Kurzantwort
Die Abrechnung in SAP IS-U liest ihre Steuerdaten aus vier Stellen. Der Tariftyp (Feld TARIFTYP, englisch Rate Category) steht in der Zeitscheibe der Anlage (EANLH) und wählt das Abrechnungsschema. Die Tarifart (TARIFART, englisch Rate Type) steht an der Zählwerkszuordnung der Anlage (EASTS) oder an der Gerätezuordnung (EASTL) und sagt, wofür ein Zählwerk abrechnet, etwa Hochtarif. Anlagenfakten (ETTIFN, ETTIFB) tragen vereinbarte Werte ohne Zähler, etwa einen Anschlusswert. Faktoren (ZWFAKT am Zählwerk, ABRFAKT in der Zuordnung) rechnen den abgelesenen Stand in die Abrechnungsmenge um. Der Vertrag (EVER) trägt dagegen keine dieser Merkmale, sondern nur den Bezug zu Anlage, Konto und Laufzeit.
Aus Tariftyp und Tarifart findet das System den Tarif. Wie Vertrieb, Vertrag und SAP die Wörter Tarif, Tarifart und Tariftyp verwenden, grenzt Tarifart, Tarif und Tariftyp ab; die Tariffindung beschreibt Tariffindung und Tarifierung. Hier geht es um die Frage, an welchem Objekt welches Merkmal sitzt.
Wo welches Merkmal steht
| Merkmal | Tabelle und Feld |
|---|---|
| Tariftyp | EANLH-TARIFTYP, Zeitscheibe der Anlage |
| Abrechnungsklasse, Abrechnungsschema | EANLH-AKLASSE und -SCHEMANR |
| Tarifart je Zählwerk | EASTS-TARIFART, je Anlage und logischem Zählwerk |
| Tarifart je Gerät (Miete) | EASTL-TARIFART mit GVERRECH „Miete verrechnen“ |
| Tarifart bei Anlagenfakt | ETTIFN und ETTIFB, je Operand |
| Kennzeichen „nicht abrechnungsrelevant“ | EASTS-ZWNABR |
| Zählwerksfaktor | ETDZ-ZWFAKT, Vorlage in EZWG |
| Abrechnungsfaktor | EZUZ-ABRFAKT |
| Tarif und Zulässigkeit | ETRF, Felder USE_REGIST, USE_DEVICE, USE_RTP, USE_PEB |
Alle Zeitscheiben dieser Tabellen tragen AB und BIS. Wer sie liest, schränkt immer auf einen Stichtag ein.
Tariftyp: das Merkmal der Anlage
Der Tariftyp liegt in der Zeitscheibe EANLH (die Tabelle EANL führt ihn nicht) und ändert sich damit mit Datum. Sein Stammsatz (ETTA) trägt das Abrechnungsschema (SCHEMANR) und steuert Rückabrechnung, Periodenendabrechnung und Hochrechnung. Der Tariftyp ist damit der Einstieg von der Anlage in die Abrechnungslogik. Er wird mit EA53 angelegt.
Zwei Kunden mit gleichem Tarif können verschiedene Tariftypen haben, wenn ihre Anlagen verschieden abgerechnet werden sollen, etwa mit oder ohne Periodenendabrechnung. Zwei Anlagen mit demselben Tariftyp teilen dieselbe Abrechnungslogik.
Tarifart: das Merkmal des Zählwerks
Die Tarifart ordnet das einzelne Zählwerk der Abrechnung zu. Ein Zweitarifzähler trägt also zwei Zählwerke mit zwei Tarifarten, zum Beispiel Hochtarif und Niedertarif, obwohl er ein einziges Gerät ist. Technisch steht sie in der Anlagenstruktur auf Zählwerksebene (EASTS). Dieselbe Tabelle trägt das Kennzeichen ZWNABR für Zählwerke, die nicht abrechnungsrelevant sind, und den Rabattschlüssel RABZUS.
