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Energiesystem & Netze

Das deutsche Stromsystem und seine Netzebenen

Vier Spannungsebenen, drei Umspannebenen, 4 Übertragungs- und 851 Verteilnetzbetreiber: wie das Stromnetz aufgebaut ist, wo Anlagen anschließen und wie die Netzebene in die Marktkommunikation und in SAP IS-U hineinwirkt.

Auf dieser Seite9 Abschnitte

Kurzantwort

Das Stromnetz gliedert sich in vier Spannungsebenen: Höchstspannung, Hochspannung, Mittelspannung und Niederspannung. Zwischen je zwei Ebenen liegt eine Umspannebene, in der ein Transformator die Spannung wandelt. Das ergibt sieben Netz- und Umspannebenen. Das Übertragungsnetz betreiben vier Unternehmen, die Verteilnetze 851 Verteilnetzbetreiber. Strom fließt im Verbund nach den Gesetzen der Elektrotechnik, nicht entlang eines Liefervertrags. Für die Marktkommunikation und für SAP IS-U zählt die Netzebene als Eigenschaft des Anschlusses, sie ist aber weder ein Marktobjekt noch ein Messort.

Sieben Netz- und Umspannebenen im Schnitt. Zwischen zwei Spannungsebenen liegt jeweils eine Umspannebene, in der ein Transformator die Spannung wandelt. Leistung kann in beide Richtungen fließen. Stromkreislängen: Stand 31.12.2024, ÜNB und VNB zusammen.Die Zählung 1 bis 7 ist Branchenüblichkeit; die StromNEV nennt die Ebenen ohne Nummern.

Die sieben Ebenen im Überblick

§ 2 StromNEV definiert die Netzebene als den Bereich eines Netzes, in dem Energie in Höchst-, Hoch-, Mittel- oder Niederspannung übertragen oder verteilt wird. Die Umspannebene ist der Bereich, in dem die Spannung von Höchst- zu Hoch-, Hoch- zu Mittel- oder Mittel- zu Niederspannung geändert wird. Die Bundesnetzagentur erfasst für das Monitoring die Stromkreislängen je Spannungsebene. Stromkreislänge heißt: Die drei Phasen eines Drehstromkreises zählen als eine Länge.

Ebene Übliche Spannung Betrieb Stromkreislänge 2024 Typische Anschlüsse
Höchstspannung 220 und 380 kV Übertragungsnetz 38,1 Tsd. km große Kraftwerke, Offshore-Anbindungen, Kuppelleitungen
Hochspannung meist 110 kV überwiegend Verteilnetz 95,8 Tsd. km Industrie, Windparks, Umspannwerke
Mittelspannung meist 10 oder 20 kV Verteilnetz 534,9 Tsd. km Gewerbe, Solarparks, Ortsnetzstationen
Niederspannung 400/230 V Verteilnetz 1.304,9 Tsd. km Haushalte, Dach-PV, Wallboxen

Quelle der Längen: Monitoringbericht 2025, Netzstrukturdaten, Stand 31.12.2024. Die Spannungen sind übliche Betriebswerte, keine gesetzliche Festlegung. Die Betriebsgrenzen sind nicht scharf: Die ÜNB betreiben auch 0,5 Tsd. km Hochspannung, Verteilnetzbetreiber 0,2 Tsd. km Höchstspannung.

Zwei Zahlen zeigen, wie lokal das Netz ist. Zwei Drittel der gesamten Stromkreislänge (1.304,9 von 1.973,8 Tsd. km) liegen in der Niederspannung. Und bei rund 52,9 Millionen Marktlokationen von Letztverbrauchern kommen im Verteilnetz auf jede Marktlokation im Mittel gut 36 Meter Stromkreis (vereinfachte Rechnung: 1.935,3 Tsd. km geteilt durch 52,93 Mio.).

Wer das Netz betreibt

Die Übertragungsnetze betreiben 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW, jeweils als regelzonenverantwortlicher Übertragungsnetzbetreiber. Sie verbinden Erzeugungsschwerpunkte mit Verbrauchszentren und das deutsche mit dem europäischen Netz. Nach § 3 EnWG umfasst die Übertragung auch grenzüberschreitende Verbindungsleitungen; Verteilung ist der Transport in Netzen mit hoher, mittlerer oder niedriger Spannung, um Kunden zu versorgen. Die Verteilnetze betreiben 851 Verteilnetzbetreiber (VNB, Stand 2025 laut Monitoringbericht). 767 davon haben weniger als 100.000 angeschlossene Kunden, 643 weniger als 30.000. Aus diesem Zuschnitt folgt, dass fast jeder Anschluss einem anderen Betreiber gehört als die Übertragungsleitung, die den Strom heranführt.

Welche Regelzone zu welchem Übertragungsnetzbetreiber gehört, erklärt Regelzonen und Bilanzierungsgebiete. Die Rollen von Netzbetreiber, Messstellenbetreiber, Lieferant und Bilanzkreisverantwortlichem behandelt Marktrollen in der Strom-Marktkommunikation.

Der Fluss: von oben nach unten und zurück

Das einfache Bild „Kraftwerk, Übertragungsnetz, Verteilnetz, Kunde“ beschreibt die klassische Richtung. Heute speist ein großer Teil der Anlagen in den unteren Ebenen ein: Dach-PV in der Niederspannung, Solarparks und Windparks in Mittel- und Hochspannung. Bei hoher Einspeisung und geringer Last in einem Gebiet kehrt sich der Leistungsfluss an den Transformatoren um und Energie wandert in die vorgelagerte Ebene. Umspannebenen müssen deshalb in beide Richtungen ausgelegt sein.

