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Energiedaten & Bilanzierung

Energiemengen verstehen

Physische und bilanzielle Energiemenge, Entnahme und Einspeisung, Messwert, Profilwert, Ersatzwert und Abrechnungsmenge: welche Menge wofür gilt und warum sich Summen nicht beliebig mischen lassen.

Auf dieser Seite9 Abschnitte

Kurzantwort

Eine Energiemenge ist Arbeit in einem Zeitraum, in kWh oder MWh. Im Strommarkt reicht die Zahl allein nie: Dazu gehören Bezugspunkt, Zeitraum, Richtung und die Herkunft des Wertes. 40 kWh können Entnahme oder Einspeisung sein, gemessen, aus einem Profil berechnet oder ersetzt.

Physisch fließt Energie an einem Netzanschluss, bilanziell wird sie einem Bilanzkreis zugeordnet. Die MaBiS verlangt, dass zu jedem Zeitpunkt „eine vollständige Zuordnung der in einem BG erzeugten und verbrauchten Energiemengen zu BK“ gewährleistet ist (Kap. 3.4). Dieser Artikel ordnet die Mengenarten, die diese Zuordnung speisen. Die Umrechnung zwischen kW und kWh und die Werteart beschreiben Lastgang und Zählerstand und Leistungswerte, das Addieren zu Reihen Aggregation von Messwerten.

Physische und bilanzielle Menge

Physisch Bilanziell
Energiefluss an einem Messpunkt Zuordnung einer Menge zu Marktlokation, Bilanzierungsgebiet und Bilanzkreis
Kennt keinen Lieferanten Ändert sich durch Lieferantenwechsel ohne physische Änderung
Messung oder Berechnung Summe aus Messwerten, Profilwerten und Ersatzwerten
Gilt für die Netzbetrachtung Gilt für Bilanzkreisabrechnung und Lieferantensicht

Ein Bilanzkreis ist keine Leitung und kein Speicher, sondern eine Verrechnungsgröße. Die Menge, die im Netzabschnitt dieselbe bleibt, gehört nach einem Lieferantenwechsel zu einem anderen Bilanzkreis. Die Netzsicht und die Sicht eines Lieferanten sind deshalb verschiedene Summen. Dazu kommen Verluste, die in der MaBiS als eigene Verlustzeitreihe geführt werden (Verlustenergie verstehen).

Entnahme und Einspeisung

Entnahme ist Energie, die eine Marktlokation aus dem Netz bezieht, Einspeisung Energie, die eine erzeugende Marktlokation in das Netz abgibt. Beide sind getrennte Mengen. Die MaBiS-Formel für die Differenzzeitreihe führt Summenzeitreihen „für Einspeisung“ und „für Entnahme“ getrennt auf und saldiert erst danach. Ein Vorzeichen in einer Datei ist nur eine technische Darstellung. Ob negativ Einspeisung heißt, legen Format und Kennzahl fest, nicht die Zahl. Wie die Richtung am Zähler abgebildet wird, zeigt Messrichtungen.

An einem Anschluss mit PV-Anlage fließen gleichzeitig Erzeugung, Eigenverbrauch, Netzbezug und Netzeinspeisung. Welche davon eine eigene Messung und Marktlokation haben, bestimmt das Messkonzept (PV-Eigenverbrauch und Messkonzept). Eine Nettogröße aus Erzeugung minus Verbrauch ist nur zulässig, wenn das Konzept sie vorsieht.

Vier Arten von Mengen

  • Messwert: Er stammt aus einer Messung. Die Messung nennt § 55 Abs. 1 MsbG: Zählerstandsgangmessung oder viertelstündige registrierende Lastgangmessung, bei kleinen Letztverbrauchern ohne intelligentes Messsystem die Erfassung der entnommenen Arbeit „entsprechend den Anforderungen des Stromliefervertrages“.
  • Profilwert: Er ist berechnet. Die MaBiS führt „¼ h gemessene und Profileinspeisungen“ sowie „Profilentnahmen“ nebeneinander in den Summenzeitreihen auf. Das Standardlastprofil verteilt eine Jahres- oder Periodenmenge nach einer Kurve (Standardlastprofile verstehen). Die Abweichung der profilierten Letztverbraucher und Erzeugungsanlagen erfasst der Differenzbilanzkreis. Er ist nach GPKE Teil 1 Kap. 8.3 Nr. 4 vorgeschrieben für Verteilnetzbetreiber mit mindestens 100.000 angeschlossenen Kunden (Seite 30).
  • Ersatzwert: Er füllt eine Lücke. Nach § 55 Abs. 2 MsbG bildet der Messstellenbetreiber ihn „nach den anerkannten Regeln der Technik“, wenn kein wahrer Messwert vorliegt (Ersatzwertbildung in der Praxis).
  • Abrechnungsmenge: Sie ist die Menge für einen Zweck, etwa für die Rechnung an den Kunden. Sie kann aus denselben Werten stammen und hat dennoch ihren Zeitraum, ihre Rundung und ihren Preis.

