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Messwesen & Smart Metering

OBIS-Kennzahlen verstehen

Aufbau der OBIS-Kennzahl A-B:C.D.E*F, die Bedeutung der Wertegruppen und eine Nachschlagetabelle der Kennzahlen, die im Strommarkt vorkommen. Dazu: wo OBIS am Zähler, in MSCONS und UTILMD steht.

Auf dieser Seite7 Abschnitte

Kurzantwort

Eine OBIS-Kennzahl (Object Identification System) ist ein fester Zifferncode, der genau eine Messgröße benennt. Sie hat die Form A-B:C.D.E*F: A ist das Medium (1 Strom, 7 Gas), B der Kanal, C die Messgröße samt Richtung, D die Messart, E die Tarifstufe, F die Abrechnungsperiode. 1-0:1.8.0 ist der tariflose Zählerstand der bezogenen Wirkarbeit, 1-0:2.8.0 der der gelieferten. Der Aufbau kommt aus der IEC 62056-6-1; welche Kennzahlen im deutschen Markt gelten und in welcher Nachricht, legt die Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien von EDI@Energy fest (Version 2.5c, Stand 01.10.2025). Die Einheit steht nicht in der Nachricht: Sie folgt aus Messgröße und Messart, 1.8.0 ist immer kWh.

Dieser Artikel ist das Nachschlagewerk zur Systematik. Das einzelne Register im Gerät erklärt Zählwerk und Zählwerksdaten, die Werteketten dahinter Messwerte und Zählerstandsgänge.

Aufbau der Kennzahl

Eine Kennzahl, in ihre Stellen zerlegt. Der Kanal B ist kein Festwert: Er kann 0 bis 65 sein und unterscheidet Register mit gleichem C.D.E.Auf dem Zählerdisplay steht nur die Kurzform 1.8.0 (C.D.E).

Die Trennzeichen sind - nach A, : nach B, zweimal . nach C und D, * nach E. Am Zählerdisplay steht nur die Kurzform C.D.E, etwa 1.8.0. Medium und Kanal ergänzt der Empfänger aus dem Zusammenhang. Die Codeliste schreibt die Kennzahlen im Muster 1-b:1.8.e und führt keine Wertegruppe F. Die IEC kennt F für Vorwerte vergangener Abrechnungsperioden, 255 steht für „aktuell“. Im Strommarkt laufen Vorwerte über eigene Prozesse, nicht über F.

A bis E im Einzelnen

  • A, Medium: 1 Elektrizität, 7 Gas. Die Codeliste regelt Strom (Medium 1) und Gas (Medium 7) getrennt.
  • B, Kanal: Die Codeliste lässt für Strom die Werte 0 bis 65 zu, der Messstellenbetreiber vergibt sie, und sie sind für die Identifikation relevant. 0 ist der Normalfall, aber kein Festwert: Wo ein Gerät mehrere Register mit gleichem C.D.E führt, unterscheidet der Kanal sie. Kanal 66 ist nur für Blindmehrarbeit und Blindmehrleistung im Lieferschein reserviert (1-66:13.9.0). Bei Gas unterscheidet der Kanal im Lastgang, ob mit Bilanzierungsbrennwert (10) oder Abrechnungsbrennwert (20) gerechnet wurde.
  • C, Messgröße: Hier steckt die Richtung. Ungerade Werte stehen für Bezug aus dem Netz, gerade für Lieferung ins Netz. Codeliste Strom: 1 Wirkleistung/-arbeit Bezug (+), 2 Wirk Lieferung (−), 3 und 4 Blind positiv und negativ, 5 bis 8 Blind in den Quadranten I bis IV. Das Vorzeichen bezeichnet die Richtung, die Mengen selbst sind nicht negativ (außer bei Korrekturmengen).
  • D, Messart: 6 Maximum, 8 Zeitintegral 1 (Zählerstand), 9 Zeitintegral 2 (Vorschub, Menge für einen beliebigen Zeitraum), 29 Zeitintegral 5 (Lastgang, Mengen je Intervall gleicher Länge).
  • E, Tarif: 0 Total, 1 bis 62 Tarifstufen, 63 Fehlerregister. Welche Stufe Hochtarif oder Niedertarif ist, legt die Codeliste nicht fest.

