Kurzantwort
Eine MSCONS ist eindeutig, wenn vier Dinge zusammenpassen: das Marktobjekt in LOC+172, die Messgröße als OBIS-Kennzahl in PIA, der Zeitraum in DTM+163 und DTM+164 und der Wert in QTY, bei Energiemengen ergänzt um den Zählerstandsstatus in STS+10. Welcher Anwendungsfall vorliegt, sagt der Prüfidentifikator in RFF+Z13. Maßgeblich ist seit dem 01.10.2026 das MSCONS-Anwendungshandbuch 3.2 mit der Nachrichtenbeschreibung 2.5, so die Mitteilung Nr. 56 der Bundesnetzagentur. Wo der Nachrichtentyp im Gefüge der Marktkommunikation steht, erklärt UTILMD und MSCONS einordnen.
Eine echte Nachricht, zerlegt
Die folgende Nachricht ist selbst gebaut, folgt aber Segment für Segment der Tabelle „Energiemenge (Strom)“ im MSCONS AHB 3.2, Kapitel 6.3.7 (ab Seite 31). Ein Messstellenbetreiber meldet dem Netzbetreiber die Energiemenge einer Marktlokation für den Oktober 2026.
KopfMarktobjektWertZeitStatus
- Kopf
UNB+UNOC:3+9900259000002:500+9900123456780:500+261005:0800+ABC0815++EM'Umschlag: Zeichensatz UNOC, Absender- und Empfänger-MP-ID, Erstellung 05.10.2026 08:00 UTC, Datenaustauschreferenz. „EM“ steht für Energiemenge. - Kopf
UNH+1+MSCONS:D:04B:UN:2.5'Beginn der Nachricht. 2.5 ist die Version der Nachrichtenbeschreibung, die das AHB 3.2 voraussetzt. - Kopf
BGM+7+MSG0815+9'Nachrichtenart 7 „Prozessdatenbericht“, Dokumentennummer, 9 = Original. - Kopf
DTM+137:202610050800?+00:303'Nachrichtendatum. Format 303 mit „+00“: UTC. - SG1
RFF+Z13:13019'Prüfidentifikator: Messwert Energiemenge (Strom). - SG2
NAD+MS+9900259000002::293' NAD+MR+9900123456780::293' UNS+D'Absender (MS) und Empfänger (MR). UNS+D trennt den Kopf vom Positionsteil. - SG6
NAD+DP' LOC+172+57891234562'Meldepunkt (Qualifier 172): hier eine Marktlokation. Elf Stellen heißen Marktlokation, 33 Stellen Messlokation. - SG9
LIN+1' PIA+5+1-1:1.9.0:SRW'Position 1 mit OBIS-Kennzahl: Wirkarbeit Bezug, Vorschub, total, tariflos. - SG10
QTY+220:1250.500:KWH'Mengenqualifier 220 „wahrer Wert“, Menge mit höchstens drei Nachkommastellen, Einheit kWh. - SG10
DTM+163:202609302200?+00:303' DTM+164:202610312300?+00:303'Beginn und Ende der Menge in UTC: 01.10.2026, 00:00 Uhr bis 01.11.2026, 00:00 Uhr deutscher Zeit. Der Oktober hat die Zeitumstellung, deshalb 22:00 Uhr zu Beginn, 23:00 Uhr am Ende. - SG10
STS+10+Z36' STS+10+Z39'Messklassifizierung: Zum Beginn gibt es einen übermittelten Zählerstand, zum Ende keinen (Z39, Mengenabgrenzung). - Ende
UNT+17+1' UNZ+1+ABC0815'Segmentzahl von UNH bis UNT (17), Nachrichtenreferenz; UNZ schließt die Datei.
