Kurzantwort
REMADV (Remittance Advice, Zahlungsavis) ist die Antwort des Rechnungsempfängers auf eine INVOIC. Sie bestätigt die Zahlung (Prüfidentifikator 33001, BGM 481) oder lehnt die Rechnung ab (33002, 33003, 33004, BGM 239 „Abgelehnte Forderung, Nicht-Zahlungsavis“). Sie ist weder die Rechnung noch der Zahlungsauftrag: Das Geld fließt als eigene Überweisung, die als Verwendungszweck die Avisnummer der REMADV trägt. Gültig ist das REMADV-AHB 1.0a mit MIG 2.9e (Mitteilung Nr. 54) (REMADV-AHB, Kap. 3).
Der Prozess drumherum steht in Netznutzungsabrechnung verstehen, die Positionsschlüssel in Artikel-ID in der Netznutzungsabrechnung.
Wer sendet wann welche REMADV
Die Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren 4.0 führt die REMADV in mehr Prozessen, als hier stehen; die Auswahl zeigt das Muster. Immer antwortet der Empfänger der INVOIC an deren Aussteller (PID 4.0):
- GPKE Teil 2, Netznutzungsabrechnung (LF an NB): Antwort auf INVOIC 31001 oder 31002, nach einer Ablehnung erneut, und auf den Storno 31004. Prüfi 33001, 33003, 33004; auf den Storno 33001 oder 33002.
- GPKE Teil 2, Abrechnung einer sonstigen Leistung (LF an NB): Antwort auf INVOIC 31011. Prüfi 33001, 33002.
- WiM Teil 1, Abrechnung Messstellenbetrieb (LF an MSB, NB an MSB, MSB an MSB): Antwort auf INVOIC 31009, 31003 und Storno 31004. Prüfi 33001, 33003, 33004; je nach Schritt 33002.
- Mehr-/Mindermengenabrechnung (LF an NB, MGV an NB): Antwort auf INVOIC 31005 bis 31008. Prüfi 33001, 33002.
Die Netznutzungsabrechnung läuft in zwei Antwortrunden (Schritt 2 und 4) und einer Antwort auf den Storno (Schritt 6). Dazwischen kann der NB mit COMDIS 29001 mitteilen, dass die ursprüngliche Rechnung korrekt war. Wie COMDIS aufgebaut ist, steht in COMDIS: Ablehnung von Rückmeldungen.
Welche Prüfi wann
Warum 33003 und 33004 getrennt sind: Der Entscheidungsbaum E_0406 prüft in drei Ebenen. Fehler auf Kopf- oder Summenebene betreffen die ganze Rechnung, Fehler auf Positionsebene eine oder mehrere Zeilen. Im Alles-oder-Nichts-Prinzip wird die Rechnung in beiden Fällen vollständig abgelehnt; die Prüfi sagt nur, wo der Fehler liegt (EBD 4.3, Kap. 6.10.1).
Aufbau und Regeln
Die REMADV beruht auf EDIFACT D.05A (UNH 0057: 2.9e). Die wichtigsten Segmente der Strom-Abweisung (REMADV-AHB 1.0a, Kap. 3.1.1 und 3.1.2):
- BGM: 1001 = 481 (Zahlungsavis) oder 239 (abgelehnte Forderung); 1004 = Avisnummer.
- RFF+Z13: der Prüfidentifikator (33001 bis 33004).
- SG5 DOC: Rechnungsart (380 Handelsrechnung, 389 selbst ausgestellte Rechnung, 457 Storno für Belastung, Z25 Storno für selbst ausgestellte Rechnung) und die Dokumentennummer der INVOIC (aus BGM DE1004 der bestätigten beziehungsweise abgelehnten Rechnung).
- SG5 MOA:
MOA+9fälliger Betrag inklusive USt., übernommen aus der INVOIC;MOA+12Überweisungsbetrag. Bei Abweisungen ist der Überweisungsbetrag 0. In der Bestätigung wird er bei den Rechnungsarten 389 und Z25 mit -1 multipliziert angegeben, bei 380 und 457 unverändert. - SG5 RFF+ACW: Referenz auf eine vorangegangene Nachricht, zum Beispiel die abgelehnte COMDIS.
- SG7 AJT (Abweichungsgrund):
AJT DE4465trägt den A-Code des Prüfschritts,DE1082den EBD-Code (etwaE_0406oderE_0407). In 33004 steht dazu in SG10 DLI die Positionsnummer der beanstandeten INVOIC-Zeile und der A-Code der Positionsebene in SG12 AJT. - SG7 FTX: Erläuterung, je nach A-Code Pflicht. Der Entscheidungsbaum nennt Beispiele: Bei A35 teilt der Lieferant den erwarteten Preis mit, bei A84 den Zeitraum, in dem die Artikel-ID nicht galt.
Das AHB gibt einen Verarbeitungsrahmen vor:
- Rechnungen werden „ganz oder gar nicht“ ausgeglichen. Es gibt keine Teilzahlungen.
- Eine REMADV-Datei enthält genau eine REMADV-Nachricht, eine INVOIC-Datei meist mehrere INVOIC. Eine 1:1-Beziehung zwischen den Dateien gibt es nicht.
- In einer REMADV stehen nur Zustimmungen oder nur Ablehnungen.
- Forderungen und Rückerstattungen werden in einer Zahlungs-REMADV verrechnet. Ergibt sich eine Rückerstattung, sendet der Lieferant eine REMADV mit negativem Zahlbetrag; der Netzbetreiber überweist genau diesen Betrag.
