Kurzantwort
Einzug, Auszug und Lieferantenwechsel berühren in SAP IS-U immer dieselbe Konstante: Die Anlage mit ihrem Gerät bleibt bestehen. Was kommt und geht, sind Verträge und Zuordnungen. Der Einzug legt beim Lieferanten einen Vertrag an, der ab dem Einzugsdatum abrechnungstechnisch beginnt. Der Auszug beendet den Vertrag zum Auszugsdatum und stößt Schlussablesung und Schlussabrechnung an. Der Lieferantenwechsel läuft über den Wechselbeleg und ändert die Zuordnung am Zählpunkt, bei jedem Beteiligten in einer anderen Sicht. Wer die Datumsfelder der drei Vorgänge auseinanderhält, versteht fast alle Fehlerbilder.
Den Marktprozess dazu beschreiben Einzug und Auszug im Strommarkt und Lieferantenwechsel in 24 Stunden. Dieser Artikel zeigt, was davon im System liegt. Welche Ablesung Ein- und Auszug auslösen, zeigt Ablesegründe und ihre Folgen.
Die Anlage bleibt, die Verträge wechseln
Am Stichtag ändert sich in drei von vier Spuren etwas. Die technische Seite (Anlage, Verbrauchsstelle, Gerät) bleibt unberührt, deshalb lohnt es sich, das Stammdatenhaus vor Augen zu haben. Die Beziehung zwischen Anlage und Vertrag ist zeitlich begrenzt: Zu einem Stichtag gehört eine Anlage zu genau einem Vertrag (Ausnahmen wie Anlagen im Bau nennt der Artikel zum Stammdatenhaus).
Einzug: ein Vertrag beginnt
Der Einzug ist der Vorgang, der einen Geschäftspartner an einer Verbrauchsstelle versorgungstechnisch anmeldet. Erfasst wird er im Kundenservice mit EC50 oder in der Front-Office-Bedienung mit EC50E. Das System legt dabei einen Einzugsbeleg an, der auf zwei Ebenen liegt:
- Kopf auf Kontoebene in EEIN: Vertragskonto, Geschäftspartner, tatsächliches Einzugsdatum, Gründe für Vertrags- und Kundenwechsel, Stornokennzeichen.
- Vertragsebene in EEINV: je Vertrag ein Satz mit Anlage, Verbrauchsstelle, Einzugsdatum und den Kennzeichen für Abschlagsplan und Sicherheitsleistung.
Der Vertrag selbst entsteht in EVER mit dem Einzugsdatum. Die SAP-Hilfe definiert es als „Datum, ab dem der Vertrag abrechnungstechnisch beginnt“, das sich vom tatsächlichen Einzug unterscheiden kann (SAP Help, Einzugsdatum). Deshalb führt EEIN das tatsächliche Einzugsdatum (BEZUGSDAT) getrennt vom Einzugsdatum der Verträge (EINZDAT). Welche Folgeobjekte der Einzug anlegt und wie er sich zurücknehmen lässt, zeigt Vertragsanlage in SAP IS-U.
Auszug: ein Vertrag endet
Der Auszug beendet die Versorgung eines Geschäftspartners an der Verbrauchsstelle. Die SAP-Hilfe beschreibt: Man beendet die Zuordnung eines Vertrags zu einer Anlage zum Auszugsdatum. Der Vertrag selbst endet mit diesem Datum, mindestens ein Vertrag muss zum gewünschten Auszugsdatum an der Anlage bestehen (SAP Help, Auszug). Angelegt wird der Auszugsbeleg mit EC55, geändert mit EC56.
Auch der Auszugsbeleg hat zwei Ebenen: Kopf in EAUS (Vertragskonto, Partner, tatsächliches Auszugsdatum DEPARTUREDATE, Kennzeichen für Schlussrechnung und Stopp des Abschlagsplans) und je Vertrag ein Satz in EAUSV mit Anlage, Verbrauchsstelle, Auszugsdatum und Mahnverfahren.
Das Auszugsdatum ist laut SAP-Glossar der Termin der Schlussablesung und der Stichtag der Schlussabrechnung; es kann vom Räumungsdatum abweichen (SAP Help, Auszugsdatum). Aus der SAP-Hilfe zum Auszug stammen weitere Folgen:
- Sind alle Ablesungen erfasst (Auszugsstatus 05), lässt sich die Schlussabrechnung sofort anstoßen.
- Im Customizing lässt sich festlegen, dass Abschlagspläne zum Auszugsdatum gestoppt werden. Noch nicht fällige Abschläge werden dann nicht mehr angefordert, bezahlte werden mit der Schlussabrechnung verrechnet.
