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AHB, Formate & Datenaustausch

UNH, UNT und die EDIFACT-Nachrichtenstruktur

Eine UTILMD-Datei Zeile für Zeile zerlegt: Umschlag UNB bis UNZ, Nachricht UNH bis UNT, Segmentzähler, Referenzen und die Frage, wie viele Nachrichten und Vorgänge in eine Datei dürfen.

Auf dieser Seite8 Abschnitte

Kurzantwort

Eine Marktnachricht liegt in zwei Hüllen. Der Umschlag der Übertragungsdatei beginnt mit UNB und endet mit UNZ, davor kann UNA stehen. Darin liegt die Nachricht von UNH bis UNT. UNH trägt eine Nachrichtenreferenz und die Kennung des Nachrichtentyps samt Version, UNT die Zahl der Segmente der Nachricht und dieselbe Referenz. UNZ zählt die Nachrichten der Datei und wiederholt die Datenaustauschreferenz aus UNB. Diese Wiederholungen dienen dem Empfänger als Kontrolle, dass nichts abgeschnitten wurde.

Die Datei im Überblick

Das folgende Beispiel ist aus den Beispielzeilen der Dokumente zusammengesetzt und fachlich unvollständig. Es zeigt den Aufbau.

Eine Übertragungsdatei mit einer Nachricht. Links die Zeile, rechts oder darunter, was sie sagt.Zusammengestellt aus den Beispielzeilen von Allgemeine Festlegungen 6.1d und UTILMD MIG Strom S2.2; IDs und Referenzen frei gewählt, fachlich unvollständig.

Die Hierarchie von außen nach innen: Übertragungsdatei, Nachricht, Segmentgruppe, Segment, Datenelementgruppe, Datenelement. Die Allgemeinen Festlegungen stellen sie in Kapitel 2.20 (S. 23 bis 24) als Abbildung dar. UNG und UNE, die Klammer um Nachrichtengruppen, kommen in der Marktkommunikation nicht vor. Eine Übertragungsdatei enthält daher nur Nachrichten des gleichen Typs.

UNB und UNZ: der Umschlag

Die Festlegungen vergleichen UNB mit einem Briefumschlag: Er trägt Absender und Empfänger, aber nicht den Inhalt (S. 50). Die Datenelemente laut Kapitel 5 (S. 50 bis 52):

  • S001: Syntax-Kennung UNOC und Syntaxversion 3.
  • S002 und S003: Absender und Empfänger der Datei, je mit MP-ID und Qualifier (14 = GS1, 500 = BDEW, 502 = DVGW).
  • S004: Datum (JJMMTT) und Uhrzeit (HHMM) der Erstellung, in UTC.
  • 0020: die Datenaustauschreferenz, höchstens 14 Zeichen, vom Absender vergeben.
  • 0026, 0035: optional. Die Anwendungsreferenz kennzeichnet den Datentyp (bei MSCONS erforderlich), das Test-Kennzeichen 1 markiert eine Testdatei.

Das Beispiel der Festlegungen für ein vollständiges UNB steht auf S. 51:

UNB+UNOC:3+4012345678901:14+4012345678901:14+211224:1815+ABC0815++EM++++1'

UNZ schließt die Datei. Es enthält im ersten Element die Zahl der Nachrichten in der Datei (ohne Nachrichtengruppen) und im zweiten die Datenaustauschreferenz aus UNB. Beispiel: UNZ+1+ABC0815' (S. 52). Der Empfänger verbindet die Referenz mit der Absenderkennung, weil ein anderer Absender dieselbe Referenz wählen könnte.

UNH: der Nachrichtenkopf

UNH steht am Anfang jeder Nachricht, im MIG ist es Segment 00003, Ebene 0, Muss, einmal (UTILMD MIG Strom S2.2, S. 26). Seine Elemente:

  • 0062 Nachrichtenreferenz: höchstens 14 Zeichen. „Eindeutige Nachrichtenreferenz in einer Nachricht des Absenders“; sie ist identisch mit DE0062 im UNT und wird in der Regel vom sendenden Konverter vergeben.
  • S009 Nachrichten-Kennung: Nachrichtentyp (UTILMD), Versionsnummer des Nachrichtentyps (D), Freigabenummer (11A), verwaltende Organisation (UN) und der Anwendungscode der BDEW-Nachrichtenbeschreibung, im Beispiel S2.2.
  • 0068, S010: nur bei großen Listen, die auf mehrere Nachrichten verteilt werden.

Aus dem Anwendungscode erkennt der Empfänger, nach welcher MIG-Fassung die Nachricht gebaut ist. Die MIG zeigt ihn im Beispiel:

UNH+1+UTILMD:D:11A:UN:S2.2+UNB_DE0020_nr_1+1:C'
UNH+2+UTILMD:D:11A:UN:X.Yz+UNB_DE0020_nr_1+2'
UNH+3+UTILMD:D:11A:UN:X.Yz+UNB_DE0020_nr_1+3:F'

Die drei Zeilen gehören laut MIG (S. 26) zu einer Zuordnungsliste, die auf drei Nachrichten aufgeteilt wurde. 1:C steht für Beginn (Creation), 3:F für Ende (Final). Das dritte Element verweist über die Datenaustauschreferenz auf die erste Datei der Serie. Jede dieser Nachrichten wird in einer eigenen Übertragungsdatei übertragen. Ohne Aufteilung lautet das UNH UNH+4+UTILMD:D:11A:UN:X.Yz'.