Am Gerät (EASTL) steht die Tarifart, wenn die Abrechnung am Gerät als Ganzem hängt, etwa bei der Gerätemiete (Feld GVERRECH). Das Gerät braucht dafür kein abrechnungsrelevantes Zählwerk.
Welche Tarifart wo zulässig ist, regelt der Tarif selbst: ETRF führt je Tarif, ob er für Zählwerke (USE_REGIST), Intervallzähler (USE_RTP), Geräte (USE_DEVICE) oder die Periodenendabrechnung (USE_PEB) gilt. Ein Tarif für Zählwerke lässt sich daher nicht an ein Gerät hängen. SAP Learning beschreibt dieselbe Zulässigkeit in der Tarifermittlung (Identifying Billing Master Data).
Die Tarifart pflegt man mit EA56; die Zuordnung am Zählwerk läuft in der Anlagenstruktur, die ES30 und ES31 bearbeiten.
Anlagenfakten: Werte ohne Zähler
Nicht jede Rechengröße kommt von einem Zähler. Anschlusswert, vereinbarte Leistung, Personenzahl oder eine Pauschale sind vereinbart, nicht gemessen. Solche Werte stehen als Anlagenfakten (Installation Facts) je Anlage und Operand: Die Tabelle ETTIFN trägt je Anlage, Operand und Saison eine Zeitscheibe, ETTIFB die Zeitscheiben mit ihrer Gültigkeit. Wichtig sind zwei Felder: WERT1 ist der eingebaute Wert, WERT2 der abgerechnete. Die Abrechnung liest WERT2.
Allgemeine Werte für viele Kunden stehen dagegen im Tarif oder seinen Fakten; die Anlagenfakten gelten nur für die einzelne Anlage und haben laut SAP Learning Vorrang vor den Tariffakten. Dazu zählt auch das Feld MAUSZUG „Änderung durch Auszug“ in ETTIFN: Es hält fest, dass ein Wert durch einen Auszug verändert wurde, und gehört damit zu den Feldern, die klären, ob ein Wert dem Vertrag oder dem Objekt folgt. Wie genau eine Einstellung dafür im eigenen System wirkt, prüfen Sie dort, etwa mit EA87 (Tariffindung).
Faktoren am Zählwerk
Zwei Felder rechnen den Stand in die Abrechnungsmenge um. ZWFAKT (Zählwerksfaktor) steht am Zählwerk in ETDZ, in der Vorlage EZWG und wird beim Einbau übernommen. ABRFAKT (Abrechnungsfaktor) steht in der Zuordnung logisches Zählwerk zu logischem Gerät, in EZUZ; die nahe verwandte EZUG trägt ihn nicht. Der Wandler selbst ist ein eigenes Gerät mit Wicklungsgruppe; die Wicklungsgruppe und die Wandlerdaten des Zählers führt EGERR, zu jedem Gerät je Zeitscheibe ein Satz (1:1 zu EGERH), mit dem Bezug zum Geräteinfosatz über SERVICE_PROV und EGERR_INFO. Für die Wandlerfachlichkeit siehe Stromwandler und Umrechnungsfaktor; ein durchgerechnetes Beispiel steht in Register und Zählwerke.
Beide Faktoren wirken nacheinander: Nach der SAP-Hilfe zur Hochrechnung wird die Zählerstandsdifferenz mit dem Zählwerksfaktor multipliziert, bei Gas dann mit dem Umwandlungsfaktor und zuletzt mit dem Abrechnungsfaktor (SAP-Hilfe); die Rechnung steht in Wandler, Gerätezuordnung und Zählwerksbeziehungen. Der Wandlerfaktor darf nur in einem der beiden Felder stehen.
Der Vertrag trägt keine Tarifierungsmerkmale
EVER hat keine Tarif- oder Faktorfelder. Der Vertrag kennt Anlage, Vertragskonto, Sparte, Einzugs- und Auszugsdatum. Die Preise kommen über Tariftyp und Tarifart der Anlage. Deshalb ändert ein Lieferantenwechsel nichts an Zählwerken und Tarifarten, solange dieselbe Anlage bleibt; der neue Vertrag hängt an derselben Anlagenstruktur. Das gilt für die SAP-Stammdaten, nicht für die Marktprozesse.
