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Belieferung & Marktprozesse

Lokationsbündel und Lokationsstruktur

Die Lokationsbündelstruktur beschreibt als Code, wie Messlokationen, Marktlokationen, Netzlokation und Ressourcen eines Bündels verschaltet sind. Der Artikel erklärt die Codeliste mit Strukturcodes und Objektcodes, die Berechnungsformel mit ihren Rechenregeln, Summenmessung und Kaskade und die Übermittlung per UTILMD.

Auf dieser Seite10 Abschnitte

Kurzantwort

Was ein Lokationsbündel ist, wer es pflegt und wie der Messstellenbetreiber einer Marktlokation bestimmt wird, steht in Lokationsbündel. Dieser Artikel behandelt das, was darüber hinausgeht: die Lokationsbündelstruktur, die als 13-stelliger Code festhält, wie die Objekte eines Bündels physikalisch verschaltet sind, die Objektcodes für die Position jedes einzelnen Objekts und die Berechnungsformel, nach der aus den Messwerten die Menge einer Marktlokation entsteht. Die Strukturen stehen in der Codeliste der Lokationsbündelstrukturen, übertragen werden sie in der UTILMD. Summenmessung und Kaskade sind die Strukturen, bei denen mehrere Messlokationen zusammenwirken.

Was die Struktur festhält

Die Codeliste der Lokationsbündelstrukturen beschreibt innerhalb eines Bündels die physikalischen Abhängigkeiten und die Position von Messlokationen, Marktlokationen, technischen Ressourcen und Netzlokationen. Sie macht maschinenlesbar, was bisher in Installationsplänen und Messkonzepten stand und in der Marktkommunikation nicht ausgetauscht wurde. Der Netzbetreiber ist dafür verantwortlich. Der Messstellenbetreiber ordnet damit die verbauten Geräte den richtigen Messlokationen zu, der Lieferant prüft, ob die Werte korrekt berechnet wurden.

Die Codeliste ist Version 1.0 vom 31. März 2023 und anzuwenden ab dem 1. Oktober 2024. Ihr Vorläufer, das EDI@Energy-Konzept vom 1. August 2022, war eine Konsultationsfassung und sah zwanzig Strukturen mit teils anderen Namen vor, zum Beispiel „Pooling“ für das, was die Codeliste Summenmessung nennt. Maßgeblich ist die Codeliste. Das Konzept erklärt aber die Idee und dient hier nur als Hintergrund.

Eine Struktur ist keine Anlage und keine Schaltung des ganzen Gebäudes. Ein Gebäude kann mehrere Lokationsbündel und damit mehrere Strukturen haben. Im Musterhaus des Konzepts sind Hauptwohnung mit PV und Einliegerwohnung zwei Bündel, weil die Einliegerwohnung messtechnisch unabhängig ist. Nicht in der Struktur stehen Wandler, Transformatoren und Tranchen. Tranchen entstehen aus kaufmännischen Gründen und ändern die Struktur nicht.

Die Strukturcodes

Die Codeliste enthält fünfzehn Strukturen. Der Code beginnt mit 9992 00000. In der Nachricht steht er ohne Leerzeichen.

  • 9992 00000 001 8: Verbrauch ohne Messlokation (Pauschal)
  • 9992 00000 002 6: Verbrauch mit einer Messlokation (Standard)
  • 9992 00000 003 4: Erzeugung mit einer Messlokation
  • 9992 00000 004 2: Erzeugung ohne getrennt gemessene Erzeugung
  • 9992 00000 013 3: Erzeugung mit getrennt gemessener Erzeugung
  • 9992 00000 006 8: Verbrauch mit flexibler Hinterschaltung ohne Erzeugung
  • 9992 00000 007 6: Verbrauch mit flexibler Hinterschaltung und nicht getrennt gemessener Erzeugung
  • 9992 00000 008 4: Verbrauch mit flexibler Hinterschaltung und getrennt gemessener flexibler Erzeugung
  • 9992 00000 010 9: Summenmessung Verbrauch ohne Erzeugung
  • 9992 00000 011 7: Summenmessung mit mindestens einer ungemessenen Erzeugung
  • 9992 00000 012 5: Summenmessung mit mindestens einer separat gemessenen Erzeugung
  • 9992 00000 015 9: Erzeugungskaskade mit ungemessener Erzeugung
  • 9992 00000 016 7: Erzeugungskaskade mit gemessener und ungemessener Erzeugung
  • 9992 00000 017 5: Verbrauchskaskade mit ungemessenen TR (Wärmepumpenkaskade)
  • 9992 00000 018 3: Verbrauchskaskade mit ungemessenem Verbrauch und gemessener Erzeugung

Die Codeliste stellt klar, dass nicht jede Struktur in jedem Netzgebiet vorkommt und nicht jede reale Struktur in der Liste steht. Komplexere Strukturen und Sonderfälle tauschen die Marktpartner bilateral aus.

