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AHB, Formate & Datenaustausch

Muss, Kann und Bedingung im AHB

Wie Muss, Soll, Kann und die Bedingungen in eckigen Klammern im Anwendungshandbuch zusammenwirken: Nummernkreise, Verknüpfungen, Pakete und ein echtes Beispiel aus dem UTILMD AHB Strom 2.2.

Auf dieser Seite9 Abschnitte

Kurzantwort

Der AHB-Status (Muss, Soll, Kann) einer Zeile sagt, ob eine Segmentgruppe oder ein Segment verlangt oder erlaubt ist. Eine Bedingung in eckigen Klammern macht diese Aussage abhängig von einer Voraussetzung, schränkt das Format ein, begrenzt die Wiederholung oder gibt nur einen Hinweis. Welche Art von Bedingung vorliegt, erkennst du an der Nummer: [10] ist eine Voraussetzung, [521] ein Hinweis, [931] eine Formatbedingung, [2061] eine Wiederholbarkeit. Mehrere Bedingungen verknüpfen die Zeichen ∧, ∨ und ⊻.

Wie du eine AHB-Tabelle insgesamt liest, steht in AHB lesen und anwenden. Hier geht es um die Bedingungslogik. Sie ist in den Allgemeinen Festlegungen 6.1d (Kapitel 6.3 bis 6.9) definiert und gilt für alle Anwendungshandbücher.

Muss, Soll, Kann

Die Allgemeinen Festlegungen unterscheiden danach, wer eine Bedingung prüfen kann (Kapitel 6.5):

  • Muss [Bedingung]: Ist die Voraussetzung erfüllt, muss das Segment oder die Gruppe angegeben werden. Auch der Empfänger kann das prüfen, denn die Voraussetzung nutzt nur Angaben aus derselben Nachricht.
  • Soll [Bedingung]: Ist die Voraussetzung erfüllt, muss ebenfalls angegeben werden. Prüfen kann das nur der Sender, denn mindestens eine Voraussetzung hängt vom Geschäftsvorfall ab, ohne in der Nachricht zu stehen.
  • Kann [Bedingung]: Ist die Voraussetzung erfüllt, kann angegeben werden. Der Empfänger kann es nicht prüfen. Er darf die Information übernehmen, muss aber nicht.

Ein „Soll“ ist also eine Pflicht, die nur der Absender beurteilen kann, etwa „Referenz auf ursprüngliche Nachricht, wenn der Geschäftsvorfall eine Antwort auf eine Bestellung ist“. Eine Soll-Bedingung enthält deshalb immer mindestens eine Voraussetzung. Hat eine Zeile mehrere Status, etwa „Muss [2]“ und „Soll [3]“, gelten die Status, deren Bedingung erfüllt ist. Trifft keine zu, entfällt das Segment.

Auf Ebene der Datenelemente und Codes gibt der Operand die Nutzung vor: X heißt „wie beim Segment“, M, S und K sind Muss, Soll und Kann nur für dieses Element (Kapitel 6.3). Als Status nennen die Allgemeinen Festlegungen 6.1d nur Muss, Soll und Kann, als Operanden nur X, M, S und K. Andere Kürzel in der AHB-Zelle gibt es nicht.

Die Bedingungen nach Nummernkreis

Die Nummer verrät die Art der Bedingung (Kapitel 6.4):

Nummernkreis und Art Beispiel aus dem UTILMD AHB Strom 2.2
[1] bis [499]: Voraussetzung [10] Wenn SG4 STS+7++xxx+xxx+E01/E03 vorhanden
[500] bis [899]: Hinweis (Text beginnt mit „Hinweis“) [521] Hinweis: Wenn im zweiten DE 9013 des STS+7 der Code ZAP vorhanden ist, …
[901] bis [999]: Formatbedingung (Text beginnt mit „Format:“) [931] Format: ZZZ = +00
[2000] bis [2499]: Wiederholbarkeit [2061] Segmentgruppe ist genau einmal je SG4 IDE (Vorgang) anzugeben
[UB1] bis [UB3]: übergreifende Bedingung für Zeitpunkte [UB1] Beginn- oder Ende-Zeitpunkt eines Tages
[1P] usw.: Paket [9P] Wenn Anmeldung/Änderung befristet

Voraussetzungen, Hinweise und Wiederholbarkeiten haben je Nachrichtentyp immer dieselbe Nummer, auch in verschiedenen AHB. Formatbedingungen sind sogar über alle Nachrichtentypen hinweg gleich nummeriert. Ein Hinweis ist nie Teil der einzuhaltenden Voraussetzung: Auch wenn er wie eine Voraussetzung klingt, stellt er nur einen Hinweis dar.

Verknüpfungen mit ∧, ∨ und ⊻

Stehen mehrere Bedingungen an einer Zeile, verbinden sie diese Operatoren (Kapitel 6.4.6):

Zeichen Bedeutung
∧ (UND) beide Seiten müssen erfüllt sein
∨ (ODER) mindestens eine Seite muss erfüllt sein
⊻ (XODER) genau eine Seite darf erfüllt sein

Runde Klammern legen die Reihenfolge fest, sobald verschiedene Operatoren vorkommen. Zwei Besonderheiten: Zwischen Formatbedingungen und Voraussetzungen steht kein Operator, die Format-Aussage gilt dann, wenn die Voraussetzung erfüllt ist. Und die Verknüpfung von Hinweisen wie „X [519] ∧ [520]“ beim Code ZAP prüft nichts, denn beide sind Hinweise.

