Kurzantwort
Ein Gerätewechsel ändert in SAP IS-U nichts an Vertrag, Anlage und Tariftyp, wohl aber an der Anlagenstruktur darunter: Das alte Gerät und seine Zählwerke enden, das neue Gerät und seine Zählwerke beginnen, jeweils als eigene Zeitscheibe. Damit die Abrechnung ohne Lücke und ohne Doppelung teilt, müssen drei Dinge am selben Stichtag zusammenpassen: der Endstand des alten Zählwerks, der Anfangsstand des neuen und die Tarifart des neuen Zählwerks. Bucht man den Wechsel mit EG30 (Wechsel gesamt), entstehen Ausbau und Einbau in einem Vorgang.
Hier geht es um die Folgen im System. Den Ablauf zwischen Messstellenbetreibern, Netzbetreiber und Lieferant erklärt Gerätewechsel im Messwesen; die Technik der Einzelschritte steht in Geräteinstallation in SAP Utilities verstehen. Den Ablauf mit Zählerständen, Fehlern und Storno zeigt Gerätewechsel in SAP IS-U Schritt für Schritt.
Was bleibt, was endet, was beginnt
| Objekt | Beim Wechsel |
|---|---|
| Vertrag (EVER), Anlage (EANL), Tariftyp (EANLH) | bleibt unverändert |
| Gerät (EQUI, EGERH) | altes endet, neues beginnt mit neuer Equipmentnummer |
| Logisches Gerät (LOGIKNR) und Zählwerk (LOGIKZW) | das Ersatzgerät erhält die logische Gerätenummer des ersetzten, das Ersatzzählwerk die logische Zählwerksnummer, sofern sich das zuordnen lässt; ein neu eingebautes Gerät oder Zählwerk ohne Vorgänger erhält eine neue Nummer |
| Gerät an der Anlage (EASTL) | alte Zeile endet, neue beginnt |
| Zählwerke an der Anlage (EASTS) | alte Zeilen enden, neue beginnen mit Tarifart |
| Zählwerkszuordnung (EZUZ) | schlüsselt über das logische Zählwerk; trägt den Abrechnungsfaktor |
| Zählpunkt (EUIHEAD) und Zuordnung (EUIINSTLN) | bleibt; der Zählwerksbezug über EUILZW hängt am logischen Zählwerk |
Der Kernsatz steht im Katalog zu ETDZ: Der Anschluss an die Messung läuft über das logische Zählwerk, nicht über Equipment und Zählwerksnummer. Equipment und Zählwerksnummer ändern sich beim Gerätewechsel, die logische Nummer dagegen geht auf das Ersatzgerät über: Die Data-Dictionary-Dokumentation sagt, ein Gerät, das ein anderes ersetzt, erhält dessen logische Gerätenummer, und ein Ersatzzählwerk die logische Zählwerksnummer des ersetzten, wenn sich das zuordnen lässt (LOGIKNR, LOGIKZW). Wer eine Auswertung über Jahre nach der Seriennummer baut, verliert deshalb die Historie; die Anlage und die logischen Nummern halten sie zusammen. Wie sich das beim Wechsel mit EG30 verhält, zeigt Gerätewechsel in SAP IS-U Schritt für Schritt.
Tarifierung: Zählwerke und Tarifarten
Die Tarifart hängt an der Zählwerkszeile der Anlagenstruktur (EASTS, Feld TARIFART). Ein neues Zählwerk braucht daher eine neue Zeile mit Tarifart. Fehlt sie, kann das Zählwerk nicht in die Preisfindung gehen. Was Tarifart, Tariftyp und Tarif unterscheidet, steht in Tarifierungsmerkmale.
Die Zählwerksgruppe (EZWG) des neuen Gerätetyps bestimmt, welche Zählwerke entstehen. Wird ein Zweitarifzähler durch einen Eintarifzähler ersetzt, enden zwei Zählwerke mit den Tarifarten Hochtarif und Niedertarif; ein Zählwerk mit einer anderen Tarifart beginnt. Der Tarif der Anlage muss das zulassen. Die Zulässigkeit je Tarif (USE_REGIST, USE_DEVICE) steht in ETRF.
Faktoren. Das neue Gerät kann einen anderen Zählwerksfaktor (ZWFAKT in ETDZ) und einen anderen Abrechnungsfaktor (ABRFAKT in EZUZ) mitbringen. Beide Faktoren wirken laut der SAP-Hilfe zur Hochrechnung nacheinander: Die Zählerstandsdifferenz wird mit dem Zählwerksfaktor multipliziert, bei Gas anschließend mit einem Umwandlungsfaktor, zuletzt mit dem Abrechnungsfaktor (SAP-Hilfe); die Rechnung steht in Wandler, Gerätezuordnung und Zählwerksbeziehungen. Verschwindet ein Wandler, ändert sich der Faktor am Wechseltag; dieselbe Rohzahl bedeutet dann eine andere Menge. Zur Fachlichkeit siehe Stromwandler und Umrechnungsfaktor.
Zählwerksbeziehungen. Verknüpfungen zwischen zwei oder mehreren Zählwerken, etwa die Hinterschaltung eines Unterzählers oder ein Kontrollzählwerk, stehen in EASTIH (Kopf, Beziehungsart ZWZUART) und EASTI. Das Kennzeichen AUTOEND beendet die Beziehung beim Ausbau eines Zählwerks automatisch zeitanteilig. Gilt es nicht, bleibt eine Beziehung auf ein ausgebautes Zählwerk stehen.
