AnmeldenLernweg starten

Messwesen & Smart Metering

Messlokation, Zählpunkt und Zählwerk im Zusammenspiel

Ort, Gerät und Register im Messwesen und ihre SAP-Gegenstücke. Warum das Wort Zählpunkt je nach Quelle etwas anderes meint und welche Ebenen in SAP IS-U beim Gerätewechsel gleich bleiben, mit durchgerechnetem Beispiel.

Auf dieser Seite7 Abschnitte

Kurzantwort

Das Messwesen kennt drei Ebenen. Die Messlokation ist der Ort der Messung, die Messeinrichtung das Gerät an diesem Ort, das Zählwerk das Register im Gerät. Dazwischen steht das Wort Zählpunkt, das im Gesetz, im Metering Code, im Markt und in SAP je etwas anderes bedeutet. SAP trennt auf Geräte- und Registerebene eine zeitstabile logische von einer physischen Ebene. Beim Gerätewechsel bleiben Messlokation, logisches Gerät und logisches Zählwerk gleich, Gerät und Zählwerk am Gerät sind neu.

Einzelheiten zur Zählpunktbezeichnung stehen in Zählpunktbezeichnung verstehen, zur Identifikation einer Messlokation in der Praxis in Messlokations-ID und Identifikation.

Drei Ebenen, zwei Sprachen

Ort, Gerät und Register. SAP trennt jeweils eine zeitstabile logische Ebene von der physischen, die mit dem Gerät wechselt. Messwerte und Zuordnungen hängen an der logischen Ebene.Tabellen und Feldeigenschaften nach dem IS-U-Tabellenkatalog (EGERH, EASTL, ETDZ, EZUZ).

Die linke Spalte gilt in jedem Marktprozess. Die rechte Spalte zeigt, wie IS-U dieselbe Messstelle ablegt: Die Messlokation ist ein Zählpunkt, das Gerät ist ein Equipment, das Zählwerk ein Eintrag am Gerät. Die logischen Nummern halten die Verbindung, wenn das Gerät getauscht wird.

Zählpunkt: ein Wort, vier Bedeutungen

Quelle Was „Zählpunkt“ meint
MsbG § 2 Nr. 28 der Punkt, an dem der Energiefluss messtechnisch erfasst wird
Metering Code, Entwurf 2023 derselbe Punkt, dazu auch errechnete oder geschätzte Energieflüsse
Marktkommunikation kein Objekt mehr: Seit 1. Februar 2018 stehen Marktlokation und Messlokation an seiner Stelle
SAP IS-U ein Objekt in drei Ausprägungen: Marktlokation, Messlokation, Netzlokation

Der BDEW-Foliensatz fasst den Übergang so: Was früher der Zählpunkt war, ist heute Markt- und Messlokation. Die Zählpunktbezeichnung blieb als Kennung der Messlokation. In SAP heißt das Objekt weiter Zählpunkt, auch wenn es eine Marktlokation abbildet.

Der Metering Code unterscheidet zwei Arten. Ein realer Zählpunkt wird mit einem Zähler erfasst. Ein virtueller Zählpunkt entsteht, wenn die Energie nicht direkt gemessen werden kann und aus Messwerten mehrerer Geräte errechnet oder geschätzt wird. Sein Beispiel: Kommt eine PV-Anlage mit kaufmännisch-bilanzieller Weiterleitung hinzu, wird die Energie des Anschlussnutzers aus zwei realen Zählpunkten errechnet. Auch für einen virtuellen Zählpunkt gilt dieselbe Bildungsregel für die Zählpunktbezeichnung. Im Markt steht die Rechenvorschrift in der Berechnungsformel, die der Netzbetreiber nach WiM Teil 2 verschickt (siehe Lokationsbündel).

Das SAP-Gerätemodell: logisch und physisch

Der Tabellenkatalog zeigt, welche Schlüssel mit dem Gerät wechseln und welche nicht.

Ebene Schlüssel in SAP Beim Gerätewechsel
Zählpunkt (MeLo) INT_UI, extern EXT_UI bleibt
Logisches Gerät LOGIKNR bleibt
Gerät EQUNR neu
Logisches Zählwerk LOGIKZW bleibt
Zählwerk am Gerät EQUNR und ZWNUMMER neu

Die logische Gerätenummer LOGIKNR ist zeitstabil und verbindet die Gerätehistorie in EGERH mit der Anlagenstruktur in EASTL. Das logische Zählwerk LOGIKZW steht in ETDZ, und der Katalog vermerkt dazu: Der Anschluss an die Messung läuft über LOGIKZW, nicht über Equipment und Zählwerksnummer, denn beide ändern sich beim Gerätewechsel. Der Abrechnungsfaktor der Zuordnung steht in EZUZ. Wer Messwerte über mehrere Geräte zusammenführen will, joint deshalb über LOGIKZW. Ein Join über EQUNR und ZWNUMMER endet am Gerätewechsel.

