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SAP Utilities & Betrieb

Plausibilitätsprüfung von Ableseergebnissen in SAP IS-U: Prüfarten, Toleranzen, Korrektur

Wie SAP IS-U jeden erfassten Zählerstand prüft: feste, unabhängige und abhängige Prüfungen, Toleranzgrenzen um den Erwartungswert, unplausible Ergebnisse korrigieren, freigeben oder schätzen, und wie die Hochrechnung den Maßstab liefert, mit durchgerechnetem Beispiel.

Auf dieser Seite14 Abschnitte

Kurzantwort

Jeder Zählerstand, der in SAP IS-U ankommt, wird geprüft, egal ob er von Hand erfasst, hochgeladen oder korrigiert wird. Es gibt drei Gruppen: feste Prüfungen, die das System immer fährt, unabhängige Prüfungen, die ein einzelnes Zählwerk betrachten (Toleranzen, Nullverbrauch, Zählerüberlauf), und abhängige Prüfungen, die zwei Zählwerke vergleichen (Kontrollzähler, Hinterschaltung, Cosinus phi, Verbrauchsverhältnis). Maßstab ist ein Erwartungswert, den die Hochrechnung aus früheren Ablesungen oder einem Periodenverbrauch bildet. Besteht der Stand, wird er plausibel und abrechenbar. Fällt er durch, ist er unplausibel und wartet auf einen Menschen, der ihn korrigiert, freigibt oder schätzt.

Einordnung

Der Ablauf von der Erfassung bis zur Abrechnung steht in Ableseprozess in SAP IS-U; wie ein Stand in den Beleg gelangt, beschreibt Ableseauftrag und Ableseergebnis. Dieser Artikel nimmt die Prüfung selbst auseinander. Die Marktsicht auf Plausibilisierung, die der Messstellenbetreiber nach eigenen Regeln leistet, erklären Plausibilisierung und Ersatzwerte und Ersatzwertbildung in der Praxis. Die Verbrauchsschätzung des Lieferanten auf der Rechnung ist ein eigenes Thema: Hochrechnung. Die Prüfung im System ist zunächst eine interne Qualitätssicherung; was am Markt als Ersatzwert gilt, regeln die Marktregeln. Wie ein unplausibles Ergebnis den Abrechnungsauftrag zurückhält, zeigt Ausnahmen in der Abrechnung.

Quellen sind die SAP-Bibliothek zu SAP ERP 6.0 EHP8 und zwei SAP-Learning-Lektionen. Die Prüfklassen, Prüfgruppen und Grenzwerte sind Customizing und in jedem Unternehmen anders; Zahlen im Beispiel sind frei gewählt.

Wann und wo geprüft wird

Die Prüfungen laufen bei der Erfassung und bei der Korrektur von Ableseergebnissen (SAP-Hilfe, Plausibilitätsprüfungen). Sie gelten für alle Ablesegründe, etwa Einzug, Auszug, Turnus, Einbau und Zwischenablesung (SAP-Hilfe, Prüfen von Ableseergebnissen). Welche Prüfungen aktiv sind, legt man im Customizing der Versorgungsindustrie fest, unter Geräteverwaltung, Ablesung, Plausibilitätsprüfungen. Drei Zuordnungen sind dabei wichtig:

  • Die unabhängigen Prüfungen hängen am Zählwerkstarif: Er trägt eine Prüfgruppe mit den durchzuführenden Prüfungen, die Mindestlänge der Basisperiode für die Hochrechnung in Prozent, einen Zählwerksoperanden mit Abrechnungsmaßeinheit und einen mit dem Gewichtungsverfahren (SAP Learning, Ableseprozess).
  • Die abhängigen Prüfungen hängen an der Zählwerksbeziehung (SAP Learning, Ablesung verstehen). Beziehungen stehen im Kopf in EASTIH. Das Zählwerk erklärt Register und Zählwerke, die Beziehungen selbst Wandler, Gerätezuordnung und Zählwerksbeziehungen.
  • Eigene Prüfungen lassen sich ergänzen: EDMLELDV für unabhängige, EDMLELDE für abhängige Prüfungen (Customer-Exits), dazu kundeneigene Prüfungen im Customizing unter Werkzeuge, Systemanpassung. Die Hilfe verweist auf SAP-Hinweis 398471 mit einem Beispiel.

