Kurzantwort
Die Artikel-ID kommt aus der Codeliste der Bundesnetzagentur und des BDEW. Was sie bedeutet, wie sie aufgebaut ist und wie die Rechnungsprüfung E_0406 sie beurteilt, steht in Artikel-ID in der Netznutzungsabrechnung. Hier geht es um das System. Auf der Netzbetreiberseite legt SAP die Artikel-ID einer Rechnungsposition über Ermittlungsregeln fest, die auf Merkmalen der Abrechnungsbelegzeile beruhen, und die Preise gehen über einen versionierten Preiskatalog per PRICAT an den Lieferanten. Auf der Lieferantenseite läuft die eingehende INVOIC in einen Rechnungseingangsprozess, der sie mit eigenen Prüfungen nach den Entscheidungsbäumen E_0406 und E_0407 gegen Artikel-ID und Preisblatt prüft. Die Pflegeobjekte heißen im System anders als in der Codeliste; die Wege sind unten beschrieben, soweit die SAP-Hilfe sie belegt.
Wo die Artikel-ID im System entsteht
Die SAP-Hilfe zu IDE für den deutschen Strommarkt beschreibt seit dem 01.01.2023 die Ermittlung der Artikel-ID auf der Rechnungsposition der Netznutzungsabrechnung (What’s New). Nach der Seite zu Sonderrechnungen kann das System die Artikel-ID aus den Attributen der Abrechnungsbelegzeile und aus konfigurierten Ermittlungsregeln bestimmen; zusätzlich wird in der Definition der Artikel-ID gekennzeichnet, ob sie für Sonderrechnungen (SOR) relevant ist (Special Invoices for Grid Usage Billing). Die Artikel-ID ist also Ergebnis einer Ermittlung aus der Belegzeile und kein Feld des Tarifs. Der Weg von der Preisfindung zur Position im Abrechnungsbeleg steht in Tariffindung und Tarifierung und Fakturierung.
Eine weitere Zuordnung dokumentiert SAP für das EnWG-Abrechnungsmodul der Netzentgelte (reduzierte Netzentgelte): Im Einführungsleitfaden liegt unter „Utilities Solutions for Germany, Master Data Updates, Data Mapping for Market Communication“ die Aktivität „Define Article ID Mapping“, dort auch eine Abbildung abhängig von der Abrechnungsvariante, mit Gültigkeitszeilen wie „01.01.2024 bis 31.12.9999, Artikel-ID 1-02-0-016“ (SAP Help, EnWG Billing Module for Grid Usage Charge). Diese Abbildung trägt wie die Codeliste eine Gültigkeit; ein Artikel, dessen Codeliste ein Nutzungsende nennt, braucht ein passendes Ende in der Abbildung.
Preiskatalog und PRICAT
Der Netzbetreiber pflegt die Preise als Preiskatalog mit Version. Die Voraussetzung nach der SAP-Hilfe: Preiskataloge mit Version sind im Einführungsleitfaden unter „Intercompany Data Exchange for German Market, Define Price Catalog“ definiert (Customizing-Baum, Preiskatalog definieren). Der Versand läuft über „Trigger PRICAT Process“ im Menü Intercompany Data Exchange: Sender, Empfänger, Preiskatalog-ID und das Datum, ab dem die Preise gelten. Anhand des Datums bestimmt das System die passende Version, und deren Preise gehen in den Preiskatalog ein (SAP Help, Sending a PRICAT for GPKE). Eine Preisänderung ist daher eine neue Version mit neuem Gültig-ab-Datum, nicht die Änderung eines laufenden Preises. Welche Nachricht welche Angaben trägt, steht in PRICAT und Preisblätter.
