Kurzantwort
Ein Tarif in SAP IS-U ist kein einzelner Datensatz, sondern eine Kette von Bausteinen, die aufeinander verweisen. Zuerst entstehen Operanden und Preise, dann Varianten und der Tarif, danach das Abrechnungsschema, der Tariftyp und zuletzt die Tariffindung, die den Tarif einem Zählwerk zuordnet. Wer in der falschen Reihenfolge anlegt, findet den Baustein, auf den er verweisen will, nicht. Preise ändern Sie nie durch Überschreiben: Eine Änderung ergänzt eine neue Zeitscheibe, die Kopfdaten bleiben. Probiert wird mit der Test-Abrechnung eines Vertrags, bevor der Tarif auf viele Anlagen wirkt.
Die Kette beim Anlegen
SAP Learning beschreibt die Abhängigkeiten in dieser Folge, nennt sie aber ausdrücklich eine logische und keine starre Reihenfolge (SAP Learning, Identifying Billing Master Data). Die Transaktionen in der Zeichnung ordnet der Projektkatalog nach ihrem Namen zu: EA50 „Operand anlegen“, EA89 „Preis anlegen“, EA88 „Variante pflegen“, EA30 „Tarif anlegen“, EA35 „Schema anlegen“, EA53 „Tariftyp anlegen“. Für die Tarifart gibt es EA56 „Tarifart pflegen“; die Katalogbeschreibung dazu ist nicht belegt, nehmen Sie nur den Namen. Das Customizing der Abrechnungsstammdaten liegt im Einführungsleitfaden unter Vertragsabrechnung, Abrechnungsstammdaten (Customizing-Baum).
1. Operand. Er ist der Name für einen Wert, den ein Variantenprogramm einliest oder ausgibt. Die Kategorie (etwa Menge, Betrag, Preis, Faktor) gibt SAP vor; jeder Operand gehört zu genau einer Sparte. Stammsatz: TE221. Ein Operand muss existieren, bevor eine Variante oder ein Tarif ihn nennt.
2. Preis. Der Preisstamm (EPREI) kennt Standard-, Block- und Staffelpreise. Preise werden in Zeitscheiben geführt; die Preisanpassungsklausel erlaubt indirekte, indexabhängige Änderungen. Block- und Staffelgrenzen pflegen Sie in den historischen Daten.
3. Variante. Ein Variantenprogramm ist ein Rechenbaustein wie Verbrauch mal Preis oder die Ermittlung des Grundpreises. SAP liefert einen Vorrat an Programmen aus, und jedes legt über seine Operandenkategorien fest, welche Operanden es ein- und ausgibt; Ihr Beitrag ist die Wahl der Operanden. Für nicht standardisierte Berechnungen lassen sich zusätzlich eigene Variantenprogramme anlegen (SAP Learning, Identifying Billing Master Data). Wo welche Varianten im Einsatz sind, zeigt EA99 („Auswertung Varianten“). Familien und Beispiele der Varianten beschreibt Abrechnungsschema und Variantenprogramme.
4. Tarif. Er kombiniert Varianten zu Tarifschritten und weist ihnen Ein- und Ausgabeoperanden zu. Für Schritte, die Rechnungszeilen erzeugen, braucht er außerdem Angaben zur Kontierung (Fakturierungsvorgänge, also Soll- und Habenteilvorgang) und einen statistischen Tarif. Ein Schritt lässt sich als optional markieren; er entfällt dann, wenn sein Operandenwert fehlt. Stammsatz: ETRF. Die Operandenwerte kommen aus den Tariffakten, gegebenenfalls über eine Tariffaktengruppe.
5. Schema. Das Abrechnungsschema legt die Reihenfolge der Tarifschritte fest, die zusammen abgerechnet werden. Kopfsatz: ESCH. Es muss alle Tarife enthalten, die für eine Anlage zusammen laufen können.
6. Tariftyp. Sein Stammsatz ETTA verweist über SCHEMANR auf das Schema und steuert Rückabrechnung, Periodenendabrechnung und Aussortierung. Der Tariftyp hängt zeitabhängig an der Anlage (EANLH).
7. Tariffindung. Die Tarifart am Zählwerk (EASTS) führt zusammen mit dem Tariftyp der Anlage zum Tarif. Erst hier wird der Tarif für Abrechnungen erreichbar. Was dabei zur Laufzeit geschieht, steht in Tariffindung und Tarifierung; das Zusammenspiel der Begriffe in Tarifart, Tarif und Tariftyp.
Historische Pflege: ergänzen, nicht überschreiben
Preise, Tarifart und Tariftyp sind zeitabhängig. Ändert sich ein Preis, tragen Sie die neue Zeitscheibe ein; die Kopfdaten des Preises (Sparte, Abrechnungsklasse, Zeitbasis, Rundung) bleiben. Das System legt dabei laut SAP automatisch eine neue Zeitscheibe an und beendet die des alten Preises (SAP Learning, Identifying Billing Master Data). Transaktionen dazu: EA89 und EA90 „Preis ändern“. Bei einer bloßen Preisänderung bleibt die Kette unberührt: Tarif, Schema, Tariftyp und Tariffindung zeigen weiter auf denselben Preis, nur der Wert ab dem neuen Datum ist ein anderer.