Das Ergebnis steht im Beleg: das Ergebnis der unabhängigen Prüfung in PRUEFPKT (TE218 enthält die Werte), das der abhängigen in POPCODE (laut Data Dictionary). Bei der Eingabe zeigt die Drucktaste die Prüfergebnisse eines Zählwerks an (SAP-Hilfe, Ableseergebniserfassung).

Der Maßstab: der Erwartungswert

Die Toleranzprüfungen und die Prüfung der Benutzungsstunden vergleichen den Verbrauch mit einem Wert, den das System selbst bildet. Laut SAP Learning wird die Verbrauchshochrechnung unter anderem bei der Ablesedatenerfassung ausgeführt, um das erwartete Ableseergebnis zum tatsächlichen Ablesedatum zu ermitteln. Der Ableseauftrag trägt dagegen erwartete Werte zum geplanten Datum: erwarteter Zählerstand, erwarteter Verbrauch, Zählerstandsobergrenze, maximaler Verbrauch.

Die Hochrechnung geht in zwei Schritten vor (SAP Learning, Ableseprozess; SAP-Hilfe, Hochrechnung):

  1. Referenzwert bestimmen. Das System sucht ausgehend vom letzten wahren Ableseergebnis eine repräsentative Basisperiode. Repräsentativ ist sie, wenn ihr Gewichtungsanteil mindestens dem prozentualen Mindestanteil im Zählwerkstarif entspricht. Ist sie zu kurz, geht das System bis zur nächsten Ablesung zurück. Findet es keine, greift der Periodenverbrauch, der beim Geräteeinbau gepflegt wurde. Ein geänderter Periodenverbrauch hat Vorrang, wenn er in die Basisperiode fällt.
  2. Gewichten. Die Verteilung des Verbrauchs über die Zeit folgt dem Gewichtungsverfahren: linear (jeder Tag gleich), Gradtage, Einspeisegewichtung, Lastprofil oder benutzerdefiniert.

Daraus ergibt sich der Verbrauch pro Gewichtungseinheit und, mal dem Gewicht der Prognoseperiode, der erwartete Verbrauch; durch den Zählwerksfaktor geteilt und zum letzten Stand addiert, der erwartete Zählerstand. Das Feld Basisperiodentyp in der Anlage legt fest, ob die Vorperiode oder die Vorjahresperiode die Grundlage ist. Nach einem Einzug rechnet das System ein Jahr lang aus Vorperiode oder Periodenverbrauch hoch, auch bei Basisperiodentyp Vorjahresperiode, weil das Verbrauchsverhalten des neuen Kunden unbekannt ist (SAP-Hilfe, Hochrechnung bei Verbrauchszählwerken). Die Marktsicht der Hochrechnung steht in Hochrechnung.

Den Periodenverbrauch pflegt man mit EL56 und zeigt ihn mit EL57. Er ist nützlich, wenn Ableseergebnisse fehlen (Neuanlage), unbrauchbar sind (Mieterwechsel) oder bewusst nicht beachtet werden sollen (Abschlagsreklamation) (SAP-Hilfe, Anlagenstruktur). Seine Wirkung ist begrenzt: Eine Änderung beeinflusst nur die unmittelbar folgende Prognoseperiode. Wer ihn dauerhaft wirken lassen will, muss ihn nach jeder Erfassung neu setzen.