Betreibt ein anderer Marktpartner das Gerät, führt das System statt des Geräts einen Geräteinfosatz. Das beschreibt der Stammdatenatlas je Rolle. Einbau und Wechsel buchen die Transaktionen EG31 und EG30.

Beispiel: Gerätewechsel im Abrechnungsjahr

Ein Haushalt hat einen Zähler mit dem Zählwerk 1.8.0. Der Messstellenbetreiber tauscht das Gerät am 14. Juli 2026. Alle Zahlen sind frei gewählt.

Stand kWh
Altgerät, 01.01.2026 4.100
Altgerät, Ausbau 14.07.2026 6.912
Neugerät, Einbau 14.07.2026 0
Neugerät, 31.12.2026 1.508

Der Verbrauch ist die Summe beider Abschnitte: (6.912 − 4.100) + (1.508 − 0) = 2.812 + 1.508 = 4.320 kWh. Rechnet man nur mit dem ersten und dem letzten Stand, ergibt sich 1.508 − 4.100 = −2.592 kWh, ein negativer Verbrauch. Dieser Fehler entsteht, wenn eine Auswertung zwei Zählwerke als unverbundene Objekte behandelt. Beide Zählwerke hängen am selben logischen Zählwerk, die Messlokation und ihre Zählpunktbezeichnung bleiben gleich, nur Gerätenummer, Equipment und Zählwerksnummer sind neu.

Die WiM kennt den Geräteausbau als Auslöser: Der Zählerstand zum Ausbauzeitpunkt gehört zu den Werten, die der Messstellenbetreiber nach der Wertetabelle in WiM Teil 2, Kapitel 2.5.5, an die Berechtigten schickt. Den Ablauf des Wechsels selbst beschreibt Gerätewechsel im Messwesen. Wie die OBIS-Kennzahl des Zählwerks aufgebaut ist, erklären die OBIS-Kennzahlen.

Typische Missverständnisse

„Zählpunkt und Messlokation sind dasselbe.“ Der Zählpunkt ist ein Begriff des MsbG und des Metering Codes, die Messlokation ein Objekt der Marktkommunikation. Die GPKE gibt der Messlokation eine eigene ID und kommt ohne den Begriff Zählpunkt aus.

„Ein Zählpunkt ist ein Register.“ Der Zählpunkt bezeichnet einen Punkt des Energieflusses. Register sind Zählwerke im Gerät, erkennbar an der OBIS-Kennzahl.

„Mit dem Zähler ändert sich die Messlokation.“ Der Zähler ist ein Gerät in der Messlokation. Ein Gerätewechsel ändert Gerät und Zählwerke, nicht die Messlokation.

„In SAP steckt jedes Zählwerk fest im Gerät.“ Das physische Zählwerk gehört zum Gerät. Messwerte und Zuordnungen hängen am logischen Zählwerk, das den Wechsel überlebt.

Quellen und Pflegehinweis

Die Definitionen stammen aus § 2 MsbG und dem öffentlichen Entwurf des Metering Codes (VDE-AR-N 4400:2023-09); die geltende Fassung kann abweichen. Die Aussagen zu den SAP-Schlüsseln folgen dem IS-U-Tabellenkatalog dieser Seite, der sie gegen Data-Dictionary-Abzüge prüft. Konkrete Customizing-Entscheidungen hängen vom Projekt ab. Abgerufen am 4. Oktober 2026.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. Messstellenbetriebsgesetz – § 2 Begriffsbestimmungen (Nr. 10 Messeinrichtung, Nr. 28 Zählpunkt)gesetze-im-internet.de
  2. VDE|FNN – E VDE-AR-N 4400:2023-09, Messwesen Strom (Metering Code), Entwurf, Kapitel 3.1.49 und 5vde.com
  3. BDEW – Foliensatz „Marktlokation und Messlokation. Grundlagen und Anwendungsbeispiele“, Version 1.4 (Folie 7)bdew.de
  4. Bundesnetzagentur – WiM Teil 1, Lesefassung zu BK6-24-174, Kapitel 3.1 Gerätewechselbundesnetzagentur.de
  5. Bundesnetzagentur – WiM Teil 2, Lesefassung zu BK6-24-174, Kapitel 2.5.5 Darstellung der zu übermittelnden Wertebundesnetzagentur.de
  6. SAP Learning – Analyzing Specific Master Data Objects for SAP S/4HANA Utilities in Germanylearning.sap.com
  7. sapdatasheet.org – SAP ABAP Table ETDZ, Technical Data for Installed Registersapdatasheet.org
Mein Lernen

Quiz zum Artikel

Teste dein Wissen

5 Fragen zu diesem Artikel, mit Erklärung und Link zurück zur Stelle.

Quiz zum Artikel 5 Fragen

War dieser Artikel hilfreich?