Kurzantwort
Ein Zähler führt ein oder mehrere Register. Das UTILMD-Anwendungshandbuch beschreibt sie mit zwei Stammdaten: Registeranzahl (Eintarif, Zweitarif, Mehrtarif) und Energierichtung (Einrichtung, Zweirichtung). Ein „Tarifregister“ ist ein Register mit einer Tarifstufe größer 0 in der OBIS-Kennzahl, in der Marktkommunikation heißt es Zählzeitregister. Welches Register wann zählt, legt eine Zählzeitdefinition fest. Ein intelligentes Messsystem führt dazu zusätzlich ein Fehlerregister und ein Totalregister. Der Zähler zählt nur. Den Preis je Tarifstufe setzt das Abrechnungssystem.
Wie ein einzelnes Zählwerk aufgebaut ist, steht in Zählwerk und Zählwerksdaten, den Aufbau der Kennzahl erklären die OBIS-Kennzahlen.
Wie viele Register hat ein Zähler?
Der MSB meldet die Ausstattung der Zähleinrichtung in den Stammdaten der Messlokation (UTILMD „Änderung Daten der MeLo“, 55643 und 55653). Das Handbuch kennt dafür drei Merkmale mit festen Codes:
- Registeranzahl: ETZ Eintarif, ZTZ Zweitarif, NTZ Mehrtarif.
- Energierichtung: ERZ Einrichtungszähler, ZRZ Zweirichtungszähler.
- Fernschaltung der Zähleinrichtung: Z06 vorhanden, Z07 nicht vorhanden.
Dazu kommt der Zählertyp, zum Beispiel AHZ (analoger Haushaltszähler), EHZ (elektronischer Haushaltszähler), MME (moderne Messeinrichtung), LAZ (Lastgangzähler) oder MAZ (Maximumzähler). Welche Kennzahlen daraus folgen, zeigt die OBIS-Codeliste 2.5c: Nicht tarifunterschiedene Zählerstände eines Eintarifzählers tragen die Tarifstufe 0, etwa 1-b:1.8.0 für den Bezug. Zählwerke mit Tarifunterscheidung tragen die Stufen 1 und folgende, 1-b:1.8.1 und 1-b:1.8.2. Die Codeliste legt nicht fest, welche Stufe Hochtarif oder Niedertarif ist. Das bestimmt die Zählzeitdefinition.
Wie so ein Zähler in der Praxis beschriftet wird, zeigt das Foto im Artikel Gerätewechsel im Messwesen: Der Aufkleber hat Felder für Bezug in Tarif 1 und 2 und für die Lieferung.
Wer bestimmt, welches Register zählt
Nach der WiM beinhaltet die Zählzeitdefinition „im Kalenderjahr ausgerollt die Information, zu welcher Zeit welches Register an einer Marktlokation (und dementsprechend an der/den Messlokation(en)) die geflossene Energie erfasst“. Sie hat zwei Anwendungszwecke:
- Netznutzung: Netzbetreiber und Lieferant können sie bestellen. Sie bildet die Basis für Netznutzungsabrechnung, Bilanzkreisabrechnung, Mehr-/Mindermengenabrechnung und die Endkundenabrechnung, soweit sie den Netzentgeltanteil betrifft.
- Endkunde: Nur der Lieferant kann sie bestellen, wenn seine Endkundenabrechnung von der Netznutzungsabrechnung abweicht.
In der UTILMD trägt die Marktlokation dazu den Code der Zählzeitdefinition und den Code des zugeordneten Zählzeitregisters, zum Beispiel in den Netznutzungsabrechnungsdaten (Prüfidentifikator 55218). Wer Zählzeiten definiert, wie Schaltzeiten und Feiertage wirken und wie der Prozess verläuft, steht in Zählzeitdefinitionen verstehen. Wie das Gateway eine Zählzeit in Register umsetzt, zeigt Tarifanwendungsfälle im Smart-Meter-Gateway mit dem TAF2.
Das Registerpaket eines iMS
Wendet ein iMS Zählzeiten an, entsteht an der Messlokation ein Paket aus Registern. Das UTILMD-Handbuch beschreibt es in Kapitel 6. Die Pakete trennt die Kanalnummer b in der Kennzahl 1-b:C.D.E.
Die Regeln aus dem Handbuch:
- Zu den Zählzeitregistern (mindestens zwei) legt das Gateway ein Fehlerregister (Tarifstufe 63) und ein Totalregister (Tarifstufe 0) an. Das Fehlerregister nimmt Energie auf, die wegen eines Fehlers keinem Zählzeitregister zugewiesen werden kann.
