Kurzantwort
Der Markt rechnet in Zeitpunkten. Eine Stammdatenänderung wirkt ab dem Änderungsdatum um 0:00 Uhr, und das Datum darf in der Zukunft wie in der Vergangenheit liegen (GPKE Teil 4, Kap. 1.1, S. 3). Ein Zuordnungsende ist ebenfalls ein Zeitpunkt um 0:00 Uhr und gehört nicht mehr zur Zuordnung. SAP IS-U rechnet in Zeitscheiben mit den Tagen AB und BIS, und BIS ist der letzte Tag, der noch zur Scheibe gehört. Wer die Nachricht übernimmt, schließt die alte Zeitscheibe also einen Tag vor dem Änderungsdatum.
Welche Norm oder welcher Formatstand gilt, beantwortet Gültigkeitsstände verwalten. Wer ein Stammdatum verantwortet und wer informiert wird, steht in Stammdaten und Konfigurationen. Dieser Artikel behandelt die Zeitachse der Daten selbst; Tabellen, Abfragemuster und typische Auswertungsfehler in IS-U zeigt Zeitscheiben und Historien in SAP IS-U verstehen.
Was die GPKE zum Zeitpunkt festlegt
Die Regeln stehen in GPKE Teil 4, Kapitel 1.1 (S. 3), und in den Begriffen von Teil 1.
- Änderungsdatum. Die Werte einer Stammdatenänderung werden „ab dem genannten Änderungsdatum 00:00 Uhr“ bei den Berechtigten verwendet.
- Zukunft und Vergangenheit. Werte können „sowohl mit Gültigkeit in die Zukunft als auch in die Vergangenheit“ geändert werden. Eine allgemeine Grenze für die Rückwirkung nennt Teil 4 nicht. Grenzen stammen aus dem jeweiligen Prozess oder dem Nachrichtenformat.
- Wer informiert wird. Alle Marktpartner, die zu dem Zeitpunkt oder danach der Lokation zugeordnet sind, zu dem die Änderung in Kraft tritt. „Aktueller LF“ oder „aktueller MSB“ meint die Rolle zu diesem Zeitpunkt, nicht die Rolle am Tag des Versands.
- Wechsel des Verantwortlichen. Liegt in der Zukunft schon ein Wechsel des Verantwortlichen vor, grenzt der Berechtigte die zeitliche Wirkung ab.
- Befristung. Soll eine Änderung enden, bevor die Zuordnung des Verantwortlichen endet, kommt eine weitere Stammdatenänderung mit dem Änderungsdatum, zu dem das Datum aufhören soll, ebenfalls um 0:00 Uhr.
- Rückmeldung. Die Daten gelten ab dem Termin, ob der Berechtigte binnen zwei Werktagen zurückmeldet oder nicht (Kap. 1.4.2, S. 7).
Für Zuordnungen gilt dasselbe Muster. Zuordnungsbeginn und Zuordnungsende sind „immer 00:00 Uhr eines Tages“. Zieht ein Kunde am 14. eines Monats aus, ist das Zuordnungsende der 15. um 0:00 Uhr (GPKE Teil 1, Lesefassung BK6-24-174, S. 11 und 27). Das Ende ist damit der erste Zeitpunkt, an dem die Zuordnung nicht mehr gilt. Bei Konfigurationen heißt der Zeitpunkt „Beginn des Wirkungszeitraums“, ebenfalls um 0:00 Uhr (GPKE Teil 3, S. 34 f.). Kommunikationsdaten verlangen zusätzlich eine Versionskennzeichnung mit Gültigkeitsbeginn und Vorgängerversion (Teil 4, Kap. 4, S. 32).
Die Rückwirkung bei Zuordnungen behandelt Rückwirkende Anmeldung. Rückwirkend geänderte Privilegierungen nach dem EnFG können eine Rechnungskorrektur auslösen, wenn der Zeitraum einer Rechnung betroffen ist (Teil 4, Kap. 4, S. 32).
