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Messwesen & Smart Metering

Die HAN-Schnittstelle im intelligenten Messsystem

Wie Anschlussnutzer und Servicetechniker über das Heimnetz (HAN) am Gateway lesen, was der Messstellenbetreiber nach MsbG bereitstellen muss und wie steuerbare Anlagen über den CLS-Kanal angebunden werden.

Auf dieser Seite9 Abschnitte

Kurzantwort

Das HAN (Home Area Network) ist die Schnittstelle des Smart-Meter-Gateways im Gebäude des Kunden. Über sie lesen der Anschlussnutzer und der Servicetechniker, und über sie werden steuerbare Anlagen angebunden. Der Anschlussnutzer sieht lokal Zählerstände, Tageswerte, abgeleitete Werte wie Tarifstufenregister und die aktuelle Tarifstufe. Der Servicetechniker hat nur Diagnosezugriff, keinen auf Messwerte. Steuerbare Anlagen nutzen den getrennten CLS-Kanal (HAN-CLS).

Das lokale Lesen löst keinen Marktprozess aus. Die Marktkommunikation läuft über das Weitverkehrsnetz (WAN). Nach § 61 MsbG muss der Messstellenbetreiber (MSB) dem Anschlussnutzer die Verbrauchsinformationen standardmäßig über eine App oder eine lokale Anzeigeeinheit bereitstellen. Die HAN-Schnittstelle ist dafür der technische Zugang am Gateway.

Drei Rollen am HAN

Die BSI TR-03109-1 unterscheidet am HAN drei Rollen. Bevor ein lokaler Nutzer auf das Gateway zugreifen darf, muss der Gateway-Administrator (GWA) ein HAN-Kommunikationsprofil mit Rolle, Identifikation und Authentisierung anlegen. Das Gateway akzeptiert eine Verbindung nur, wenn die Anmeldung zu diesem Profil passt. Braucht der Nutzer keinen Zugriff mehr, entfernt der GWA das Profil.

Rolle Zugriff und Zugang
CON, Anschlussnutzer oder Anlagenbetreiber liest eigene Messwerte, Tarifinformationen und Log
Anmeldung am Nutzerkonto mit Kennung und Passwort oder Zertifikat
SRV, Servicetechniker Diagnose bei gestörter WAN-Verbindung, kein Zugriff auf Messwerte
TLS-Zertifikat, vom GWA parametriert
CLS, steuerbares lokales System Proxy-Kanal zu einem externen Marktteilnehmer, optional ein Teil der Anschlussnutzer-Daten
HAN-Profil mit Rolle CLS, zusätzlich Proxy-Profil

Die Aufteilung in HAN-CON (Rollen CON und SRV) und HAN-CLS beschreibt auch das BSI auf seiner Seite zum Gateway. Die drei Netze des Gateways (WAN, LMN, HAN) zeigt der Artikel Smart-Meter-Gateway.

Vier Gegenstellen am Gateway: Anschlussnutzer und Servicetechniker über HAN-CON, steuerbare Anlagen über HAN-CLS, der Messstellenbetreiber über das WAN.Das lokale Lesen über HAN-CON löst keine Marktkommunikation aus. Quelle: BSI TR-03109-1, Version 2.0, Abschnitte 3.6 bis 3.8 und 3.13.

Was der Anschlussnutzer lokal sieht

Das Gateway muss dem Anschlussnutzer nach TR-03109-1 (Abschnitt 3.6) diese Funktionen bereitstellen:

  • die zuletzt vom Zähler empfangenen Messwerte,
  • die historischen registrierten Werte (RWL) und die Zählerstände zum Tageswechsel (Tageswerte),
  • die abgeleiteten Werte (AWL), zum Beispiel die Tarifstufenregister eines TAF 2,
  • die aktuelle Tarifstufe und die Auswertungsprofile mit ihren Tarif-Regelwerkparametern,
  • das Anschlussnutzer-Log, in dem das Gateway Ereignisse zu seinem Konto protokolliert, etwa Änderungen am Auswertungsprofil,
  • Geräteinformationen, Zeitsynchronisationsstatus und Zertifikate.

Ein Anschlussnutzer darf nur auf Daten zugreifen, für die er autorisiert ist. Einem Gateway können mehrere Anschlussnutzer zugeordnet sein. Jedes Auswertungsprofil gehört genau einem von ihnen, und er sieht nur die Daten seiner Profile. Eine Startseite zum Ansehen im Browser und das Ändern des eigenen Passworts sieht die TR nur als SOLL vor; ob ein Gerät sie bietet, erklärt der Hersteller im ICS. Als Anzeigeeinheit zur Rechnungsprüfung nennt die TR ausdrücklich ein Gerät mit Transparenz- und Display-Software nach MessEG und MessEV.

