Kurzantwort
Ein Zählwerk ist ein Register in einem Zähler. Es summiert eine Messgröße in einer Richtung und in einer Tarifstufe fortlaufend auf, etwa den Netzbezug oder die Einspeisung. Der Zähler ist das Gerät, das Zählwerk ein Messkanal darin, und das Gerät steckt in der Messlokation. Jedes Zählwerk trägt eine OBIS-Kennzahl, eine feste Zahl von Vor- und Nachkommastellen und bei einer Wandlermessung einen Wandlerfaktor. Der Messstellenbetreiber meldet diese Stammdaten per UTILMD, die Zählerstände laufen per MSCONS. Wer nur zwei Ablesewerte voneinander abzieht, macht Fehler bei Überlauf und bei Wandlerfaktor. Eine Einführung in dreieinhalb Minuten bietet das Erklärvideo Zählwerke in 3 Minuten.
Ein Zählwerk lesen
Ein Rollenzählwerk

- VorkommastellenSechs schwarze Rollen: 099548. Sie bestimmen, wann das Zählwerk überläuft: nach 999999 folgt 000000.
- NachkommastelleDie rote Rolle zeigt Zehntel kWh. Abgerechnet werden meist die vollen kWh, die Stelle steht trotzdem in den Stammdaten.
- EinheitkWh, also Wirkarbeit. In der Marktkommunikation folgt die Einheit aus der OBIS-Kennzahl.
- ZählernummerKennung des Geräts. Sie wechselt mit dem Gerät, die Kennzahl des Zählwerks und die Messlokation bleiben.
- Umdrehungen je kWh75 Umdrehungen der Scheibe entsprechen einer kWh. Eine Zählerkonstante gehört zum Gerät, nicht zur Abrechnung.
Moderne Zähler zeigen das Zählwerk digital und blenden die OBIS-Kurzform ein, etwa 1.8.0 vor dem Stand. Wie das aussieht, zeigt der Artikel zur Messlokation. Das Messstellenbetriebsgesetz definiert in § 2 die Messeinrichtung (Nr. 10) als Messgerät, das Messwerte gewinnt, und die Zählerstandsgangmessung (Nr. 27). Das Wort Zählwerk kommt dort nicht vor.
Zählwerk, Zähler, Messlokation
| Objekt | Was es ist |
|---|---|
| Zählwerk | Register für eine Messgröße und Tarifstufe, identifiziert durch die OBIS-Kennzahl |
| Zähler | Gerät mit Gerätenummer, enthält ein oder mehrere Zählwerke |
| Messlokation | Ort der Messung, 33 Zeichen, enthält die Geräte |
| Marktlokation | Ort der Belieferung, 11 Ziffern, erhält die Messwerte |
Ein Lieferantenwechsel ändert nichts an den Zählwerken. Ein Gerätewechsel tauscht Zähler und Zählwerke, die Messlokation bleibt. Wie das im Prozess abläuft, steht in Gerätewechsel im Messwesen.
Die OBIS-Kennzahl
Die Codeliste der OBIS-Kennzahlen 2.5c baut die Kennzahl für Strom nach dem Muster 1-b:C.D.E auf: Medium 1 (Elektrizität), Kanal b, Messgröße C, Messart D, Tarifstufe E. Den Kanal (0 bis 65) vergibt der Messstellenbetreiber. In der Anzeige steht meist nur C.D.E.
| Kennzahl | Bedeutung |
|---|---|
1-b:1.8.0 |
Wirkarbeit Bezug, Zählerstand, ohne Tarifunterscheidung |
1-b:1.8.1, 1-b:1.8.2 |
derselbe Zählerstand in Tarifstufe 1 beziehungsweise 2 |
1-b:2.8.0 |
Wirkarbeit Lieferung (Einspeisung), Zählerstand |
1-b:3.8.0 |
Blindarbeit positiv, Zählerstand |
1-b:1.6.0 |
Wirkleistung Bezug, Maximum |
1-b:1.29.0 |
Wirkarbeit Bezug, Lastgang |
Die Ziffer an Stelle C sagt die Richtung (1 Bezug, 2 Lieferung), Messart 8 ist der Zählerstand, 6 das Maximum, 29 der Lastgang. Als Tarifstufe sind 0 (Total) bis 62 möglich, die 63 ist das Fehlerregister. Welche Tarifstufe Hochtarif oder Niedertarif ist, legt die Codeliste nicht fest. Die vollständige Systematik steht in OBIS-Kennzahlen verstehen. Hier zählt nur: Wer die Kennzahl eines Zählwerks falsch meldet, schiebt Menge in den falschen Tarif.