Objektcodes, Ebenen und Flexibilität

Jede Zeile einer Struktur nennt einen Objektcode, die feste Position eines Objekts in der Struktur. Der Code hängt vom Objekttyp, von der Ebene und von der Energieflussrichtung ab. Ebene 1 liegt am Netz, Ebene 2 liegt dahinter. Einige Strukturen reichen bis Ebene 3. Beispiele aus der Codeliste:

  • 9992 00000 101 6: Marktlokation, Ebene 1, Verbrauch
  • 9992 00000 103 2: Messlokation, Netzübergabe, Ebene 1, Verbrauch
  • 9992 00000 121 4: Messlokation, Netzübergabe, Ebene 1, Verbrauch und Erzeugung
  • 9992 00000 111 5: Marktlokation, Ebene 2, Erzeugung
  • 9992 00000 125 6: Netzlokation, Ebene 1, keine Richtung

Die Messlokation trägt zusätzlich eine Funktion: Netzübergabe (N), Hinterschaltung (H) oder Differenzmessung (D). Die Legende kennt außerdem Speicher (S), keine der fünfzehn Strukturen verwendet sie. Die Spalte „Flexibilität“ sagt, ob die Zahl der Objekte fest (starr) oder zwischen 0 und n frei ist (flexibel), die Spalte „Anzahl Objekte“ nennt die erlaubte Menge. Bei flexiblen Objekten muss die UTILMD die Referenz von der Messlokation zur Marktlokation und gegebenenfalls zur Netzlokation mitliefern, sonst lässt sich die Struktur nicht aufbauen. Technische Ressourcen sind in allen Strukturen flexibel, Netzlokation und technische Ressourcen außerdem optional: Man übermittelt sie nur, wenn der Empfänger sie in anderen Prozessen braucht.

Die Zahlen sind eine Prüfung. Die Struktur Summenmessung 010 9 verlangt zum Beispiel mindestens zwei Messlokationen mit Objektcode 103 2 und genau eine Marktlokation. Kommt nur eine Messlokation an, passt Code und Realität nicht zusammen.

Wie Mengen entstehen: die Berechnungsformel

Die Struktur sagt, wie Objekte zusammenhängen. Wie aus den Messwerten die Menge einer Marktlokation wird, sagt die Berechnungsformel. Der Netzbetreiber überträgt sie per UTILTS an Messstellenbetreiber und Lieferant (Prüfidentifikator 25001, Antwort des Messstellenbetreibers 25010). Beim Lieferbeginn versendet der Netzbetreiber sie an den neuen Lieferanten (GPKE Teil 2). Den Segmentaufbau erklärt Die Berechnungsformel lesen, hier steht die Logik.

Das UTILTS-Anwendungshandbuch 1.1 kennt vier Zustände für eine Markt- oder Netzlokation:

Status Bedeutung
Z33 Die Berechnungsformel liegt bei.
Z34 Sie muss beim Absender angefragt werden, der Netzbetreiber nennt einen Ansprechpartner.
Z40 Sie hat keine Rechenoperation, genau eine Messlokation misst die Marktlokation.
Z41 Sie ist nicht erforderlich, es gibt keine Messlokation, etwa bei einer Pauschalanlage.

Eine Formel besteht aus Rechenschritten. Jeder Schritt hat einen mathematischen Operator, bei einer Messlokation außerdem eine Energieflussrichtung (Z71 Verbrauch, Z72 Erzeugung). Damit sich die Formel zeitlich ändern kann, trägt ein Vorgang bis zu neun Zeitscheiben.

Operator Code Regel im Rechenschritt
Addition Z69 beliebig viele, zusammen mit Z70
Subtraktion Z70 beliebig viele, zusammen mit Z69
Divisor und Dividend Z80, Z81 immer genau ein Paar
Faktor Z82 beliebig viele, nur untereinander
Positivwert Z83 steht allein im Rechenschritt

Optional kann die Formel einen Verlustfaktor für Transformator oder Leitung enthalten.

