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Messwesen & Smart Metering

Feiertagskalender und Zählzeiten verstehen

Welcher Kalender wofür gilt. Feiertage in Fristen der Marktkommunikation (Werktagsdefinition nach GPKE und WiM), Feiertage in Lastprofilen (Tagtyp) und was für Zählzeitdefinitionen belegt ist, mit Fristbeispiel über den Jahreswechsel 2026/2027.

Auf dieser Seite7 Abschnitte

Kurzantwort

In der Energiewirtschaft gibt es mehrere Feiertagsregeln, und derselbe Tag kann nach jeder anders zählen. Für Fristen der Marktkommunikation gilt die Werktagsdefinition aus GPKE und WiM: Ein Feiertag, der in irgendeinem Bundesland gilt, zählt bundesweit, und der 24. und 31. Dezember zählen immer als Feiertag. Für Lastprofile gilt ein Tagtyp: Feiertage laufen wie Sonntage, regionale nur am Standort des Netzbetreibers, Heiligabend und Silvester wie Samstage. Für Zählzeitdefinitionen kennt das UTILTS-Format keinen Feiertagskalender. Der Verfasser rollt die Zeiten für das Jahr aus.

Kalender 1: Feiertage in Fristen

GPKE Teil 1 (Kapitel 7) und die WiM definieren gleichlautend: Werktag (WT) ist jeder Tag außer Samstag, Sonntag und gesetzlichen Feiertagen. „Wenn in einem Bundesland ein Tag als Feiertag ausgewiesen wird, gilt dieser Tag bundesweit als Feiertag. Der 24.12. und der 31.12. eines jeden Jahres gelten als Feiertage.“ Ein Tag (T) dagegen umfasst Werktage, Samstage, Sonntage und Feiertage. Fristen in „T“ zählen also alle Kalendertage, Fristen in „WT“ nur die Werktage. Zuordnungsbeginn und -ende liegen immer auf 0:00 Uhr.

Die Regel macht aus Länderrecht eine Bundesregel. Die Tabelle zeigt die Tage 2026 und 2027, die danach als Feiertag zählen (Ostern 2026 ist am 5. April, 2027 am 28. März).

Feiertag 2026 2027
Neujahr Do 1.1. Fr 1.1.
Karfreitag 3.4. 26.3.
Ostermontag 6.4. 29.3.
1. Mai Fr Sa
Christi Himmelfahrt 14.5. 6.5.
Pfingstmontag 25.5. 17.5.
Tag der Deutschen Einheit Sa 3.10. So 3.10.
1. und 2. Weihnachtstag Fr 25.12., Sa 26.12. Sa 25.12., So 26.12.

Diese Tage gelten in allen Ländern. Dazu kommen Tage, die nur in einigen Ländern gelten und trotzdem für alle zählen. Die VDEW-Anwendungshilfe nennt Heilige Drei Könige, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Reformationstag, Allerheiligen und Buß- und Bettag. Länderrecht ändert sich, die dortige Länderliste stammt aus dem Jahr 2000. Die Tabelle nennt deshalb nur die Daten:

Regionaler Feiertag 2026 2027
Heilige Drei Könige Di 6.1. Mi 6.1.
Fronleichnam 4.6. 27.5.
Mariä Himmelfahrt Sa 15.8. So 15.8.
Reformationstag Sa 31.10. So 31.10.
Allerheiligen So 1.11. Mo 1.11.
Buß- und Bettag Mi 18.11. Mi 17.11.

Dazu zählt immer der 24. und 31. Dezember, auch wenn sie auf einen Werktag fallen.

Fristbeispiel über den Jahreswechsel

Der Netzbetreiber will am Montag, 11. Januar 2027, die Technik an einer Messlokation ändern lassen. Nach WiM Teil 1 (Use-Case Messlokationsänderung vom NB an MSB, ORDERS 17011) muss die Beauftragung spätestens am 20. WT vor dem Änderungstermin eingehen. Gezählt wird rückwärts ab dem Termin, der Termin selbst nicht.

Tage, rückwärts ab Mo 11.1.2027 Zählung
Fr 8.1., Do 7.1. 1. und 2. WT
Mi 6.1. Feiertag: Heilige Drei Könige gelten in einigen Ländern
Di 5.1., Mo 4.1. 3. und 4. WT
Fr 1.1., Do 31.12. Feiertage: Neujahr, 31. Dezember
Mi 30.12., Di 29.12., Mo 28.12. 5. bis 7. WT
Sa 26.12., So 27.12. Wochenende
Do 24.12., Fr 25.12. Feiertage: Heiligabend, 1. Weihnachtstag
Mi 23.12. bis Mo 21.12. 8. bis 10. WT
Fr 18.12. bis Mo 14.12. 11. bis 15. WT
Fr 11.12. bis Mo 7.12. 16. bis 20. WT

Spätester Übermittlungstag ist Montag, 7. Dezember 2026. Wer nur Montag bis Freitag zählt, kommt auf Montag, 14. Dezember, und ist damit eine Woche zu spät. Die Übermittlung gilt, wenn die positive AS4-Zustellquittung an diesem Tag datiert. Das Beispiel ist vereinfacht und rechnet nur die Frist, nicht die Bestätigung. Den Ablauf behandelt Messlokationsänderung und Konfiguration. Ein weiteres Beispiel mit dem Buß- und Bettag steht in Bilanzierung nach Lieferbeginn.