Gültigkeitszeiträume in UTILMD
Das UTILMD-Anwendungshandbuch überträgt Gültigkeit als Verwendungszeitraum der Daten. Nach dem AHB der Formatversion FV2610 (UTILMD AHB Strom 2.2, gültig ab 01.10.2026), geprüft an der Prüfi 55616 „Änderung Daten der MaLo“, sieht das so aus:
| Element | Inhalt |
|---|---|
| RFF+Z49 / RFF+Z53 | Zeitraum mit „Gültige Daten“ oder „Keine Daten“, nummeriert mit einer Zeitraum-ID |
| DTM+Z25 | Verwendung der Daten ab |
| DTM+Z26 | Verwendung der Daten bis |
Die Bedingungen verketten die Zeiträume lückenlos. Bei Zeitraum-ID 1 darf das „ab“ höchstens der Tag nach dem Nachrichtendatum um 0:00 Uhr sein, kann also in der Vergangenheit liegen (Bedingung 131). Jeder weitere Zeitraum beginnt genau dort, wo der Zeitraum mit der nächstkleineren ID endet (Bedingung 401). Ein „bis“ ist nötig, sobald ein Zeitraum mit höherer ID folgt (Bedingung 471). So bildet eine einzige Nachricht eine Kette von Zeitscheiben ab. Die Elemente und die Bedingungen 131, 401 und 471 stehen in FV2610 wie in FV2504. Vor der Umsetzung die Bedingungen in der AHB-Werkbank für die gültige Fassung prüfen.
Die Übermittlungsfrist ergibt sich aus dem Prozess. Der Verantwortliche meldet sofort nach Kenntnisnahme, auch wenn das Änderungsdatum weit zurückliegt. Den Tag des Empfangs der Übertragungsdatei (ÜT) benennt GPKE Teil 1 als Bezug der Fristen. Er ist ein eigener Zeitpunkt neben dem Änderungsdatum.
In SAP IS-U: Zeitscheiben mit AB und BIS
Der Tabellenexplorer leitet Zeitscheiben aus den Feldern ab: Ein Paar wie AB/BIS, DATEFROM/DATETO, BEGDAT/ENDDAT, BEGPERIODE/ENDPERIODE oder DATAB/DATBI macht eine Tabelle zeitscheibenweise. Die Uhr an einer Karte im Tabellenexplorer zeigt das an, und der Zeitbezug „Stichtag“ ergänzt die Abfrage um AB <= :stichtag AND BIS >= :stichtag. Wichtige Tabellen:
| Tabelle und Inhalt | Zeitfelder |
|---|---|
| EANLH, Anlagen-Zeitscheiben: Tariftyp, Abrechnungsklasse, Ableseeinheit | AB, BIS |
| EGERH, Gerätestammdaten: logische Gerätenummer, Geräteplatz, Ein- und Ausbau | AB, BIS |
| EASTL, Anlagenstruktur auf Geräteebene | AB, BIS |
| EUITRANS, Zählpunkt: interne und externe Nummer | DATEFROM, DATETO |
| EUIINSTLN, Zählpunkt-Anlage-Zuordnung | DATEFROM, DATETO |
| EVER, Vertrag | EINZDAT, AUSZDAT (keine Zeitscheibe) |
| EVERH, Vertragshistorie: Anlage, Produkt und CRM-Verweise je Zeitscheibe | AB, BIS |
Drei Punkte aus dem Katalog erklären die meisten Fehler:
- BIS ist der letzte Tag. In EANLH steht BIS für das obere Ende, „der letzte Tag gehört zur Scheibe“. Das passt nicht zum Zuordnungsende des Marktes (Folgetag 0:00 Uhr). Beim Übernehmen einer Marktnachricht gehört deshalb ein Tag abgezogen.
- EANLH führt BIS im Schlüssel, nicht AB. Ein Zeitpunkt gehört zur Scheibe mit dem kleinsten BIS, das größer oder gleich dem Stichtag ist. Wer ohne Stichtag auf EANLH verknüpft, vervielfacht die Zeilen.
- EVER hat keine Scheiben. Der Vertrag trägt Einzugs- und Auszugsdatum; die zeitabhängigen Sätze mit Anlage und Produkt stehen in der Vertragshistorie EVERH (Verbindung über VERTRAG, BIS gehört dort zum Schlüssel). Ein leeres Auszugsdatum belegt keinen aktiven Vertrag, die Datumsfelder sind zu prüfen. EUITRANS legt bei einem Wechsel der externen Nummer eine neue Zeitscheibe an, die alte bleibt erhalten.