Kennzahlen zum Nachschlagen

Die Tabelle zeigt die Kennzahlen aus der Codeliste 2.5c für Wirkgrößen, mit dem MSCONS-Prüfidentifikator, auf den die Codeliste sie einschränkt. Die Tabelle nennt die Kurzform C.D.E; die lange Form ergänzt 1-b:, also etwa 1-b:1.8.e, mit dem Kanal b.

Kurzform Bedeutung Prüfi
1.8.e Zählerstand Wirkarbeit Bezug, e = Tarif 0 bis 62 13017
2.8.e Zählerstand Wirkarbeit Lieferung 13017
1.8.63 Fehlerregister Zählerstand Bezug 13017
1.6.0 Maximum der Wirkleistung Bezug (kW) 13017
2.6.0 Maximum der Wirkleistung Lieferung 13017
1.9.e Vorschub Wirkarbeit Bezug 13019
2.9.0 Vorschub Wirkarbeit Lieferung, nur tariflos 13019
1.29.0 Lastgang Wirkarbeit Bezug 13018
2.29.0 Lastgang Wirkarbeit Lieferung 13018
3.8.0 Zählerstand Blindarbeit positiv 13017

Die Codeliste führt weitere Prüfidentifikatoren für Lieferscheine und Sonderfälle; die Tabelle zeigt je Zeile den für die Standardübermittlung. Die Blindgrößen erklärt Blindleistung und Blindarbeit, die Einheiten kW und kWh Wirkarbeit, Wirkleistung und Blindarbeit.

Kennzahlen am Zähler und im Gateway

Zähler und Smart-Meter-Gateway (BSI TR-03109-1) führen mehr Kennzahlen, als je in eine MSCONS gehen. Das Folgende stammt aus der IEC-Systematik, nicht aus der EDI@Energy-Codeliste:

Kennzahl Bedeutung
16.7.0 Momentanwert der saldierten Wirkleistung, Vorzeichen zeigt Bezug oder Einspeisung
32.7.0, 52.7.0, 72.7.0 Spannung in L1, L2, L3
31.7.0 Strom in L1
14.7.0 Netzfrequenz
0.0.0, 96.1.0 Zähler- und Gerätenummer (abstrakte Objekte, C = 0 oder 96)
0.9.1, 0.9.2 Uhrzeit und Datum im Gerät

Gas (Medium 7) benennt die Codeliste anders: 7-b:3.0.0 Zählerstand Betriebsvolumen, 7-0:52.0.22 Zustandszahl als Mittelwert, 7-0:54.0.ee Brennwert.

Wo OBIS steht

  • Zählerdisplay: Kurzform, bei der modernen Messeinrichtung zuerst 1.8.0, bei Einspeisung 2.8.0. Wie das Display aussieht, zeigt Moderne Messeinrichtung.
  • MSCONS: Je Position steht die Kennzahl im Segment SG9 PIA mit Qualifier 5 im Datenelement 7140. Erlaubt sind nur Kennzahlen, die der MSB zuvor im Stammdatenaustausch gemeldet hat. QTY trägt die Menge, die Einheit steht nicht daneben. Die Prüfidentifikatoren schlägt die AHB-Werkbank nach.
  • UTILMD: Der MSB meldet die Kennzahlen als OBIS-Daten der Zähleinrichtung (SG8 SEQ+Z20, an der Messlokation) und der Marktlokation (SEQ+Z02). Die Codeliste nennt auch, welche Kennzahlen im Stammdatenaustausch zu übermitteln sind.
  • Gateway: Jeder Wert im Datensatz des Zählers trägt seine Kennzahl; das Gateway bildet daraus Zählerstandsgang (Messart 8) und Lastgang (Messart 29).

