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Belieferung & Marktprozesse

MaLo, MeLo, NeLo und Ressource

Die vier Lokationen und zwei Ressourcen der Marktkommunikation im Überblick. Welche Frage jedes Objekt beantwortet, wie ihre IDs aussehen, wer sie vergibt und wie sie zusammenhängen, mit Wegweisern in die Detailartikel.

Auf dieser Seite8 Abschnitte

Kurzantwort

Die Marktkommunikation unterscheidet fünf Objekte, wo ein Laie von „der Zählstelle“ spricht. Die Marktlokation (MaLo) ist die Einspeise- oder Entnahmestelle, an der beliefert und bilanziert wird. Die Messlokation (MeLo) ist der Ort der Messung. Die Netzlokation (NeLo) ist der Netzanschluss. Die technische Ressource (TR) ist die einzelne Einheit, die erzeugt oder verbraucht, die steuerbare Ressource (SR) fasst technische Ressourcen zusammen, die gemeinsam gesteuert werden. GPKE Teil 1 nennt alle fünf zusammen „Lokation“.

Jedes Objekt hat eine eigene, dauerhafte ID. Welche Nachricht auf welches Objekt zeigt, entscheidet, wo im System die Verarbeitung ansetzt: Ein Lieferantenwechsel betrifft die Marktlokation, ein Zählertausch die Messlokation, ein Umbau am Hausanschluss die Netzlokation.

Die Objekte auf einen Blick

Vier Lokationen und zwei Ressourcen. Die Netzlokation ist der Netzanschluss, die Marktlokation der Ort der Belieferung, die Messlokation der Ort der Messung. Technische Ressourcen hängen an der Marktlokation, steuerbare Ressourcen bündeln sie.Beziehungen nach GPKE Teil 1, Kapitel 3. ID-Aufbau nach der BDEW-Anwendungshilfe „Identifikatoren in der Marktkommunikation“.

Die Pfeile lesen sich so: Die Messwerte der Messlokation gehen in die Marktlokation ein. Technische Ressourcen sind genau einer Marktlokation zugeordnet, und die Netzlokation fasst die Marktlokationen zusammen, die über dieselbe Leitung am Netz hängen. Zähler und Zählwerke sind Geräte in der Messlokation und keine Lokationen.

Objekt Frage ID
Marktlokation Wo wird beliefert und bilanziert? 11 Ziffern
Messlokation Wo wird gemessen? 33 Zeichen, DE…
Netzlokation Wo hängt der Anschluss am Netz? 11 Zeichen, E…
Technische Ressource Welche Einheit erzeugt oder verbraucht? 11 Zeichen, D…
Steuerbare Ressource Was wird gemeinsam gesteuert? 11 Zeichen, C…

Die ID-Formate stehen in der BDEW-Anwendungshilfe Identifikatoren. Die MaLo-ID ist rein numerisch, die NeLo-, TR- und SR-ID sind alphanumerisch mit einem Buchstaben als Typkennung an Stelle 1. An der letzten Stelle steht jeweils eine Prüfziffer, nach dem Lok-und-Waggon-Verfahren bei der MaLo-ID und nach dem ASCII-Verfahren bei den übrigen. Die Rechnung steht bei der Marktlokation.

Wer die IDs vergibt

  • MaLo-ID: Der Netzbetreiber ordnet sie zu. Die Nummern geben die Energie Codes und Services GmbH (BDEW) oder die DVGW Services und Consult GmbH aus.
  • MeLo-ID: Das ist die Zählpunktbezeichnung nach VDE-AR-N 4400. Der Netzbetreiber vergibt sie (GPKE Teil 1, Kapitel 3.3).
  • NeLo-ID und TR-ID: Die Energie Codes und Services GmbH gibt die Nummern aus, der Netzbetreiber ordnet sie zu. Es gibt sie nur, wenn das Objekt für die Marktkommunikation relevant ist. Die NeLo-ID gibt es seit dem 15. Februar 2023, eingeführt mit BK6-22-128.
  • SR-ID: Nach GPKE Teil 1 ordnet der Netzbetreiber sie zu. Die BDEW-Anwendungshilfe nennt für Redispatch 2.0 den Einsatzverantwortlichen. Welche Regel im Einzelfall gilt, klärt Netzlokation und technische Ressource.

Alle diese IDs bleiben unverändert, solange das Objekt besteht, auch bei einem Netzbetreiberwechsel und bei baulichen Änderungen am Anschluss.

Wie die Objekte zusammenhängen

Die GPKE Teil 1 legt die Beziehungen in Kapitel 3 fest.

  • Marktlokation zu Messlokation: 1:1, 1:n, n:1 oder 0:1. Bei 1:n ergeben mehrere Messlokationen zusammen die Menge der Marktlokation, bei n:1 dient ein Zweirichtungszähler einer verbrauchenden und einer erzeugenden Marktlokation, bei 0:1 gibt es keine Messung (Pauschalanlage, nur bei verbrauchenden Marktlokationen).
  • Netzlokation zu Marktlokation: Eine Netzlokation verbindet eine oder mehrere Marktlokationen über genau eine Leitung mit dem Netz, unabhängig von der Energieflussrichtung.
  • Technische Ressource zu Marktlokation: Jede technische Ressource gehört genau einer Marktlokation. Nur eine Einheit, die verbraucht und erzeugt, etwa ein Batteriespeicher, gehört zu zwei.
  • Steuerbare Ressource zu technischer Ressource: Eine steuerbare Ressource fasst eine oder mehrere technische Ressourcen zusammen.

