Kurzantwort
Die Berechnungsformel sagt, wie aus den Werten mehrerer Messlokationen die Werte einer Marktlokation oder Netzlokation entstehen. Der Netzbetreiber übermittelt sie per UTILTS mit dem Prüfidentifikator 25001: an den Messstellenbetreiber (WiM Strom Teil 2, Schritt 1), an den Lieferanten (Schritt 4) und beim Netzbetreiberwechsel vom abgebenden an den aufnehmenden Netzbetreiber. Der Messstellenbetreiber antwortet mit 25010; geprüft wird nach dem Entscheidungsbaum E_0218 „Berechnungsformel prüfen“. So ordnet es die Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren 4.0 zu. Das UTILTS-AHB 1.1 mit diesen Fällen gilt laut Mitteilung Nr. 56 ab dem 01.10.2026.
Eine Formel besteht aus Zeitscheiben (höchstens neun), Rechenschritten, Operatoren und Verweisen auf Messlokationen. Optional trägt sie Verlustfaktoren. Die Übertragung des Prozesses beschreibt WiM Teil 2, Kapitel 2.3; die Felder das UTILTS Anwendungshandbuch 1.1, Kapitel 4 und 5.
Wozu es die Formel gibt
Gemessen wird an der Messlokation, abgerechnet und bilanziert wird an der Marktlokation. Beides fällt nicht immer zusammen: Mehrere Messlokationen können eine Marktlokation messen, bei Messung auf der Ober- oder Unterspannungsseite kommen Trafoverluste hinzu, und eine Netzlokation kann auch gar keine Messlokation haben. Dann braucht jeder Beteiligte dieselbe Rechenvorschrift. Wie die Lokationen zusammenhängen, steht in Lokationsbündel und Lokationsstruktur.
WiM Teil 2 verlangt die Formel für jede Marktlokation des Lokationsbündels, unabhängig davon, wie viele Messlokationen daran hängen (Kapitel 2.3.1, Seite 16). Der Lieferant bekommt sie auch dann, wenn seiner Marktlokation gar keine Messlokation zugeordnet ist. Für die Netzlokation übermittelt sie der Netzbetreiber an die Berechtigten (WiM Teil 2, Seite 10). Trafoverluste behandelt WiM Teil 2, Kapitel 2.2.6 (Seite 15): Bei ober- oder unterspannungsseitiger Messung werden die Werte der Marktlokation inklusive der Trafoverluste an die Berechtigten übermittelt.
Wann die Formel gesendet wird
WiM Teil 2, Kapitel 2.3.2 (Seiten 17 und 18) legt die Fristen fest:
- Schritt 1, NB an MSB: unverzüglich, spätestens am 3. Werktag nach der Zuordnung des Messstellenbetreibers zur Messlokation oder nach Bekanntwerden einer Änderung. Ändert sich eine Formel oder die Struktur des Lokationsbündels, gehen alle Formeln erneut an alle Messstellenbetreiber des Bündels. Bei Änderung nennt die Nachricht das Gültig-ab-Datum.
- Schritt 2, Antwort des MSB: unverzüglich, spätestens am 5. Werktag nach dem Versand. Bleibt die Antwort aus, gilt das als Zustimmung.
- Schritt 4, NB an LF: frühestens am 13. Werktag vor Zuordnungsbeginn, spätestens bis 17:00 Uhr am Werktag davor; liegt der Beginn nicht in der Zukunft, unverzüglich. Bei Änderung spätestens am 3. Werktag nach Bekanntwerden.
Kann der Netzbetreiber die Formel nicht in UTILTS übermitteln, gibt er das mit dem Status Z34 an und nennt einen Ansprechpartner; die Formel wird dann bilateral nachgereicht.
Aufbau: Status, Zeitscheiben, Rechenschritte
Status je Zeitraum. Für jede Zeitscheibe mit gültigen Daten steht genau ein Segment STS+Z23 mit einem von vier Codes (AHB Kapitel 4 und 5):
Z33Berechnungsformel angefügt: Nur dann folgt die Energiemenge samt Rechenschritten.Z34Berechnungsformel muss beim Absender angefragt werden: mit Ansprechpartner des Netzbetreibers.Z40Berechnungsformel besitzt keine Rechenoperation: Die Energiemenge misst genau eine Messlokation.Z41Berechnungsformel nicht erforderlich: Keine Messlokation misst die Energiemenge.
