Kurzantwort
Unter ECC läuft die Marktkommunikation im IS-U-System selbst, mit dem Datenaustausch IDE/IDEX und dem Common Layer als Prozess-Framework. Unter S/4HANA teilt SAP sie auf. Das Geschäftssystem (S/4HANA Utilities) hält die Daten und bearbeitet die fachlichen Schritte. Die Market Communication Cloud (kurz MaCo Cloud, offiziell „SAP Market Communication for Utilities“) bildet die Marktprozesse nach den deutschen Marktregeln ab, überwacht Fristen und tauscht EDIFACT-Nachrichten mit den Marktpartnern aus. Als Prozess-Framework tritt die Application Process Engine (APE) an die Stelle des Common Layers. Ein Lieferantenwechsel besteht dadurch aus zwei verbundenen Prozessdokumenten, eines im Geschäftssystem und eines in der Cloud.
Grundlagen zu beiden Welten: Prozessdokumente im System (ECC-IDEX) und GPKE-Lieferantenwechsel im SAP IS-U. Warum ein Wechsel auf S/4HANA ansteht: Wartungsende ECC und Wege nach S/4HANA.
Drei Stände, ein Auftrag
Die Namen wechseln. Die folgende Tabelle ordnet sie nach SAP-Quellen vom 05.10.2026.
| Stand | Wo die Marktkommunikation liegt |
|---|---|
| ECC mit IDEX-GE | Im IS-U-System. Prozessdokument, ES-Schlüssel und Klärfälle auf Basis des Common Layers (Leitfaden IDEX-GE 2026.08). |
| S/4HANA mit dem Zusatzprodukt Market Process Management (MPM) | Die Simplification List nennt die Komponente IDXGC mit dem „IDEX Global Common Layer 802“. APE und UCOM wurden laut Liste im MPM seit Release 2208 eingeführt. |
| S/4HANA 2025 | APE und UCOM sind laut Simplification List in die Standardkomponente IS-UT integriert. IDXGC ist nicht mehr verfügbar. |
SAP Learning nennt zwei Namen, die für die Orientierung genügen: Die Komponente US4G („Utilities Solution for Germany“, nur für Deutschland) ist der Nachfolger von IDEX und steuert zum Beispiel die GPKE-Lieferbeginnprozesse und die WiM-Prozesse. APE löst den Common Layer ab.
Ältere Prozessstände lassen sich nicht einfach mitnehmen. Der Simplification-Eintrag 13.17.24 verlangt beim Upgrade auf S/4HANA 2025 für Systeme mit IDXGC: alle Prozesse auf APE neu implementieren und aktive Prozesse möglichst vorher schließen, denn nicht migrierte Prozesse gehen beim Upgrade verloren. Für Anwender ist das der wichtigste Punkt dieses Abschnitts: Offene Marktprozesse sind im Umstiegsplan eine eigene Arbeitsliste.
Was wo läuft
SAP Learning beschreibt die Trennung so: Der Verarbeitungsteil läuft in S/4HANA Utilities, der Kommunikationsteil in der MaCo Cloud. Die Cloud hat drei Bausteine: Market Processes (Prozesse nach Marktregeln), Market Messages (EDIFACT per E-Mail oder AS4) und Market Partners (Pflege der Marktpartnerdaten). Die Aufgabenverteilung im Einzelnen:
| Aufgabe | Wo sie liegt |
|---|---|
| Stammdaten, Verträge, Abrechnung | S/4HANA. Die Cloud speichert keine Stammdaten, sie liest sie zu Prozessbeginn und bei Bedarf später aus S/4HANA. |
| EDIFACT-Nachricht erzeugen, versenden, empfangen | Cloud (Baustein Market Message Transfer, MMT). Kanäle: E-Mail, AS2 oder AS4. |
| CONTRL (Syntaxprüfung) und APERAK (erste inhaltliche Prüfung) | Cloud, auch für ausgehende Nachrichten. Tiefere inhaltliche Prüfungen laufen im Marktprozess und in S/4HANA, etwa der Abgleich mit den Stammdaten. |
| Fristüberwachung | Cloud. Läuft ein Termin ab, entsteht je nach Prozess ein Klärfall in S/4HANA, oder der Prozess läuft weiter, etwa mit einer Ablehnung. |
| Klärfälle mit fachlicher Ursache | S/4HANA. Wie bisher über Klärfälle im Business Process Exception Management (BPEM). |
| Ausnahmen mit technischer Ursache, Fehler beim Nachrichteneingang | Cloud, mit eigenen Ausnahmedokumenten und einer Fiori-App für Probleme beim Nachrichtenaustausch. |
| Marktpartnerdaten und Zertifikate | Cloud, dauerhaft gespeichert. |
Zwei Bedienbesonderheiten: Die Cloud läuft nur in SAP Fiori und ist ausschließlich als Public-Cloud-Lösung (SaaS auf der SAP Business Technology Platform) verfügbar. Laut SAP-FAQ verbindet sich die Cloud mit einem SAP-for-Utilities-System auf S/4HANA, das die FAQ als On-Premise-System beschreibt. Mit Fiori verbunden ist auch die APE im Geschäftssystem: Laut SAP Learning sind Customizing und Verarbeitungstransaktionen für Prozessdokumente dort nur noch über Fiori-Apps zugänglich.