Kalender 2: Tagtyp in Lastprofilen

Ein Standardlastprofil besteht je Jahreszeit aus drei Tagesverläufen mit je 96 Werten: Werktag, Samstag und Sonntag/Feiertag. Welcher Kalendertag welchen Verlauf bekommt, regelt die Anwendungshilfe: „Feiertage können auf einen beliebigen Tag fallen, der dadurch wie ein Sonntag zu behandeln ist. Heiligabend und Silvester sind, sofern sie nicht auf einen Sonntag fallen, als Samstag zu behandeln.“ Regionale Feiertage sind „nur regionale Feiertage (also charakteristische Profil-Sonntage), was nach Standort des zuständigen Verteilnetzbetreibers konkret festzulegen ist“ (VDEW M-05/2000, S. 11 und 13).

Die MaBiS macht daraus eine Pflicht zur Kennzeichnung. Der Netzbetreiber gibt jedem normierten Profil eine eindeutige Bezeichnung, „wenn der NB unterschiedliche Feiertagskalender zugrunde legt“, zum Beispiel HSA für Sachsen-Anhalt und HSN für Sachsen. Mit dem Profil sind Feiertagskalender und Region implizit mitgeliefert (MaBiS, Kap. 6.1, S. 58). Mehr zum Verfahren steht in Standardlastprofil verstehen.

So unterscheiden sich die Regeln am selben Tag (Frist: Werktagsregel, Profil: Tagtyp):

Tag Frist Profil
24.12.2026 Feiertag Samstag
25.12.2026 Feiertag Sonntag
31.12.2026 Feiertag Samstag
6.1.2027 Feiertag Werktag, in Bayern Sonntag

Kalender 3: Zählzeitdefinitionen

Hier ist wenig belegt, und das ist selbst ein Befund. GPKE Teil 3 legt fest, dass der NB oder LF den Inhalt einer Zählzeitdefinition „individuell“ definiert. Das UTILTS-Handbuch 1.1 beschreibt die ausgerollte Definition als Folge von Zählzeitänderungszeitpunkten für ein Kalenderjahr, entweder je Tag mit eigenen Zeitpunkten oder als normierten Tag, der täglich gleich gilt. Ein Feld für einen Feiertagskalender oder eine Feiertagsregel gibt es nicht. Eine Regel wie „am Feiertag gilt Niedertarif“ muss deshalb in den Zeitpunkten dieses Tages stehen. Der Empfänger liest sie und rechnet nicht mit einem eigenen Kalender.

Welche regionalen Feiertage ein Netzbetreiber dabei wie Sonntage behandelt, steht in keinem der Marktdokumente. Das entscheidet der Verfasser der Definition. Wer es wissen muss, liest das Preisblatt oder die Tarifbeschreibung des NB beziehungsweise LF. Was eine Definition sonst enthält, steht in Zählzeitdefinitionen verstehen.

Fehlerfälle

  • Frist mit Montag bis Freitag gerechnet. Beim Fristbeispiel liegt der Fehler eine Woche daneben.
  • Nur Feiertage des eigenen Bundeslands beachtet. Der Buß- und Bettag zählt auch in Ländern, in denen er kein Feiertag ist.
  • Profil mit falscher Feiertagsregion. Ein H0-Profil aus einem anderen Kalender verschiebt die Last an Feiertagen und damit die bilanzierte Menge.
  • Silvester als Sonntag behandelt. Im Profil ist er ein Samstag, in der Frist ein Feiertag.

Typische Missverständnisse

„Heiligabend ist ein halber Werktag.“ In Fristen ist er ein Feiertag, im Standardlastprofil ein Samstag.

„Ein Feiertag gilt dort, wo er ausgerufen wird.“ Für Fristen gilt er bundesweit. Für Profile gilt er nur am Standort des Netzbetreibers.

„Ein Gateway braucht einen Feiertagskalender.“ Das Gateway bekommt Zeitpunkt-Tarifstufen-Paare. Wer sie aus Kalendertagen ableitet, ist der Verfasser der Definition.

Quellen und Pflegehinweis

Maßgeblich sind GPKE Teil 1 Kapitel 7, die WiM-Begriffe und die MaBiS in der Lesefassung zu BK6-24-174. Die Feiertagsdaten sind nachgerechnet, die Länderzuordnung nicht geprüft. Bei jeder Fristrechnung über einen Jahreswechsel die Werktage einzeln zählen.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. Bundesnetzagentur, GPKE Teil 1 Lesefassung zu BK6-24-174 (Kapitel 7 Fristenberechnung, Begriffe)bundesnetzagentur.de
  2. Bundesnetzagentur, WiM Teil 1 Lesefassung zu BK6-24-174 (Begriffe WT und T, Use-Case Messlokationsänderung)bundesnetzagentur.de
  3. Bundesnetzagentur, MaBiS Lesefassung zu BK6-24-174 (normierte Profile und Feiertagskalender, Kapitel 6.1)bundesnetzagentur.de
  4. BDEW, UTILTS Anwendungshandbuch 1.1 (ausgerollte Zählzeitdefinition)bundesnetzagentur.de
  5. VDEW-Materialien M-05/2000, Anwendung der repräsentativen VDEW-Lastprofile, step by step (Tagtypen, Feiertage)bdew.de
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