- Das System zeigt je Vertrag den Auszugsstatus; das Minimum über alle Verträge gilt für den ganzen Auszug.
- Das Auszugsdatum lässt sich rückwirkend ändern, solange kein Vertrag abgerechnet und kein Kundenwechsel gebucht ist.
Fristen, Mengenabgrenzung und Verrechnung der Abschläge bei der Schlussrechnung stehen in Schlussrechnung und Zwischenabrechnung. Nach dem Auszug bleibt die Anlage ohne Vertrag zurück. Wird dort weiter Energie entnommen, greift die Ersatzversorgung (Grundversorgung und Ersatzversorgung). Ein Umzug bündelt Auszug und Einzug in einem Vorgang (EC60); der Geschäftspartner bleibt dabei derselbe.
Lieferantenwechsel: eine Zuordnung wechselt
Beim Lieferantenwechsel fragt jede Rolle etwas anderes. Der zentrale Träger des Vorgangs ist der Wechselbeleg. Laut SAP-Hilfe ist er „das zentrale Objekt der Infrastruktur zur Abwicklung des Lieferantenwechsels in SAP IS-U/IDE“ (SAP Help, Lieferantenwechsel). Beim Anlegen gibt man die Wechselart an (Lieferantenwechsel, Lieferende oder Lieferbeginn), die Wechselsicht (Netzbetreiber, neuer Lieferant, alter Lieferant) und die beteiligten Serviceanbieter. Bei den Nachrichtendaten wählt man unter anderem den Transaktionsgrund; dort steht auch „Ein-/Auszug“ zur Auswahl (SAP Help, Wechselbeleg anlegen).
Im Katalog liegt der Kopf in EIDESWTDOC: Zählpunkt (POD), Wechselart, Wechselsicht, bisheriger und neuer Versorger, Netzbetreiber, geplante und tatsächliche Ein- und Auszugsdaten (MOVEINDATE, REALMOVEINDATE, MOVEOUTDATE, REALMOVEOUTDATE) und der Status. Die Schritte stehen in EIDESWTDOCSTEP, die ein- und ausgehenden Nachrichten in EIDESWTMSGDATA. Überwacht werden die Belege mit ESWTMON01. Der Transaktionskatalog des Atlas führt EC50 und EC55 mit Tabellenbezug zu EIDESWTDOC; Einzug und Auszug sind also an den Wechselbeleg angebunden.
Je nach Rolle sieht der Wechsel so aus:
- Neuer Lieferant. Der Vertrag entsteht über den Einzug, die Anmeldung geht an den Netzbetreiber (UTILMD, Prüfi 55001). Der Marktprozess, die Fristen und die Entscheidung bis 11:00 Uhr am ersten Werktag nach der Anmeldung stehen im Ablaufatlas.
- Alter Lieferant. Der Vertrag endet durch Kündigung und Auszug, der Lieferant meldet die Zuordnung beim Netzbetreiber ab (UTILMD, Prüfi 55004). Anlass der Abmeldung ist laut GPKE meist eine bestätigte Kündigung, ein Auszug oder eine Stilllegung (GPKE Teil 2, Lieferende); Schritte im Ablaufatlas.
- Netzbetreiber. Er prüft, bestätigt oder lehnt ab und hält die Zuordnung am Zählpunkt. Die ältere SAP-Hilfe beschreibt die Stammdatenseite so: Der nicht abrechenbare Service beziehungsweise Vertrag des bisherigen Lieferanten wird beendet, ein entsprechender für den neuen gestartet; dazu entsteht ein Ableseauftrag, und nach Eingang der Ablesung gehen Verbrauchswerte an beide Lieferanten (SAP Help, Sicht des Netzbetreibers). Ändert sich durch den Wechsel das Deregulierungsszenario, können neue Anlagen nötig werden.
Wie das heutige IDEX-Prozessdokument, die ES-Schlüssel und die Klärfälle zusammenpassen, steht in GPKE-Lieferantenwechsel im SAP IS-U. Die Hilfetexte zum Netzbetreiber stammen aus einem älteren Release; den heutigen Stand der Stammdatenänderungen nach Bestätigung belegt dieser Artikel nicht.