Beispiel: eine Ziffer zu viel oder zu wenig

Ein Haushalt hat einen Zweitarifzähler. Der MSB hat 1-0:1.8.1 und 1-0:1.8.2 gemeldet. Zum Stichtag zeigt 1.8.1 den Stand 24.860 kWh und 1.8.2 8.130 kWh. Die MSCONS trägt zwei Positionen mit je einer Kennzahl, der Lieferant bildet die Differenz zu den Vorwerten je Tarif und rechnet Tarif 1 und Tarif 2 mit seinen Preisen ab.

Tauscht der MSB den Zähler gegen einen Eintarifzähler und meldet nur noch 1-0:1.8.0, erwartet das Abrechnungssystem weiter 1.8.1 und 1.8.2, findet beide nicht und stellt den Fall in die Klärung. Der Fehler steckt in einer Ziffer der Wertegruppe E. Umgekehrt landet ein Tarifwert in der tariflosen Summe, wenn statt 1.8.1 die Kennzahl 1.8.0 kommt. Beides läuft bis in die Bilanzierung und die Kundenrechnung durch.

Typische Missverständnisse

Der Kanal ist immer 0. 1-0:1.8.0 ist nur der Normalfall. Der Kanal darf 0 bis 65 sein, ist identifikationsrelevant und kommt vom Messstellenbetreiber.

1.8.0 ist immer die Summe aus 1.8.1 und 1.8.2. Gemeint ist der tariflose Gesamtwert. Ob das Gerät ihn als eigenes Register führt oder bildet, hängt vom Gerät ab. Wie Tarifregister aufgebaut sind, steht in Zählerregister und Tarifregister.

Die OBIS-Kennzahl ersetzt Lokations-ID oder Prüfidentifikator. Die Kennzahl sagt, welche Größe vorliegt, die Marktlokations-ID oder Messlokations-ID, wo gemessen wird, der Prüfidentifikator, welcher Geschäftsvorfall die Nachricht ist. Eine MSCONS trägt alle drei nebeneinander.

Die Einheit steht in der Nachricht. Sie ergibt sich aus Messgröße und Messart: 1.8.0 kWh, 1.6.0 kW, 32.7.0 Volt.

Begriffe nachschlagen: OBIS-Kennzahl im Glossar.

Quellen und Pflegehinweis

Aufbau und Wertegruppen stammen aus der IEC 62056-6-1; die Codeliste verweist für Strom auf die Fassung DIN EN 62056-61:2007-06. Die Tabelle der Wirkgrößen, den Kanalbereich und die Kanäle 10, 20 und 66 habe ich der Codeliste 2.5c entnommen, die Stellen in MSCONS und UTILMD den Anwendungshandbüchern MSCONS 3.2 und UTILMD Strom 2.2. Die Zeilen der Tabelle „am Zähler und im Gateway“ folgen der IEC-Systematik und sind hier nicht gegen den Normtext geprüft (die Norm ist kostenpflichtig). Codelisten und Anwendungshandbücher ändern sich mit jedem Formatstand; vor einer Umsetzung gilt der aktuelle Stand auf edi-energy.de. Abgerufen am 5. Oktober 2026.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. BDEW / EDI@Energy – Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien, Version 2.5c vom 01.10.2025 (Kapitel 2 und 3)bdew-mako.de
  2. IEC 62056-6-1:2017 – DLMS/COSEM, Object Identification System (OBIS)webstore.iec.ch
  3. EDI@Energy – MSCONS Anwendungshandbuch 3.2 (Stand 01.04.2026, gültig ab 01.10.2026), SG9 PIAbundesnetzagentur.de
  4. EDI@Energy – UTILMD Anwendungshandbuch Strom 2.2 (Stand 01.04.2026, gültig ab 01.10.2026), SG8 SEQ+Z02 und SEQ+Z20bundesnetzagentur.de
  5. BSI – Technische Richtlinie TR-03109-1, Smart-Meter-Gatewaybsi.bund.de
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