Rechenbeispiel Differenz. Eine Schule und die Hausmeisterwohnung teilen sich einen Anschluss. Die Hauptmessung erfasst beide, eine Untermessung nur die Wohnung (BDEW-Foliensatz, Seite 23). Vereinfachte Jahreswerte:

Größe Rechnung kWh
Hauptmessung gemessen, Z69 Addition 96.400
Untermessung gemessen, Z70 Subtraktion 7.150
Marktlokation Schule 96.400 − 7.150 89.250
Marktlokation Hausmeister Untermessung allein, Z40 7.150

Dieselbe Regel gilt, wenn mehrere Untermessungen abgehen. Im Beispiel „Umbau Kundenanlage“ des Foliensatzes wird die Energie der Marktlokation 1 so berechnet: Messlokation 1 minus die Summe der Messlokationen 2, 3 und 4.

Rechenbeispiel Summe. Ein Betrieb hat zwei Netzanschlüsse mit je einer Messlokation, aber nur eine Marktlokation. Die Menge ist die Summe: 120.400 kWh + 87.900 kWh = 208.300 kWh, beide Schritte mit Z69 und Z71.

Summenmessung und Kaskade

Oben die Summenmessung: mehrere Messlokationen an der Netzübergabe, eine Marktlokation. Unten die Kaskade: Messlokationen liegen auf mehreren Ebenen hintereinander, jede Ebene hat ihre eigene Marktlokation.Schematisch nach der Codeliste der Lokationsbündelstrukturen 1.0. Die optionale verbrauchende Marktlokation auf Ebene 3 fehlt. Wie die Mengen der Marktlokationen aus den Messwerten entstehen, legt die Berechnungsformel fest.

Bei der Summenmessung liegen mindestens zwei Messlokationen an der Netzübergabe, die zusammen eine Marktlokation ergeben. Die Codeliste unterscheidet drei Fälle: ohne Erzeugung (010 9), mit mindestens einer ungemessenen Erzeugung (011 7) und mit mindestens einer separat gemessenen Erzeugung (012 5). Mehrere Netzlokationen sind möglich, die Messlokationen verweisen dann auf sie.

Bei der Kaskade liegen Messlokationen hintereinander auf mehreren Ebenen. Auf Ebene 1 sitzt die Messung an der Netzübergabe mit Verbrauch und Erzeugung, auf Ebene 2 eine Differenzmessung. Die Struktur 018 3 kommt auf drei Ebenen mit einer Hinterschaltung auf Ebene 3. Die Namen der vier Strukturen zeigen den Zweck: Die Erzeugungskaskaden 015 9 und 016 7 bilden ungemessene und gemessene Erzeugung ab, die Wärmepumpenkaskade 017 5 ungemessene technische Ressourcen hinter einer Differenzmessung. Die Rechenregeln der einzelnen Marktlokationen liefert die Berechnungsformel, die Codeliste enthält sie nicht. Deshalb gehört zu jeder Kaskade und jeder Summenmessung eine Formel mit Operatoren, die Struktur allein genügt nicht.

Übermittlung in der UTILMD

Die Strukturen überträgt der Netzbetreiber als Stammdatenänderung. Die Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren führt „Änderung der Lokationsbündelstruktur“ unter 55175 (Netzbetreiber an Lieferant) und 55173 (Netzbetreiber an Messstellenbetreiber), beide in GPKE Teil 4. Das UTILMD-Anwendungshandbuch Strom 2.2 gibt die Angaben nur für Zeiträume ab dem 1. Oktober 2024 an und beschreibt in Kapitel 7 zwei Segmentgruppen:

Segment Inhalt
SG8 SEQ+Z78 mit RFF+Z31 Referenz auf die Struktur: Code der Struktur und fortlaufende Nummer des Bündels
SG8 SEQ+Z58 je Lokation einmal: Zuordnung zum Objektcode
RFF+Z18 ID der Netzlokation, Marktlokation, Messlokation oder technischen Ressource
RFF+Z33 Objektcode, gegebenenfalls mit der laufenden Nummer des Bündels
RFF+Z34 bei flexiblen Objekten: ID der vorgelagerten Netzlokation oder Messlokation
RFF+Z16 bei technischen Ressourcen: zugeordnete Marktlokation

Die laufende Nummer nach dem Objektcode ist nötig, wenn hinter einer Netzlokation mehrere Bündel mit demselben Strukturcode stehen. Das Konzept von 2022 hatte die Übertragung noch in anderen Segmenten (SG10 CCI+ZYY) skizziert. Das gilt nicht mehr.

Beispiel: Haus mit PV und getrennt gemessener Erzeugung

Das Musterhaus des UTILMD-Anwendungshandbuchs nutzt für die Hauptwohnung die Struktur 9992 00000 013 3. Ein Zweirichtungszähler sitzt an der Netzübergabe, ein weiterer Zähler erfasst die PV-Erzeugung, die Marktlokation für die Einspeisung liegt auf Ebene 2.

