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Energiedaten & Bilanzierung

Leistungswerte: Momentanleistung, Intervallwert und Arbeitsmenge

Warum der Viertelstundenwert im Lastgang eine Mittelwert-Aussage ist, wie Arbeitsmenge und Leistung zusammenhängen und warum die Jahreshöchstleistung eine Viertelstunde ist, keine Momentanspitze.

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Kurzantwort

Die Momentanleistung ist die Leistung zu einem Zeitpunkt. Im Lastgang steht sie nicht. Dort steht je Viertelstunde die Arbeitsmenge in kWh, und die mittlere Leistung des Intervalls ist diese Menge geteilt durch 0,25 Stunden. Aus 3 kWh in einer Viertelstunde werden 12 kW im Mittel. Eine kurze Spitze innerhalb der Viertelstunde verschwindet im Mittelwert.

Das hat Folgen für die Abrechnung: Die Jahreshöchstleistung, mit der das Netzentgelt für Kunden mit Lastgangmessung berechnet wird, ist die höchste Viertelstunde, keine Momentanspitze (§ 17 Abs. 2 StromNEV). Der Artikel trennt die drei Größen, zeigt den Zeitbezug eines Werts und rechnet ein Beispiel. Die Einheiten Wirkleistung und Wirkarbeit erklärt Wirkarbeit, Wirkleistung und Blindarbeit, die Differenzbildung aus Zählerständen Messwerte und Zählerstandsgänge. Beides wird hier nicht wiederholt.

Drei Größen, drei Fragen

  • Momentanleistung (kW): Wie hoch ist die Leistung jetzt? Bezug ist ein Zeitpunkt oder eine sehr kurze Messdauer.
  • Intervallwert, mittlere Leistung (kW): Welche Leistung gilt im Mittel für dieses Intervall, etwa 15 Minuten?
  • Arbeitsmenge (kWh): Wie viel Energie wurde im Intervall umgesetzt?

Die Marktkommunikation kennt von diesen Größen nur Intervallwerte. In den Standard-Messprodukten Strom der Codeliste der Konfigurationen (Version 1.3c, Kap. 2) tauchen Zählerstand, Arbeitsmenge, Lastgang und „höchste 1/4 Stunde im Monat“ auf, keine Momentanleistung. Momentan-Einspeisewirkleistungen führt die Codeliste nur unter den Messprodukten für Werte nach Typ 2 (Kap. 4.7.1). Wo ein Zähler intern schneller misst, wird das vor der Übermittlung zum Intervall verdichtet. Wie das im einzelnen geschieht, ist hier nicht belegt und hängt vom Zähler ab.

Der Zusammenhang für ein Intervall der Länge t:

Arbeitsmenge [kWh] = mittlere Leistung [kW] × t [h]

Für eine Viertelstunde ist t = 0,25 h. 4 kW im Mittel sind also 1 kWh, 1 kWh sind 4 kW im Mittel.

Wie eine Spitze im Intervallwert verschwindet

Der Intervallwert der Viertelstunde (gestrichelt) liegt weit unter der kurzen Spitze. Nur dieser Mittelwert geht in den Lastgang ein.Lernmodell mit synthetischen Werten.

Ein Verbraucher nimmt in einer Viertelstunde fünf Minuten lang 10 kW, fünf Minuten lang 60 kW und fünf Minuten lang 10 kW auf. Die Teilmengen: 10 kW × 5/60 h = 0,83 kWh, 60 kW × 5/60 h = 5,00 kWh, 10 kW × 5/60 h = 0,83 kWh. Zusammen sind das 6,67 kWh. Der Intervallwert beträgt 6,67 kWh ÷ 0,25 h = 26,7 kW. Der Lastgang meldet für diese Viertelstunde 6,67 kWh, die Spitze von 60 kW ist ihm nicht anzusehen.

Ein zweiter Verbraucher, der die ganze Viertelstunde lang gleichmäßig 26,7 kW zieht, erzeugt denselben Lastgangwert. Umgekehrt lässt sich aus einem Intervallwert der Verlauf im Intervall nicht rekonstruieren.

Zeitbezug: Von wann bis wann gilt der Wert?

Ein Wert „12 kW“ oder „3 kWh“ ist ohne Zeitbezug unbrauchbar. In der MSCONS steht der Zeitraum der Übertragung als Beginn und Ende der Messperiode (Segmente DTM+163 und DTM+164, jeweils in UTC), und jeder Viertelstundenwert trägt eigene Zeitangaben innerhalb dieses Zeitraums. Das MSCONS-AHB 3.2 zeigt das am Tag der Zeitumstellung: Für den 25.10.2020 reicht die Messperiode von 22:00 UTC (00:00 Uhr MESZ) bis 23:00 UTC (00:00 Uhr MEZ des Folgetags). Es sind 100 Viertelstundenwerte zu übertragen, im Frühjahr 92. Eine lokale Uhrzeit allein reicht zum Sortieren also nicht aus; den Hintergrund erklärt Zeitumstellung in Energiedaten.

