. Rechnerisch ergibt sich die Differenz als (Maximalwert + 1 minus Anfangsstand) plus Endstand; die Stellenzahl liefert STANZVOR. Eine Beschreibung dieses Verhaltens in der SAP-Hilfe ist nicht belegt. Der Überlauf gilt deshalb hier als ungeprüft; im eigenen System prüft man das Verhalten mit einer Testabrechnung (EA00) und der Plausibilitätsprüfung der Ablesung (EL32).
Beispiel für die Rechenidee: Anfangsstand 99.480, Endstand 00.920, fünf Vorkommastellen. Ohne Überlauf wäre die Differenz negativ. Mit Nulldurchgang sind es 100.000 − 99.480 + 920 = 1.440. Das ist ein Rechenbeispiel, keine Aussage über eine Systemeinstellung.
Zählwerksbeziehungen
Die SAP-Hilfe beschreibt die Funktion als Abbildung der Beziehung zwischen zwei oder mehreren Zählwerken; sie kennt neun Beziehungsarten, etwa Blindwirkbeziehung, Hinterschaltung, HT-NT-Beziehung und Kontrollbeziehung. Die Beziehungen stehen in EASTIH (Kopf mit Beziehungsart ZWZUART und Kennzeichen AUTOEND) und EASTI (Positionen). Der Operationscode legt die Rolle eines Zählwerks fest, etwa Hauptzählwerk oder Nebenzählwerk bei der Hinterschaltung. AUTOEND beendet die Beziehung beim Ausbau eines Zählwerks zeitanteilig. Als Vorlage dienen Musterzählwerksbeziehungen je Zählwerksgruppe (EZWGEASTIH); sie lassen sich beim Einbau übernehmen, und ihre Änderung hat laut Hilfe keine Auswirkung auf eingebaute Geräte. Was beim Wechsel mit den Beziehungen passiert, steht in Gerätewechsel und Tarifierung; alle Arten mit ihren Regeln beschreibt Wandler, Gerätezuordnung und Zählwerksbeziehungen.
Folgen und Fehlerfälle
Richtung vertauscht. Das Bezugszählwerk erhält die Einstellung der Lieferung; die Mengen landen in der falschen Position. Die fachliche Seite steht in Messrichtungen.
Falsches Zählwerk in der Tarifzuordnung. Die Tarifart in EASTS steht an der HT- statt an der NT-Zeile. Die Gesamtmenge bleibt richtig, der Betrag nicht.
Faktor doppelt. Der Wandlerfaktor steckt bereits im Messwert und wird in der Abrechnung nochmals angesetzt.
Stellenzahl falsch gepflegt. Weicht die gepflegte Stellenzahl vom Gerät ab, stimmt der Überlauf nicht. Prüfen anhand des Typenschilds und des Einbaustands.
Vorlage geändert, Bestand ungeprüft. Nach einer Änderung der Zählwerksgruppe prüft man eingebaute Geräte stichprobenartig, zum Beispiel mit EG71; die SAP-Hilfe sagt nicht, ob die Änderung auf bestehende Zählwerke wirkt.
Typische Missverständnisse
„Register und Zähler sind dasselbe.“ Das Gerät ist der Zähler, das Zählwerk ein Kanal darin. Ein Zweitarifzähler hat zwei Zählwerke.
„Die Kennziffer ist die OBIS-Kennzahl.“ KENNZIFF ist laut Data Dictionary ein Code zur Identifikation eines Zählwerks. Dass er der OBIS-Kennzahl entspricht, ist nicht belegt, und wo OBIS-Kennzahlen im System geführt werden, belegt der Katalog nicht; die Marktseite steht in OBIS-Kennzahlen (BDEW-Codeliste).
„Ein Zählwerk gilt dauerhaft.“ Es gilt als Zeitscheibe; Ein Gerätewechsel beginnt neue Zählwerke; ein Ersatzzählwerk übernimmt die logische Nummer des ersetzten, sofern sich das zuordnen lässt.
„Der Stand ist die Menge.“ Die Menge ist die Differenz der Stände mal Faktor.
Quellen und Pflegehinweis
Tabellen, Felder und Transaktionen stammen aus dem Katalog des Atlas (IS-U-Tabellen, Transaktionen); STANZVOR und STANZNAC aus dem Data Dictionary (SAP Datasheet); das Gerätemodell aus SAP Learning. Offen und ungeprüft: Überlaufverhalten, Wertetabellen zu ZWTYP, ZWKENN und ZWART im eigenen Mandanten, ob die Abrechnung die Reihenfolge der Faktoren aus der Hochrechnungs-Hilfe identisch anwendet, Wirkung einer geänderten Zählwerksgruppe auf bestehende Zählwerke, Lage der OBIS-Kennzahl im System. Unterschiede zwischen ECC und S/4HANA sind nicht gesondert belegt.