Kurzantwort
Elektrizitätszähler lassen sich nur für begrenzte Ströme und Spannungen bauen. Bei hohen Strömen und in der Mittel- und Hochspannung misst der Zähler deshalb über Messwandler: Stromwandler setzen den Strom, Spannungswandler die Spannung auf kleine Sekundärwerte herunter. Der Wandlerfaktor ist das Verhältnis von Primär- zu Sekundärgrößen. Die Primärmenge ist die am Zähler gemessene Sekundärmenge mal Wandlerfaktor. Wird der Faktor vergessen oder doppelt angewendet, ist jede Menge um denselben Faktor falsch. Das Rechenprinzip mit Überlauf zeigt Zählwerk und Zählwerksdaten (Beispiel mit Stromwandler 200 A : 5 A). Dieser Artikel behandelt die Wandler selbst, die Spannungswandler und die Abbildung in den Stammdaten.
Direkt, halbindirekt, indirekt
| Messung | Aufbau |
|---|---|
| direkt | ohne Wandler, bei kleinen Strömen (Haushalt, kleines Gewerbe) |
| halbindirekt | mit Stromwandler, in der Niederspannung bei höheren Strömen |
| indirekt | mit Strom- und Spannungswandler, in Mittel-, Hoch- und Höchstspannung |
Die Zuordnung der Spannungsebenen folgt der Begriffsdefinition des Metering-Code-Entwurfs (E VDE-AR-N 4400:2023-09): Im Niederspannungsnetz werden nur Stromwandler eingesetzt, im Mittel-, Hoch- und Höchstspannungsnetz Strom- und Spannungswandler. „Halbindirekt“ und „indirekt“ sind übliche Fachbegriffe, im Entwurf steht dafür „Stromwandleranschluss“. Ab welcher Stromstärke ein Wandler eingesetzt wird, ist nicht fest: Der Entwurf spricht in Fußnote 10 von Direktmesseinrichtungen bis 63 A; die Anwendungsgrenze für Messwandler gibt nach Fußnote 11 der Netzbetreiber vor, das Übersetzungsverhältnis der Messstellenbetreiber. In der Niederspannung verlangt der Entwurf für die Stromwandler die Genauigkeitsklasse 0,5 S (Tabelle 9).
Der Wandlerfaktor
Ein Stromwandler mit 100 A : 5 A hat die Übersetzung 100 / 5 = 20, ein Spannungswandler mit 20.000 V : 100 V die Übersetzung 200. Der Gesamtfaktor einer indirekten Messung ist das Produkt: 20 × 200 = 4.000. Bei einer halbindirekten Messung gibt es nur den Stromwandlerfaktor. Das Typenschild nennt Primär- und Sekundärgröße, nicht den Zählerstand: Der Zähler zeigt nie 100 A.
Beispiel: Mittelspannungskunde, ein Monat
Ein Betrieb ist über 20 kV angeschlossen. Der Zähler zeigt am Monatsanfang für 1.8.0 12.317,2 kWh, am Monatsende 12.744,4 kWh. Die Sekundärdifferenz ist 427,2 kWh. Mit dem Faktor 4.000 ergibt das 1.708.800 kWh, im Durchschnitt über 30 Tage rund 2.373 kW. Das passt zur Auslegung der Leitung (√3 × 20 kV × 100 A ≈ 3,5 MVA). Wird nur der Stromwandler berücksichtigt (Faktor 20), ergeben sich 8.544 kWh, ein Zweihundertstel der wirklichen Menge. Die Höchstleistung 1.6.0 wird genauso skaliert: 0,80 kW sekundär sind 3.200 kW primär.
Wo der Faktor steht
UTILMD, Stammdaten: Wandler gehören zur Messlokation. Der Messstellenbetreiber meldet sie in der Segmentgruppe SG8 SEQ+Z04 (Wandlerdaten, Prüfidentifikatoren 55643 an den Netzbetreiber und 55653 an den Lieferanten). Im SG10 CCI+++Z25 steht das Gerät, im CAV der Typ: MIW Messwandlersatz Strom, MUW Messwandlersatz Spannung, MPW Kombimesswandlersatz, MBW Blockstromwandler. Das Datenelement CAV 7110 trägt den Wandlerfaktor.
