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Belieferung & Marktprozesse

Die Messlokation

Die Messlokation ist der Ort, an dem Energie gemessen wird, samt aller Technik zum Ermitteln und Übermitteln der Messwerte. Der Artikel zeigt am Zählerfoto, was Gerät und was Ort ist, erklärt die 33-stellige Zählpunktbezeichnung und die Rolle der Messlokation in WiM und SAP IS-U.

Auf dieser Seite11 Abschnitte

Kurzantwort

Die Messlokation (MeLo) ist der Ort, an dem Energie gemessen wird. Zu ihr gehören alle technischen Einrichtungen, die Messwerte ermitteln und gegebenenfalls übermitteln (GPKE Teil 1, Kapitel 3.3). Sie ist der Bezugspunkt des Messstellenbetriebs. Ihre Kennung ist die 33-stellige Zählpunktbezeichnung nach VDE-AR-N 4400, die der Netzbetreiber vergibt und die sich grundsätzlich nicht mehr ändern darf. Der Zähler ist ein Gerät in der Messlokation und lässt sich tauschen, ohne dass sich die Messlokation ändert. Die Marktlokation ordnet die gemessenen Werte kaufmännisch zu.

Gerät und Ort

Das Foto zeigt ein Gerät. Alles, was darauf zu lesen ist, gehört zum Zähler und verschwindet mit ihm beim Gerätetausch. Die Messlokation ist der Ort, an dem dieses Gerät gerade hängt.

Ein Zähler als Gerät der Messlokation

Elektronischer Drehstromzähler mit Display, Typschild und Strichcode mit Identifikationsnummer
  1. Zählwerk 1.8.0Zählerstand der bezogenen Wirkarbeit in kWh. Jedes Zählwerk trägt eine OBIS-Kennzahl und liefert einen Messwert an die Messlokation.
  2. TypschildDas Schild gehört zur Messeinrichtung, also zum Gerät. Die Messeinrichtung ist ein Teil der Technik in der Messlokation.
  3. GerätenummerKennung des einzelnen Geräts. Sie wechselt mit jedem Gerätetausch. Die Zählpunktbezeichnung der Messlokation bleibt gleich.
Messeinrichtung eines Haushalts. Die Messlokation selbst ist auf keinem Foto zu sehen.Foto: Bicycle Tourer · CC BY-SA 4.0 · Quelle: commons.wikimedia.org · Nummern und Pfeile ergänzt

Die Messlokations-ID steht in den Stammdaten des Netzbetreibers und in jeder Marktnachricht, die sich auf diese Messlokation bezieht. Wer sie am Gerät sucht, sucht am falschen Objekt.

Definition

Die GPKE nennt zwei Regeln. Erstens misst eine Messlokation jede relevante physikalische Größe zu einem Zeitpunkt höchstens einmal. Zweitens trägt sie genau eine ID, die der Netzbetreiber vergibt.

Die Gesetzesbegriffe liefern die Bausteine. Das Messstellenbetriebsgesetz kennt den Begriff Messlokation nicht, die GPKE fasst sie als Lokationsobjekt:

Begriff Quelle Kern
Zählpunkt § 2 Nr. 28 MsbG Punkt, an dem der Energiefluss messtechnisch erfasst wird
Messstelle § 2 Nr. 11 MsbG alle Mess-, Steuerungs- und Kommunikationseinrichtungen an Zählpunkten eines Anschlussnutzers
Messeinrichtung § 2 Nr. 10 MsbG Messgerät, das einen oder mehrere Messwerte gewinnt
Messlokation GPKE Teil 1, Kap. 3.3 Lokation der Messung mit allen Einrichtungen, eigene ID

Wer verantwortlich ist, zeigt der BDEW-Foliensatz. Der Messstellenbetreiber betreibt die Messlokation und verantwortet ihre Mess- und Kommunikationstechnik. Der Netzbetreiber ordnet ihr die ID zu und gibt die technischen Anforderungen vor. Nach WiM Teil 1, Kapitel 2.1.1 sorgt der Netzbetreiber dafür, dass jede Messlokation zu jedem Zeitpunkt einem Messstellenbetreiber zugeordnet ist, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen an den Geräten. Fehlt ein wettbewerblicher Messstellenbetreiber, ist es der grundzuständige.

Ein Lieferantenwechsel berührt die Messlokation nicht. Ein Wechsel des Messstellenbetreibers, ein Gerätewechsel und ein Umbau sind Vorgänge an der Messlokation.

Die Zählpunktbezeichnung

Die ID der Messlokation ist die Zählpunktbezeichnung. WiM Teil 1 definiert sie als eindeutige, nicht temporäre, alphanumerische Bezeichnung, die den Zählpunkt identifiziert. Gebildet wird sie nach der FNN-Anwendungsregel Messwesen Strom (Metering Code, E VDE-AR-N 4400).