Eingehende Rechnung prüfen
Der Lieferant empfängt Rechnungen im Prozess „Receipt of Invoices“. SAP führt dafür die Prüfidentifikatoren der INVOIC auf, zum Beispiel 31002 für die Netznutzungsrechnung (SAP Help, Receiving Invoices). Für die Netznutzungsrechnung gibt es einen eigenen Prüfprozess mit Prüfungen nach den Entscheidungsbäumen E_0406 (Rechnungsprüfung) und E_0407 (erneute Prüfung); SAP nennt diese „DTD-Prüfungen“. Der Lieferant bekommt damit die Antworten, die sein Prozess braucht: akzeptieren oder mit einem Ablehnungsgrund abweisen (Support Package 5). Die Ablehnungsgründe selbst (A84 Artikel-ID nicht gültig, A35 Preis weicht ab, A18 kein Preisblatt) sind in Artikel-ID in der Netznutzungsabrechnung erklärt; die Antwort-Nachricht erklärt REMADV verstehen. Wie Nachrichten im System verfolgt werden, steht in IDoc- und Schnittstellenmonitoring; für den Rechnungseingang führt das Transaktionsverzeichnis INVMON, „Überwachung des Rechnungseingangs“ (erpyourself.net). INVMON gehört nicht zur Transaktionswerkbank dieser Seite und ist hier nur als Name belegt; ob es in deiner IDE-Version die beschriebene Prüfung anzeigt, ist im eigenen System zu prüfen.
Beispiel: Arbeitspreis in einer Position
Vereinfachtes Beispiel: Der Netzbetreiber rechnet eine Marktlokation im Grundpreis-/Arbeitspreissystem ab. Die Codeliste 5.6 führt dafür unter 3.1.2 die Artikel-ID 1-02-0-001 (Grundpreis, €/Tag) und 1-02-0-002 (Arbeitspreis, €/kWh). Das System bestimmt aus der Belegzeile zu „Arbeitspreis“ die Artikel-ID 1-02-0-002 und schreibt sie mit Menge und Preis in die Position der INVOIC (Prüfidentifikator 31002). Beim Lieferanten findet die Prüfung für 1-02-0-002 im Preisblatt der Abrechnungsperiode einen Preis. Weicht er ab, entsteht der Ablehnungsgrund A35. Mengen und Preise sind synthetisch.
Fehlerfälle
- Artikel-ID nicht für den Zeitraum zugelassen. Die Ermittlung liefert eine ID, die in der Codeliste nach einem Nutzungsende nicht mehr gilt. Folge: Ablehnung durch den Lieferanten. Die Gültigkeit der Abbildung bei jedem Codelistenwechsel nachziehen.
- Preiskatalog ohne neue Version. Der Preis steht im System, aber die PRICAT mit dem neuen Gültig-ab-Datum ging nicht raus. Der Lieferant prüft gegen das alte Preisblatt.
- Version und Datum verwechselt. Die PRICAT wird für das falsche Datum ausgelöst; das System wählt dann die falsche Version.
- Prüfung nur in der Rechnung. Ein richtiger Betrag mit falscher Artikel-ID fällt erst in der Prüfung auf, nicht in der Betragskontrolle.
Typische Missverständnisse
„Die Artikel-ID gehört zum Tarif.“ Sie wird aus der Abrechnungsbelegzeile ermittelt. Ein Tarif kann sich ändern, ohne dass sich die Artikel-ID ändert.
„Der Preiskatalog ist Stammdatenpflege wie jede andere.“ Er ist versioniert und geht per PRICAT an Partner. Eine Änderung ohne Versand wirkt nur im eigenen System.
„Wer die Codeliste einhält, hat richtig geprüft.“ Die Rechnungsprüfung prüft auch den Preis gegen das Preisblatt der Periode.
Offen
- Die konkreten Customizing-Aktivitäten zur Ermittlungsregel und zur Definition der Artikel-ID sind hier nur nach der Beschreibung der SAP-Hilfe genannt; die IMG-Pfade im Einzelnen sind nicht übernommen.
- Ob INVMON im jeweiligen Release die E_0406-Prüfung zeigt, ist ungeprüft.
Quellen und Pflegehinweis
Marktregeln: Codeliste der Artikelnummern und Artikel-ID 5.6 und die Entscheidungsbäume 4.3. SAP: SAP-Hilfe zu Intercompany Data Exchange, Billing Enhancements und SAP Market Communication for Utilities, Stand 05.10.2026. Beim nächsten Codelistenwechsel die Gültigkeiten der Abbildung prüfen. Geprüft ist die Dokumentation, nicht ein Kundensystem.