MSCONS, Messwerte: Bei Lastgängen ist der Wandlerfaktor laut MSCONS-Anwendungshandbuch bereits eingerechnet, die Menge geht als Primärwert in kWh. Bei Verrechnungslisten (UNB-Kennzeichen VL) ist er für Zählerstände und Leistungswerte aus der Wandlermessung bei konventioneller Messeinrichtung ohne RLM, moderner Messeinrichtung und intelligentem Messsystem dagegen nicht zu berücksichtigen. Die Wertebildung steht in Messwerte und Zählerstandsgänge.
SAP IS-U: Das Zählwerk des Geräts steht in der Tabelle ETDZ mit dem Zählwerksfaktor ZWFAKT, der Abrechnungsfaktor der Zuordnung in ABRFAKT (Tabelle EZUZ). Beide Faktoren wirken nacheinander: Nach der SAP-Hilfe zur Hochrechnung wird die Zählerstandsdifferenz mit dem Zählwerksfaktor multipliziert, bei Gas dann mit dem Umwandlungsfaktor und zuletzt mit dem Abrechnungsfaktor (SAP-Hilfe); Wandler eines Zählers stehen in der Gerätezuordnung auf Zählwerksebene (EZUZ), nicht in EZUG. Wichtig: Der Wandlerfaktor darf nur in einem der beiden Felder stehen, sonst wirkt er doppelt. Wie IS-U die Wandlerzuordnung führt, beschreibt Wandler, Gerätezuordnung und Zählwerksbeziehungen.
Eichrecht
Zähler am Wandler sind nach MessEV Anlage 7 Nr. 6.3 (elektronisch) auf 8 Jahre befristet. Messwandler für Elektrizitätszähler (Nr. 6.6) haben dort keine Eichfrist. Das heißt nicht, dass sie nie getauscht werden: Fristen, Befundprüfung und Nacheichung erklärt Eichfristen, MID und Befundprüfung.
Fehlerfälle
- Faktor fehlt: Die Menge ist um den Faktor zu klein, im Beispiel zu 1/4.000 oder zu 1/200.
- Faktor doppelt: Der Lastgang hat den Faktor schon eingerechnet, die Abrechnung multipliziert aus den Stammdaten noch einmal: Die Menge ist 4.000-mal zu groß.
- Falsches Verhältnis: Faktor 25 statt 20 bei gleichem Zähler macht jede Menge um 25 % zu groß, bei sonst sauberem Verlauf.
- Wandlertausch: Der alte Faktor gilt bis zum Tausch, der neue ab da. Die Stammdaten brauchen den Wirksamkeitszeitpunkt.
Zum Korrigieren falscher Werte kennt die MSCONS den Korrekturgrund ZA3 „Falscher Wandlerfaktor“ im Segment SG10 STS. Ein konstant falscher Faktor erhält Kurvenform und Zeitraster; er fällt nur beim Abgleich der absoluten Menge mit Anschlussleistung, Vorjahr oder Kontrollmessung auf.
Typische Missverständnisse
Der Wandlerfaktor ist das Verhältnis des Stromwandlers. Bei indirekter Messung gehört der Spannungswandler dazu: Strom- mal Spannungsübersetzung.
Ein plausibler Verlauf beweist den richtigen Faktor. Nein. Ein konstanter Faktorfehler ändert nur den Maßstab, nicht die Form der Kurve.
Jede Messung hat Wandler. Direkte Messung kommt ohne aus; die Grenze setzt der Netzbetreiber.
Quellen und Pflegehinweis
Begriff, Spannungsebenen, Fußnoten 10 und 11 sowie die Klasse 0,5 S stammen aus dem Entwurf des Metering Codes (E VDE-AR-N 4400:2023-09); die endgültige Fassung kann abweichen. Segmente, Qualifier und Prüfidentifikatoren stehen im UTILMD-Anwendungshandbuch Strom 2.2, die Aussagen zu Lastgang, VL und ZA3 im MSCONS-Anwendungshandbuch 3.2, die Eichfristen in Anlage 7 MessEV (am Wortlaut geprüft). „Halbindirekt“ und „indirekt“ sind übliche Fachbegriffe ohne eigene Quelle. Zahlen im Beispiel sind frei gewählt. Abgerufen am 5. Oktober 2026.