Wer MSCONS in Strom sendet
Der Prüfidentifikator trennt die Anwendungsfälle (laut Anwendungsübersicht 4.0 und MSCONS-AHB):
13017Zählerstand,13018Lastgang Messlokation, Netzkoppelpunkt oder Netzlokation,13025Lastgang Marktlokation oder Tranche,13019Energiemenge: Der Messstellenbetreiber liefert sie in WiM Strom Teil 2 an Netzbetreiber und Lieferant, auf Anfrage auch in GPKE Teil 4 (Geschäftsdatenanfrage).13019als Lieferschein (BGMZ41): Der Netzbetreiber sendet ihn in GPKE Teil 2 an den Lieferanten;13006storniert ihn.13016Energiemenge und Leistungsmaximum,13015Bewegungsdaten im Kalenderjahr vor Lieferbeginn.13003Summenzeitreihe,13005EEG-Überführungszeitreihe: Bilanzierung nach MaBiS.
Welche Zeile genau zu Ihrem Prozess gehört, finden Sie in der AHB-Werkbank; dort stehen auch die Bedingungen je Segment.
Marktobjekt: LOC+172
LOC+172 bezeichnet den Meldepunkt. In DE3225 steht je nach Anwendungsfall die ID der Marktlokation (elf Stellen), der Messlokation (33 Stellen, Zählpunktbezeichnung) oder der Netzlokation. Bei der Energiemenge 13019 hängt das Format der Menge an der Länge dieser ID: Mit Marktlokations-ID sind keine negativen Werte erlaubt, mit Messlokations-ID schon (AHB Bedingungen [46] und [62]). Die Kopfdaten tragen nur Absender und Empfänger; das Objekt entsteht erst im Positionsteil hinter UNS+D. Wie Marktlokation und Messlokation zusammenhängen, steht in Die Marktlokation und Die Messlokation.
Messgröße: OBIS in PIA
PIA+5+…:SRW trägt die OBIS-Kennzahl. Zulässig sind nur Kennzahlen, die die EDI@Energy-Codeliste mit dem verwendeten Prüfidentifikator ausweist (AHB Kapitel 2). Nach der Codeliste 2.5c gehören zu Wirkarbeit Bezug:
1-b:1.8.eZählerstand:130171-b:1.9.eVorschub (Energiemenge):13019und130161-b:1.29.0Lastgang:13018,13025,13027
Dabei steht b für den Kanal und e für die Tarifstufe; „total, tariflos“ ist 1-1:1.9.0. Neue Kennzahlen dürfen Sie nicht einfach einführen, die Codeliste wird getrennt vom AHB gepflegt. Die Stammdaten der Zählwerke erklärt Zählwerk und Zählwerksdaten.
Zeit: UTC, auf zwei Ebenen
Alle DTM nutzen Format 303 mit +00: Die Nachricht rechnet in UTC, nicht in Ortszeit. Wo der Zeitraum steht, hängt vom Fall ab:
- Energiemenge (13019):
DTM+163undDTM+164inSG10, je Menge. Eine GruppeSG6 DTMgibt es in dieser Tabelle nicht. - Lastgang (13018, 13025):
DTM+163undDTM+164zuerst inSG6für den ganzen Übertragungszeitraum, dann inSG10für jeden Wert. Ein Tag mit Zeitumstellung am 25.10.2020 liefert 100 Viertelstundenwerte, am 28.03.2021 sind es 92; der Tagesbeginn liegt dann bei 22:00 beziehungsweise 23:00 Uhr UTC (AHB Kapitel 4.1 und 4.2, Seiten 8 und 9).
Wie sich die Zeitumstellung in den Daten zeigt, steht in Zeitumstellung in Energiedaten, die Leistungswerte in Leistungswerte.
Wert und Status: QTY und STS
QTY trägt in DE6063 den Mengenqualifier und in DE6060 den Wert. Die Pakete [4P] bis [8P] des AHB koppeln an ihn die zulässigen Statusangaben: 220 wahrer Wert, 67 Ersatzwert, 201 Vorschlagswert, 20 nicht verwendbarer Wert, Z18 vorläufiger Wert. Bei Lieferscheinen kommt Z31 hinzu, bei Summen 79. Was die Codes für die Weiterverarbeitung bedeuten, und welche STS-Zusatzangaben (Plausibilisierung, Ersatzwertverfahren, Korrekturgrund) folgen, behandelt Status und Qualität von Messwerten. Zur Messwertlogik siehe Messwerte und Zählerstandsgänge.