Die Dokumente: PDOC und TDOC
APE führt zwei Dokumentarten. Ein Prozessdokument (PDOC) hält den Fortschritt eines Prozesses, ein Transferdokument (TDOC) den Fortschritt einer Nachrichtenübergabe. APE läuft in beiden Systemen. Die Dokumente beider Seiten tragen eine gemeinsame Zugriffsreferenz und sind verknüpft. Wer in einem System sieht, dass ein Prozess hängt, findet auf der anderen Seite die Stelle, an der er stockt. Für Nachrichten zwischen Geschäftssystem und Cloud gilt: Ein Prozess oder Job stößt den Transfer an, APE legt ein TDOC an und stellt es in eine Warteschlange. Das TDOC wird abgearbeitet, die Nachricht läuft zum Gegenüber, dort entsteht wieder ein TDOC. Erst wenn es verarbeitet ist, startet oder läuft der Prozess weiter.
Auch die Massenwerkzeuge ändern sich. Für das Auslösen vieler Prozessdokumente nennt SAP Learning den Report /APE/RP_TRIGGER_PDOC_MASS, als Ersatz für /IDXGC/MASS. Für Transferdokumente gibt es /APE/RP_TRIGGER_TRDOC_MASS. Die Prozessdaten liegen in neuen Tabellen mit anderem Aufbau, etwa /APE/PROC_HDR und /APE/PRST_HDR; sie stehen nicht im IS-U-Katalog des Atlas.
Beispiel: Lieferantenwechsel, Sicht neuer Lieferant
Vereinfachtes Beispiel. Ein Lieferant meldet am Montag, 12.10.2026, eine Marktlokation beim Netzbetreiber an. Nach GPKE Teil 2 sind die Antworten am Dienstag, 13.10.2026, fällig (bis 11:00 Uhr; Einzelheiten im Ablaufatlas). In der Cloud-Variante läuft das so:
Die SAP-Hilfe zur Cloud nennt für diesen Prozess „Starting the Supply for Electricity (SUPN View)“ genau diese Schritte: Das Geschäftssystem schickt den Prozess-Trigger (BM_GPKE_SUP_SOS_TRIG_PROC) mit Lieferszenario, Zählpunkt und weiteren Daten. Die Cloud meldet den Prozessstart zurück und sendet die Registrierung an den Netzbetreiber (UTILMD 55001). Sie kann eine bestehende Zuordnung (UTILMD 55036), die Bestätigung (55002) oder die Ablehnung (55003) empfangen und leitet jeweils Information an das Geschäftssystem weiter. Am Ende steht die Meldung „Prozessende“. Welche Nachrichten die GPKE im Einzelnen vorsieht, steht im Artikel zum Wechsel in 24 Stunden; die Prüfidentifikatoren 55001 bis 55003 führt die AHB-Werkbank.
Was das für den Alltag heißt
Fehlersuche in zwei Schritten. Zuerst: Wo steht das PDOC? Im Geschäftssystem zeigt der Status, ob der Prozess gestartet ist. In der Cloud zeigt die App „Prozessdokumente überwachen“, welche Fristen aktiv sind. Dann: Gibt es eine Meldung über den Nachrichtenaustausch, etwa wegen Anhang, Dateigröße, Verschlüsselung, Absender oder Empfänger?
