Kurzantwort
IS-U bildet eine Kundenbeziehung in vier Objekten ab, weil vier Fragen auseinanderliegen. Der Geschäftspartner (Tabelle BUT000) beantwortet, wer die Person oder Organisation ist. Das Vertragskonto (FKKVK und FKKVKP) bündelt, wie gezahlt, gemahnt und korrespondiert wird. Der Vertrag (EVER) sagt, welche Sparte, wann und zu welchem Tarif geliefert wird. Die Anlage (EANL) an der Verbrauchsstelle (EVBS) bindet den Vertrag an den technischen Ort. Die Marktlokation, die der Markt kennt, ist ein fünftes Objekt mit eigenem Schlüssel und kein Ersatz für eines der vier.
Warum drei kaufmännische Ebenen
SAP Learning definiert die kaufmännischen Objekte so: Der Geschäftspartner ist eine „person or organization doing business with the company“ und muss für einen Versorgungsvertrag in der Rolle Contract Partner (Vertragspartner) angelegt werden. Das Vertragskonto ist ein Konto, auf dem Buchungen von Verträgen mit denselben Einzugs- und Zahlungsvereinbarungen laufen. Der Vertrag ist eine „agreement concluded between a utility company and one of its business partners with respect to a specific division“ (SAP Learning, Exploring Utilities Data Model).
Daraus folgt die Arbeitsteilung. Die Person bleibt, auch wenn sie umzieht. Das Konto bleibt, wenn sich der Tarif ändert. Der Vertrag endet mit dem Auszug, das Konto kann wegen offener Forderungen weiterlaufen. Wer die Ebenen vermischt, speichert Zahlungsregeln am falschen Ort oder verliert bei einem Umzug die Historie.
Die Kette in IS-U
Was der IS-U-Tabellenkatalog zu den Tabellen festhält:
- BUT000. Kopfdaten des Geschäftspartners für Personen, Organisationen und Gruppen, Schlüssel PARTNER. Das Mandantenfeld heißt hier CLIENT, nicht MANDT.
- FKKVK. Kopfsatz des Vertragskontos, Schlüssel VKONT, mit Kontenart (VKTYP), Bezeichnung und Löschkennzeichen.
- FKKVKP. Partneranteil des Vertragskontos. Schlüssel sind VKONT und GPART; dort steht der Geschäftspartner, optional ein abweichender Zahler (ABWRE), dazu das Mahnverfahren (MAHNV). Wer den Geschäftspartner sucht, liest FKKVKP, wer Kontenart oder Löschkennzeichen prüft, FKKVK.
- EVER. Der Vertrag verweist mit ANLAGE auf die Anlage und mit VKONTO auf das Vertragskonto. Einzugsdatum (EINZDAT) und Auszugsdatum (AUSZDAT) begrenzen das Vertragsverhältnis. Eine Anlage kann über die Zeit mehrere Verträge haben.
- EANL und EVBS. Die Anlage verweist auf die Verbrauchsstelle (VSTELLE), diese auf das Anschlussobjekt (HAUS) und trägt optional den Eigentümer (EIGENT) als Geschäftspartnernummer.
Die Pflege läuft über Transaktionen: Geschäftspartner mit FPP1 und FPP2, Vertragskonto mit CAA1, CAA2 und CAA3, Vertrag mit ES20, ES21 und ES22, der Einzugsbeleg mit EC50E. Laut Katalog wirkt eine Änderung am Vertragskonto auf künftige Belege und Zahlungen, nicht rückwirkend auf gebuchte Posten. Das Anlegen der Objekte in der richtigen Reihenfolge beschreiben Geschäftspartnerdaten in SAP IS-U und Vertragsanlage in SAP IS-U. Die Felder zeigt der Tabellenexplorer.
Kardinalitäten
Nach oben ist alles mehrfach, nach unten eindeutig.
- Ein Geschäftspartner kann mehrere Vertragskonten führen, etwa privat und gewerblich.
- Ein Vertragskonto kann mehrere Verträge tragen, auch für mehrere Sparten.
- Ein Vertrag gehört zu genau einem Vertragskonto und genau einer Anlage.
- Laut Stammdatenatlas steht an der Anlage der Marktlokation der Kunde des Lieferanten mit Vertrag und Vertragskonto.
Ein durchgerechnetes Beispiel mit vier Verträgen, Zweitwohnung, Wärmepumpe und Einspeisung zeigt Mehrere Verträge je Kunde. Das Referenzmodell selbst zeigt der Stammdatenatlas.
Rollen statt Adressvergleich
Gleiche Anschrift heißt nicht gleiche Rolle. In einer Mietwohnung kann der Mieter Vertragspartner sein, der Vermieter Eigentümer der Verbrauchsstelle und ein Dritter Zahler. IS-U trägt das an drei Stellen: Der Vertragspartner ist ein Geschäftspartner in der Rolle MKK (laut SAP-Hilfe muss diese Rolle bis zum 31.12.9999 gültig sein), der Eigentümer steht an der Verbrauchsstelle (EVBS-EIGENT), der abweichende Zahler im Partneranteil des Vertragskontos (FKKVKP-ABWRE). Eine Dublettenprüfung über Name und Adresse kann diese Rollen nicht ableiten.
Welcher Schlüssel gehört wohin
- Geschäftspartner (PARTNER). Intern, identifiziert die Person.