Bei Energiemengen kommt die Messklassifizierung STS+10 dazu. Sie sagt, ob die Menge auf Zählerständen beruht. In 13019 steht sie genau zweimal je Position (Bedingung [2003]):
Z36Zählerstand zum Beginn der Menge vorhanden und kommuniziert,Z37Zählerstand zum Ende vorhanden und kommuniziert,Z38Zählerstand zum Beginn nicht vorhanden, weil die Menge abgegrenzt wurde,Z39Zählerstand zum Ende nicht vorhanden, weil die Menge abgegrenzt wurde.
Z36 und Z38 schließen sich ebenso aus wie Z37 und Z39: Beginn und Ende werden je getrennt beurteilt. Bei einer Mengenaufteilung muss für den frühesten Zeitpunkt jeder OBIS-Kennzahl ein Zählerstand vorhanden und kommuniziert sein (Hinweis [544], AHB Seite 44).
Stornieren und korrigieren
Kapitel 12 des AHB kennt drei Wege. Bei der Stornierung referenziert die neue Nachricht die Originalnachricht in SG1 RFF+ACW; storniert werden immer alle Werte der Nachricht, und nur der ursprüngliche Absender darf stornieren. Bei der Überschreibung versioniert der Absender die Werte. Beim Neuversand ohne Überschreibung verweist die neue Nachricht auf die alte. Welche Angaben eine Zeitreihe versionieren, legt Kapitel 5.1 je Anwendungsfall fest: Bei Summenzeitreihen sind es Meldepunkt, Bilanzierungsmonat und Versionsangabe, beim Lastgang einer Messlokation Meldepunkt, Übertragungszeitraum und Nachrichtendatum.
Fehlerfälle
- Objekt falsch gewählt. Die ID in
LOC+172passt nicht zum Anwendungsfall, etwa Marktlokation statt Messlokation. - OBIS und Prüfidentifikator passen nicht.
1-1:1.29.0ist ein Lastgang und gehört nicht in die Energiemenge 13019. - Ortszeit als UTC. Ein
DTMmit Code 303 und+00, aber mit deutscher Uhrzeit. - Statuswiderspruch.
STS+10+Z36nebenSTS+10+Z38in derselben Position. - Lücke in der Reihe. Zu jeder Viertelstunde des angegebenen Zeitraums muss genau ein Wert stehen.
- Mehrere Zeitbereiche in einer Nachricht. Das AHB verlangt dafür die Wiederholung über das
UNH-Segment.
Typische Missverständnisse
„Der Nachrichtentyp sagt alles.“ Erst Prüfidentifikator, OBIS-Kennzahl und Qualifier ergeben die Aussage.
„Alle MSCONS tragen DTM in SG6.“ Bei der Energiemenge liegen sie in SG10, beim Lastgang auf beiden Ebenen.
„LOC und PIA stehen im Kopf.“ Beide stehen im Positionsteil hinter UNS+D; der Kopf nennt nur die Marktpartner.
„Z36 und Z37 schließen sich aus.“ Nein. Sie beschreiben Beginn und Ende und stehen zusammen; Gegensätze sind nur Z36 mit Z38 und Z37 mit Z39.
Quellen und Pflegehinweis
Tragend sind das MSCONS AHB 3.2 (Stand 01.04.2026), die Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren 4.0 und die OBIS-Codeliste 2.5c. Die MIG 2.5 lag nicht vor; die Segmentreihenfolge im Beispiel folgt deshalb dem AHB, nicht der MIG. Ob die OBIS-Codeliste zum 01.10.2026 erneuert wurde, ist offen: Mitteilung 56 führt keine OBIS-Codeliste auf, geprüft wurde die Fassung 2.5c vom 01.10.2025. Der Vorgänger des AHB war 3.1e (Mitteilung 42); wer Altnachrichten verarbeitet, braucht beide Stände. Die Einheit des Beispiels (KWH) ist in der Strom-Tabelle des AHB nicht ausgewiesen und folgt der OBIS-Kennzahl.