Stellen und Überlauf
Ein Zählwerk hat eine feste Zahl von Vor- und Nachkommastellen. Mit n Vorkommastellen reicht es bis 10n − 1 und springt danach auf null. Das Register fasst also 10n Einheiten, bei sechs Stellen eine Million. Ein fünfstelliges Zählwerk läuft bei 3.500 kWh Jahresverbrauch nach knapp 29 Jahren über. Liest man vor und nach dem Sprung ab, ist der neue Stand kleiner als der alte.
Ohne Korrektur ergibt „neuer Stand minus alter Stand“ einen negativen Wert. Bei einem Überlauf gilt:
Menge = Registerkapazität − alter Stand + neuer Stand
Ob ein Überlauf vorliegt, ist eine Plausibilitätsfrage. Passt die Menge zum bisherigen Verbrauch, ist er plausibel. Sonst liegt eher ein Ablesefehler oder ein Gerätewechsel vor. Für Zählerstände in der MSCONS gibt es dafür einen eigenen Hinweis: Der Plausibilisierungshinweis Z85 heißt „Realer Zählerüberlauf geprüft“.
Wandlerfaktor
Bei hohen Strömen misst der Zähler nicht direkt. Ein Stromwandler setzt den Primärstrom auf einen kleinen Sekundärstrom herunter. Der Wandlerfaktor ist das Verhältnis, 200 A zu 5 A ergibt 40. Das Zählwerk summiert die Sekundärenergie. Die Primärmenge ist Sekundärdifferenz mal Wandlerfaktor. Das Wandlerprinzip, die Eichung und die Fehler eines falschen Faktors erklärt Stromwandler und Umrechnungsfaktor.
In der UTILMD gehören die Wandlerdaten zum Gerät: Das UTILMD-Anwendungshandbuch führt sie in einer eigenen Segmentgruppe (SG8 SEQ+Z04, Wandlerdaten) mit Wandlertyp, Gerätenummer und dem Wandlerfaktor. In der MSCONS enthalten Lastgänge den Wandlerfaktor bereits, weil die Menge in kWh anzugeben ist und Faktoren einzurechnen sind (MSCONS-AHB, Kapitel 7.1). Für Zählerstände und Leistungswerte aus der Wandlermessung bei konventioneller Messeinrichtung ohne RLM, moderner Messeinrichtung und intelligentem Messsystem schreibt das MSCONS-AHB in der Verrechnungsliste (UNB-Kennzeichen VL) dagegen vor, den Wandlerfaktor nicht zu berücksichtigen (Kapitel 2).
Rechenbeispiel: Überlauf und Wandlerfaktor
Ein Gewerbebetrieb wird über einen Stromwandler 200 A zu 5 A gemessen. Das Zählwerk 1.8.0 hat sechs Vorkommastellen. Am 31.12.2024 stand es auf 999.400, am 31.12.2025 auf 000.850. Vereinfachtes Beispiel mit frei gewählten Werten.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Wandlerfaktor | 200 ÷ 5 | 40 |
| Kapazität | 106 | 1.000.000 |
| ohne Überlauf | 850 − 999.400 | −998.550 |
| mit Überlauf | 1.000.000 − 999.400 + 850 | 1.450 |
| Verbrauch | 1.450 × 40 | 58.000 kWh |
Das Ergebnis passt zum Vorjahr mit 57.400 kWh, der Überlauf ist plausibel. Vergisst die Abrechnung den Wandlerfaktor, rechnet sie mit 1.450 kWh, ein Vierzigstel der wirklichen Menge. Die Reihenfolge ist wichtig: erst die Sekundärdifferenz mit Überlauf, dann der Faktor.
Zählwerksdaten in UTILMD und MSCONS
Zählwerksdaten teilen sich in Stammdaten und Messwerte. Sie laufen in verschiedenen Nachrichten.
- Stammdaten: UTILMD „Änderung Daten der MeLo“ mit OBIS-Kennzahl, Vor- und Nachkommastellen, Bezeichnung des Zählwerks am Gerät und Wandlerdaten.
- Zählerstand: MSCONS „Zählerstand (Strom)“, Prüfidentifikator 13017, mit dem Stand je OBIS-Kennzahl und dem Ablesedatum.
- Lastgang und Energiemenge: MSCONS 13018 und 13019, jeweils eine Zeitreihe je Kennzahl.