Die festen Prüfungen

Feste unabhängige Prüfungen führt das System automatisch durch, ohne Customizing (SAP-Hilfe, Unabhängige Plausibilitätsprüfung):

  • Vorablesung unplausibel. Ist das vorige Ergebnis unplausibel, kann das aktuelle nicht plausibel werden. Zuerst muss die Vorablesung korrigiert werden, damit die weiteren Prüfungen eine Grundlage haben. Praktische Folge: In einer Kette unplausibler Stände arbeitet man von der ältesten zur jüngsten ab.
  • Festwertabweichung. Bei der Wiederinbetriebnahme einer ruhenden oder gesperrten Anlage und beim Geräteeinbau, zum Beispiel nach einer Beglaubigung, prüft das System, ob ein Verbrauch angefallen ist und ob er innerhalb der maximal zulässigen Abweichung liegt.
  • Rückstellzählwerk. Bei einem Rückstellzählwerk muss die Zahl der Rückstellungen der Zahl der Ablesungen entsprechen.
  • Prüfung auf finale Menge. Nur mit der Business Function Mengenermittlung und dem Verfahren „Mengenermittlung innerhalb der Ablesung“: Ist die Menge nicht final, folgt keine weitere Prüfung, und das Ergebnis wird unplausibel. Sie läuft nur, wenn das Kennzeichen im Customizing gesetzt ist.

Nach SAP Learning gehört auch die Anlagen- und Gerätesperre zur Festwertprüfung: Die Anlage ist inaktiv oder gesperrt oder das Gerät ist gesperrt.

Die variablen unabhängigen Prüfungen

Sie betreffen ein Zählwerk und hängen an der Prüfgruppe des Zählwerkstarifs.

Prüfung Was geprüft wird
Nullverbrauch ob der Verbrauch null ist und ob er in der Karenzzeit für Nullverbrauch liegt
Zahl der Schätzungen und Kundenablesungen ob die in der Ablesesteuerung eingetragene Zahl aufeinanderfolgender Ablesungen überschritten wird
Toleranzgrenzen ob der Verbrauch innerhalb absoluter, relativer oder gleitender Grenzen um den erwarteten Verbrauch der Vergleichsperiode liegt
Benutzungsstunden ob die Stunden (Verbrauch geteilt durch installierte Leistung) im Rahmen der Vorperiode liegen und den Festwert Tage seit der letzten Ablesung mal 24 nicht überschreiten
Vertragliche Leistung ob die Leistung einen festgelegten Höchst- oder Mindestwert über- oder unterschreitet
Zählerüberlauf ob der aktuelle Stand kleiner ist als der der Vorablesung

Zu den Toleranzgrenzen gehören drei Punkte, die den Betrieb prägen (SAP Learning, Ablesung verstehen):

  • Sie lassen sich getrennt für Warnungen und Fehlermeldungen definieren.
  • Sie können für positive und negative Abweichungen verschieden sein.
  • Sie können für verschiedene Intervalle von Ableseergebnissen verschieden sein.

Den Basisperiodentyp der Vergleichsperiode gibt man in der Anlage ein, die Zahl der Vergleichsperioden im Customizing unter Prüfparameter für die Prüfklassen. Die zulässige Zahl steuert die Ablesesteuerung an der Anlage (EANL, Feld ABLESARTST, Werte in TE438): Sie legt fest, wie viele Kundenablesungen und automatische Schätzungen je Ableseart aufeinander folgen dürfen. So verhindert das System, dass ein Kunde dauernd selbst abliest oder dass immer wieder nur geschätzt wird.

Für Gas weist die Hilfe eine Einschränkung aus: Mit Mengenermittlung innerhalb der Ablesung werden Zählerstandsobergrenze und -untergrenze in den Transaktionen EL31, EL28, EL29 und EL27 nicht angezeigt.

Die abhängigen Prüfungen

Sie betrachten Zählwerke, die in einer Beziehung stehen (SAP-Hilfe, Abhängige Plausibilitätsprüfung). Die Beziehungen, die bei der Auftragserstellung berücksichtigt werden, sind in der Anlagenstruktur hinterlegt.

