AnmeldenLernweg starten

SAP Utilities & Betrieb

Wartungsende ECC und Wege nach S/4HANA

Welche Wartungsfristen SAP für ECC 6.0 nennt, welche Wege nach S/4HANA es gibt (Brownfield, Greenfield, selektive Migration), was On-Premise, Private Cloud und Public Cloud unterscheidet und was eine Fachabteilung vorbereiten kann.

Auf dieser Seite8 Abschnitte

Kurzantwort

SAP nennt für die Kernanwendungen der Business Suite 7, zu der SAP ERP 6.0 („ECC“) gehört, Mainstream-Wartung bis Ende 2027. Danach bietet SAP optionale Extended Maintenance von Anfang 2028 bis Ende 2030 gegen einen Aufschlag von zwei Prozentpunkten auf die Wartungsbasis; wer sie nicht wählt, erhält kundenspezifische Wartung. Für den Umstieg beschreibt SAP drei Wege: die Systemkonvertierung (Brownfield), die Neuimplementierung (Greenfield) und die selektive Datenübernahme. Als Betriebsform gibt es On-Premise sowie Private und Public Cloud. Eine Fachabteilung kann vor dem Projekt vier Dinge klären: das Ergebnis des SAP Readiness Check lesen, die Eigenentwicklungen sichten, Daten bereinigen und die Testfälle sammeln.

Der technische Unterschied zwischen beiden Systemen steht in SAP ECC IS-U und S/4HANA Utilities im Vergleich.

Die Fristen laut SAP

Wartungsphasen für die Kernanwendungen von SAP ERP 6.0 (Business Suite 7). Die Extended Maintenance kostet laut SAP zwei Prozentpunkte auf die Wartungsbasis.Quelle: SAP Support, Maintenance Strategy (Abruf 05.10.2026). Ob die Frist für die Branchenlösung IS-U in Ihrem Vertrag gleich lautet, steht in den SAP-Hinweisen 1648480 und 2881788 (Anmeldung nötig).

Die SAP-Seite „Innovation Commitment for SAP S/4HANA until 2040“ (Abruf 05.10.2026) legt fest:

  • SAP stellt Mainstream-Wartung für die Kernanwendungen der Business Suite 7 bis Ende 2027 bereit. Genannt sind SAP ERP 6.0, CRM 7.0, SCM 7.0 und SRM 7.0, jeweils mit den jüngsten drei Erweiterungspaketen.
  • Von 2028 bis Ende 2030 gibt es optional Extended Maintenance. Sie kostet zwei Prozentpunkte auf die Wartungsbasis aller Supportleistungen im Umfang der Business Suite 7.
  • Wer sie nicht wählt oder wessen Extended Maintenance endet, erhält kundenspezifische Wartung.
  • Für S/4HANA gilt die Innovationszusage bis Ende 2040: Bis dahin ist mindestens ein S/4HANA-Release in Wartung.

Dieselbe Seite verweist auf die SAP-Hinweise 2881788 („End of SAP Business Suite 7 mainstream maintenance“), 1648480 („Maintenance for SAP Business Suite 7 software including SAP NetWeaver“) und 52505 („Support after end of mainstream maintenance or extended maintenance“). Alle drei sind nur mit SAP-Anmeldung lesbar.

Offen bleibt hier eines: Die Seite nennt Kernanwendungen. Ob die Frist für die Branchenlösung IS-U in Ihrem Wartungsvertrag genauso lautet und für welchen Stand der Erweiterungspakete sie gilt, belegt dieser Artikel nicht. Das klärt der Blick in die Hinweise 1648480 und 2881788 oder die Rückfrage bei SAP.

Die drei Wege

SAP Learning beschreibt im Kurs „Transitioning to SAP S/4HANA for Utilities“ drei Wege:

Weg Was passiert, wann er passt
Systemkonvertierung (Brownfield) Ein technischer In-Place-Umbau des bestehenden ECC-Systems mit dem Software Update Manager (SUM). Läuft ECC auf einer klassischen Datenbank, kommt die Migration auf HANA hinzu. Passt, wenn die wichtigen Geschäftsprozesse weiter stimmen und Eigencode erhalten bleiben soll.
Neuimplementierung (Greenfield) Frische S/4HANA-Installation, Daten per Migration. Passt, wenn Prozesse neu gestaltet werden, das Quellsystem stark angepasst oder alt ist oder die technische Konvertierung nicht möglich ist.
Selektive Datenübernahme (Landscape Transformation) Wertorientierte Übernahme ausgewählter Daten, etwa nach Buchungskreis oder aus mehreren Systemen. Ein Beratungsangebot von SAP. Passt bei Konsolidierung oder phasenweisem Umstieg.