Die übergreifende Bedingung [UB1] zeigt das Muster. Sie steht als ([931] ∧ [932] [490]) ⊻ ([931] ∧ [933] [491]) in den Allgemeinen Festlegungen und heißt aufgelöst: Liegt der Zeitpunkt in der Sommerzeit ([490]), ist HHMM = 2200 ([932]) zu verwenden, liegt er in der Winterzeit ([491]), HHMM = 2300 ([933]). In beiden Fällen gilt ZZZ = +00 ([931]). Gemeint sind Zeitpunkte, die einen Tag nach deutscher Zeit beginnen oder beenden, ausgedrückt in UTC.

Pakete: [1P] und [9P0..1]

Müssen mehrere Codes desselben Datenelements gemeinsam oder wiederholt auftreten, ordnet das AHB sie Paketen zu. Das Kennzeichen lautet [kPn..m]: k ist die Paketnummer, n die kleinste und m die größte Zahl der Wiederholungen, n gleich 0 heißt optional. Die Pakete mit ihren Voraussetzungen listet jedes AHB in einer Paketübersicht. So lautet im UTILMD AHB Strom 2.2 [9P] „Wenn Anmeldung/Änderung befristet“ (Voraussetzung [37]). Beim Transaktionsgrund E03 „Wechsel“ steht darum „S [9P0..1]“: Soll, Paket 9, null- bis einmal.

Ein Beispiel Schritt für Schritt

Die Zeile „Ende zum“ der Anmeldung 55001 trägt „Muss [10]“. Die Bedingung [10] verlangt ein zweites Transaktionsgrund-Kennzeichen für die befristete Anmeldung, und genau dieses vergibt der Sender als Soll (Paket [9P0..1]).

Eine Zeile Schritt für Schritt: Aus „Muss [10]“ wird eine Entscheidung, die der Absender aus der eigenen Nachricht ableitet. Das Datum 1. November 2026 ist ein erfundenes Beispiel.UTILMD AHB Strom 2.2, Abschnitt 8.2, Seite 72 (Zeile und Bedingung [10]); Allgemeine Festlegungen 6.1d, Kapitel 3.8 (UB1) und 6.5.

Ob die Anmeldung befristet ist, steht im Vertrag und nicht in der Nachricht. Deshalb ist der Transaktionsgrund E03 für die Befristung ein Soll, das nur der Lieferant beurteilen kann. Der Netzbetreiber prüft danach das Muss: Fehlt bei gesetztem zweiten Code das Vertragsende, ist die Nachricht fehlerhaft. Welche Fehlermeldung er dann zurückgibt, steht in Fehlercodes analysieren.

Typische Fehler

Unbekannt wie „nein“ behandelt. Ist unklar, ob eine Voraussetzung vorliegt, muss das Quellsystem die Antwort liefern. Eine stillschweigende Annahme unterschlägt bei einem Muss das Segment.

Hinweis als Prüfung gebaut. Ein Hinweis wie [521] erklärt, wie ein Wert zu verstehen ist. Er löst kein Segment aus.

Segment geprüft, Gruppe vergessen. Der Status eines Segments gilt nur, wenn die Gruppe darüber eröffnet wurde. Das AHB-Beispiel in den Allgemeinen Festlegungen trägt dafür eine Segmentgruppe „Kann“ mit „Muss“-Segmenten darin: Nutzt du die Gruppe, sind die Muss-Segmente Pflicht.

Nummer aus einem anderen Nachrichtentyp übernommen. Voraussetzungen, Hinweise und Wiederholbarkeiten sind je Nachrichtentyp nummeriert. Nur Formatbedingungen gelten über alle Nachrichtentypen.

Werkzeuge

Die AHB-Werkbank zeigt die Bedingungstexte im Klartext je Prüfidentifikator. Für Fassungen ab Oktober 2025 gilt aber nur das amtliche PDF. Wie Prüfidentifikatoren zugeordnet werden, erklärt Prüfidentifikatoren verstehen; die Struktur der Nachricht liefert die MIG.

Quellen und Pflegehinweis

Die Regeln stammen aus den Allgemeinen Festlegungen 6.1d (Kapitel 3.8 und 6), das Beispiel aus dem UTILMD AHB Strom 2.2, Seiten 71 bis 73. Geprüft am 05.10.2026. Der Nummernkreis und die Operatoren sind Teil der jeweiligen Fassung der Allgemeinen Festlegungen; vor einer Umsetzung zum Stichtag gilt die dort jeweils gültige Fassung.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. BDEW – Allgemeine Festlegungen zu den EDIFACT- und XML-Nachrichten 6.1d, Kapitel 3.8 und 6 (Stand 01.04.2026)bundesnetzagentur.de
  2. BDEW – UTILMD Anwendungshandbuch Strom 2.2, Abschnitt 8.2 (Stand 01.04.2026)bundesnetzagentur.de
  3. Bundesnetzagentur – Mitteilung Nr. 56 zu den Datenformaten (verbindlich ab 01.10.2026)bundesnetzagentur.de
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