Aufbau aus 33 Stellen

Segment Länge Inhalt
Land 2 Länderkennung nach ISO 3166-1, für Deutschland DE
Netzbetreiber 6 Nummer des Netzbetreibers (Vergabe durch den BDEW), rechtsbündig, links mit Nullen aufgefüllt
Postleitzahl 5 Ort der Messstelle, ersatzweise der Sitz des Netzbetreibers
Zählpunktnummer 20 vom Netzbetreiber frei vergeben, nur A bis Z und 0 bis 9

Der Netzbetreiber sichert die Eindeutigkeit in seinem Netzgebiet, zum Beispiel über Anlagennummer oder Koordinaten. Eine Prüfziffer gibt es anders als bei der MaLo-ID nicht, geprüft wird gegen die Stammdaten. Die ganze Bezeichnung gilt als Einheit und darf nach der Vergabe nicht mehr geändert werden, auch nicht bei Netzübernahme oder neuer Postleitzahl.

Das Beispiel stammt aus dem Entwurf der Anwendungsregel:

Stellen Zeichen Segment
1 bis 2 DE Land
3 bis 8 000562 Netzbetreiber
9 bis 13 66802 Postleitzahl
14 bis 33 AO6G56M11SN51G21M24S Zählpunktnummer

Die ID sagt, in welchem Netz und ungefähr wo die Messstelle liegt. Messkonzept, Gerät und zugeordnete Marktlokation stehen nicht darin. Vergibt ein anderer Marktpartner als der Netzbetreiber die Bezeichnung, gilt eine alternative Regel: 13-stellige GLN oder BDEW-Codenummer des Vergebenden plus die 20-stellige Zählpunktnummer.

Eine Vergleichsmesseinrichtung erhält eine eigene Zählpunktbezeichnung, damit sich ihre Werte von denen der Abrechnungsmessung unterscheiden lassen. In Hoch- und Höchstspannung ist sie nach dem Entwurf der Anwendungsregel Pflicht (Kapitel 4.10).

Abgrenzung zu anderen Nummern

Nummer Gehört zu Format
Zählpunktbezeichnung Messlokation 33 Zeichen, beginnt mit DE
MaLo-ID Marktlokation 11 Ziffern mit Prüfziffer
Gerätenummer einzelnes Messgerät herstellerabhängig, auf dem Gerät aufgedruckt

Eine Messlokation und ihre Marktlokationen

Ob eine Messlokation eine oder mehrere Marktlokationen bedient und umgekehrt, regelt die GPKE mit den Beziehungen 1:1, 1:n und n:1. Die Tabelle dazu steht im Artikel Die Marktlokation, die Zeichnung der Grundfälle im Lokationsbündel.

Für die Messlokation selbst ist wichtig, welche Aufgabe sie im Bündel erfüllt. Das EDI@Energy-Konzept zur Lokationsbündelstruktur unterscheidet vier Funktionen:

Funktion Bedeutung
Netzübergabe Messung an der Verbindung zum Netz
Hinterschaltung Messung hinter einer vorgelagerten Messung
Differenzmessung Messung, die für eine Differenzbildung gebraucht wird
Speicher Messung am Speicher

Wie sich die Zähler vor Ort anordnen lassen, zeigt die Seite Messkonstrukte an sieben Beispielen, vom Einfamilienhaus mit einem Zähler bis zu den Mieterstrom-Messkonzepten. Eine Einführung in die Konzepte steht in Messkonzepte verstehen.

Zählwerke und OBIS

Ein Gerät in der Messlokation kann mehrere Zählwerke führen, etwa je Energierichtung oder Tarif. Jedes Zählwerk trägt eine OBIS-Kennzahl, die Messgröße, Richtung und Tarif codiert. 1.8.0 ist der Bezug, 2.8.0 die Lieferung ins Netz. Wie die Codes aufgebaut sind, erklären die OBIS-Kennzahlen, die Datenstruktur dahinter die Zählwerke und Zählwerksdaten.

Die Messlokation in der WiM

Die WiM regelt, wie eine Messlokation benannt wird und wer sie betreibt.

Identifizierung. Der Sender nennt nach WiM Teil 1, Kapitel 1.6 die postalische Adresse und die ID der Messlokation. Kennt er die ID nicht oder kann der Empfänger sie nicht zuordnen, nennt er die ID einer zugeordneten Marktlokation oder die Adresse mit der Zählernummer des eingebauten Geräts. Bei der ersten Inbetriebnahme dienen Adresse und Name des Anschlussnutzers. Ist die Messlokation identifiziert, gilt ihre ID in allen Folgenachrichten.

WiM-Vorgang Wirkung an der Messlokation
Beginn und Ende Messstellenbetrieb Der Netzbetreiber ordnet einen Messstellenbetreiber der Messlokation zu oder beendet die Zuordnung.
Gerätewechsel Das Gerät wechselt, die Zählpunktbezeichnung bleibt.
Messlokationsänderung Der Netzbetreiber oder der Lieferant meldet dem Messstellenbetreiber eine Änderung.

