Kurzantwort
Das Energiedatenmanagement (EDM) von SAP IS-U führt Zeitreihen als Profile: Es nimmt Intervallwerte auf, prüft sie mit Konsistenzprüfungen, ersetzt fehlende Werte nach Ersatzwertverfahren und stellt Mengen für Abrechnung und Bilanzierung bereit. Die Objekte dafür sind Profilkopf (EPROFHEAD), Profilwerte, Profilzuordnung (EPROFASS) und für die Bilanzierung die Siedlungsobjekte EEDMSETTL*. Der Marktbezug (Wertestatus, Versionen, Fristen) kommt aus MaBiS und WiM, nicht aus SAP.
Wo das EDM in der Kette sitzt
Die EDM-Bausteine
SAP Learning nennt drei Bausteine (Energy Data Management Components):
- Profilkopf: Eigenschaften des Profils wie Sparte, Art, Gültigkeit und Speicherort.
- Profilwerte: die Zeitreihe, zum Beispiel Verbrauch, Preise, Temperatur oder Umrechnungsfaktoren, in Intervallen von fünf Minuten bis zu einem Tag. Sie können im EDM liegen oder aus einem Fremdsystem kommen.
- Profilzuordnung: verbindet Profile über Rollen und Zeitscheiben mit Zählwerken.
Dazu kommen die Schnittstelle für Real-Time-Pricing (RTP) für Abrechnung und Bilanzierung sowie die zeitvariable Abrechnung. Aufbau und Zuordnung beschreibt Profilverwaltung. Die Transaktionen EEDM01 bis EEDM11 nennt SAP Learning ohne Erklärung; sie stehen nicht im Transaktionskatalog des Atlas und werden deshalb hier nicht verwendet.
Prüfen und Ersatzwerte bilden
Zwei Gruppen am Profilkopf steuern, was mit eingehenden Werten geschieht:
- Konsistenzprüfgruppe (EPROFHEAD-CONCHECKGRP, Werte in EEDMCONGRP).
- Ersatzwertverfahrensgruppe (EPROFHEAD-REPLACEMETHODGRP, Werte in EEDMREPLACEGRP). Die Gruppe sagt, ob ihre Verfahren nach dem Profilwertimport und für Verbrauchs- oder Leistungsprofile gelten.
Die Verfahren selbst stehen in EEDMREPLACE: ein Funktionsbaustein für die Ersatzwerte, ein Baustein für den Referenzzeitraum (Beginn und Dauer), die Kennzeichen für Verbrauch, Leistung, Interpolation, Extrapolation und manuelle Eingabe. SAP Learning nennt als Beispiel einen Baustein für lineare Ersetzung. Zuordnen lassen sich Prüf- und Ersatzwertgruppen nur, wenn die Originalwerte im EDM liegen.
Den Begriff Ersatzwert definiert die Bundesnetzagentur in einem Diskussionspapier als abrechnungsrelevanten Messwert, der anstelle eines fehlenden wahren, eines vorläufigen oder eines unplausiblen wahren Messwerts gebildet wird (BK6-16-200, Abschn. 1). Das Papier ist ein Diskussionspapier von 2016; verbindlich sind die Fristen und Statusregeln in WiM und MaBiS. Einen Wertestatus-Eintrag am Profilwert beschreibt der Atlas unter Status und Qualität von Messwerten; seine Tabelle führt der Katalog nicht.
Siedlung und Bilanzierung
Für die Bilanzierung führt der Katalog die Objekte EEDMSETTL*:
- Siedlungsverfahren (EEDMSETTLPROC): Steuerung eines Laufs mit Intervalllänge (INTSIZEID), Sicht (SETTLVIEW), Programm und Protokolltiefe. Es enthält keine Messwerte.
- Bilanzierungseinheit (EEDMSETTLUNIT): die Einheit, für die ein Lauf Werte verrechnet, mit Zeitraum, Kategorie, Koordinator, Verteilnetzbetreiber, Lieferant und Netz.
- Siedlungsschritt (EEDMSETTLSTEP): eine Rechenoperation mit ausführender Klasse; die Reihenfolge der Schritte steht nicht hier.
- Siedlungsbeleg (EEDMSETTLDOC): Kopf eines Laufs mit Verfahren, Zeitraum, Belegstatus und Version.
Die Einheit ist keine Verbrauchsstelle, sondern eine eigene Sicht auf den gemeinsam verrechneten Netzteil. Dieselbe Einheit lässt sich aus der Sicht verschiedener Marktrollen rechnen (EEDMSETTLVIEW). Wie diese Objekte die MaBiS-Summenzeitreihen im Einzelnen abbilden, belegen die verwendeten Quellen nicht; das bleibt offen.
Was der Markt vorgibt
Die Regeln der Bilanzkreisabrechnung gelten unabhängig vom System. Für eine Summenzeitreihe dürfen nur Werte der Marktlokation mit Wertestatus „wahrer Wert“ oder „Ersatzwert“ herangezogen werden; fehlen sie, sind die Viertelstunden mit Nullwerten zu füllen (MaBiS, Abschn. 3.8.1). Zur Abrechnung kommen die höchsten Versionen im Datenstatus „Abrechnungsdaten“ (Abschn. 3.8.3). Fristen und Rollen erklären Clearing und Bilanzierung und Aggregation von Messwerten. Aufbereitung und Übermittlung der Messwerte regelt § 60 MsbG (Abs. 1): Der Messstellenbetreiber bereitet die Daten auf und übermittelt sie an berechtigte Stellen.
Beispiel
Ein Kunde mit Lastgangmessung hat am 3. Juni sechs Viertelstunden ohne Wert. Das Profil an seinem Zählwerk trägt die Prüfgruppe und die Ersatzwertgruppe seines Profilkopfs. Der Import erkennt die Lücke, ein Verfahren der Gruppe bildet Ersatzwerte aus dem Referenzzeitraum, die Werte tragen den Status „Ersatzwert“. Meldet der Netzbetreiber später wahre Werte nach, gilt die höchste Version im Datenstatus „Abrechnungsdaten“. Die Werte sind ein vereinfachtes Lernbeispiel.
Fehlerfälle
Ersatzwert ohne Kennzeichnung. In der Summenzeitreihe zählt er wie ein wahrer Wert, und eine spätere Korrektur lässt sich nicht nachvollziehen.
Zeitumstellung. Frühjahr und Herbst verschieben das Raster; siehe Zeitumstellung in Energiedaten.
Doppelte Werte nach Korrekturlieferung. Eine Korrektur ersetzt, sie addiert nicht: Korrekturen verarbeiten.
Falsche Rolle beim Import. Prognosewerte ohne Kategorie Forecast landen im Messprofil (Profilverwaltung).
Typische Missverständnisse
Das EDM ist das Messgerät. Zähler und Gateway erheben; das EDM führt, prüft und verteilt.
Die Zeitreihe ist die Rechnung. Sie liefert Mengen; Preise und Vertragsdaten kommen aus der Abrechnung.
Die höchste Version ist abrechnungsrelevant. Entscheidend ist die höchste Version im Datenstatus „Abrechnungsdaten“.
Quellen und Pflegehinweis
SAP-Seite: SAP Learning und Projektkatalog (Tabellen, Stand 2. Oktober 2026). Marktseite: MaBiS-Lesefassung BK6-24-174, § 60 MsbG, das Diskussionspapier BK6-16-200 nur für den Begriff. Offen sind die Profilwerttabellen, die EEDM-Transaktionen und die Abbildung der MaBiS-Summenzeitreihen im SAP-EDM. Prüfdatum: 5. Oktober 2026.