  • Netzlokation: E1688117482, Objektcode 9992 00000 125 6
  • Messlokation, Netzübergabe (Verbrauch und Erzeugung): DE00713739359S0000000000001222221, Objektcode 9992 00000 121 4
  • Messlokation, Hinterschaltung (Erzeugung): DE00713739359S0000000000001222222, Objektcode 9992 00000 109 0
  • Marktlokation Verbrauch: 20072281644, Objektcode 9992 00000 101 6
  • Marktlokation Erzeugung: 20062281646, Objektcode 9992 00000 111 5

Jede Lokation meldet der Netzbetreiber mit einem eigenen Block aus Zuordnung und Objektcode. Der Auszug zeigt die Kernzeilen für die Netzlokation. Für die übrigen Objekte gilt dasselbe Muster:

SEQ+Z78'
RFF+Z31:9992000000133:1'
SEQ+Z58'
RFF+Z18:E1688117482'
RFF+Z33:9992000001256:1'

Misst der Eigentümer den Speicher später getrennt, wechselt die Struktur auf eine mit gemessenem Speicher. In der Codeliste 1.0 gibt es dafür keine eigene Struktur, dann gilt der bilaterale Austausch. Die IDs sind Musterwerte aus dem Anwendungshandbuch. Wie die Messkonstrukte aussehen, zeigt die Seite Messkonstrukte, die Kennungen erklärt MaLo, MeLo, NeLo und Ressource.

Typische Missverständnisse

„Lokationsbündel und Struktur sind dasselbe.“ Das Bündel nennt die zusammengehörigen Objekte, die Struktur beschreibt ihre Verschaltung als Code.

„Die Struktur ersetzt die Berechnungsformel.“ Sie zeigt, welche Objekte voneinander abhängen. Die Rechenvorschrift liefert die Berechnungsformel per UTILTS.

„Pooling und Summenmessung sind verschiedene Dinge.“ Das Konzept von 2022 sagte Pooling, die geltende Codeliste sagt Summenmessung.

„Eine Tranche ändert die Struktur.“ Tranchen sind kaufmännisch und ändern sie nicht.

„Jede Anschlusssituation hat einen Code.“ Fünfzehn Strukturen sind erfasst. Alles andere läuft bilateral.

Quellen und Pflegehinweis

Die Strukturen, Objektcodes und ihre Regeln stammen aus der Codeliste der Lokationsbündelstrukturen 1.0, der Konzeptstand von 2022 dient nur dem Hintergrund. Die Segmente stehen im UTILMD-Anwendungshandbuch Strom 2.2, die Berechnungsformel im UTILTS-Anwendungshandbuch 1.1, beide mit Stand 1. April 2026 und gültig ab 1. Oktober 2026. Ob nach der Codeliste 1.0 eine neuere Fassung erschienen ist, vor einer Umsetzung auf edi-energy.de prüfen. Die Jahreswerte in den Rechenbeispielen sind frei gewählt. Abgerufen am 4. Oktober 2026.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. EDI@Energy / BDEW – Codeliste der Lokationsbündelstrukturen, Version 1.0 vom 31.03.2023 (anzuwenden ab 01.10.2024)data.bundesnetzagentur.de
  2. EDI@Energy / BDEW – Konzept zur Übermittlung der Lokationsbündelstruktur (Strom), Version 1.0, Konsultationsfassung vom 01.08.2022bundesnetzagentur.de
  3. EDI@Energy – UTILMD Anwendungshandbuch Strom 2.2 (Stand 01.04.2026, gültig ab 01.10.2026), Kapitel 7 Lokationsbündelstrukturenbundesnetzagentur.de
  4. EDI@Energy – UTILTS Anwendungshandbuch 1.1 (Stand 01.04.2026, gültig ab 01.10.2026), Kapitel 4 und 5 Berechnungsformelbundesnetzagentur.de
  5. Bundesnetzagentur – GPKE Teil 2, Lesefassung (BK6-24-174), Use-Case Lieferbeginn (Berechnungsformel an den neuen Lieferanten)bundesnetzagentur.de
  6. Bundesnetzagentur – GPKE Teil 1, Lesefassung (BK6-24-174), Kapitel 3.7 Lokationsbündelbundesnetzagentur.de
  7. BDEW – Foliensatz „Marktlokation und Messlokation. Grundlagen und Anwendungsbeispiele“, Version 1.4 (Beispiele Schule und Hausmeister, Umbau Kundenanlage)bdew.de
  8. Bundesnetzagentur – Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren, Version 4.0 (gültig ab 01.10.2026)bundesnetzagentur.de
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