Welchen Weg der Strom nimmt, bestimmen Einspeisung, Last, Leitungseigenschaften und Schaltzustand. Ein Liefervertrag legt keinen Leitungsweg fest, er legt fest, wer die Energie bezahlt und in welchem Bilanzkreis sie verbucht wird.

Was die Netzebene mit Markt und Messung zu tun hat

Vier Objekte werden gern verwechselt. Die Definitionen stammen aus der GPKE Teil 1 (Lesefassung zu BK6-24-174).

Objekt Frage Kennung
Netzebene An welcher Spannung hängt der Anschluss? keine eigene Kennung, Eigenschaft des Anschlusses
Netzlokation Welche Marktlokationen hängen an einer Leitung zum Netz? NeLo-ID
Marktlokation Wo wird Energie erzeugt oder verbraucht und bilanziert? MaLo-ID
Messlokation Wo wird gemessen? Zählpunktbezeichnung

Die Netzebene entscheidet, welche Netzentgelte gelten und welche Anforderungen an Messung und Anschluss bestehen; Details zu den Entgelten stehen in Netzentgelte verstehen. Wie ein Anschluss auf einer Ebene beantragt und dimensioniert wird, beschreibt Netzanschlussbegehren. Den Anschluss eines einzelnen Hauses behandelt Netzanschluss und Entnahmestelle.

Praxisbeispiel: Gewerbebetrieb mit Eigenerzeugung

Ein Betrieb ist an die Mittelspannung angeschlossen und betreibt eine Photovoltaikanlage. Wer das für ein System aufnimmt, geht so vor:

  1. Der Netzbetreiber nennt Anschlusspunkt und Spannungsebene. Sie stehen im Netzanschlussvertrag und in den Stammdaten.
  2. Das Messkonzept legt fest, wie viele Messlokationen es gibt und welche Mengen sie erfassen.
  3. Bezug und Einspeisung werden als eigene Marktlokationen geführt; jede bekommt eine MaLo-ID, die der Netzbetreiber vergibt.
  4. Der Lieferant beliefert die verbrauchende Marktlokation, die Einspeisung läuft über die erzeugende Marktlokation (Direktvermarktung oder Einspeisevergütung).
  5. Erst danach lassen sich Netzentgelte und Abrechnung im System konfigurieren.

Physikalisch fließt PV-Strom zuerst in die Maschinen des Betriebs. Welche Menge als Netzbezug oder Einspeisung abgerechnet wird, bestimmen Messkonzept und Marktmodell, nicht die sichtbaren Leitungen.

Netzebene in SAP IS-U

In SAP IS-U trägt die Anlage (Tabelle EANL) das Feld SPEBENE (Spannungsebene, CHAR 2). Es wird gegen die Customizing-Tabelle TE369 geprüft; die Bedeutung („Mittelspannung“) steht in der Bezeichnung, die das Unternehmen vergibt. Der Katalog beschreibt das Feld als relevant für Netzentgelte und Messkonzept. Die Tabellen finden Sie im Tabellenexplorer. Wer Anlagen aus Altdaten migriert, prüft deshalb, ob die Kennungen in TE369 zur tatsächlichen Anschlussspannung passen.

Typische Missverständnisse

„Mein Lieferant liefert seinen Strom über eine bestimmte Leitung.“ Der Lieferant steht für die kaufmännische Belieferung und die bilanzielle Zuordnung. Der Stromfluss folgt dem Netz.

„Niederspannung ist immer ein Standardfall.“ Auch dort können Erzeugung, Speicher, steuerbare Verbrauchseinrichtungen und komplexe Messkonzepte vorkommen.

„Die Netzebene bestimmt den Lieferanten.“ Netzanschluss und Belieferung sind getrennte Sachverhalte. Die Netzebene wirkt auf Entgelte und Anschlussbedingungen.

„Ein Umbau ist nur eine Geräteänderung.“ Je nach Umbau ändern sich Messlokationen, ihre Beziehungen zu Marktlokationen oder Pflichten im Marktprozess.

Quellen und Pflegehinweis

Begriffe: § 2 StromNEV (gilt nach der Fassung von 2023 bis zum 31.12.2028) und § 3 EnWG. Zahlen: Monitoringbericht 2025, Datenjahr 2024; der Bericht erscheint jährlich neu. Objekte und Kennungen: GPKE Teil 1 in der Fassung nach BK6-24-174. SAP-Angaben: Data-Dictionary-Abzüge von sapdatasheet.org für ECC. Stand: 04.10.2026.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt, Monitoringbericht 2025, Netzstrukturdaten 2024data.bundesnetzagentur.de
  2. StromNEV § 2 Begriffsbestimmungen (Netzebene, Umspannebene, Entnahmestelle)gesetze-im-internet.de
  3. EnWG § 3 Begriffsbestimmungen (Übertragung, Verteilung)gesetze-im-internet.de
  4. Bundesnetzagentur, GPKE Teil 1, Lesefassung zu BK6-24-174 (Marktlokation, Messlokation, Netzlokation)bundesnetzagentur.de
  5. SAP-Datenbanktabelle EANL, Feld SPEBENE (Data-Dictionary-Abzug)sapdatasheet.org
  6. SAP-Datenbanktabelle TE369, Spannungsebene (Data-Dictionary-Abzug)sapdatasheet.org
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