Ob ein Anschluss mit Messwerten oder Profilen bilanziert wird, hängt von der Messtechnik ab. Die Grenze bei 100.000 kWh Jahresverbrauch und ihre Ausnahmen beschreibt Registrierende Leistungsmessung.

Von der Viertelstunde zur Monatsmenge

Eine Menge hängt am Zeitraum, über den man sie bildet. Ein Lastgang mit konstant 80 kW liefert je Viertelstunde 20 kWh, je Tag 96 × 20 = 1.920 kWh und über 30 Tage 57.600 kWh, also 57,6 MWh. Die Monatsmenge sagt nichts darüber, ob die Last gleichmäßig lief oder in kurzen Spitzen. Für die Bilanzierung zählt die Viertelstunde, für die Netznutzungsabrechnung zusätzlich die Spitze (Leistungswerte). Am Umstellungstag hat der Tag nicht 96 Intervalle (Zeitumstellung in Energiedaten).

Ein Fall mit PV und Heizstab

Ein Gewerbebetrieb hat eine PV-Anlage, einen Heizstab und einen Netzanschluss. Von 12:00 bis 12:15 Uhr erzeugt die PV 60 kWh. 20 kWh verbraucht der Betrieb direkt, 25 kWh nimmt der Heizstab auf, 15 kWh gehen ins Netz. Bezug aus dem Netz gibt es nicht. Die Netzanschlussmessung zeigt 15 kWh Einspeisung und 0 kWh Entnahme. Welche Menge als Erzeugung gilt und ob Eigenverbrauch gemessen wird, entscheidet das Messkonzept. Der Bilanzkreis der erzeugenden Marktlokation erhält die Einspeisung. Eine Nettogröße aus Erzeugung minus Verbrauch ersetzt diese Reihe nicht.

Fehlt für diese Viertelstunde der Wert der Einspeisemessung, wird ein Ersatzwert gebildet und gekennzeichnet. Kommt der wahre Wert nach, ändert sich die Menge der Marktlokation und damit die Summenzeitreihe, die als neue Version versendet wird.

SAP IS-U und EDM

Im Energiedatenmanagement tragen Profile Einheit und Zeitraster im Kopf. Der Profilkopf EPROFHEAD enthält dafür die Felder MASS (Einheit der Profilwerte) und INTSIZEID (Zeitraster). Aussagen zu Transaktionen oder Customizing macht dieser Artikel nicht, weil sie hier nicht belegt sind. Das Überblicksbild bietet Energiedatenmanagement im Kontext.

Typische Missverständnisse

  • „Ein negativer Wert ist immer Einspeisung.“ Das Vorzeichen folgt der Konvention des Formats.
  • „Die physische Netzmenge ist die Menge des Bilanzkreises.“ Der Bilanzkreis ist eine Zuordnung der Mengen, kein Leitungsabschnitt.
  • „SLP-Werte sind Messwerte.“ Sie sind berechnet. Die Abweichung steht im Differenzbilanzkreis.
  • „Ersatzwert und Nullwert sind austauschbar.“ Null ist ein Messergebnis, der Ersatzwert ein gekennzeichneter Rechenwert.
  • „Die Rechnungsmenge ist die Bilanzmenge.“ Beide können aus denselben Werten stammen, haben aber Zeitraum, Zweck und Rundung für sich.

Quellen und Pflegehinweis

Die Zuordnungsregel und die Reihen stammen aus der MaBiS-Lesefassung nach BK6-24-174 (Kap. 3.4), der Differenzbilanzkreis aus GPKE Teil 1, die Messverfahren aus § 55 MsbG. Geprüft am 05.10.2026. Bei neuen Fassungen von MaBiS oder GPKE sind Kapitelverweise und Schwellen erneut zu prüfen.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. Bundesnetzagentur – MaBiS, Lesefassung nach BK6-24-174 (Kap. 3.4 Vollständige Zuordnung von Energiemengen, Differenzzeitreihe)bundesnetzagentur.de
  2. Bundesnetzagentur – GPKE Teil 1, Lesefassung nach BK6-24-174 (Kap. 8.3 Profilverfahren)bundesnetzagentur.de
  3. Messstellenbetriebsgesetz – § 55 Messwerterhebung Stromgesetze-im-internet.de
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