Was ein Wert mit dem Zeitstempel 08:15 bedeutet, ist deshalb keine Frage der Gewohnheit. Ob das Intervall davor oder danach gemeint ist, legt das Format fest. Wer Werte aus verschiedenen Quellen mischt, prüft das zuerst. Raster, Lücken und Zeitzone behandelt Viertelstundenwerte und Zeitraster.

Leistungsmaximum und Jahreshöchstleistung

Aus den Intervallwerten bildet man das Leistungsmaximum: den größten Viertelstunden-Mittelwert im betrachteten Zeitraum. Die Codeliste führt dafür eigene Messprodukte, etwa „Wirkarbeit höchste 1/4 Stunde im Monat“ (Code 9991 00000 008 6, bestellbar durch den Netzbetreiber). Bei Zählerstandsgängen aus dem intelligenten Messsystem erhalten Netzbetreiber und Lieferant für die Marktlokation Arbeitsmenge und Maximalleistung für die Netznutzungsrechnung (WiM Teil 2, Kap. 2.5.3).

Für Entnahmestellen mit Leistungspreis gilt nach § 17 Abs. 2 StromNEV: Das Jahresleistungsentgelt ist das Produkt aus dem Jahresleistungspreis und der Jahreshöchstleistung der Entnahme im Abrechnungsjahr. Wäre die Viertelstunde aus dem Beispiel oben die höchste des Jahres, gingen 26,7 kW in die Rechnung ein, nicht die 60 kW. Bei einem angenommenen Jahresleistungspreis von 30 €/kW (vereinfachtes Beispiel, reale Preise stehen im Preisblatt des Netzbetreibers) ergäben sich 26,7 × 30 = 800 € Leistungsentgelt für das Jahr. Wie die Jahresspitze aus zwölf Monaten entsteht, zeigt Registrierende Leistungsmessung. Das Zusammenspiel mit dem Arbeitspreis steht in Netzentgelte verstehen.

Eine einzige Viertelstunde mit hohem Mittelwert kann also das Leistungsentgelt für das ganze Jahr bestimmen. Wer Lastspitzen kappt, spart nur dann, wenn er die Viertelstunde trifft, nicht den Augenblick.

Fehlerfälle

Falsche Intervalllänge. 1 kWh in 15 Minuten durch eine ganze Stunde zu teilen ergibt 1 kW statt 4 kW. Der Wert ist um den Faktor vier zu klein.

Zeitstempel verschoben. Eine Reihe kann plausibel aussehen und trotzdem im falschen Intervall liegen. Lastspitzen, Preiszuordnung und Bilanzsummen wandern dann mit.

Lücke als Null gelesen. Ein fehlender Wert ist nicht 0 kW. Fehlt der wahre Messwert innerhalb der Frist, bildet der Messstellenbetreiber im Einzelfall einen Ersatzwert oder vorläufigen Wert (§ 55 Abs. 2 MsbG). Der Status gehört zum Wert, siehe Messwertstatus.

Richtung vergessen. Bezug und Einspeisung sind getrennte Reihen; ein positiver Zahlenwert sagt ohne Richtung nichts.

Typische Missverständnisse

  • „12 kW heißt 12 kWh.“ Bei 12 kW über 15 Minuten sind es 3 kWh, über eine Stunde 12 kWh.
  • „Der Viertelstundenwert ist die höchste Leistung im Intervall.“ Er ist der Mittelwert.
  • „Aus dem Lastgang lässt sich der Verlauf innerhalb der Viertelstunde ablesen.“ Das geht nicht. Der Mittelwert behält die Menge, nicht die Form.
  • „Die Jahreshöchstleistung ist die Momentanspitze.“ Sie ist die höchste Viertelstunde.
  • „kWh ist eine Leistungseinheit.“ kWh misst Arbeit, kW Leistung.

Quellen und Pflegehinweis

Die Umrechnung zwischen Leistung und Arbeit ist Physik, die Rolle der Viertelstunde folgt aus MSCONS-AHB, Codeliste der Konfigurationen und StromNEV (§ 2 Nr. 4 und § 17 Abs. 2). Geprüft am 05.10.2026. Die Zahlen im Beispiel sind frei gewählt. Ändern sich die Netzentgeltregeln (die StromNEV gilt bis 31.12.2028) oder die Codeliste, ist der Abschnitt zur Jahreshöchstleistung erneut zu prüfen.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. Messstellenbetriebsgesetz – § 55 Messwerterhebung Stromgesetze-im-internet.de
  2. Stromnetzentgeltverordnung – § 2 Begriffsbestimmungengesetze-im-internet.de
  3. Stromnetzentgeltverordnung – § 17 Netzentgelt für Entnahmengesetze-im-internet.de
  4. BDEW – Codeliste der Konfigurationen, Version 1.3c (01.04.2025)bundesnetzagentur.de
  5. Bundesnetzagentur – MSCONS-AHB 3.2, Kap. 4 Zeitumschaltung bei Lastgangübertragungbundesnetzagentur.de
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