Pflegen lassen sich Zeitscheiben in der Anlage mit ES31 (ändern) und ES32 (anzeigen). Ein Gerät wird mit EG31 eingebaut und mit EG32 ausgebaut, der Gesamtwechsel läuft über EG30. Alle Transaktionen stehen in der Transaktionswerkbank.
Beispiel: Zählerwechsel am 4. Mai, Nachricht am 7. Mai
An der Messlokation einer verbrauchenden MaLo wird am 4. Mai 2027 der Zähler getauscht. Der MSB meldet die geänderten Daten der MeLo am 7. Mai an NB und LF (Prüfi 55643 an den NB, 55653 an den LF), mit Verwendung ab 4. Mai. Der Berechtigte muss die Änderung rückwirkend ab dem 4. Mai führen und den Empfang am 7. Mai getrennt festhalten. Rückmeldungen sind spätestens am 2. Werktag nach dem Übermittlungstag fällig, also am 11. Mai, ein Dienstag.
Im System entstehen zwei Zeitscheiben: Gerät 1 gilt von AB 01.01.2027 bis BIS 03.05.2027, Gerät 2 ab AB 04.05.2027. Was sieht die Abrechnung zum Stichtag? Am 15. April Gerät 1, am 3. Mai noch Gerät 1, am 4. Mai Gerät 2. Die Jahresabrechnung für 2027 teilt den Zeitraum deshalb am Zählerwechsel:
| Abschnitt | Zählerstände | Verbrauch |
|---|---|---|
| Gerät 1, 01.01. bis 03.05. (123 Tage) | 10.000 bis 10.480 kWh | 480 kWh |
| Gerät 2, 04.05. bis 31.12. (242 Tage) | 0 bis 760 kWh | 760 kWh |
| Summe (365 Tage) | 1.240 kWh |
Alle Zahlen sind vereinfachte Beispielwerte. Wäre die Nachricht erst am 20. Mai gekommen, hätte sich an den Scheiben nichts geändert, nur der Empfangstag. Eine bereits erstellte Abrechnung über den 4. Mai hinweg müsste neu bewertet werden.
Typische Missverständnisse
„Das Empfangsdatum ist der Gültigkeitsbeginn.“ Der Änderungstag steht in der Nachricht, der Empfangstag ist ein zweiter Zeitpunkt. Beide gehören getrennt gespeichert.
„Rückwirkend ist grenzenlos möglich.“ Teil 4 erlaubt Änderungen in die Vergangenheit, setzt aber keine allgemeine Frist. Grenzen kommen aus dem Prozess und aus Formatbedingungen.
„BIS ist das Datum, an dem die Zuordnung endet.“ BIS ist der letzte Tag der Scheibe. Das Zuordnungsende des Marktes liegt einen Tag später um 0:00 Uhr.
„Alle IS-U-Tabellen haben AB und BIS.“ EVER nutzt Einzugs- und Auszugsdatum (die Zeitscheiben des Vertrags liegen in EVERH), und viele Tabellen tragen ihre eigenen Zeitfelder (DATEFROM/DATETO, BEGDAT/ENDDAT).
„Eine neue Formatversion ändert die Stammdaten.“ Die Formatversion (siehe Gültigkeitsstände verwalten) legt fest, wie eine Nachricht aussieht. Ab wann ein Wert gilt, bestimmt allein das Änderungsdatum.
Quellen und Pflegehinweis
Grundlage sind GPKE Teil 4 (Anlage 1d zu BK6-22-024) und Teil 1 in der Lesefassung zu BK6-24-174. Die UTILMD-Elemente stammen aus dem AHB der Formatversion FV2610, die Tabellenangaben aus dem Katalog src/data/isu/ des Atlas. Nicht belegt sind Rückwirkungsgrenzen einzelner Stammdaten und das Verhalten der Formatversion ab 1. Oktober 2026. Die Zeitstempel in Abrechnung und EDM behandelt dieser Artikel nicht.
Abrufdatum: 4. Oktober 2026.