Welche Werte tatsächlich anliegen, hängt vom Auswertungsprofil ab. Ein TAF 1 liefert lokal Zählerstände, Tageswerte und die Registrierwerte, aber kein Tarifstufenregister. Die TAF erklärt der Artikel Tarifanwendungsfälle im Smart Meter Gateway, den Katalog aller Fälle der Artikel TAF 1 bis TAF 16.

Was der Messstellenbetreiber bereitstellen muss

Das Gesetz regelt die Verbrauchsinformation in § 61 MsbG. Der MSB sorgt dafür, dass der Anschlussnutzer bei einem intelligenten Messsystem standardmäßig jederzeit folgende Informationen einsehen kann:

  1. den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit,
  2. abrechnungsrelevante Tarifinformationen und zugehörige Messwerte zur Prüfung der Abrechnung,
  3. historische Energieverbrauchswerte entsprechend den Abrechnungszeiträumen und Verbrauchsinformationen nach § 40b EnWG für die drei vorangegangenen Jahre,
  4. historische tages-, wochen-, monats- und jahresbezogene Verbrauchswerte und, soweit vorhanden, Zählerstandsgänge für die letzten 24 Monate,
  5. die Informationen aus § 53 MsbG (Einsicht in gespeicherte, nicht personenbezogene auslesbare Daten).

Wie das geschieht, regelt § 61 Abs. 2: Auf Anforderung des Anschlussnutzers stehen die Informationen innerhalb von 15 Minuten über eine Anwendung des MSB für mobile Endgeräte mit geschütztem individuellen Zugang bereit. Alternativ, insbesondere wenn der Anschlussnutzer der App-Bereitstellung widerspricht, übermittelt das Gateway sie direkt an eine lokale Anzeigeeinheit, die der MSB gegen ein angemessenes Einmalentgelt bereitstellt. Auch hier gilt die Frist von 15 Minuten. § 34 Abs. 1 Nr. 2 MsbG macht die Übermittlung an App, Online-Portal oder lokale Anzeigeeinheit zur Standardleistung. Anlagenbetreiber haben nach § 62 MsbG einen entsprechenden Anspruch, einschließlich der Einspeisewerte der letzten 24 Monate und der Informationen zu einem Schaltprofil. Für das intelligente Messsystem verlangt § 21 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. d MsbG außerdem die gesicherte Anbindung von Anzeigeeinheiten und weiteren lokalen Systemen.

Wer eigene Software an das HAN hängt, nutzt also einen zusätzlichen Weg. Die gesetzliche Standardlösung ist die App des MSB oder die lokale Anzeigeeinheit. Die Datenschutzregeln zum Zugriff beschreibt der Artikel Datenschutz und Zugriffsrechte im Smart Metering.

Der CLS-Kanal für steuerbare Anlagen

Steuerbare lokale Systeme (Controllable Local Systems, CLS) sind etwa Wärmepumpen, Wallboxen, Wechselrichter, Energiemanagementsysteme und Steuerungseinrichtungen. Das BSI nennt zusätzlich Datenkonzentratoren für Heizkostenverteiler.

Das Gateway bietet ihnen einen transparenten Proxy-Kanal zu einem externen Marktteilnehmer im WAN. Den Aufbau kann das CLS anstoßen. Soll der externe Marktteilnehmer das CLS erreichen, löst der GWA den Aufbau aus, weil der Marktteilnehmer keine direkte Verbindung zum Gateway herstellen kann. Zwei Konfigurationen müssen vorliegen: das Proxy-Kommunikationsprofil für den Kanal und das HAN-Kommunikationsprofil mit Rolle CLS für die Dienste des Gateways. Fehlt eines, kann das CLS die Funktion nicht nutzen. Beide Profile legt der GWA an.

Ein CLS kann außerdem, wenn der GWA es so einrichtet, einen Teil der Daten lesen, etwa die letzten Messwerte und die aktuelle Tarifstufe. Damit kann eine Wärmepumpe auf ein Tarifsignal reagieren. Die Steuerbefehle selbst gehören nicht zu den Tarifanwendungsfällen. Wie Steuerbox, Steuerkanal und Rückmeldung zusammenspielen, beschreiben Steuerbox und Steuerkanal verstehen und Steuerung und § 14a EnWG.

Vereinfachtes Beispiel: Tageswerte prüfen und Anlage anbinden

Ein Haushalt mit intelligentem Messsystem liest die Zählerstände zum Tageswechsel, lokal am HAN oder in der App des MSB. Der Zählerstand Bezug steht am 02.11. um 00:00 Uhr bei 4.512,3 kWh und am 03.11. um 00:00 Uhr bei 4.524,1 kWh. Der Tagesverbrauch beträgt 11,8 kWh. Dieselbe Rechnung führt die Rechnungsprüfung für einen Abrechnungszeitraum aus: Endstand minus Anfangsstand, verglichen mit der Rechnung.