Prüfung Vergleich
Kontrollzähler (Festwert oder relativ) Summe der Verbräuche der Verrechnungszählwerke gegen den Verbrauch des Kontrollzählwerks
Hinterschaltung Summe der Verbräuche der Nebenanlagen gegen den Verbrauch der Hauptanlage; sie darf ihn nicht überschreiten
Cosinus phi aus Blind- und Wirkzählwerken berechnet; Prüfung 04: Grenzwert nicht unterschreiten; Prüfung 05: gegen den Cosinus phi der Vorperiode
Verbrauchsverhältnis Verbrauch der Zählwerke einer Beziehung im Verhältnis zueinander, gegen Festwert oder gegen das Verhältnis der Vorperiode; typisch Hochtarif gegen Niedertarif

Die Formel für Cosinus phi nennt SAP Learning: cos phi = Wirkleistung geteilt durch Scheinleistung, die Scheinleistung ist die Wurzel aus Blindleistung zum Quadrat plus Wirkleistung zum Quadrat. Ein Rechenbeispiel mit Arbeitswerten statt Leistungen: Das Wirkzählwerk läuft 12.000 kWh, das Blindzählwerk 9.000 kvarh. Die Scheinleistung entspricht der Wurzel aus 9.000² plus 12.000², also 15.000. Cosinus phi ist 12.000 geteilt durch 15.000, gleich 0,8. Liegt der im Customizing hinterlegte Grenzwert bei 0,9, schlägt Prüfung 04 an. Die Messtechnik dazu steht in Blindarbeit im Messkonzept.

Ein zweites Beispiel für die Hinterschaltung: Der Hauptzähler hat 5.000 kWh verbraucht, zwei Nebenzähler 2.100 kWh und 1.800 kWh, zusammen 3.900 kWh. Das ist plausibel. Liefern die Nebenzähler zusammen 5.400 kWh, überschreiten sie die Hauptanlage; das System sperrt den Stand, bis klar ist, welcher Zähler falsch liest.

Auch hier gibt es die Prüfung auf finale Menge, wenn die Business Function Mengenermittlung aktiv ist.

Beispiel: drei Stände gegen einen Erwartungswert

Vereinfachtes Beispiel mit frei gewählten Werten. Ein Eintarifzähler, Zählwerksfaktor 1, lineare Gewichtung. Echte Stände: 9.000 kWh am 25.06.2025 und 11.480 kWh am 25.06.2026. Die Ablesung 2027 war für den 25.06. geplant und findet am 28.06.2027 statt.

  1. Basisperiode. 25.06.2025 bis 25.06.2026 sind 365 Tage, bei einer Periodenlänge von einem Jahr also 100 Prozent. Sie ist repräsentativ. Der Verbrauch war 2.480 kWh, pro Tag 2.480 geteilt durch 365, gleich 6,7945 kWh.
  2. Erwartung zum geplanten Datum. 365 Tage Prognose ergeben 2.480 kWh und einen erwarteten Stand von 13.960 kWh. Diesen Wert druckt der Auftrag.
  3. Erwartung zum tatsächlichen Datum. Bis 28.06.2027 sind es 368 Tage: 6,7945 mal 368 gleich rund 2.500 kWh, erwarteter Stand 13.980 kWh. Diesen Wert benutzt die Prüfung.
  4. Toleranzen. Im Beispiel gilt eine relative Warngrenze von 10 Prozent und eine Fehlergrenze von 25 Prozent in beide Richtungen. Das ergibt: Warnung ab 2.750 und unter 2.250 kWh, Fehler ab 3.125 und unter 1.875 kWh.
Stand Verbrauch Abweichung Ergebnis
A: 13.912 2.432 kWh −2,7 % innerhalb der Warngrenze, plausibel
B: 14.390 2.910 kWh +16,4 % Warngrenze überschritten, unplausibel
C: 12.290 810 kWh −67,6 % Fehlergrenze unterschritten, unplausibel
Derselbe Erwartungswert, drei Stände: Nur A besteht. Die Stufen sind nach Verbrauch geordnet, nicht maßstäblich gezeichnet.Beispielgrenzen: 10 Prozent Warnung, 25 Prozent Fehler, je in beide Richtungen. Die echten Grenzen setzt das Customizing.

