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AHB, Formate & Datenaustausch

Codelisten und Entscheidungsbaumdiagramme

Wie Entscheidungsbaumdiagramme (EBD) die Prüfreihenfolge und die Antwortcodes einer Antwortnachricht festlegen, wie Codelisten zulässige Werte vorgeben und wie beides im UTILMD zusammenspielt, mit echtem Ausschnitt aus E_0623.

Auf dieser Seite8 Abschnitte

Kurzantwort

Ein Entscheidungsbaum-Diagramm (EBD) legt fest, in welcher Reihenfolge ein Empfänger eine Nachricht prüft und welchen Antwortcode er bei welchem Ergebnis zurückgibt. Eine Codeliste führt die zulässigen Werte eines Datenelements auf, etwa Antwortcodes oder OBIS-Kennzahlen. Beide stehen für Antwortcodes im selben BDEW-Dokument „Entscheidungsbaum-Diagramme und Codelisten für die Antwortnachrichten“, Version 4.3 vom 01.04.2026. Die möglichen Antwortcodes eines Anwendungsfalls sind ausschließlich aus dem zugehörigen EBD zu verwenden, sobald es ein EBD gibt.

Wozu ein EBD da ist

Auf eine eingehende Nachricht folgt eine Antwort, und der Empfänger muss sie in einer bestimmten Reihenfolge prüfen. Das Dokument begründet das so: Der Absender der Ablehnung kann darstellen, welche Prüfschritte erfolgreich waren und welche noch nicht geprüft wurden, und beide Seiten verstehen den Code gleich. Der Empfänger ist verpflichtet, genau in der Reihenfolge des EBD zu prüfen. Die Prüfungen sind Teil der Aktivitätsdiagramme der Festlegungen (GPKE, WiM, MaBiS und weitere).

Ein EBD lesen

Ein EBD ist eine Tabelle mit Prüfschritten. Das Dokument erklärt sie in Kapitel 4:

Spalte Inhalt
Prüfschritt laufende Nummer, nacheinander abzuarbeiten
Prüfergebnis „ja“ oder „nein“ mit der Nummer des nächsten Schritts, oder ohne Sprung, wenn ein Code folgt
Code der Antwortcode für die Antwortnachricht
Hinweis Zustimmung oder Ablehnung, Cluster, weitere Hinweise

Meist enthält eine Ablehnung nur einen Code: Der erste Schritt, der zu einem Code führt, beendet die Prüfung. Ausnahmen kennzeichnet das EBD mit „Alle festgestellten Antworten sind anzugeben“; dann stehen Sprungmarken am Code, und alle weiteren Schritte laufen auch noch. Rücksprünge zu einer kleineren Nummer sind nicht vorgesehen, soweit der Prozess sie nicht vorgibt.

Echter Ausschnitt: E_0623 „Lieferbeginn prüfen“

Der Netzbetreiber prüft damit die Anmeldung eines Lieferanten. Gezeigt ist der Zweig für eine verbrauchende oder ruhende Marktlokation (Schritte 10 bis 60). Die Anmeldung ist der Prüfi 55001 (Prüfidentifikatoren verstehen).

Der Zweig „Verbrauchende Marktlokation“ von E_0623 mit den Prüfschritten 10 bis 60. Der Netzbetreiber prüft in dieser Reihenfolge; der erste Schritt mit einem Code beendet die Prüfung. Fragetexte gekürzt, Zweig ab Schritt 400 nicht gezeigt.Entscheidungsbaum-Diagramme und Codelisten 4.3 (01.04.2026), Abschnitt 6.6.4, Seiten 85 und 86. Prüfende Rolle: NB. A99 ist laut Dokument bis 01.04.2027 00:00 Uhr nutzbar.

Zwei Verläufe:

  • Zustimmung. Es gibt keine Anfrage zur Beendigung der Zuordnung an den bisherigen Lieferanten (LFA). Die Prüfung läuft 10, 20, 60. Im Schritt 60 liegt kein unspezifizierter Fehler vor. Ergebnis: A51 „Cluster: Zustimmung“, der NB bestätigt mit Prüfi 55002.
  • Ablehnung. Der LFA hat der Anfrage fristgerecht widersprochen und nicht mit A30 geantwortet. Die Prüfung läuft 10, 20, 30, 40, 50. Ergebnis: A50 „Cluster: Ablehnung“, im Hinweis: „Der LFA hat der Anfrage zur Beendigung der Zuordnung widersprochen“. Der NB lehnt mit Prüfi 55003 ab.

Wie die Fristen und Schritte des Prozesses sind, zeigt der Ablauf Lieferbeginn.