Eine Marktlokation erzeugt oder verbraucht, nie beides. Ein Haus mit PV-Überschusseinspeisung hat deshalb zwei Marktlokationen. Welche Messlokationen, Netzlokationen und Ressourcen zusammengehören, fasst das Lokationsbündel zusammen. „Anlage“ ist in diesem Modell kein Objekt, warum nicht, erklärt Die Anlage, Erzeugung, Verbrauch und Ressource.

Tranche: ein Anteil, keine Marktlokation

Eine Tranche ist der prozentuale Anteil der Einspeisung einer erzeugenden Marktlokation. Die Anteile aller Tranchen einer Marktlokation ergeben zusammen 100 Prozent. Jede Tranche hat eine eigene MaLo-ID, ist aber ausdrücklich keine Marktlokation. Der BDEW-Foliensatz nennt zwei Anlässe: Die Einspeisung soll auf verschiedene Bilanzkreise gebucht oder von verschiedenen Marktpartnern abgenommen werden, etwa bei teilweiser Direktvermarktung. Mit Zeit hat die Tranche nichts zu tun, sie teilt die Menge, nicht den Zeitraum. Die Regeln stehen in Die Marktlokation.

Beispiel: Haus mit PV-Überschusseinspeisung

Ein Haus bezieht Strom aus dem Netz und speist den PV-Überschuss ein. Ein Zweirichtungszähler erfasst beide Richtungen. Die IDs stammen aus dem Musterhaus des UTILMD-Anwendungshandbuchs Strom 2.2, Kapitel 7.3.

  • Netzlokation: E1688117482
  • Marktlokation Bezug (verbrauchend): 20072281644
  • Marktlokation Einspeisung (erzeugend): 20062281646
  • Messlokation, Zweirichtungszähler: DE00713739359S0000000000001222221

Aus den beiden Zählwerken des Zweirichtungszählers, 1.8.0 (Bezug) und 2.8.0 (Einspeisung), entstehen die Mengen der beiden Marktlokationen.

Drei Vorgänge, drei Objekte. Wechselt das Haus den Lieferanten, ändert sich die Zuordnung an der Marktlokation Bezug, Zähler und Netzanschluss bleiben. Tauscht der Messstellenbetreiber den Zähler, ändert sich das Gerät in der Messlokation, die MeLo-ID bleibt, und der Lieferant bleibt auch. Baut der Netzbetreiber den Hausanschluss um, bleibt die NeLo-ID gleich. Ein System, das nur „eine Zählstelle je Kunde“ kennt, kann diese Vorgänge nicht trennen. Wie die Objekte in SAP IS-U aufeinander abgebildet werden, zeigt der Stammdatenatlas, die Tabellen stehen im Tabellenexplorer.

Typische Missverständnisse

„Die Marktlokation ist der Zähler.“ Der Zähler ist ein Gerät in der Messlokation. Die Marktlokation ist ein Abrechnungs- und Bilanzierungsort ohne Gerät.

„Die Netzlokation beschreibt die Netzebene.“ Sie ist der Netzanschluss: der Punkt, an dem eine oder mehrere Marktlokationen über genau eine Leitung am Netz hängen. Die Spannungsebene ist ein Datum des Anschlusses, nicht der Inhalt des Objekts.

„Bezug und Einspeisung laufen über dieselbe Marktlokation.“ Eine Marktlokation erzeugt oder verbraucht. Beide Richtungen brauchen zwei Marktlokationen, sie können dieselbe Messlokation haben.

„Eine Tranche ist ein zeitlich begrenzter Teil einer Marktlokation.“ Sie ist ein prozentualer Anteil der Einspeisung, keine Zeitscheibe.

„Jede Marktlokation hat eine Netzlokation.“ Die NeLo-ID wird nur vergeben, wenn die Netzlokation für die Marktkommunikation relevant ist.

Quellen und Pflegehinweis

Definitionen und Beziehungen folgen der Lesefassung der GPKE Teil 1 zu BK6-24-174, die ID-Formate der BDEW-Anwendungshilfe Identifikatoren 1.2 vom 07.02.2025, die Einführung der Netzlokation dem Beschluss BK6-22-128. Die Beispiel-IDs sind Musterwerte aus dem Anwendungshandbuch, keine echten Lokationen. Vor der Umsetzung den aktuellen Stand auf edi-energy.de prüfen. Abgerufen am 4. Oktober 2026.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. Bundesnetzagentur – GPKE Teil 1, Lesefassung (BK6-24-174), Kapitel 3 Beteiligte Rollen, Objekte und Begriffsbestimmungenbundesnetzagentur.de
  2. BDEW – Anwendungshilfe „Identifikatoren in der Marktkommunikation“, Version 1.2bdew.de
  3. Bundesnetzagentur – Beschluss BK6-22-128 vom 21.11.2022 (Einführung der Netzlokation)bundesnetzagentur.de
  4. BDEW – Foliensatz „Marktlokation und Messlokation. Grundlagen und Anwendungsbeispiele“, Version 1.4 (Tranche, Folien 39 bis 42)bdew.de
  5. EDI@Energy – UTILMD Anwendungshandbuch Strom 2.2 (Stand 01.04.2026, gültig ab 01.10.2026), Kapitel 7.3 Musterhausbundesnetzagentur.de
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