Kurzantwort
Der Vertragspartner ist die Partei eines Vertrags: Er schuldet etwas oder bekommt etwas. Ein Marktpartner ist laut GPKE Teil 1 „ein Marktteilnehmer in einer Rolle“ und tauscht in dieser Rolle standardisierte Nachrichten aus. Ein Lieferant ist beides: Vertragspartner des Kunden und Marktpartner des Netzbetreibers. Der Kunde dagegen ist Vertragspartner, aber kein Marktpartner. Der Netzbetreiber ist Marktpartner des Lieferanten, ohne dessen Liefervertrag mit dem Kunden zu kennen.
Zwei Ebenen für denselben Anschluss
Die Vertragsebene regelt Pflichten zwischen zwei Parteien. Der Liefervertrag zwischen Kunde und Lieferant legt Preis, Laufzeit und Abrechnung fest. Der Lieferantenrahmenvertrag zwischen Lieferant und Netzbetreiber regelt die Netznutzung für viele Marktlokationen zugleich, wie Lieferantenrahmenvertrag verstehen zeigt. Der Messstellenbetrieb hat eigene Verträge: Nach § 9 Abs. 1 MsbG gibt es vier Messstellenverträge, zum Beispiel mit dem Anschlussnutzer und mit dem Netzbetreiber. Der Vertrag mit dem Anschlussnutzer kann im Liefervertrag aufgehen (§ 9 Abs. 2 MsbG); mehr dazu in Messstellenverträge.
Die Nachrichtenebene regelt, wer in welcher Rolle welche Nachricht sendet. Das BDEW-Rollenmodell beschreibt die Marktkommunikation als „administratives Zusammenspiel von Marktteilnehmern“, die in diesem Zusammenhang Rollen oder Marktpartner heißen. Nach GPKE Teil 1 muss jeder Marktteilnehmer „je Marktrolle anhand einer Marktpartner-Identifikationsnummer (MP-ID) eindeutig identifiziert werden“ können. Im Strommarkt ist das die BDEW-Codenummer; sie muss je Rolle eindeutig sein (BDEW Codes).
Daraus folgt ein Prüfmuster für jeden Vorgang:
| Frage (Ebene) | Antwort liefert |
|---|---|
| Wer hat dem Kunden die Lieferung zugesagt? (Vertrag) | Liefervertrag |
| Wer verantwortet in diesem Schritt die Aufgabe? (Rolle) | Prozessbeschreibung: GPKE, WiM, MaBiS |
| Wer ist Absender und Empfänger der Datei? (Nachricht) | MP-ID in UNB und NAD |
Beispiel: Anna wechselt den Lieferanten
Anna Weber zieht zum 1. November 2026 um und schließt am 5. Oktober einen Stromliefervertrag mit Lieferant Grün. Das macht Lieferant Grün zu ihrem Vertragspartner. Im Netz von Netzbetrieb Mitte gehört zu ihrer Wohnung eine Marktlokation.
Lieferant Grün handelt nun in der Rolle LFN (neuer Lieferant). Er sendet an die Rolle NB von Netzbetrieb Mitte eine UTILMD-Anmeldung, Prüfidentifikator 55001. Den Ablauf mit Fristen zeigt der Ablaufatlas Lieferbeginn. Anna selbst sendet keine Nachricht. Sie hat auch keine MP-ID.
Trägt die Anmeldung eine falsche MaLo-ID, lehnt der Netzbetreiber ab (UTILMD 55003, Ablehnung Anmeldung, Näheres in Ablehnungen im Lieferantenwechsel). Annas Vertrag ändert das nicht: Sie bleibt Kundin von Lieferant Grün, der Lieferbeginn im Netz kommt aber erst zustande, wenn Grün die Anmeldung korrigiert. Der Messstellenbetreiber kann in Folgeschritten beteiligt sein. Er wird dadurch nicht zu Annas Vertragspartner für die Lieferung; seine Rolle betrifft das Messen.
Wo beides auseinanderfällt
Marktpartner ohne Kundenvertrag. Der Netzbetreiber nimmt Anmeldungen entgegen, vergibt MaLo-IDs und ordnet Marktpartner zu (BDEW-Rollenmodell). Der Liefervertrag des Kunden ist nicht sein Vertrag.
Vertragspartner ohne Nachrichten. Kunden senden keine Marktnachrichten. Die Marktkommunikation kennt zwar den Energieserviceanbieter des Anschlussnutzers (ESA), der mit Einwilligung des Anschlussnutzers Werte anfragt, das ist aber ein Dienstleister in einer eigenen Rolle, kein Kunde als Absender.
Richtiges Unternehmen, falsche Rolle. Hat ein Stadtwerk Netz und Vertrieb, trägt jede Rolle eine eigene MP-ID. Wer die Anmeldung an die MP-ID der Lieferanten-Rolle schickt statt an die des Netzbetreibers, adressiert die falsche Rolle. Mehr dazu in Ein Unternehmen, mehrere Marktrollen.
Dienstleister als Absender. Ein Dienstleister kann Nachrichten technisch für einen Marktpartner versenden. Die MP-ID in der Nachricht bleibt die des Marktpartners, in dessen Rolle gehandelt wird. Das BDEW-Rollenmodell nennt solche Hilfsfunktionen nicht als eigene Rollen; die Marktrolle bleibt beim Auftraggeber. Dass die Rolle des Dienstleisters im Einzelfall vertraglich geregelt wird, liegt außerhalb der Marktkommunikation.
Stammdaten. Ändert sich die MP-ID eines Marktpartners, muss der Kommunikationspartner sie in seinen Stammdaten nachziehen. Die BDEW-Codenummerndatenbank nennt für jede veröffentlichte ID das Gültigkeitsende; die Veröffentlichung dort ist Voraussetzung, damit eine ID in der Marktkommunikation verwendet werden darf.
In SAP IS-U
Der Kunde ist in SAP IS-U ein Geschäftspartner (BUT000) mit Vertragskonto und Vertrag. Marktpartner führt der Dienstleisterstamm ESERVPROV mit interner Nummer und der in den Nachrichten übertragenen externen Nummer. Laut Tabellenkatalog dieser Seite kann derselbe Marktpartner als Geschäftspartner und als Dienstleister mit verschiedenen Nummern vorkommen. Wer einen Nachrichtenfehler analysiert, sucht die MP-ID im Dienstleisterstamm und nicht die Kundennummer im Vertrag. Tabellen im IS-U-Tabellenexplorer, Begriffe im Glossar.
Typische Missverständnisse
„Marktpartner ist der Kunde.“ Nein. Der Kunde ist Vertragspartner. Eine Rolle mit MP-ID hat er in den Marktprozessen nicht.
„Jeder Vertragspartner ist Marktpartner.“ Nein. Marktpartner wird, wer eine Rolle im Prozess ausübt.
„Eine Firma hat eine MP-ID.“ Nein. Je Sparte und Rolle genau eine.
„Der Marktpartner ist immer Vertragspartner des Kunden.“ Der Lieferant ist es meist. Netzbetreiber und Bilanzkreisverantwortlicher sind es für die Lieferung nicht.
Quellen und Pflegehinweis
Begriffe nach GPKE Teil 1 (Lesefassung BK6-24-174) und BDEW-Rollenmodell Version 2.1; IDs nach BDEW-Anwendungshilfe Identifikatoren Version 1.2 und BDEW Codes; Prüfidentifikatoren nach dem Ablaufatlas (GPKE Teil 2). Geprüft am 4. Oktober 2026. Bei einer neuen Fassung der BNetzA-Festlegungen ist der Prozessablauf im Beispiel abzugleichen.