Zeitscheiben. Der Netzbetreiber darf in einem Vorgang höchstens neun Zeitscheiben übermitteln. Jede trägt eine Zeitraum-ID, die bei der ältesten mit 1 beginnt und ohne Lücke hochzählt, plus DTM+Z25 (gilt ab) und DTM+Z26 (gilt bis). Die Qualität Z49 heißt „gültige Daten“, Z53 „keine Daten“, weil der Empfänger in diesem Zeitraum nicht berechtigt ist. Die älteste Scheibe beginnt spätestens am Tag nach dem Nachrichtendatum, 0:00 Uhr deutscher Zeit. Jede weitere beginnt dort, wo die vorige endet; die jüngste hat kein Z26 (AHB Kapitel 4.1.1).
Rechenschritte. Die Energiemenge der Lokation (SEQ+Z36) verweist mit RFF+Z23 auf einen Rechenschritt. Ein Rechenschritt besteht aus Bestandteilen (SEQ+Z37) mit einem Rechenschrittidentifikator zwischen 1 und 99999. Jeder Bestandteil verweist auf genau eines von beidem: auf eine Messlokation (RFF+Z19, Zählpunktbezeichnung) oder auf einen anderen Rechenschritt (RFF+Z23, nie auf den eigenen). So lassen sich Rechnungen schachteln.
Die sechs Operatoren
Der Operator steht in CCI+++Z86 mit CAV und einem von sechs Codes. Die Pakete [4P] bis [8P] des AHB legen fest, was im selben Rechenschritt (gleicher Identifikator, gleiche Zeitraum-ID) zulässig ist:
Z69Addition undZ70Subtraktion bilden eine Gruppe: Beliebig viele weitere Bestandteile sind möglich, aber nur mitZ69oderZ70.Z69darf auch allein stehen, wenn der Vorgang nur eine Messlokation referenziert.Z82Faktor: weitere Bestandteile desselben Rechenschritts nur mitZ82.Z80Divisor undZ81Dividend gibt es nur zusammen: genau ein Bestandteil je Operator.Z83Positivwert steht allein; kein weiterer Bestandteil mit demselben Identifikator.
Für Bestandteile mit Messlokation ist die Energieflussrichtung Pflicht: Z71 Verbrauch oder Z72 Erzeugung.
Verlustfaktoren und Aufteilung
Zu einem Bestandteil mit Messlokation kann die Formel ergänzen:
- Verlustfaktor Trafo (
CCI+++Z16,CAV+Z28:<Wert>), - Verlustfaktor Leitung (
CCI+++ZB2,CAV+Z28:<Wert>), - Aufteilungsfaktor Energiemenge (
CCI+++ZG6,CAV+ZH6:<Wert>).
Alle drei sind „Soll“, also zu senden, wenn es sie gibt. Die Verlustfaktoren müssen größer als 0 und ungleich 1 sein, der Aufteilungsfaktor größer als 0 und höchstens 1; jeweils bis zu sechs Nachkommastellen (AHB Kapitel 5). Warum es sie gibt, zeigt GPKE Teil 1, Kapitel 3.2.1 (Seite 15): Bei kaufmännisch-bilanzieller Weitergabe ist die Energiemenge der Messlokation gegebenenfalls um Leitungs- und Trafoverluste zu korrigieren. Eine Aufteilung von Tranchen kann ebenfalls über eine Berechnungsformel erfolgen (GPKE Teil 1, Kapitel 3.2, Seite 17). Wie der Faktor auf den Messwert wirkt, nennt das AHB nicht; es legt nur Feld und Format fest.
Ein Beispiel mit Zahlen
Eine Marktlokation wird über zwei Messlokationen gemessen: Der Hauptzähler (A) sitzt auf der Oberspannungsseite, ein Untermesszähler (B) erfasst einen Teil, der nicht zur Marktlokation gehört. Der Netzbetreiber bildet die Energiemenge als Messlokation A mal Trafoverlustfaktor minus Messlokation B. Im Beispiel wird der Verlustfaktor als Multiplikator gerechnet; das ist eine Annahme.