Wie der Code in die Nachricht kommt

Das AHB sagt, wo der Code steht und welches EBD gilt. Im UTILMD AHB Strom 2.2 (Abschnitt 8.2, Seiten 73 und 74) trägt das Segment STS in der Segmentgruppe 4 den Antwortcode in Datenelement 9013 und die EBD-Nummer in Datenelement 1131: E_0623 bei Bestätigung und Ablehnung, E_0622 zusätzlich bei der Ablehnung. Zwei Bedingungen sperren den falschen Cluster: Bei der Bestätigung 55002 sind nur Antwortcodes aus dem Cluster Zustimmung erlaubt, bei der Ablehnung 55003 nur aus dem Cluster Ablehnung. Die Anwendungsübersicht nennt je Prüfi in der Spalte „EBD-Code“, welche Bäume gelten. Wie eine solche Bedingung gelesen wird, erklärt Muss, Kann und Bedingung.

Regeln für Antwortcodes

Das Dokument regelt den Umgang mit den Codes (Kapitel 3):

  • Ein Code hat je EBD eine eigene Bedeutung. A51 aus E_0623 ist nicht A51 aus einem anderen EBD.
  • Kommt ein Prüfschritt hinzu, bekommt er einen noch nicht genutzten Code. Bestehende Codes werden nicht neu vergeben.
  • Cluster gruppieren die Gründe nach Fachlichkeit, etwa Ablehnung oder Zustimmung.
  • A99 „Sonstiges“ gibt es nur befristet in EBD, deren Vollständigkeit noch nicht gewährleistet ist. Die Begründung steht im Freitext. A90 bis A98 sind für mehrere „Sonstiges“ reserviert. In E_0623 steht am A99 „Nutzungsmöglichkeit Ende: 01.04.2027 00:00 Uhr“. Die Änderungshistorie des Dokuments hat die Frist für A90, A96 und A99 vom 01.10.2026 auf den 01.04.2027 verlängert (Änd-ID 70329).

Ein Code, dessen Nutzung abgelaufen ist, darf nicht mehr gesendet werden. Ein System muss daher auch die Gültigkeit der Codes versioniert halten, dazu Versionswechsel absichern.

Andere Codelisten

Neben den Antwortcodes veröffentlicht EDI@Energy eigene Codelisten. Die Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien 2.5c (Stand 01.10.2025) führt die Kennzahlen auf, die in der Marktkommunikation vorkommen, und ordnet sie dem MSCONS-Prüfi zu. Zum Beispiel steht in Abschnitt 3.1 für die Wirkarbeit als Zählerstand die Kennzahl 1-b:1.8.e für Bezug und 1-b:2.8.e für Lieferung, zulässig im MSCONS mit Prüfi 13017 („Zählerstand (Strom)“). Dazu kommen die Codelisten der Messprodukte, der Konfigurationen und der Verwendungszwecke. Mitteilung Nr. 56 nennt die OBIS-Codeliste nicht als geändert. Aufbau und Bedeutung der Kennzahl erklärt OBIS-Kennzahlen.

Typische Missverständnisse

„Die Codeliste sagt, wann ein Code gilt.“ Sie führt Werte auf. Wann welcher Code anzuwenden ist, regelt bei Antwortcodes das EBD, bei Qualifiern das AHB.

„Ich darf mehrere Antwortgründe senden.“ Meist gilt: ein Code, die Prüfung endet beim ersten Treffer. Nur EBD mit „Alle festgestellten Antworten sind anzugeben“ erlauben mehrere.

„A99 geht immer.“ Er ist befristet und verlangt eine Begründung im Freitext.

„Der Code erklärt den Fehler.“ Er nennt den Prüfschritt, an dem die Nachricht scheiterte. Technische Rückmeldungen wie CONTRL und APERAK erklärt CONTRL und APERAK.

Quellen und Pflegehinweis

Der Entscheidungsbaum stammt aus dem EBD-Dokument 4.3, Abschnitt 6.6.4 (Seiten 85 und 86). Geprüft am 05.10.2026. Version 4.4 stand für den 01.04.2027 in Konsultation (Mitteilung Nr. 57); Mitteilung Nr. 58 vom 01.10.2026 veröffentlicht sie nicht („auch bei den EBD erfolgt zum 1. Oktober 2026 keine Veröffentlichung neuer Dokumente“), es bleibt bei 4.3. Die frühere Verlinkung auf entscheidungsbaumdiagramm.de entfällt, die Seite war nicht erreichbar.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. BDEW – Entscheidungsbaum-Diagramme und Codelisten für die Antwortnachrichten 4.3 (Stand 01.04.2026)bundesnetzagentur.de
  2. BDEW – UTILMD Anwendungshandbuch Strom 2.2, Abschnitt 8.2 (Stand 01.04.2026)bundesnetzagentur.de
  3. BDEW – Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren 4.0 (Stand 01.04.2026)bundesnetzagentur.de
  4. BDEW – Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien 2.5c (Stand 01.10.2025)bundesnetzagentur.de
  5. Bundesnetzagentur – Mitteilung Nr. 56 zu den Datenformaten (verbindlich ab 01.10.2026)bundesnetzagentur.de
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