- Der Totalstand ist die Summe aller Register derselben Kanalnummer außer ihm selbst. Das Paket der mME wird nicht mitsummiert.
- Zusätzlich überträgt das iMS bei Zählzeiten immer das Register der mME mit dem originären Stand, in einem anderen Kanal. Seine Kennzahl muss mit dem übereinstimmen, was das Display der mME dem Kunden zeigt. Der Stand muss allen Messwertverwendern zur Verfügung stehen, damit der Anschlussnutzer seine Endkundenabrechnung nachvollziehen kann.
- Gelten für dieselbe Marktlokation Zählzeiten von Netzbetreiber und Lieferant, erfasst das iMS die Energie doppelt, in je einem Registersatz mit eigener Kanalnummer.
- In GPKE, WiM und MaBiS gelten außer bei der Messwertübermittlung mit konfigurierter Zählzeit nur die Zählzeitregister und das Fehlerregister.
- Ohne Zählzeiten gibt es je Konfigurations-ID nur ein Paket mit einer Kennzahl.
Beispiel: Gerätewechsel im iMS
Vereinfachtes Beispiel mit frei gewählten Werten. Ein iMS mit zwei Zählzeitregistern des Lieferanten (Kanal 1) wird am 1. Dezember 2026 um 09:15 Uhr abgegrenzt, weil der MSB das Gateway tauscht. Das Handbuch nennt „Wechsel des SMGW oder mME“ ausdrücklich als Ereignis für eine zeitliche Abgrenzung. Die Register 1-1:1.8.1 und 1-1:1.8.2 stehen dann auf 3.120 und 1.480 kWh, das Total 1-1:1.8.0 auf 4.600 kWh.
Das Handbuch legt fest: Der abgeschlossene Zeitraum behält die Stände zum Abgrenzungszeitpunkt, im neuen Zeitraum beginnen die Register bei 0. Zum selben Zeitpunkt gibt es deshalb für jede Kennzahl zwei Werte, 3.120 kWh als Ende und 0 kWh als Anfang. Die Kennzahl allein unterscheidet sie nicht. Erst die Konfigurations-ID in UTILMD und MSCONS ordnet jeden Wert dem richtigen Zeitraum zu. Ohne sie ergäbe die Differenz 0 − 3.120 einen negativen Verbrauch. Weitere Abgrenzungsgründe sind der Wechsel des Anschlussnutzers, die Änderung der Zählzeiten und der MSB-Wechsel. Wie der Wechsel des Geräts beim MSB-Wechsel abläuft, steht in Gerätewechsel im Messwesen.
Register in SAP IS-U
SAP führt jedes Register als Zählwerk am Gerät in der Tabelle ETDZ. Die Zählwerksgruppe des Geräts steht in EGERH im Feld ZWGRUPPE, ihre Ausprägungen in EZWG. Zählwerksgruppen zeigt EG06, sie anzulegen und zu ändern erlauben EG04 und EG05. Die Objektkette vom Gerät zum Messwert beschreibt Register und Zählwerke in SAP. Wie SAP Zählzeitregister und Konfigurations-ID abbildet, belegt der Katalog dieser Seite nicht, der Artikel macht dazu keine Aussage.
Typische Missverständnisse
„Tarifregister gibt es nur im Mehrtarifzähler.“ Auch ein iMS führt Zählzeitregister, die das Gateway aus der Zählzeit ableitet. Die mME selbst führt dabei nur den tariflosen Stand.
„Der Totalstand ist immer die Summe der Tarifregister.“ Er ist es nur innerhalb derselben Kanalnummer. Das Register der mME steht in einem anderen Kanal.
„Die Zählzeitdefinition ist im Zähler gespeichert.“ Sie wird zwischen Marktpartnern bestellt und über Stammdaten ausgetauscht. Der MSB setzt sie im Gerät um.
„Ein Registerstand reicht für die Abrechnung.“ Bei Abgrenzungen im iMS zählt zusätzlich die Konfigurations-ID, sonst bleibt der Zeitraum des Werts offen.
Quellen und Pflegehinweis
Registeranzahl, Energierichtung, Registerpaket, Fehlerregister und Abgrenzung stammen aus dem UTILMD-Anwendungshandbuch Strom 2.2 (Stand 1. April 2026, gültig ab 1. Oktober 2026), Kapitel 6 und den Zähleinrichtungsdaten. Die Tarifstufen folgen der OBIS-Codeliste 2.5c, die Definition der Zählzeitdefinition der Lesefassung WiM Teil 1 zu BK6-24-174. Die Zahlen im Beispiel sind frei gewählt. Geprüft am 5. Oktober 2026.