SAP Learning ordnet die Konvertierung als schnellsten Weg zum Go-live ein („Time to value“) und nennt als Voraussetzung, dass die Relevanz des Eigencodes geprüft ist. Für die Neuimplementierung sprechen laut Lektion Neugestaltung der Prozesse und das Aufräumen veralteter Eigenentwicklungen.

Für IS-U-Daten nennt dieselbe Lektion Migrationswerkzeuge: EMIGALL (Migration Workbench), LTMC/LTMOM, SLO und nZDT. Die SAP-Hilfe beschreibt für IS-U-Objekte EMIGALL; das erläutert Datenmigration. Zur Transaktion EMIGALL führt der Transaktionskatalog.

On-Premise, Private Cloud, Public Cloud

SAP Learning unterscheidet zwei Betriebsmodelle: On-Premise und Cloud, jeweils in Private- und Public-Version. Die Simplification List trägt den Titel „SAP S/4HANA 2025 FPS01 und SAP S/4HANA Cloud Private Edition 2025 FPS01“. Sie gilt also für On-Premise und Private Cloud gleichermaßen.

Die Public Cloud beschreibt SAP Learning mit drei Vorteilen: kein Systemadministrationsaufwand, kein Pflegeaufwand für Eigencode und Modifikationen bei jedem Wartungsereignis und ein neues Release alle drei Monate. Die Bedingung dafür nennt die Lektion selbst: Der Funktionsumfang der Public Cloud muss ausreichen. Wer vollständig auf Standard setzen will, nutzt laut Lektion Best-Practice-Inhalte und geführte Konfiguration und wählt dafür idealerweise die Neuimplementierung, in On-Premise wie in der Cloud. Ob der Funktionsumfang der Public Cloud für ein Energieversorgungsunternehmen ausreicht, ist hier nicht geprüft. Unabhängig vom Betriebsmodell des Kernsystems gibt es für die Marktkommunikation eine Public-Cloud-Lösung von SAP, die Market Communication Cloud. Sie dockt an ein S/4HANA-System an: Marktkommunikation unter S/4HANA.

Was die Fachabteilung vorbereiten kann

Readiness Check lesen. Der SAP Readiness Check analysiert das ECC-System. Aus der SAP-Übersicht (April 2026): Er zeigt die relevanten Simplification-Einträge (Stand: Tabelleninhalte und genutzte Transaktionen) mit Aufwandseinschätzung, prüft Add-ons und aktive Business Functions, schätzt den Speicherbedarf und analysiert Eigenentwicklungen und die Customer-Vendor-Integration. Zugang haben Kunden mit aktivem SAP-Wartungsvertrag über SAP for Me. Die Fachabteilung liest vor allem, welche Utilities-Einträge aus Kapitel 13.17 der Simplification List das eigene System treffen, etwa EC20, die Backlog Reduction Engine oder IDE-Events.

Eigenentwicklungen sichten. Die Custom-Code-Analyse arbeitet laut SAP-Hilfe wahlweise mit dem Custom Code Analyzer, dem ABAP Test Cockpit (ATC) oder der App Custom Code Migration. Die Fachabteilung ordnet jedem Fund zu, ob die Funktion noch gebraucht wird. Nicht mehr benötigter Eigencode muss nicht umgebaut werden. Besonders prüfenswert sind Z-Tabellen und Programme mit der 18-stelligen Materialnummer und Zugriffe auf Objekte, die in der Simplification List stehen.

