Kurzantwort
Ein Zählerstand ist ein kumulierter Registerwert zu einem Zeitpunkt. Eine Arbeitsmenge ist die Energie zwischen zwei Zeitpunkten. Ein Lastgang ist eine gemessene Reihe solcher Intervallwerte, im Strom je Viertelstunde. Ein Lastprofil ist dagegen keine Messung, sondern ein berechneter Verlauf, der eine bekannte oder prognostizierte Jahresmenge auf Intervalle verteilt.
Welches dieser Produkte an einer Marktlokation vorliegt, entscheidet über das Bilanzierungsverfahren: Profil oder Viertelstundenwerte. Ein Zählerstandsgang (eine Reihe viertelstündlicher Zählerstände) ist dabei kein Lastgang, liefert aber durch Differenzbildung einen. Wie die Differenz gebildet wird, zeigt Messwerte und Zählerstandsgänge mit Rechenbild. Dieser Artikel ordnet die Produkte ein und grenzt gemessene Werte von Profilen ab.
Die Messprodukte der Codeliste
In der Marktkommunikation bestellt man Werte über einen Messprodukt-Code, ohne sie frei zu beschreiben. Die BDEW-Codeliste der Konfigurationen (Version 1.3c, Stand 01.04.2025, Kap. 2.1 und 2.3) führt dafür je Code eine Messgröße, eine Werteart und eine Wertegranularität. Die Werteart trennt genau die Produkte, um die es hier geht:
| Werteart und Granularität | Beispielcode |
|---|---|
| Zählerstand, jährlich bis monatlich | 9991 00000 015 1: Messlokation, Verbrauch, jährlich |
| Arbeitsmenge, jährlich bis monatlich | 9991 00000 004 4: Marktlokation, jährlich |
| Lastgang, 1/4 stündlich (Gas: stündlich) | 9991 00000 007 8: Marktlokation, Wirkarbeit |
| höchste 1/4 Stunde im Monat | 9991 00000 008 6: Marktlokation, Wirkarbeit |
Die vier Beispielcodes stehen in der Fassung 1.3c so drin (Kap. 2.1.1, 2.1.2 und 2.3.1). Ob die 1.3c nach dem 01.10.2026 fortgeschrieben wird, ist hier nicht geprüft. Für die Ebene gilt bei erfassten Zählerständen (nicht beim Viertelstunden-Zählerstandsgang): Die Marktlokation bekommt die Arbeitsmenge, die Messlokation den Zählerstand (WiM Teil 2, Kap. 2.5.3). Die Prüfidentifikatoren der MSCONS dazu stehen in Messwerte und Zählerstandsgänge, die OBIS-Kennzahlen in OBIS-Kennzahlen.
Die Granularität bedeutet je nach Werteart etwas anderes: Beim Lastgang ist es die Auflösung der Werte, bei Zählerständen das Erfassungsintervall (Fußnote 10 der Codeliste, zur Gas-Tabelle in Kap. 3).
Lastgang: Arbeit oder Leistung?
Ein Lastgang führt Energiemengen je Intervall. Die OBIS-Kennzahl 1-b:1.29.0 trägt in der Codeliste die Bezeichnung „Energiemengen für Zeitintervalle von äquidistanter Dauer“. Der Mittelwert der Leistung ergibt sich daraus durch Division durch die Intervalllänge: 3 kWh in einer Viertelstunde sind 12 kW im Mittel. Ob Menge oder Mittelwert im Datenmodell gespeichert wird, ist eine Frage der Darstellung. In der MSCONS steht die Menge, die Einheit folgt aus der Kennzahl. Mehr zur Leistungsseite steht in Leistungswerte, zum Verfahren der Leistungsmessung in Registrierende Leistungsmessung.
Ein Hinweis zur Rechtslage: Die frühere Begriffsbestimmung „Lastgang“ stand in der StromNZV. Sie ist außer Kraft. Das MsbG kennt die Zählerstandsgangmessung (§ 2 Nr. 27) und die viertelstündige registrierende Lastgangmessung (§ 55 Abs. 1), definiert den Lastgang selbst aber nicht. In der Praxis meint man damit die Reihe der Viertelstundenwerte.