Der Haushalt hat zusätzlich eine Wallbox und ein Energiemanagementsystem. Das System wird als CLS an das HAN angebunden und liest die Werte, die der GWA ihm freigegeben hat. Es verschiebt die Ladung in sonnenreiche Stunden. Dieser Vorgang bleibt im Gebäude und ändert nichts an dem, was der MSB an Lieferant und Netzbetreiber meldet. Soll der Netzbetreiber die Wallbox nach § 14a EnWG steuern können, ist ein eigener Kanal nötig, den der GWA konfiguriert, und eine Steuerungseinrichtung. Der Anschluss ans HAN allein begründet keine Steuerungsbefugnis.

Folgen und Fehlerfälle

Lokales Lesen und Abrechnung vermischt. Wer ein Display anschließt und auf eine geänderte Abrechnung wartet, verwechselt zwei Wege. Die Abrechnung stützt sich auf die Werte, die der MSB aufbereitet und im Rahmen der Marktkommunikation überträgt. Für die Rechnungsprüfung nennt die TR eine Anzeigeeinheit mit Transparenz- und Display-Software nach MessEG und MessEV.

Gerät und Gateway passen nicht. Welche Dienste ein Gateway an der HAN-Schnittstelle bietet, erklärt der Hersteller im ICS. Die Startseite im Browser und die Passwortänderung sind nur SOLL. Ein Gerät, das sie voraussetzt, funktioniert nicht an jedem Gateway.

CLS ohne Profil. Ein steuerbares Gerät erhält nicht dadurch externen Zugriff, dass es am HAN hängt. Ohne HAN- und Proxy-Profil bleibt es lokal.

Zugangsdaten. Die Zugangsdaten gehören zum Anschlussnutzer-Konto. Wer sie weitergibt, gibt Einsicht in ein fein aufgelöstes Verbrauchsprofil, das Anwesenheit und Gerätenutzung zeigt.

Typische Missverständnisse

„Die HAN-Schnittstelle ist das Internet am Zähler.“ Sie ist der lokale Bereich am Gateway. Das Lesen funktioniert ohne Verbindung zu Marktteilnehmern.

„Der Servicetechniker kann meine Verbrauchswerte lesen.“ Nach TR-03109-1 hat die Rolle SRV keinen Zugriff auf Messwerte. Sie dient der Diagnose bei gestörter WAN-Verbindung.

„Wer über HAN liest, löst eine Abrechnung oder Marktkommunikation aus.“ Das lokale Lesen erzeugt keine Nachricht an Lieferant, Netzbetreiber oder MSB.

„HAN-CON und HAN-CLS sind dasselbe.“ HAN-CON dient dem Lesen durch Anschlussnutzer und Servicetechniker, HAN-CLS dem gesicherten Kanal steuerbarer Anlagen.

„Über das HAN steuert der Netzbetreiber meine Anlage.“ Steuerbefehle laufen über den CLS-Kanal und eine Steuerungseinrichtung, nicht über den lesenden Zugang. Siehe Steuerbox und Steuerkanal.

Quellen und Pflegehinweis

Grundlage sind die Abschnitte 3.6, 3.7, 3.8 und 3.13 der BSI TR-03109-1 Version 2.0 vom 13. Dezember 2024, die Architekturseite des BSI zum Gateway und die §§ 21, 34, 53, 61 und 62 MsbG im Stand vom 5. Oktober 2026. Die bisherige Fassung 1.1 der TR bleibt nach Angabe des BSI bis zum Ablauf des 31. Dezember 2027 gültig; Gateways im Feld können noch diesen Stand haben.

Nicht belegt sind die genauen Zugangswege, über die der MSB dem Kunden Kennung und Passwort übergibt, und die tatsächliche Verbreitung der lokalen Anzeigeeinheiten. Bei einer Überarbeitung zu prüfen: die Standardisierung der HAN-Schnittstelle durch BSI und DKE, Änderungen an § 61 MsbG und die Aufnahme neuer CLS-Funktionen in die TR.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. BSI – Technische Richtlinie BSI TR-03109-1, Version 2.0 (13.12.2024), Abschnitte 3.6 bis 3.8 und 3.13bsi.bund.de
  2. BSI – Smart-Meter-Gateway: Architektur mit WAN, LMN, HAN-CON und HAN-CLSbsi.bund.de
  3. Messstellenbetriebsgesetz – § 21 Mindestanforderungen an intelligente Messsystemegesetze-im-internet.de
  4. Messstellenbetriebsgesetz – § 34 Standard- und Zusatzleistungen des Messstellenbetreibersgesetze-im-internet.de
  5. Messstellenbetriebsgesetz – § 53 Auskunftsrechte des Anschlussnutzersgesetze-im-internet.de
  6. Messstellenbetriebsgesetz – § 61 Verbrauchsinformationen für den Anschlussnutzer bei intelligenten Messsystemen und modernen Messeinrichtungengesetze-im-internet.de
  7. Messstellenbetriebsgesetz – § 62 Messwertverarbeitung zu Zwecken des Anlagenbetreibersgesetze-im-internet.de
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