Gemessene Werte gehen an die berechtigten Marktpartner, im Datenformat MSCONS. Details zu den Nachrichtentypen: UTILMD und MSCONS. Die Prozesse im Überblick: Beginn und Ende des Messstellenbetriebs.

Die Messlokation in SAP IS-U

SAP bildet die Messlokation wie die Marktlokation als Zählpunkt ab, typisiert als Messlokation, mit einer eigenen Anlage. Das Stammdatenmodell nennt das die Dopplung von Zählpunkt und Anlage. Abrechnungsrelevant sind Zählwerke nur in der Anlage der Marktlokation. Dasselbe Gerät oder derselbe Geräteinfosatz ist in beide Anlagen eingebaut.

Marktbegriff SAP IS-U Objekt
Messlokation Zählpunkt, Typ Messlokation EUIHEAD, EUITRANS
Zählpunktbezeichnung externe Zählpunktnummer EUITRANS
Zähler Gerät, Gerätestammdaten EGERH
Einbau des Geräts in die Anlage Anlagenstruktur auf Geräteebene EASTL

Den Einbau macht die Transaktion EG31, den Wechsel EG30. Die Tabellen liegen im Tabellenexplorer, die belegten Zuordnungen im Stammdatenatlas.

Beispiel: Gerätewechsel an einer Messlokation

Ein Haushalt hat einen Zweirichtungszähler mit den Zählwerken 1.8.0 und 2.8.0. Der Messstellenbetreiber tauscht das Gerät gegen ein intelligentes Messsystem. Die Nummern sind frei erfunden.

Merkmal vor dem Tausch nach dem Tausch
Gerätenummer 1 EMH00 0123 4567 1 EMH00 0711 2233
Zählpunktbezeichnung DE00056266802AO6G56M11SN51G21M24S gleich
Marktlokation Bezug 57891234562 gleich
Marktlokation Einspeisung 57891234570 gleich

Der Wechsel ist ein Vorgang an der Messlokation. Lieferanten und Bilanzierung merken nur, dass ab einem Datum Werte eines anderen Geräts eintreffen. Auch bei einem Lieferantenwechsel bleiben die Zählpunktbezeichnung und das Gerät unberührt, nur die Zuordnung an der Marktlokation ändert sich.

Typische Missverständnisse

„Die Messlokation ist der Zähler.“ Der Zähler ist ein Gerät in der Messlokation. Er wird getauscht, die Messlokation und ihre ID bleiben.

„Die Zählpunktbezeichnung hat eine Prüfziffer wie die MaLo-ID.“ Sie hat keine. Die Eindeutigkeit stellt der Netzbetreiber über die 20-stellige Zählpunktnummer sicher.

„Ein Lieferantenwechsel läuft über die Messlokation.“ Belieferung und Bilanzierung hängen an der Marktlokation. Die Messlokations-ID steht im Zentrum der WiM.

„Jede Marktlokation hat eine Messlokation.“ Eine verbrauchende Pauschalanlage hat keine. Eine andere Marktlokation kann mehrere haben, und eine Messlokation kann mehrere Marktlokationen bedienen.

„Die Zählernummer identifiziert die Messlokation.“ Die Zählernummer steht auf dem Gerät. WiM Teil 1 lässt sie nur ersatzweise zu, zusammen mit der Adresse, wenn die Messlokations-ID unbekannt ist.

Pflegehinweis

Aufbau und Bildungsregel der Zählpunktbezeichnung sind hier nach dem Entwurf E VDE-AR-N 4400:2023-09 beschrieben. Vor einer Umsetzung die geltende Fassung der Anwendungsregel und die aktuellen Lesefassungen von GPKE Teil 1 und WiM Teil 1 prüfen. Das Wort „Anlage“ in SAP meint etwas anderes als in Gesetzen, siehe Die Anlage, Erzeugung, Verbrauch und Ressource.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. Bundesnetzagentur – GPKE Teil 1, Lesefassung (BK6-24-174), Kapitel 3.3 Messlokationbundesnetzagentur.de
  2. Bundesnetzagentur – WiM Teil 1, Lesefassung (BK6-24-174), Kapitel 1.6 Identifizierung einer Messlokation, 2.1.1 Zuordnung zu einem Messstellenbetreiberbundesnetzagentur.de
  3. Messstellenbetriebsgesetz § 2 – Begriffsbestimmungengesetze-im-internet.de
  4. VDE|FNN – E VDE-AR-N 4400:2023-09, Messwesen Strom (Metering Code), Entwurf, Kapitel 4.10 und 5.6vde.com
  5. BDEW – Foliensatz „Marktlokation und Messlokation. Grundlagen und Anwendungsbeispiele“, Version 1.4bdew.de
  6. EDI@Energy / BDEW – Konzept zur Übermittlung der Lokationsbündelstruktur (Strom), Version 1.0, Kapitel 3.2bundesnetzagentur.de
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