Ablesung und Abrechnung
Beim Wechsel braucht jedes Zählwerk einen Endstand und jedes neue einen Anfangsstand. Der Ablesebeleg (EABL) hält Ablesedatum, Stand (aufgeteilt in V_ZWSTAND und N_ZWSTAND), Ableseart und Plausibilitätsergebnis; die Gründe, aus denen er entstand, stehen in EABLG. Einzelstände erfasst man mit EL28, unplausible korrigiert EL27.
Laut SAP Learning unterscheidet das System den Ablesebeleg je Zählwerk vom Abrechnungsauftrag je Vertrag; erst wenn alle Zählwerke plausible Werte haben, lässt sich der Vertrag abrechnen (Ablesung verstehen). Ein fehlender Anfangsstand blockiert damit den Auftrag. Der Ablauf der Ablesung steht in Ableseprozess in SAP IS-U und Abrechnungs- und Ableseaufträge.
Die Abrechnung bildet den Verbrauch je Zählwerk und Zeitraum (zwischengespeichert in EASTE) und bewertet ihn mit dem Tarif, der zum jeweiligen Abschnitt gehört. Ändert sich im Zeitraum auch ein Preis, wird der Verbrauch zeitanteilig geteilt; für die Grundversorgung schreibt das § 12 Abs. 2 StromGVV vor. Der Beleg zeigt das Ergebnis (EA22); vorab rechnet die Testabrechnung EA00 ohne Wirkung durch.
Beispiel: Zweitarifzähler wird Eintarifzähler
Vereinfachtes Beispiel mit frei gewählten Werten. Anlage 4711, Vertrag unverändert. Der Zweitarifzähler hat die Zählwerke HT (Endstand 41.250,0 kWh) und NT (Endstand 18.900,5 kWh) und wird am 14.05. gegen einen Eintarifzähler getauscht, Anfangsstand 0,0. Ab 01.06. steigt der Arbeitspreis.
| Zeitraum | Zählwerk und Tarifart | Preis |
|---|---|---|
| bis zum Wechsel | HT (Hochtarif) und NT (Niedertarif) | alter Preis |
| 14.05. bis 31.05. | ET (Eintarif) | alter Preis |
| ab 01.06. | ET (Eintarif) | neuer Preis |
Die Abrechnung teilt zweimal: am 14.05. wegen der Zählwerke, am 01.06. wegen des Preises. Der Verbrauch des ET-Zählwerks vom 14.05. bis 31.05. wird mit dem alten Preis bewertet, danach mit dem neuen. Wer den neuen Zähler erst zum 01.06. einträgt, hat für die Tage davor kein Zählwerk: Die Menge fehlt oder wird geschätzt.
Folgen und Fehlerfälle
Fehlender Anfangsstand. Das neue Zählwerk hat keine Bezugsgröße. Das System schätzt oder sperrt den Abrechnungsauftrag.
Wechsel doppelt erfasst. Zwei Personen erfassen Ausbau und Einbau getrennt mit demselben Datum. Die Zeitscheiben von EGERH und EASTL überlappen. Ein fälschlich gebuchter Wechsel lässt sich stornieren, aber in fester Reihenfolge: erst die abrechnungstechnische Seite auflösen, dann den technischen Storno (EG50 bis EG53); Einzelheiten in Gerätewechsel in SAP IS-U Schritt für Schritt.
Tarifart fehlt am neuen Zählwerk. Das Zählwerk steht in EASTS ohne Tarifart; die Abrechnung bricht ab oder lässt die Menge unbewertet.
Veralteter Faktor. Wandlerfaktor oder Abrechnungsfaktor stammen vom alten Gerät. Das Ergebnis liegt um den Faktor daneben und wirkt plausibel. Auffallen kann es nur im Vergleich mit dem Vorjahr oder dem Lastprofil.
Beziehung auf ausgebautes Zählwerk. Eine Zählwerksbeziehung ohne automatisches Ende (AUTOEND) rechnet weiter mit dem alten Zählwerk.
Wechselauftrag fehlt. Ein anstehender Wechsel lässt sich mit EG90 als Wechselauftrag vorbereiten; ohne Auftrag wissen Ablesung und Planung nicht, dass der Termin ansteht.
Typische Missverständnisse
„Ein Gerätewechsel ist ein Tarifwechsel.“ Er ändert Zählwerke, nicht den Tariftyp. Tarifierungsrelevant wird er nur, wenn sich Tarifarten, Faktoren oder Zählwerksanzahl ändern.
„Der Endstand genügt.“ Der neue Abschnitt braucht den Anfangsstand.
„Die Seriennummer ist der Schlüssel der Historie.“ Sie ändert sich mit jedem Gerät. Die Anlage und die logischen Nummern bleiben.
„Der Vertrag muss mitwechseln.“ Der Vertrag zeigt auf die Anlage und bleibt unberührt.
Quellen und Pflegehinweis
Tabellen, Felder und Transaktionen stammen aus dem Katalog des Atlas (IS-U-Tabellen, Transaktionen); die Ablesesicht aus SAP Learning, die zeitanteilige Berechnung aus § 12 StromGVV. Marktseitige Fristen und Zeitpunkte, etwa Wirksamkeit um 00:00 Uhr, behandelt der Artikel nicht; sie stehen im Marktprozess-Artikel. Die Reihenfolge der Faktoren stammt aus der SAP-Hilfe zur Hochrechnung; ob die Abrechnung sie identisch anwendet, ist nicht gesondert belegt. Offen und ungeprüft: Wie das System bei Ein- und Ausbau am selben Tag die Zeitscheibenkanten setzt und welche Ablesegründe im eigenen Release vorgesehen sind. Das lässt sich im eigenen System mit ES32, EG61 und EA00 prüfen.