Anders ist es beim Tariftyp-Stammsatz. ETTA führt im Katalog kein Von-Bis-Datum. Ändern Sie dort Schema oder Steuerungen, wirkt das auf jede Anlage, die diesen Tariftyp trägt. Ein neues Preismodell ab einem Stichtag bilden Sie deshalb über einen neuen Tariftyp oder neuen Tarif und einen Wechsel an der Anlage, nicht über Änderungen am bestehenden Stammsatz. Beim Wechsel des Tariftyps behandelt die Abrechnung die Perioden davor und danach unabhängig voneinander (SAP Datasheet TARIFTYP). Das Zeitverhalten beschreibt Tarifwechsel, Preisänderung und Gültigkeit.
Beispiel: neuer Haushaltstarif ab 1. Januar
Vereinfachtes Beispiel, keine Marktdaten. Ein Versorger führt einen Haushaltstarif mit Grundpreis, Arbeitspreis Hochtarif und Arbeitspreis Niedertarif ein.
| Baustein | Anlage |
|---|---|
| Operanden | je einer für Grundpreis, Hochtarifverbrauch, Niedertarifverbrauch und die zugehörigen Preise |
| Preise | drei Preise, gültig ab 01.01., Zeitbasis Jahr beim Grundpreis |
| Tarife | ein Tarif je Zählwerksart, mit Schritten Grundpreis und Verbrauch mal Preis |
| Schema | ein Schema, das beide Tarife in fester Reihenfolge rechnet |
| Tariftyp | „Haushalt“ mit Verweis auf das Schema, an die Anlagen ab 01.01. zugeordnet |
| Tarifart | je eine für Hoch- und Niedertarif-Zählwerk, über die Tariffindung zum jeweiligen Tarif |
Danach folgt die Probe. EA87 zeigt für einen Beispielvertrag, welchen Tarif das System zum 31.12. und zum 01.01. findet. Eine Test-Abrechnung eines Vertrags (EA00) oder eine Einzelsimulation (EASISI) rechnet den Zeitraum über den Stichtag, ohne Belege zu erzeugen. Verglichen wird mit der Kalkulation des Tarifverantwortlichen. Das Testen im Ganzen behandelt später ein eigener Artikel zu Tarifen testen und produktiv setzen.
Folgen und Fehlerfälle
- Baustein fehlt oder zeigt ins Leere. Wer das Schema anlegt, bevor der Tarif existiert, kann diesen nicht einbinden. Die Abhängigkeiten der Kette gelten auch beim Ändern: Vorher prüfen, welche Tarife und Tariftypen einen Operanden oder Preis verwenden.
- Änderung am Tariftyp wirkt breit. Alle Anlagen mit diesem Tariftyp sind betroffen. Mit EA87 an Beispielverträgen vorher prüfen.
- Operandenwert fehlt für den Zeitraum. Die Abrechnung bricht ab, sofern der Schritt nicht als optional markiert ist.
- Schritt ohne statistischen Tarif. Die Rechnung läuft, die Verkaufsstatistik ist unvollständig.
- Preis im laufenden Betrieb überschrieben. Rechnungen, die der alte Wert getragen hat, lassen sich nicht mehr nachvollziehen. Immer eine neue Zeitscheibe anlegen. Was bei einer rückwirkenden Änderung folgt, steht in Rückwirkende Preisänderung.
Typische Missverständnisse
„Ein Tarif ist ein Preis.“ Er verbindet Tarifschritte, Varianten, Operanden und Preise; der Preis ist ein eigener Stammsatz.
„Der Tarif entsteht an einer Stelle.“ Er ist die Mitte einer Kette. Ohne Schema, Tariftyp und Tariffindung wird er nie abgerechnet.
„Eine Preisänderung braucht einen neuen Tarif.“ Meist genügt eine neue Preiszeitscheibe. Einen neuen Tarif brauchen Sie, wenn sich die Struktur ändert, etwa ein zusätzlicher Tarifschritt.
„Rechtliche Fristen löst das System.“ Das System setzt nur das Datum um, ab dem ein Preis gilt. Wann ein Preis wirksam werden darf, regeln das Recht und die Kommunikation; Stichtage und Fristen beschreibt Tarifwechsel.
Quellen und Pflegehinweis
Die Kette und die Pflegeregeln stammen aus den SAP-Learning-Kursen zu Abrechnungsstammdaten, die Tabellenbeschreibungen aus dem Katalog dieses Atlas. Offen und im eigenen System zu prüfen: die Abhängigkeit zwischen Tariffaktengruppe und Tarifart im Detail, die Schritte „Variante pflegen“ im Einführungsprojekt und die genauen Customizing-Pfade des jeweiligen Release. Das Datenwörterbuch trägt für TARIFTYP und TARIFART den Stand 2005. Prüfstand: 5. Oktober 2026.