Der Baum liest sich von unten nach oben: 18.400 kWh mal 1,015 ergeben 18.676 kWh; davon gehen 3.100 kWh ab; es bleiben 15.576 kWh für die Marktlokation. Als Nachricht, Zeile für Zeile:
MarktobjektStatusKopfZeitWertRechenregel
- SG5
IDE+24+VORGANG2'Ein Vorgang gehört zu genau einer Markt- oder Netzlokation. - SG5
LOC+172+57891234562'Meldepunkt. Hier die elfstellige Marktlokations-ID; bei einer Netzlokation steht deren ID. - SG5
STS+Z23+Z33+1'Status der Berechnungsformel: Z33 heißt „angefügt“. Hinten die Zeitraum-ID 1. - SG6
RFF+Z13:25001'Prüfidentifikator: Berechnungsformel. - SG6
RFF+Z49::1' DTM+Z25:202512312300?+00:303'Zeitscheibe 1 mit gültigen Daten (Z49), gültig ab 01.01.2026, 00:00 Uhr deutscher Zeit. Ein „bis“ fehlt: Die jüngste Scheibe läuft unbegrenzt. - SG8
SEQ+Z36' RFF+Z46:1' RFF+Z23:1'Energiemenge der Marktlokation für Zeitscheibe 1. Sie ist das Ergebnis von Rechenschritt 1. - SG8
SEQ+Z37+1' RFF+Z46:1' RFF+Z19:DE00713739359S0000000000001222221'Bestandteil von Rechenschritt 1: die Messlokation A (33 Stellen, Zählpunktbezeichnung). - SG9
CCI+++Z86' CAV+Z69'Operator Addition. - SG9
CCI+++Z87' CAV+Z71'Energieflussrichtung Verbrauch. Pflicht, weil eine Messlokation referenziert wird. - SG9
CCI+++Z16' CAV+Z28:1.015'Verlustfaktor Trafo 1,015 (Format: größer 0, ungleich 1, höchstens sechs Nachkommastellen). - SG8
SEQ+Z37+1' RFF+Z46:1' RFF+Z19:DE00713739359S0000000000001222222'Zweiter Bestandteil desselben Rechenschritts: Messlokation B. - SG9
CCI+++Z86' CAV+Z70' CCI+++Z87' CAV+Z71'Operator Subtraktion, Richtung Verbrauch. Z69 und Z70 dürfen im selben Rechenschritt stehen.
Die Antwort des Messstellenbetreibers
Die Antwort (25010) bestätigt oder lehnt je Zeitraum-ID ab. Sie trägt RFF+TN mit der Vorgangsnummer der Formel und je Zeitraum ein STS+E01 mit Antwortcode, EBD-Nummer E_0218 und der Zeitraum-ID. Ein Verwendungszeitraum fehlt, weil der Messstellenbetreiber keine Qualitätsrückmeldung zu den Formeln gibt (AHB Kapitel 4.1.1). Steht als Code A99 („Sonstiges“), erklärt ein Freitext die Ablehnung; bei einer Ablehnung ist außerdem ein Ansprechpartner anzugeben. Die Prüfschritte stehen im Entscheidungsbaum E_0218 (EBD und Codelisten 4.3, Kapitel 8.17.1).
Fehlerfälle
- Zeitachse mit Lücke. Die Zeitscheiben müssen lückenlos aneinander anschließen.
- Zwei Bezüge in einem Bestandteil. Messlokation und Rechenschritt schließen sich aus.
- Divisor ohne Dividend.
Z80undZ81gibt es nur als Paar. - Richtung fehlt. Mit Messlokationsbezug ist die Energieflussrichtung Pflicht.
- SG8 trotz anderem Status. Nur bei
Z33darf die Energiemenge samt Rechenschritten folgen. - Mehr als neun Zeitscheiben. Das AHB lässt höchstens neun zu.
- Formel fehlt oder ist falsch. WiM Teil 2 nennt beides als Fehlerfall. Liegt die Ursache einer Ablehnung in asynchronen Stammdaten des Netzbetreibers, korrigiert er diese über die Stammdatenänderung (GPKE Teil 4) und sendet die Formel erneut an alle Berechtigten.
Typische Missverständnisse
„Die Formel liefert Messwerte.“ Nein. Die Werte kommen per MSCONS; die Formel sagt, wie sie zu verrechnen sind.
„Subtraktion geht nur mit genau einer Messlokation.“ Das Gegenteil: Z70 ist nur innerhalb der Gruppe aus Z69 und Z70 zulässig.
„Eine Formel gibt es nur bei mehreren Messlokationen.“ WiM Teil 2 verlangt sie für jede Marktlokation, notfalls mit Z40 oder Z41.
„Der Identifikator ist eine laufende Nummer.“ Er gruppiert Bestandteile, die zusammen einen Rechenschritt bilden.
Offen und Pflegehinweis
Nicht belegt sind die Rechenvorschrift der Verlustfaktoren und die genaue Bedeutung von Z83 (Positivwert); das AHB beschreibt Felder, nicht die Mathematik. Die MIG 1.1e lag nicht vor, die Feldreihenfolge folgt deshalb nur dem AHB. Die Paketübersicht in Kapitel 3 und die Zahl der Zeitscheiben ändern sich mit den Fassungen; bei jedem Formatwechsel Versionswechsel absichern lesen. Zur Schwesternachricht mit den Definitionen siehe UTILTS: Definitionen für Zählzeit, Schaltzeit und Leistungskurve. Prüfidentifikator 25001 finden Sie in der AHB-Werkbank.