UNT: Zähler und Referenz

UNT schließt die Nachricht und ist laut MIG immer das letzte Segment (Nr. 00505, S. 545). Es hat zwei Datenelemente:

  • 0074: „Gesamtzahl der Segmente einer Nachricht“, bis zu sechs Ziffern.
  • 0062: die Nachrichtenreferenz aus UNH.

Das MIG-Beispiel lautet UNT+354+1'. Nach der Syntaxnorm ISO 9735 zählt der Zähler alle Segmente von UNH bis UNT einschließlich beider. Das zeigt die Beispieldatei oben: UNH, BGM, DTM, zwei NAD, IDE und UNT ergeben UNT+7+1'. Trenner und Zeilen zählen nicht, Segmente in Segmentgruppen schon.

Der Zähler sichert nur den Umfang. Er sagt nichts darüber, ob die Segmente an der richtigen Stelle stehen und ob die Werte stimmen; das prüfen MIG und AHB.

Wie viele Nachrichten und Vorgänge in eine Datei dürfen

Kapitel 2.20 (S. 24 bis 26) legt je Nachrichtentyp fest, ob mehrere Nachrichten in einer Datei stehen dürfen und ob eine Nachricht mehrere Geschäftsvorfälle tragen darf:

  • UTILMD: nein, eine Nachricht je Datei. Mehrere Geschäftsvorfälle ja, je Vorgang. Ein Vorgang beginnt mit einem IDE-Segment. Gibt es IDE+Z01 (Liste), stellt dieses den Geschäftsvorfall dar, und die darin aufgelisteten IDE+24 sind eigenständige Vorgänge der Liste.
  • MSCONS: ja, nur sortenrein.
  • INVOIC: ja.
  • APERAK: ja bei BGM-Code 312, nein bei 313.
  • COMDIS und CONTRL: nein.

Daraus folgt: Bei UTILMD zeigt UNZ immer 1, während UNT die Segmente aller Vorgänge der Nachricht zählt. Die Festlegungen verlangen außerdem, Vorgänge zu bündeln: Anmeldungen und Kündigungen sind über einen Tag oder einen anderen angemessenen Zeitraum zu sammeln und in einer UTILMD-Nachricht je Empfänger zu versenden. Einzelversand ist zu vermeiden (Kapitel 2.9, S. 15).

Fehlerfälle

  • UNT-Zähler weicht ab: Die Nachricht wurde abgeschnitten, verändert oder falsch erzeugt. Ein Strukturfehler, der vor jeder fachlichen Prüfung auffällt.
  • Referenz in UNT oder UNZ stimmt nicht mit UNH oder UNB überein: Anfang und Ende der Datei gehören nicht zusammen.
  • Datenaustauschreferenz doppelt: Sie darf vom Absender innerhalb von 10 Jahren nicht erneut vergeben werden, auch nicht bei korrigierter Wiederholung nach Ablehnung. Wird eine Datei wegen Nichtempfang erneut gesendet, bleibt die Referenz (S. 51).

Wie Syntaxfehler und fachliche Ablehnungen zurückgemeldet werden, steht in CONTRL und APERAK. Wer eine Nachricht selbst zerlegen möchte, findet in der AHB-Werkbank die Nachrichtenanalyse.

Typische Missverständnisse

„UNH und UNT umschließen die ganze Datei.“ Sie umschließen eine Nachricht. Die Datei beginnt mit UNB (und gegebenenfalls UNA) und endet mit UNZ.

„UNT zählt Zeichen oder Datenelemente.“ Es zählt Segmente.

„UNH und UNB sind austauschbar.“ UNB beschreibt Absender, Empfänger und Zeitpunkt der Datei, UNH die Nachricht darin.

„Der Nachrichtentyp bestimmt den Prozess.“ Nein. Eine UTILMD trägt viele Vorgänge; welcher es ist, steht im AHB-Anwendungsfall, erkennbar am Prüfidentifikator (Prüfidentifikatoren).

Weiter: Trennzeichen und Zeichensatz, Einen MIG lesen, Glossar: MIG, Segment.

Primärquellen zum Nachlesen

  1. BDEW / EDI@Energy – Allgemeine Festlegungen zu den EDIFACT- und XML-Nachrichten, Version 6.1d (Publikation 01.04.2026)bundesnetzagentur.de
  2. BDEW / EDI@Energy – UTILMD Nachrichtenbeschreibung (MIG) Strom, Version S2.2bundesnetzagentur.de
  3. Bundesnetzagentur – Mitteilung Nr. 56 zu den Datenformaten (verbindlich ab 01.10.2026)bundesnetzagentur.de
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