Stand C sieht nach einem Lesefehler aus, etwa einer verlesenen oder vertauschten Ziffer. Stand B kann ein Mehrverbrauch sein, etwa ein neues Gerät. Die Prüfung entscheidet das nicht, sie markiert nur. Den Rest erledigt der Mensch.

Was mit unplausiblen Ergebnissen geschieht

Welche Folge ein Verstoß hat, hängt vom Weg und von der Fehlerklasse ab. Die Hilfe sagt: Ein Zählerstand wird zurückgestellt, wenn Plausibilitätsprüfungen eingestellt und die Fehlerklasse „Warnung“ gewählt wurde (SAP-Hilfe, Korrektur unplausibler Ableseergebnisse). Bei Upload und Schnellerfassung ohne Korrektur werden unplausible Ergebnisse zurückgestellt und später nachbearbeitet. Bei der Einzelerfassung lässt sich der Stand sofort freigeben, zurückstellen, korrigieren oder zur Schätzung markieren; die Schnellerfassung mit Korrektur verzweigt in den Korrekturbildschirm und erlaubt die Freigabe. Der Beleg erhält Status 2 (automatisch gesperrt), der Abrechnungsauftrag bleibt auf „nicht abrechenbar“ (SAP Learning, Ableseprozess).

Eingang und Sachbearbeiter. Unplausible Ergebnisse lassen sich einem Sachbearbeiter in den Eingang stellen; die Sachbearbeiterfindung läuft über die Aufbauorganisation und ihr Customizing. Daneben gibt es in SAP S/4HANA Utilities eine Fiori-Anwendung „Unplausible Ableseergebnisse bearbeiten“, die eine Arbeitsliste samt Klärungsfällen aus dem Business Process Exception Management zeigt; ein Fälligkeitsdatum hilft bei der Priorisierung (SAP Learning, Ablesung verstehen).

Die Bearbeitung. Die Korrektur unplausibler Ergebnisse (EL27) bietet:

  • Einstieg. Nach einem Selektionskriterium erscheinen die unplausiblen Stände nach Verbrauchsstellen gruppiert. Gehört nur ein Eintarifzähler zur Verbrauchsstelle, springt das System direkt in den Korrekturbildschirm. Eine Liste für mehrere Portionen oder Ableseeinheiten liefert EL70.
  • Übersicht. Ableseergebnisse erscheinen mit Verbrauch und erwartetem Verbrauch, unplausible farbig hervorgehoben; nur diese lassen sich bearbeiten. Funktionen: freigeben ohne Korrektur, korrigieren, schätzen.
  • Korrekturschirm. Er zeigt Zählerstandsdaten, Prognosedaten und Stammdaten als Entscheidungshilfe. Funktionen: freigeben (die noch anstehenden Prüfungen laufen durch), zurückstellen, schätzen, Korrekturauftrag drucken, Information zur Plausibilitätsprüfung und Nachableseauftrag.
  • Nachablesung. Der Nachableseauftrag schickt jemanden vor Ort. Ist die Nachablesung plausibel, ersetzt das System das unplausible Ergebnis durch eine Schätzung auf Basis des Stands der Nachablesung.

Der Unterschied zwischen den beiden Freigaben ist praktisch: „Freigeben ohne Korrektur“ in der Übersicht macht den Stand plausibel und führt keine weiteren Prüfungen durch. „Freigeben“ im Korrekturschirm nach einer Änderung lässt die noch anstehenden Prüfungen laufen. Die Statuskette meldet Status 4 („freigegeben“) für die Entscheidung des Sachbearbeiters.