- Der Überweisungsbetrag entspricht der Summe aller Zahlbeträge der REMADV. Als Verwendungszweck dient die Avisnummer aus BGM DE1004, es gibt keine marktlokationsscharfen Überweisungen.
- Eine unberechtigte Abweisung wird nach bilateraler Klärung durch ein Zahlungsavis nachgeholt.
Abweisungscodes
Der Entscheidungsbaum E_0406 vergibt A-Codes, die in AJT DE4465 landen. Beispiele: A09 (Rechnungsnummer doppelt), A10 und A11 (Zahlungsziel unterschritten oder überschritten), A13 bis A15 (Lieferschein fehlt, storniert oder erfolgreich abgelehnt), A35 (falscher Preis zur Artikel-ID), A84 (Artikel-ID im Zeitraum nicht zulässig). Der Code gehört zu einer Ebene: Kopf, Position oder Summe. Die vollständige Liste steht in der EBD ab Seite 99.
Endet der Leistungszeitraum einer Rechnungsposition spätestens am 01.01.2023 um 00:00 Uhr, gelten für sie die Codes der externen Liste S_0103 statt der Prüfschritte (EBD 4.3, Kap. 6.10.1).
Vereinfachtes Beispiel
Der Lieferant prüft INVOIC 31002 des Netzbetreibers für die Marktlokation 41373559241, Abrechnungsmonat Januar 2026, Summe der Netzentgelte 743,98 € netto. Zahlungsziel ist der 02.03.2026, die REMADV ist bis Di 24.02.2026 fällig.
- Alles stimmt. Der Lieferant sendet REMADV 33001 mit BGM 481,
RFF+Z13:33001, der Rechnungsnummer in DOC,MOA+9mit dem Rechnungsbetrag undMOA+12mit der Summe aller im Avis bestätigten Rechnungen. Die Überweisung trägt die Avisnummer. - Preisfehler in Position 2. Der Lieferant sendet 33004 mit BGM 239, dem EBD-Code
E_0406, dem A-Code A35, der Positionsnummer 2 in SG10 DLI und dem erwarteten Preis in FTX.MOA+12ist 0. Der NB prüft: Hat der LF recht, folgen INVOIC 31004 und eine neue INVOIC 31002. Hat er sie richtig berechnet, sendet er COMDIS 29001; erst eine erneute Ablehnung führt in die bilaterale Klärung.
Was REMADV nicht ist
- Keine Kontobewegung. Zahlungsavis und Überweisung sind getrennte Ereignisse; das AHB koppelt sie über die Avisnummer.
- Keine technische Quittung. CONTRL und APERAK melden Syntax und Verarbeitbarkeit der Datei. Die REMADV ist die fachliche Antwort auf die Rechnung (CONTRL und APERAK).
- Keine Korrekturrechnung. Eine Korrektur macht allein der Rechnungssteller: Stornorechnung und neue Rechnung.
- Kein Ersatz für die EBD. Das AHB legt Felder fest; welcher Code in welchem Fall zu senden ist, entscheidet der Entscheidungsbaum.
SAP-Bezug
Wie IS-U oder FI-CA eine REMADV in offene Posten übersetzt, ist in den Katalogen dieser Seite nicht belegt und wird deshalb nicht beschrieben. Belegt sind die IDoc-Spur und die Prüfidentifikatoren: Eine eingegangene REMADV erscheint als IDoc im Steuersatz EDIDC (Nachrichtentyp, Richtung, Status), anzeigbar mit WE02. Die Felder der Prüfi 33001 bis 33004 stehen in der AHB-Werkbank.
Typische Missverständnisse
„REMADV ist die Rechnung.“ INVOIC trägt die Rechnung, REMADV meldet ihr Prüfergebnis zurück.
„Die Bestätigung heißt, das Geld ist da.“ Das Zahlungsavis kündigt die Überweisung an, die der Lieferant parallel veranlasst. Zahlung und Avis laufen getrennt.
„Mit 33004 lehne ich nur die Position ab.“ Es gilt Alles oder Nichts. Die Prüfi lokalisiert den Fehler, die Rechnung wird insgesamt nicht bezahlt.
„33002 ist die normale Abweisung.“ In der Netznutzungsabrechnung ist sie nur die Antwort auf einen Storno. Für Abweisungen von NN-Rechnungen sind 33003 und 33004 vorgesehen.
„CONTRL und REMADV sind austauschbar.“ CONTRL beschreibt die Syntax der Datei, REMADV den fachlichen Rechnungsbezug.
Quellen und Pflegehinweis
Stand ist der 05.10.2026. Mitteilung Nr. 56 (gültig ab 01.10.2026) führt kein neues REMADV-AHB auf, daher bleibt nach den veröffentlichten Unterlagen die Fassung 1.0a mit MIG 2.9e die jüngste; ein Beleg, dass sie über den 01.10.2026 hinaus unverändert gilt, liegt nicht vor. Die Prüfidentifikatoren der Anwendungsübersicht 4.0 und der Entscheidungsbaum 4.3 (E_0406, E_0407, E_0459) gelten ab 01.10.2026. Bei jedem Formatwechsel sind AHB-Version, Prüfidentifikatoren, EBD-Codes und die Kopplung an die Rechnungs- und Zahlungsbuchung gemeinsam zu prüfen.