- Vertragskonto (VKONT) und Vertrag (VERTRAG). Intern, kaufmännisch. Kein Marktteilnehmer kennt sie.
- Marktlokation. Die Einheit, auf die sich Marktnachrichten beziehen: Anmeldung, Abmeldung, Zuordnung (siehe Lieferbeginn und Lieferende).
Die Rechnung führt beides zusammen. Sie weist die Verbrauchsstelle mit der Identifikationsnummer der Entnahmestelle aus (§ 40 Abs. 2 Nr. 2 EnWG), und der Vertrag nennt sie ebenso (§ 41 Abs. 1 Nr. 2 EnWG). Intern braucht das System die Verbindung vom Vertrag zur Marktlokation. Als Markt-ID taugt keiner der internen Schlüssel.
Beispiel: Einzug in eine Mietwohnung
Am 01.10.2026 zieht Anna Müller in eine Wohnung in Husum und bestellt Strom beim örtlichen Stadtwerk. Das Stadtwerk prüft zuerst, ob Anna schon als Geschäftspartner existiert. Ist das nicht der Fall, legt es sie mit FPP1 in der Rolle Vertragspartner an.
Für ihre private Stromlieferung eröffnet es ein Vertragskonto mit SEPA-Zahlweg (CAA1). Der Einzugsbeleg (EC50E) erfasst den Einzug zum 01.10.2026 an der Anlage der Wohnung; der Katalog nennt dafür die Tabellen EVER, EANL und EVBS. Der Vertrag hängt am Vertragskonto, das Vertragskonto an Anna.
Die Marktlokation und ihre ID bleiben. Der Netzbetreiber bestätigt den Lieferbeginn, das ändert die Lieferantenzuordnung. Ändert Anna später ihre Bankverbindung, ändert sich das Vertragskonto (CAA2), nicht der Vertrag und nicht die Marktlokation. Zieht sie aus, endet der Vertrag mit dem Auszugsdatum, das Vertragskonto bleibt bei offenen Forderungen bestehen. Ihr Nachmieter bekommt einen eigenen Geschäftspartner (oder einen vorhandenen), ein eigenes Vertragskonto und einen eigenen Vertrag an derselben Anlage.
Fehlerfälle
- Dubletten. Wird dieselbe Person bei einem Umzug neu angelegt, bestehen zwei Geschäftspartner mit getrennten Mahnständen. Eine Zusammenführung darf Verträge, Rechnungen und Zahlungszuordnungen nicht löschen. Die Dublettenprüfung der Adressverwaltung ist eine SAP-Funktion, die hier nicht ausgewertet ist.
- Konto geändert, wo der Vertrag gemeint war. Eine Änderung von Zahlweg oder Mahnverfahren am Vertragskonto trifft alle Verträge des Kontos. Soll nur ein Vertrag abweichen, braucht er ein eigenes Konto. Tarif und Laufzeit gehören an den Vertrag (ES21).
- Vertragskonto als Markt-ID. Marktnachrichten tragen die MaLo-ID. Die Vertragskontonummer dort zu verwenden, scheitert an der Zuordnung.
- Neue Marktlokation wegen Zahlerwechsel. Ein neuer Zahler ändert das Vertragskonto (abweichender Zahler), nicht die Marktlokation.
- Vertragsende löscht Forderung. Das Vertragsende beendet das Vertragsverhältnis. Offene Posten bleiben auf dem Vertragskonto stehen.
- Unbelegt. Welche Tabellen die Kommunikationsdaten (E-Mail, Telefon) und die Beziehungen zwischen Geschäftspartnern führen, ist im Projektkatalog nicht enthalten und hier nicht ausgewertet.
Typische Missverständnisse
„Ein Kunde hat genau ein Vertragskonto.“ Nein. Privat und gewerblich, mehrere Zahler oder Sparten können getrennte Konten verlangen.
„Das Vertragskonto ist der Vertrag.“ Nein. Das Konto bündelt die Zahlung, der Vertrag trägt Sparte, Zeitraum und Anlage.
„Der Geschäftspartner hängt am Vertrag.“ In IS-U hängt er am Vertragskonto (FKKVKP). Der Vertrag erreicht ihn über das Konto.
„Ein Lieferantenwechsel legt einen neuen Kunden an.“ Nein. Er ändert die Lieferantenzuordnung der Marktlokation, nicht die Person im Stammsatz.
„Eine Adresse identifiziert einen Geschäftspartner.“ Nein. Eine Adresse kann mehrere Personen betreffen, eine Person mehrere Adressen haben.
Quellen und Pflegehinweis
Die Begriffe stammen aus SAP Learning, die Tabellen und Felder aus dem IS-U-Tabellenkatalog, die Transaktionen aus der Transaktionswerkbank, die Pflichtangaben aus §§ 40 und 41 EnWG. Customizing und Funktionen hängen vom Release ab und sind gegen das eigene System zu prüfen.
Dieser Artikel erklärt das Modell, die Pflege der Objekte steht in den Artikeln unter SAP Utilities. Das Kardinalitätsbild mit Beispiel liegt in Mehrere Verträge je Kunde, Kontaktdaten und Einwilligungen in Ansprechpartner und Kommunikationsdaten. Begriffe: Geschäftspartner, Vertragskonto, Vertrag.