Lastprofil ist nicht Lastgang
Der gemessene Lastgang beantwortet: Was ist im Intervall passiert? Das Lastprofil beantwortet: Wie wird die Menge voraussichtlich verteilt? Beim Profilverfahren legt der Netzbetreiber für jeden Profilkunden eine Jahresverbrauchsprognose fest, in der Regel auf Basis des Vorjahresverbrauchs. Die Abweichung zwischen gemessener Arbeit und Prognose wird als Jahresmehr- oder Jahresmindermenge zwischen Lieferant und Netzbetreiber abgerechnet (GPKE Teil 1, Kap. 8.4). Aufbau und Skalierung der Standardprofile erklärt Standardlastprofil (SLP).
Für Erzeugungsanlagen gilt: Es sind nur dynamische Profilverfahren zulässig, die auf das lokale Dargebot referenzieren; statische Profile wie Bandprofile sind nicht zulässig (GPKE Teil 1, Kap. 8.3 Nr. 3).
Welche Messtechnik, welches Verfahren
Das Bilanzierungsverfahren folgt der Messtechnik der Messlokationen. GPKE Teil 1, Kap. 8.5 legt fest, bei verbrauchenden und erzeugenden Marktlokationen:
| Messtechnik | Bilanzierung |
|---|---|
| kME ohne RLM oder mME | anhand von Profilen |
| kME mit RLM | in der Regel auf Basis gemessener Viertelstundenwerte |
| iMS (vollständig) | Viertelstundenwerte aus den täglichen Zählerstandsgängen |
Dabei sind kME die konventionelle und mME die moderne Messeinrichtung, RLM die registrierende Leistungsmessung und iMS das intelligente Messsystem. Auf den iMS-Weg wurde mit BK6-24-174 umgestellt: Marktlokationen mit vollständig iMS-ausgestatteten Messlokationen werden seitdem mit Viertelstundenwerten bilanziert. Die Festlegung ist laut Bundesnetzagentur seit dem 06.06.2025 anzuwenden. Wo die Grenze für das Profilverfahren liegt, steht in Registrierende Leistungsmessung.
Beispiel: PV-Haushalt mit zwei Richtungen
Ein Haushalt hat ein intelligentes Messsystem und eine PV-Anlage. Um 12:00 Uhr steht das Bezugsregister bei 2.000,0 kWh, um 12:15 Uhr bei 2.000,4 kWh. Das Einspeiseregister läuft im selben Intervall von 850,0 auf 852,5 kWh. Der Zählerstandsgang führt beide Register. Daraus entstehen zwei Intervallmengen: 0,4 kWh Bezug und 2,5 kWh Einspeisung. Das sind zwei Richtungen und damit zwei Reihen. Eine Nettoverrechnung zu „2,1 kWh Überschuss“ ist als Messprodukt nicht vorgesehen; was der PV-Anlage zugerechnet wird, hängt vom Messkonzept ab. Zur Trennung der Richtungen siehe Messrichtungen.
Typische Missverständnisse
- „Ein Zählerstand ist ein Verbrauch.“ Erst die Differenz zweier Stände ergibt eine Menge.
- „Lastgang und Lastprofil sind Synonyme.“ Der Lastgang ist gemessen, das Profil berechnet.
- „Zählerstandsgang und Lastgang sind dasselbe.“ Der Zählerstandsgang enthält kumulierte Stände, der Lastgang fertige Intervallwerte.
- „Jeder Lastgang zeigt Leistung in kW.“ In der Marktkommunikation stehen Energiemengen je Intervall; die mittlere Leistung wird daraus berechnet.
- „Ein iMSys macht jeden Wert korrekt.“ Auch dort bleiben Plausibilisierung, Status und Ersatzwerte nötig, siehe Messwertstatus.
Quellen und Pflegehinweis
Begriffe stammen aus § 2 und § 55 MsbG, die Zuordnung von Messtechnik und Bilanzierungsverfahren aus GPKE Teil 1 (Lesefassung nach BK6-24-174), die Werteart-Einteilung aus der Codeliste der Konfigurationen 1.3c. Geprüft am 05.10.2026. Bei einer neuen Fassung der Codeliste, von GPKE Teil 1 oder WiM Teil 2 sind Codes und Verfahrenszuordnung erneut zu prüfen. Wie Profile, Lastgänge und Zählerstandsgänge in SAP IS-U im Energiedatenmanagement geführt werden, zeigt der Profilkopf EPROFHEAD im Tabellenexplorer: Die Profilart unterscheidet dort unter anderem Lastgang, Zählerstandsgang und Kundenprofil.