Daten bereinigen. SAP nennt vor der Konvertierung zwei Dinge. Für den Geschäftspartner müssen die Reports REU_CVI_CUST_LINK und REU_CVI_EKUN_TO_BUT0ID laufen, damit Partner und Kunde verknüpft sind. Für die Tabelle EKLPCI (Late Payment Charge) sagt die Simplification List: prüfen, ob sie Daten enthält; SAP stellt dafür kein Migrationswerkzeug bereit. Allgemein hilft, was SAP Learning als Frage formuliert: Welche Datenqualitätsmaßnahmen lassen sich schon vorab erledigen, und wie wandern archivierte Daten mit?

Tests sammeln. Konvertierung und Neuimplementierung brauchen Regressionstests entlang der Meter-to-Cash-Kette. Die Vorlagen aus Teststrategie für AHB-Änderungen und Tarife testen und produktiv setzen übernehmen Fälle wie Einzug, Auszug, Lieferantenwechsel, Abrechnung und Fakturierung. Dazu kommt ein Testfall, der Marktprozesse in Flug abdeckt: SAP lässt laut Feature-Beschreibung der Market Communication Cloud bestimmte aktive Prozesse im laufenden Betrieb aus ECC migrieren.

Beispiel: Rückwärtsplanung bis Ende 2027

Vereinfachtes Beispiel mit frei angenommenen Dauern. Vom 05.10.2026 bis zum 31.12.2027 sind es knapp 15 Monate.

Schritt Dauer (Annahme)
Readiness Check und Bestandsaufnahme 2 Monate
Bereinigung der Daten und der Eigenentwicklungen 5 Monate
Testkonvertierungen im Testsystem 3 Monate
Fachliche Tests inklusive Marktkommunikation 3 Monate
Cut-over und Hypercare 1 Monat
Summe 14 Monate

Der Puffer beträgt einen Monat. Jede Verschiebung in einem Schritt wandert in diesen Puffer. Deshalb lohnt der Blick auf die Extended Maintenance nur dann, wenn die Planung das Ende 2027 nicht hält.

Typische Missverständnisse

„2027 ist das Ende von ECC.“ Es ist das Ende der Mainstream-Wartung. Extended Maintenance und kundenspezifische Wartung folgen laut SAP.

„Eine Fachabteilung merkt vom Umstieg erst im Test etwas.“ Readiness-Check-Ergebnis, Eigencodeliste und Datenbereinigung brauchen Fachwissen, lange bevor der erste Test läuft.

„Brownfield heißt: nichts ändert sich.“ Auch die Konvertierung ändert Datenmodell und Datenbank und streicht Einträge laut Simplification List. Fiori und CVI kommen mit.

„Cloud heißt automatisch weniger Arbeit.“ Die Vorteile der Public Cloud gelten laut SAP Learning nur, wenn der verfügbare Funktionsumfang ausreicht.

Quellen und Pflegehinweis

Fristen von der SAP-Support-Seite, Wege und Betriebsformen aus SAP Learning, Einträge aus der Simplification List 2025 FPS01, Readiness-Check-Funktionen aus der SAP-Übersicht vom April 2026 (alle abgerufen am 05.10.2026). Nicht belegt und deshalb offen: die IS-U-spezifische Wartungsfrist, Verlängerungsangebote außerhalb der SAP-Support-Seite, der Funktionsumfang von IS-U in der Public Cloud, Kosten. Nächste Prüfung, wenn SAP die Maintenance-Strategie ändert oder ein neues S/4HANA-Release erscheint.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. SAP Support – Innovation Commitment for SAP S/4HANA until 2040 (Maintenance Strategy, Business Suite 7)support.sap.com
  2. SAP Learning – Determining the Distinctive Features of SAP S/4HANA System (Transitioning to SAP S/4HANA for Utilities)learning.sap.com
  3. SAP – Simplification List for SAP S/4HANA 2025 FPS01 (Version 1.36), Kapitel 1.4 und 13.17help.sap.com
  4. SAP – Key Feature Overview SAP Readiness Check (April 2026)help.sap.com
  5. SAP Help – Custom Code Analysis (SAP Readiness Check)help.sap.com
Mein Lernen

Quiz zum Artikel

Teste dein Wissen

5 Fragen zu diesem Artikel, mit Erklärung und Link zurück zur Stelle.

Quiz zum Artikel 5 Fragen

War dieser Artikel hilfreich?