Plausible Ergebnisse ändern. EL29 korrigiert Stände, die schon plausibel sind, etwa im Rahmen einer Fakturierungskorrektur. Auch diese Änderung durchläuft die Prüfungen. Ob ein Ergebnis noch änderbar ist, hängt vom Status ab: Abgerechnete lassen sich nicht ändern.

Schätzen. EL30 schätzt ein Ergebnis, EL18 als Massenlauf. Eingesetzt werden Extrapolation und Interpolation: Bei der Extrapolation wird ein Wert über die Basisperiode hinaus bestimmt, bei der Interpolation zwischen vorhandenen Werten. Beim Interpolieren bevorzugt das System echte vor geschätzten Ableseergebnissen (SAP-Hilfe, Schätzverfahren und Interpolation). Auch die Schätzung arbeitet mit einer Gewichtungsfunktion; die Beispiele der Hilfe setzen eine lineare Verteilung an.

Überwachung. EL31 zeigt von Hand Ergebnisse, Status und Plausibilität je Versorgungsanlage, Geschäftspartner oder Ableseeinheit. EL32 überwacht automatisch fehlende und unplausible Ergebnisse; Folgeaktionen nach Zeiträumen definiert die Erweiterung EDMLADUE, und ohne definierte Folgeaktion wird das Ergebnis automatisch geschätzt. Was das für die Abrechnung heißt, steht in Abrechnungs- und Ableseaufträge.

Zusammenhang mit der Hochrechnung

Prüfung und Hochrechnung sind eine Schleife. Die Prüfung nutzt die Hochrechnung als Maßstab, und jedes echte Ergebnis, das durchgeht oder freigegeben wird, wird später selbst Grundlage der Hochrechnung. Daraus folgen drei Regeln für die Praxis:

  • Ein freigegebener Ausreißer wirkt weiter. Wer einen falschen Stand freigibt, verschiebt die Erwartung der nächsten Periode.
  • Geschätzte Stände sind schwächere Grundlage. Die Hochrechnung geht vom letzten wahren Ableseergebnis aus; die Interpolation zieht echte Ergebnisse geschätzten vor.
  • Zu hohe Schätzungen erzeugen scheinbare Überläufe. Ein geschätzter Vorstand, der höher liegt als der nächste echte Stand, sieht aus wie ein Zählerüberlauf. Die Hilfe kennt dafür das Verfahren Assessing, das im Artikel Sonderfälle der Verbrauchsermittlung behandelt wird.

Die Sicht der Abrechnung auf die Verbrauchshochrechnung nennt SAP Learning auch für die Abschlagsermittlung, für die Verbrauchsabgrenzung zum Preis- oder Steueränderungsdatum und für die nicht fakturierte Erlösrealisierung am Jahresende.

Fehlerfälle

Die folgenden Fälle ergeben sich aus den beschriebenen Regeln; sie sind keine Zitate aus den Quellen.

Alles wird unplausibel. Prüfklasse oder Toleranz sind zu eng, oder die Basisperiode ist nicht repräsentativ und der Periodenverbrauch passt nicht. Hinweis: Viele Stände derselben Ableseeinheit fallen auf einmal durch.

Nichts wird unplausibel. Die Prüfgruppe ist dem Zählwerkstarif nicht zugeordnet, oder die Toleranzen sind weit offen. Die Ergebnisse gehen plausibel durch, aber auch Zifferndreher.

Unplausible Stände stauen sich. Bei Upload und Schnellerfassung ohne Korrektur wartet jeder gesperrte Stand auf Bearbeitung. Dann sammelt sich der Abrechnungsvorrat der Portion.

Folgeablesung bleibt hängen. Die Vorablesung ist unplausibel, daher kann der aktuelle Stand nicht plausibel werden.

Neue Anlage ohne Periodenverbrauch. Ohne Basisperiode und ohne Periodenverbrauch fehlt der Erwartungswert; die Prüfung kann nichts vergleichen. Der Periodenverbrauch gehört deshalb zur Installation.