Die UTILMD-Stammdaten kommen vom Messstellenbetreiber, an den Netzbetreiber unter 55643 und an den Lieferanten unter 55653. Die OBIS-Kennzahl steht im PIA-Segment der Gruppe SEQ+Z20, die Vor- und Nachkommastellen in CCI+Z33 mit einem Wert für jede Seite des Kommas. Bei Zählerstands-Kennzahlen (x.8.e) sind die Stellen Pflicht.
Der Zählerstand in der MSCONS 13017 ist so aufgebaut: ein LIN-Segment je Position, im PIA-Segment die OBIS-Kennzahl, im QTY-Segment mit dem Qualifier 220 (wahrer Wert) die Menge, im DTM-Segment das Ablesedatum. Die Menge ist nicht negativ und hat höchstens drei Nachkommastellen. Eine Mengeneinheit steht in diesem Anwendungsfall nicht, sie folgt aus der Kennzahl. Den Weg der Messwerte bis zur Bilanzierung beschreibt Messwerte und Zählerstandsgänge.
Zählwerke in SAP IS-U
SAP führt das Zählwerk am Gerät in der Tabelle ETDZ. Sie hält je Zeitscheibe die Zählwerksnummer, das Zählwerkskennzeichen ZWKENN, die aufgedruckte Kennziffer KENNZIFF, den Zählwerksfaktor ZWFAKT und die Stellen vor und nach dem Komma (STANZVOR, STANZNAC, laut Data Dictionary). Der Tabellenexplorer führt die beiden Stellenfelder noch nicht. Die logische Zählwerksnummer LOGIKZW bleibt beim Gerätewechsel gleich und trägt die Zuordnungen, Gerät und Zählwerksnummer ändern sich. Zählwerksgruppen in EZWG sind Vorlagen, die beim Einbau gelten. In EASTS hängt das logische Zählwerk an der Anlage, das Kennzeichen ZWNABR nimmt Zählwerke aus der Abrechnung aus. Den Abrechnungsfaktor der Zuordnung trägt ABRFAKT in EZUZ. Ob ein Projekt den Wandlerfaktor in ZWFAKT, in ABRFAKT oder über Wicklungsgruppen abbildet, ist eine Modellierungsentscheidung. Wichtig ist, dass der Faktor nur einmal wirkt.
Der Ablesebeleg EABL speichert den Stand getrennt in Vorkomma- und Nachkommateil (V_ZWSTAND, N_ZWSTAND). Einbau und Wechsel buchen die Transaktionen EG31 (Einbau gesamt) und EG30 (Wechsel gesamt), einen Stand einzeln erfasst EL28. Der Weg von der Messlokation zur SAP-Anlage steht im Stammdatenatlas, die Objektkette in Register und Zählwerke.
Typische Missverständnisse
„Zähler und Zählwerk sind dasselbe.“ Der Zähler ist das Gerät, das Zählwerk ein Register darin. Ein Zähler führt eines oder mehrere.
„1.8.0 ist immer die Summe aus 1.8.1 und 1.8.2.“ 1.8.0 ist die Kennzahl ohne Tarifunterscheidung. Ob das Gerät ein eigenes Register führt oder den Wert bildet, hängt vom Zähler ab.
„Der Ablesewert eines Wandlerzählers ist die Verbrauchsmenge.“ Er ist die Sekundärenergie. Erst der Wandlerfaktor ergibt die Primärmenge, in der MSCONS-Lastgang steckt er schon drin.
„Ein Zählersprung von hoch auf niedrig ist immer ein Fehler.“ Bei einem Überlauf ist er korrekt. Maßgeblich ist, ob die Menge zur bisherigen Verbrauchshöhe passt.
„Die Einheit steht als eigenes Feld in der Nachricht.“ Bei den Zählerständen folgt sie aus der OBIS-Kennzahl.
Quellen und Pflegehinweis
Die Kennzahlen stammen aus der Codeliste der OBIS-Kennzahlen 2.5c, die Segmente aus dem UTILMD-Anwendungshandbuch Strom 2.2 und dem MSCONS-Anwendungshandbuch 3.2, beide mit Stand 1. April 2026 und gültig ab 1. Oktober 2026. Die Felder STANZVOR und STANZNAC stehen im Data Dictionary (sapdatasheet.org), nicht im Tabellenkatalog dieser Seite. Zahlen im Rechenbeispiel sind frei gewählt. Abgerufen am 4. Oktober 2026.