Kurzantwort
Ein Großkunde mit Wandlerzähler und Lastgangmessung hat kein einzelnes Zählwerk, sondern ein Bündel, und jedes Zählwerk speist eine eigene Rechnungsposition. Das Wirkarbeits-Lastgangregister liefert die Mengen für den Arbeitspreis, das Leistungsmaximum die Spitze für den Jahresleistungspreis, die Blindarbeit nur dann einen Betrag, wenn das Preisblatt des Netzbetreibers eine Pönale vorsieht. Der Wandlerfaktor muss auf alle diese Werte genau einmal wirken. Dieser Artikel verbindet das Messkonzept mit der Abrechnung; die Physik und die Einzelheiten stehen in den Nachbarartikeln.
| Thema | Artikel |
|---|---|
| Blindleistung, cos φ, Pönale mit Preisblatt-Beispiel | Blindleistung und Blindarbeit |
| Wandlerfaktor, Rechenbeispiel, Wandlerdaten in UTILMD | Stromwandler und Umrechnungsfaktor |
| kW, kWh, Viertelstunde, Höchstleistung | Einheiten: Wirkleistung, Wirkarbeit und Blindarbeit |
| Aufbau einer Kennzahl | OBIS-Kennzahlen verstehen |
Warum der Großkunde so gemessen wird
Bei Letztverbrauchern mit mehr als 100.000 kWh Jahresverbrauch erfolgt die Messung nach § 55 Abs. 1 Nr. 1 MsbG durch eine Zählerstandsgangmessung oder, soweit erforderlich, eine viertelstündige registrierende Lastgangmessung (RLM). Hohe Ströme und Mittel- oder Hochspannung führen zusätzlich zu Messwandlern. Das Netzentgelt eines RLM-Kunden folgt § 17 Abs. 2 StromNEV: Das Jahresleistungsentgelt ist Jahresleistungspreis mal Jahreshöchstleistung in kW, das Arbeitsentgelt Arbeitspreis mal entnommene Arbeit in kWh. Beide Größen muss der Zähler liefern; Preise, Staffelung und Beispiel rechnet Netzentgelte verstehen vor.
Das Zählwerksbündel und seine Kennzahlen
Die Kennzahlen stammen aus der OBIS-Codeliste 2.5c, Kap. 3.1. Der Kanal b (0 bis 65) wird vom Messstellenbetreiber vergeben.
| Zählwerk und Kennzahl | Prüfidentifikator laut Codeliste |
|---|---|
Wirkarbeit Bezug, Lastgang1-b:1.29.0 |
13018 |
Wirkarbeit Bezug, Zählerstand1-b:1.8.0 |
13017 |
Wirkleistung Bezug, Maximum1-b:1.6.0 |
13016, 13017 |
Wirkarbeit Lieferung, Lastgang1-b:2.29.0 |
13018 |
Blindarbeit Quadrant I und IV, Lastgang1-b:5.29.0, 1-b:8.29.0 |
13018 |
Die Richtung der Blindarbeit steckt in der Messgröße selbst. Bei Messeinrichtungen nach VDE-AR-N 4400:2019-07 oder neuer gehören die Quadranten I und IV zum Bezug, II und III zur Lieferung; ältere Messeinrichtungen führen „positiv“ (3.x.0) und „negativ“ (4.x.0). Welches Schema gilt, erklärt Blindleistung und Blindarbeit.
Welches dieser Zählwerke der Netzbetreiber tatsächlich bekommt, legt das bestellte Messprodukt fest. Ein Register, das im Gerät läuft, aber in keinem bestellten Messprodukt steht, erreicht die Abrechnung nicht. Zählwerke und Messprodukt in SAP behandelt Register und Zählwerke.
Der Wandlerfaktor in der Kette
Der Zähler am Wandler misst sekundär. Die Primärwerte entstehen durch Multiplikation mit dem Wandlerfaktor, und zwar für Arbeit, Maximum und Blindarbeit gleichermaßen. Wo der Faktor im Datenfluss berücksichtigt wird, hängt vom Datentyp ab: In MSCONS-Lastgängen sind die Mengen bereits primär; bei Zählerständen und Leistungswerten aus der Wandlermessung kann er auf die Verrechnungsliste (VL) entfallen. Die Regeln dazu, einschließlich der Ausnahme für Lastgangmessung, stehen im Wandler-Artikel.
Rechenbeispiel: ein Monat, Faktor 40
Vereinfachtes Beispiel mit angenommenen Werten. Ein Gewerbebetrieb ist über Stromwandler gemessen, der Faktor beträgt 40.
| Größe | sekundär → primär (× 40) |
|---|---|
| Wirkarbeit Bezug, Monatsdifferenz | 800 kWh → 32.000 kWh |
Höchstleistung 1-b:1.6.0 |
2,5 kW → 100 kW |
| Blindarbeit Quadrant I | 300 kvarh → 12.000 kvarh |
Das Verhältnis Blind- zu Wirkarbeit ist 12.000 / 32.000 = 0,375, also tan φ = 0,375 und cos φ ≈ 0,94. Es ist sekundär genauso groß wie primär, denn der Faktor kürzt sich heraus. Eine Pönale bemisst sich aber an der Menge über der Freigrenze in kvarh; das Verhältnis entscheidet nur, ob es eine solche Menge gibt. Dort entscheidet der Faktor: Fehlt er, ist die Blindarbeit um 40 zu klein, ohne dass das Verhältnis auffällt. Das Preisblatt-Beispiel in Blindleistung und Blindarbeit setzt die Freigrenze bei 50 Prozent der Wirkarbeit (tan φ = 0,5); dieser Kunde bliebe darunter, es entstünde keine Pönale.
Fehlerfälle
Wandlerfaktor doppelt. Der Zähler rechnet schon primär, und das Abrechnungssystem multipliziert noch einmal: Arbeit, Spitze und Blindarbeit sind um den Faktor zu hoch.
Wandlerfaktor fehlt. Alle Werte sind um den Faktor zu klein; Einheit und Zeitraster bleiben gleich, der Fehler fällt nicht auf. Die Spitze ist besonders teuer, weil sie das Jahresleistungsentgelt bestimmt.
Register nicht im Messprodukt. Das Gerät misst die Blindarbeit, die Abrechnung bekommt sie nicht, und eine Pönale lässt sich später nicht nachweisen.
Quadrantenschema vermischt. Wer Quadrantenkennzahlen und „positiv/negativ“ parallel verarbeitet, zählt dieselbe Blindleistung zweimal.
Wandlertausch ohne neuen Faktor. Nach einem Tausch ändert sich das Übersetzungsverhältnis; der alte Faktor im Abrechnungssystem verfälscht alle Folgeperioden.
Typische Missverständnisse
„Wandlermessung heißt automatisch Blindarbeitsabrechnung.“ Nein. Das Zählwerk kann existieren, ohne dass Geld fließt. Ob eine Pönale anfällt, steht im Preisblatt des Netzbetreibers.
„Ab 100.000 kWh wird mit Wandler gemessen.“ Nein. § 55 MsbG regelt die Messmethode (Zählerstandsgang oder Lastgang), nicht die Bauform. Ob ein Wandler nötig ist, hängt vom Strom ab, nicht vom Verbrauch.
„Die Höchstleistung ist die Momentanspitze.“ Nein. Sie ist der größte Viertelstundenwert im Zeitraum.