Faktor falsch. Ein falscher Zählwerksfaktor ändert die Menge, aber nicht den Zählerstand. Da die Hochrechnung den erwarteten Stand mit denselben Faktoren zurückrechnet (SAP-Hilfe, Hochrechnung mit Abrechnungsfaktor), fällt ein Fehler dort kaum auf. Erkennbar wird er im Vergleich der Mengen mit der Zeit vor dem Wechsel.

Typische Missverständnisse

Plausibel heißt richtig. Plausibel heißt: hat die konfigurierten Prüfungen bestanden. Ein Lesefehler im erwarteten Band bleibt unentdeckt.

Freigeben ist Korrigieren. Eine Freigabe ändert den Wert nicht. Sie entscheidet nur, dass er trotz Auffälligkeit gilt.

Jede Prüfung betrifft jeden Zähler. Unabhängige Prüfungen gehören zum Zählwerkstarif, abhängige zur Zählwerksbeziehung; ein Einfachzähler ohne Beziehung bekommt keine abhängige Prüfung.

Das System rät selbst. Es bildet einen Erwartungswert, aber nur nach den Regeln aus Customizing und Anlage.

Grenzen

Die Quellen nennen nicht, welche Wirkung die Fehlerklasse „Fehler“ im Dialog hat (die Hilfe beschreibt den Fall „Warnung“), und sie führen die Werte von PRUEFPKT und POPCODE nicht auf. Welche Grenzen und Prüfgruppen ein Unternehmen nutzt, ist Customizing; das Beispiel setzt 10 und 25 Prozent nur zur Veranschaulichung an. Offen ist, wie sich die Prüfungen in SAP S/4HANA Utilities gegenüber SAP ERP 6.0 EHP8 verändert haben; SAP Learning beschreibt dieselben Prüfklassen. Der Katalog führt die Tabelle TE625 (Prüfgruppen der abhängigen Prüfung laut Data Dictionary) nicht.

Quellen und Pflegehinweis

SAP-Aussagen stammen aus der SAP-Bibliothek zu SAP ERP 6.0 EHP8 und aus SAP Learning (Stand 05.10.2026), Transaktionen aus dem Transaktionskatalog, Tabellen aus Atlas-Katalog und Data Dictionary. Das Customizing der Prüfungen liegt in der Branchenkomponente Versorgungsindustrie unter Geräteverwaltung, Ablesung, Plausibilitätsprüfungen (Customizing-Baum). Nach einem Release-Wechsel die Prüfklassen und die Fehlerklassen im eigenen System kontrollieren.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8, Versorgungsindustrie) – Plausibilitätsprüfungenhelp.sap.com
  2. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Unabhängige Plausibilitätsprüfunghelp.sap.com
  3. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Abhängige Plausibilitätsprüfunghelp.sap.com
  4. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Prüfen von Ableseergebnissenhelp.sap.com
  5. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Korrektur unplausibler Ableseergebnissehelp.sap.com
  6. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Einzelerfassunghelp.sap.com
  7. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Ableseergebniserfassunghelp.sap.com
  8. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Hochrechnunghelp.sap.com
  9. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Hochrechnung bei Verbrauchszählwerkenhelp.sap.com
  10. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Schätzverfahrenhelp.sap.com
  11. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Interpolationhelp.sap.com
  12. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Hochrechnung mit Abrechnungsfaktorhelp.sap.com
  13. SAP-Hilfe (SAP ERP 6.0 EHP8) – Anlagenstruktur (Periodenverbrauch)help.sap.com
  14. SAP Learning – Ablesung verstehen (Configuring Device Management in SAP S/4HANA Utilities)learning.sap.com
  15. SAP Learning – Den Ableseprozess demonstrieren (Discovering Business Processes in SAP S/4HANA Utilities)learning.sap.com
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