Welche Datumsfelder zählen
| Vorgang | Feld und Bedeutung |
|---|---|
| Einzug | EEINV-EINZDAT und EVER-EINZDAT: Vertragsbeginn. EEIN-BEZUGSDAT: tatsächlicher Einzug. |
| Auszug | EAUSV-AUSZDAT und EVER-AUSZDAT: Vertragsende, Stichtag der Schlussabrechnung. EAUS-DEPARTUREDATE: tatsächlicher Auszug. |
| Wechsel | EIDESWTDOC: MOVEINDATE und MOVEOUTDATE geplant, REALMOVEINDATE und REALMOVEOUTDATE tatsächlich. |
| Zeitscheiben | AB und BIS in EVERH, EANLH, EGERH, EASTL. Mehr dazu: Zeitscheiben und Historien in SAP IS-U verstehen. |
Der Markt rechnet in Zeitpunkten um 0:00 Uhr, SAP in den Tagen AB und BIS. Wie beides zusammenpasst, erklärt Zeitliche Gültigkeit von Stammdaten.
Beispiel: Mieterwechsel mit Lieferantenwechsel
Vereinfachtes Beispiel, Nummern und Termine frei gewählt. Herr Meier zieht zum 31.10.2026 aus der Wohnung aus. Der Sachbearbeiter des Lieferanten Alt erfasst mit EC55 den Auszug: Der Vertrag von Herrn Meier endet, der Abschlagsplan wird gestoppt, die Schlussablesung steht an. Frau Beispiel zieht zum 01.11.2026 ein und wählt den Lieferanten Neu. Der Lieferant Neu legt mit EC50 den Einzug an, der Vertrag beginnt am 01.11.2026, und die Anmeldung geht an den Netzbetreiber. Der Netzbetreiber ordnet den Zählpunkt ab 01.11.2026 dem neuen Lieferanten zu. Die Anlage, das Gerät und die Verbrauchsstelle haben sich nicht verändert. In der Regel dient der Zählerstand der Schlussablesung als Endstand für Meier und als Anfangsstand für Beispiel.
Fehlerfälle
- Zwei Verträge zum selben Stichtag. Ein Einzug ohne vorherigen Auszug kann an der Anlage eine Überlappung erzeugen. Prüfen: Einzugs- und Auszugsdatum in EVER und die Zeitscheiben in EVERH.
- Auszug ohne Einzug. EAUSV führt dafür ein eigenes Kennzeichen (OHNEEINZ). Die Anlage bleibt dann ohne Vertrag, und die Ersatzversorgung ist im Blick zu behalten.
- Wechselbeleg offen, Vertrag beendet. Zwei Vorgänge laufen parallel. ESWTMON01 zeigt Belege, die technisch fertig aussehen, aber noch offene Schritte tragen.
- Auszugsdatum nach Abrechnung ändern. Das ist laut SAP-Hilfe nicht mehr möglich; dann hilft nur Storno und Korrektur (Storno und Korrektur).
- Einzugsdatum und Einzugstag verwechselt. Das Datum im Vertrag bestimmt die Abrechnung, nicht der Tag, an dem der Kunde die Schlüssel bekommt.
- Falscher Kundenwechsel beim Umzug. Beim Umzug mit EC60 bleibt der Geschäftspartner gleich. Ein zweiter Partner zerreißt die Zuordnung zum Vertragskonto.
Typische Missverständnisse
„Der Auszug löscht die Anlage.“ Er beendet die Zuordnung des Vertrags zur Anlage. Anlage und Gerät bleiben stehen.
„Ein Lieferantenwechsel ist ein Einzug.“ Der Wechsel bewegt die Zuordnung am Zählpunkt. Ein Einzug legt zusätzlich einen Vertrag an. Wie beide Vorgänge im Einzelfall im System zusammenhängen, hängt von Release und Konfiguration ab.
„Der Wechselbeleg ist der Vertrag.“ Er ist der Prozessträger des Datenaustauschs. Der Vertrag liegt in EVER.
„Ein leeres Auszugsdatum heißt: aktiver Vertrag.“ Allein belegt es das nicht; Einzugs- und Auszugsdatum gehören immer in die Abfrage.
Quellen und Pflegehinweis
Die Beschreibungen von Einzug, Auszug und Wechselbeleg stützen sich auf die SAP-Hilfe, Tabellen und Felder auf den Katalog des Atlas, der gegen sapdatasheet.org geprüft ist, die Marktprozesse auf die GPKE-Lesefassung zu BK6-24-174 und den Ablaufatlas. Einzelne Hilfetexte stammen aus älteren Releases. Offen: Verhalten von Vertrag und Anlage beim Netzbetreiber nach der Bestätigung im heutigen IDEX, Releaseunterschiede zwischen ECC und S/4HANA und die Verknüpfung von Einzugsbeleg und Wechselbeleg im Einzelfall.