Beispiel: Wärmepumpe mit zweitem Zähler
Vereinfachtes Beispiel, keine realen Preise. Ein Haus hat einen Haushaltszähler (Hoch- und Niedertarif) und einen Wärmepumpenzähler mit einem Zählwerk. Es gibt zwei Anlagen.
- Anlage 1 trägt in EANLH den Tariftyp „Haushalt“. EASTS führt zwei Zeilen: Zählwerk HT mit Tarifart Hochtarif, Zählwerk NT mit Tarifart Niedertarif.
- Anlage 2 trägt den Tariftyp „Wärmepumpe“. EASTS führt eine Zeile mit der Tarifart Wärmepumpe.
- Der vereinbarte Anschlusswert der Wärmepumpe steht als Anlagenfakt (ETTIFB) an Anlage 2 und ist ein Wert ohne Zähler.
- Beide Anlagen zeigt der Vertrag per EVER-ANLAGE an, jeweils ein Vertrag je Anlage.
Der Kunde zieht aus: Beide Verträge enden. Tariftyp und Tarifarten bleiben an den Anlagen. Ob die Anlagenfakten bleiben oder enden, zeigt ETTIFN mit MAUSZUG und das Verhalten des Operanden im eigenen System.
Folgen und Fehlerfälle
Tariftyp falsch. Das Abrechnungsschema passt nicht zur Anlage. Die Mengen stimmen, die Positionen nicht. Prüfen mit ES32 und EA87.
Tarifart am falschen Zählwerk. Vertauschte HT- und NT-Zeilen in EASTS bewerten beide Mengen mit dem falschen Preis. Die Gesamtmenge bleibt richtig, deshalb fällt es spät auf.
Zählwerk nicht abrechnungsrelevant gesetzt. Mit ZWNABR rechnet ein Zählwerk nicht ab. Das ist im Referenzmodell gewollt: Dort ist ein Zählwerk nur in der Anlage der Marktlokation abrechnungsrelevant, in der Messlokationsanlage nie (Stammdatenatlas).
Tarif für die falsche Ebene. Ein Tarif ohne Zulässigkeit für Geräte lässt sich nicht an einem Gerät verwenden.
Fakt ohne Stichtag gelesen. ETTIFB liefert mehrere Fassungen desselben Fakts, wenn die Abfrage kein Datum prüft. Das verfälscht Summen.
Typische Missverständnisse
„Die Tarifart ist die Vertragsart.“ Im Vertrieb meint Tarifart die rechtliche Einordnung (Grundversorgung oder Sondervertrag). In SAP ist sie ein Zuordnungsmerkmal am Zählwerk.
„Der Preis steht im Vertrag.“ Der Vertrag zeigt auf die Anlage. Der Preis entsteht aus Tariftyp, Tarifart und Tarif.
„Ein Tarifwechsel ist ein Zählerwechsel.“ Ein Tarifwechsel ändert Tariftyp oder Tarifart; ein Zählerwechsel ändert Geräte und Zählwerke in der Anlagenstruktur. Wie beide zusammenfallen, zeigt Gerätewechsel und Tarifierung.
Quellen und Pflegehinweis
Tabellen, Felder und Transaktionen stammen aus dem Katalog des Atlas (IS-U-Tabellen, Transaktionen). Die Zulässigkeitsregeln stützen sich zusätzlich auf SAP Learning. Offen und ungeprüft: ob die Abrechnung die Faktorreihenfolge der Hochrechnungs-Hilfe identisch anwendet, das Verhalten vertragsbezogener Operanden beim Auszug im eigenen Release und die Customizing-Pfade der Operanden. Unterschiede zwischen ECC und S/4HANA sind nicht gesondert belegt und deshalb nicht beschrieben.