Fristen schließt man nicht nebenbei. Die FAQ erlaubt es, Fristschritte in der Cloud manuell zu schließen, aber nur in Ausnahmefällen wie Fehlersuche und Testsystemen.
Eigene Logik bleibt im Geschäftssystem. In der Cloud lassen sich weder Apps erweitern noch Nachrichteninhalte ändern. Eigene Prüfungen und Schritte setzt man in S/4HANA an den von SAP vorgesehenen Erweiterungsschritten der Prozesskonfiguration.
Der Nachrichtenverkehr bleibt Aufgabe des Unternehmens. Laut SAP-FAQ stimmt sich SAP Operations nicht mit Marktpartnern ab; fehlende CONTRL-Nachrichten verfolgt der Kunde selbst.
Formatwechsel. SAP aktualisiert die Marktprozesse in der Cloud bei Formatänderungen. Zum Testen zukünftiger Formate bestimmt die Cloud die Prozessversion und lässt in Testsystemen künftige Zeitstempel zu. Den Ablauf im Unternehmen beschreibt Release-Management für die Marktkommunikation.
Umfang und offene Punkte
Die Cloud unterstützt laut SAP Strom und Gas in Deutschland mit den Rollen Messstellenbetreiber (MOS), Netzbetreiber (DSO), Lieferant (SUP) und „Party Responsible for Settlement“ (PRS). Regelwerke: GPKE, MPES, GeLi Gas, WiM, MaBiS und KoV, dazu Abrechnungsprozesse (Netznutzung, Messstellenbetrieb, Mehr-/Mindermengen). Für Wasser und Abwasser ist sie nicht vorgesehen. Auf der S/4HANA-Seite beschreibt das Produkt „SAP S/4HANA Utilities, master data updates option for Germany“ die zugehörigen Geschäftsprozesse und enthält laut Feature-Beschreibung eine Prozessmigration aus ECC für aktive Prozesse.
Nicht belegt und deshalb offen: Lizenz und Kosten, Zeitplan der Einführung, die genaue Verfügbarkeit von IDEX-GE im jeweiligen S/4HANA-Release sowie die Frage, ob und wie lange der klassische Datenaustausch parallel betrieben werden darf. Klar ist aus der Simplification List nur: Die klassische IDE ist laut Eintrag 13.17.26 in Wartung ohne weitere Innovation, während SAP für das Market Process Management die volle Integration mit der Cloud nennt, bei höherem Umsetzungsaufwand.
Typische Missverständnisse
„Die Cloud ersetzt das Abrechnungssystem.“ Sie speichert keine Stammdaten und rechnet nicht. Sie führt Marktprozess und Nachrichten.
„Mit der Cloud entfällt die Klärfallbearbeitung.“ Fachliche Klärfälle bleiben im Geschäftssystem. Nur technische Ausnahmen stehen in der Cloud.
„APE ist ein neuer Name für den Common Layer.“ APE ersetzt ihn laut SAP Learning mit anderem Datenmodell und eigenen Dokumenttabellen. Darum lassen sich Prozesse nicht einfach kopieren.
„Die Cloud steht SAP-fremden Systemen offen.“ Laut FAQ kann sie implizit auch von Fremdsystemen wie einem EDM genutzt werden, sofern die Daten zuvor als Stammdaten in S/4HANA liegen.
Quellen und Pflegehinweis
Architektur und Begriffe aus SAP Learning, Aufgabenverteilung aus der SAP-FAQ zur Cloud, Beispielprozess aus der SAP-Hilfe, Einordnung der Komponenten aus der Simplification List 2025 FPS01 (alle abgerufen am 05.10.2026). Die Nachrichtenfristen stammen aus GPKE Teil 2 (BK6-24-174). Produktnamen und Funktionsumfang ändern sich bei SAP häufig; geprüft wird neu bei einem neuen S/4HANA-Release und bei neuen Fassungen der Feature-Beschreibung. Glossar: IDEX, SAP IS-U.